Aggressive Zwangsgedanken

    Hallo zusammen,


    hat jemand hier im Forum auch aggressive Zwangsgedanken? Ich würde mich gerne austauschen.

    Ich leide so sehr momentan und halte es kaum aus. Ich habe grosse Angst, unabsichtlich etwas schlimmes zu tun und dann ins Gefängnis zu gehen und alles zu verlieren (Familie, Freundin, Arbeit).


    Mein Psychiater ist im Urlaub und ich habe die Dosierung wieder von 2 auf 5 mg (Escitalopram) erhöht, nachdem ich den Notfallpsychiater kontaktiert habe. Bisher sind zwei Tage verstrichen und ich merke wenn vielleicht nur eine kleine Besserung.

    Mir würde der Austausch mit jemanden sehr helfen, der sich damit auskennt.


    Liebe Grüsse

  • 41 Antworten

    Hat sonst noch jemand Erfahrungen mit Zwangsstörungen?


    Sind Zwangskranke in der Lage, die gefürchteten Gedanken in die Tat umzusetzen?

    Mir geht ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf und ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was passiert ist.

    Nun denke ich, was schlimmes getan zu haben ohne mich zu erinnern. Ich kann im Nachhinein auch nicht mehr kontrollieren, ob meine Gedanken der Wahrheit entsprechen, weil die Situation schon vorüber ist.


    Was soll ich tun?

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    ich leide zwar nicht darunter, wollte dir aber trotzdem kurz schreiben.


    du weißt ja im gründe selber, dass das völlig unrealistisch ist, dass du irgendetwas getan hast, nur weil du dich nicht genau erinnern kannst.


    mit der Erinnerung sieht es folgendermaßen aus. dein Gehirn filtert all das was unwichtig und nicht erinnernswert ist raus. das Gehirn arbeitet da ökonomisch und vergisst alles unwichtige, da es sonst an seine grenzen/kapazitäten kommen würde. wenn du also eine Straße entlang gehst kannst du dich hinterher nicht mehr erinnern, an wieviel bäumen du vorbeigegangen bist, wieviel Leute dir entgegen gekommen sind, wieviel Autos an dir vorbeigekommen sind, auf wieviele Gullys du getreten bist usw.

    wenn du an etwas besonderem vorbeigegangen bist, zb an einem Unfall oder ein Hund hat dich fast gebissen, an einer supertollen Frau, an einem extrem schicken auto, du bist gestolpert und hingefallen etc. dann speichert das Gehirn das automatisch ab und du kannst diese Erinnerung später abrufen.


    wenn du also etwas ungewöhnliches, von der norm abweichendes getan hättest, - zb ein verbrechen begangen, fremdgegangen, einen Unfall verursacht etc., würde sich dein Gehirn das zwangsläufig abspeichern und damit könntest du dich zwangsläufig daran erinnern. es gibt auch nichts, was das Gehirn davon abhalten würde - es würde in jedem fall als Erinnerung abgespeichert und abrufbar sein.


    du hast doch eine erziehung, schulbildung etc genossen, man hat dir werte und normen vermittelt, dir beigebracht, was richtig und falsch ist etc., wie man sich also normalerweise verhält.


    wenn du also etwas tun würdest, dass von diesen werten, normen, grundsätzen etc abweicht, wäre das für dein gehirn sofort das Signal: halt, hier ist etwas ungewöhnliches passiert, hier habe ich etwas ungewöhnliches, verbotenes getan, das muss ich abspeichern und für einen späteren zeitpunkt wieder abrufbar machen.

    das passiert völlig automatisch, ohne dass du oder irgendetwas das verhindern könnte.

    going schrieb:

    ich leide zwar nicht darunter, wollte dir aber trotzdem kurz schreiben.


    du weißt ja im gründe selber, dass das völlig unrealistisch ist, dass du irgendetwas getan hast, nur weil du dich nicht genau erinnern kannst.

    Lieben Dank für deinen Post, welcher mir sehr hilfreich ist.

    Der Zwang sucht sich Ecken aus an denen ich nicht heran komme.


    Der Zwang sagt zb: du kannst dich nicht genau erinnern, weil du in Gedanken warst mit etwas anderem, während du das ,,unheil“ gemacht hast.


    Was kann ich dann machen?

    Bekommst Du nur Medikamente oder machst Du auch eine Therapie?


    Ich fürchte, es gibt hier nichts, was man Dir sagen kann, was Dich beruhigt. Du kannst letztlich nichts machen.


    ich hab mal von einer gelesen die unter der Zwangsvorstellung litt, sich am Bahnhof vor einen einfahrenden zug zu schmeissen. Obwohl sie gerade eigentlich ganz offensichtlich zuhause war, hat sie angezweifelt ob sie nicht in Wirklichkeit gerade schon auf dem Weg zum Bahnhof ist. Ihr Partner hat sie dann auