• Aggressive Zwangsgedanken

    Hallo zusammen, hat jemand hier im Forum auch aggressive Zwangsgedanken? Ich würde mich gerne austauschen. Ich leide so sehr momentan und halte es kaum aus. Ich habe grosse Angst, unabsichtlich etwas schlimmes zu tun und dann ins Gefängnis zu gehen und alles zu verlieren (Familie, Freundin, Arbeit). Mein Psychiater ist im Urlaub und ich habe die Dosierung…
  • 41 Antworten

    Ich war am absetzen, nachdem ich mehrere Jahre ohne Symptome war.


    1 Monat nach der letzten Reduktion auf 2 mg sind die Zwänge wieder so erstarkt dass ich den ganzen Tag nur noch an ein Ereignis von anfangs Woche denken muss. Und das belastet mich sehr.

    Ich habe gestern mit einem Notfallpsychiater telefoniert und er meinte ich soll auf 10 mg hochdosieren, was ich schliesslich getan habe.

    Wenn es Dir mit 10 mg davon gut geht, dann ist das wohl erstmal die beste Lösung. Ist ja noch eine eher niedrige Dosierung.

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    du musst deinem gehirn einfach vertrauen. wenn du etwas schlimmes getan hättest, dann hätte dein gehirn entsprechende neuronale Verknüpfungen erstellt, die du dann in form von erinnerungen an dieses ereignis abrufben könntest.


    wenn du keine erinnerungen an so etwas hast, hat da auch nichts stattgefunden.

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    Ich habe jetzt gestern und heute 10 mg genommen und denke immer noch an etwas, was ich vielleicht getan haben könnte.


    Allerdings bin ich heute einwenig ruhiger als vorgestern und gester.

    rr2017 schrieb:

    Hast Du Erfahrungen mit Zwängen?

    zugegebenermaßen nicht. aber ich denke trotzdem, dass es wichtig ist, sich den Hintergrund vor augen zu führen.

    bobi791 schrieb:

    und denke immer noch an etwas, was ich vielleicht getan haben könnte.

    was ist das denn, dass du meinst getan zu haben?

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    rr2017 schrieb:

    Wenn es Dir mit 10 mg davon gut geht, dann ist das wohl erstmal die beste Lösung. Ist ja noch eine eher niedrige Dosierung.

    ja und wenn es nicht bessert muss ich wohl noch mehr erhöhen. (In Absprache mit dem Arzt)

    bobi791 schrieb:

    der Zwang spielt meinem Gedächnis einen Streich, das ist das Gemeine daran.

    Natürlich macht er das. Du wirst solange herumkatastrophieren bis Du Dir fast sicher bist, dass da etwas hätte passieren können. Und aus der eigentlich 0% wird eine 0,0001% Chance, dass etwas passiert ist und die ist schon schlimm genug da Du das ja gar nicht tun willst.


    Die Begründung von going (Du würdest das schon merken wenn es passiert) ist eine gute Herangehensweise aber mangelndes Selbstvertrauen gibt dem Zwang Raum. Wenn Du dem Zwang nachgibst, ärgerst Du Dich darüber, dass Du nicht so stark warst, dem Zwang wieder erlegen warst und das verschlechtert das Selbstvertrauen noch weiter. Beim nächsten Zwang hast Du dann noch weniger Chancen.


    Daher brauchst Du therapeutische Hilfe um da auszubrechen. Man arbeitet sich genauso andersrum langsam wieder heraus. Man schafft es einen Zwang loszuwerden, findet sich gut damit ab und ist beim nächsten Zwang schon skeptischer ob man den wirklich benötigt.

    ich weiss dass ich keine bestätigung suchen soll. Mit medikamenten klappt das auch hervorragend. Ohne medikamente jedoch ist es sehr schwierig, die gedanken zu kontrollieren und nicht zu neutralisieren.

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    Langfristig wird es auch ohne Medikamente gehen (falls Du befürchtest Du bist nun Dein restliches Leben "abhängig" davon). Je nach Fallschwere kann es schon erforderlich sein, sie lange nehmen zu müssen, es gibt sicher auch Leute die es ein Leben lang tun. Da muss man auch Nutzen und Nebenwirkungen gegenüberstellen. Ob ein bisschen Schwitzen einer 100% zwangsbestimmten Alltag gegeüber steht oder Hautausschläge am ganzen Körper gegen 1x die Woche nachschauen ob man das Fenster geschlossen hat.


    Aber in einer aktuen Situation ist es ja durchaus sinnvoll, aber Du solltest immer beides machen. Medikament und Therapie. Das Medikament wird Dir nämlich nicht beibringen wie Du mit den Zwängen umgehen solllst und was Du tun kannst damit Du die Zwänge seltener brauchst. Genauso brauchst Du vielleicht das Medikament, weil Du Dich sonst auf die Therapie gar nicht einlassen kannst. Daher wird das in der Regel kombiniert.


    Genausowenig wie Du Dir von dritten Bestätigung holen solltest, dass nichts passiert ist (geht natürlich nicht immer, aber Du weiß ja wie es gemeint ist und wozu es führt wenn man das zu sehr macht), solltest Du auch nicht denken, dass das Medikament notnwedig ist. Wenn Du Dir das einredest wirst Du ja jedesmal, wenn Du es reduzierst, gleich wieder in die Zwänge verfallen. Du musst lernen wie Zwänge (bei Dir) funktionieren und wie Du mit ihnen umgehen kannst.

    going schrieb:

    zugegebenermaßen nicht. aber ich denke trotzdem, dass es wichtig ist, sich den Hintergrund vor augen zu führen.

    Rationales Verständnis dessen, was vor sich geht, ist in der Tat elementar wichtig, ja.


    Ansonsten ist es so, dass sich ein Spannungsgefühl einstellt - ganz banal wie "hm, habe ich den Herd wirklich ausgemacht?", und dann schaut man nochmal nach, und der normale Mensch ist dann zufrieden, der Zwängler aber bekommt Zweifel, Zweifel an seiner Wahrnehmung und Erinnerung, begleitet von katastrophisierenden Gedanken ("was wenn ich mich falsch erinnere und der Herd noch an ist? Das Haus wird abbrennen, die Nachbarn kommen ums Leben! Und ich bin schuld! Abgesehen davon dass ich in den Knast komme muss ich auch mit der Schuld leben! Mein leben wäre vorbei! Hilfe!!! Ich muss sofort umkehren und nachschauen ob der Herd WIRKLICH aus ist, auch wenn ich nun schon100 KM von zuhause weg bin. Das hat einfach Vorrang!".


    Da hilft alles rationale wenig, das Spannungsgefühl ist nun eimal da. Zwänge sind die Krankheit des Zweifelns, sagt man auch.


    Letztlich geht es darum, ein Risiko einzugehen, ohne Sicherheitsnetz und ohne irgendein beruhigendes Mittel (wobei natürlich klar sein muss, dass im Rahmen dessen, was an rationalen Mitteln zur Verfügung steht, sichergestellt wurde, dass der Herd tatsächlich aus ist). Das Spannungsgefühl aushalten, das Risiko bewusst eingehen und durchleben, ohne irgendwas dagegen zu tun. Darunter fällt auch "sich im Forum immer wieder bestätigen zu lassen dass nix passieren kann". Jede dieser Form von Beruhigung befeuert den Kreislauf nur, genauso wie das Ausüben von Zwangshandlungen kurzfristig beruhigung verschafft, aber das Gesamtproblem nur weiter anheizt (eine Zwangsstörung ist so gesehen selbstverstärkend).


    Für bobi heisst das, mit der Unsicherheit zu leben und keine Beruhigungsmaßnahmen durchzuführen, zu ertragen und feststellen, a) man hat tatsächlich nix getan, b) die Spannung wird auch von selber weniger.


    Da das gefühlte Risiko extrem groß ist, fehlt oft der Mut dazu. Immerhin geht es in der Regel um leben und Tod, um das eigene Leben, oder, noch schlimmer, um das von nahestehden Menschen. Will man DAS wirklich eingehen? Aber genau das flüstert einem der Zwangsdämon immer ins innere Ohr. Man kann sich diese Krankheit wirklich als eine Art Monster oder Dämon, die einen zu permanenten unsinnigen Handlungen verleiten will, vorstellen. Je mehr man dem nachkommt, umso mächter wird er/es.

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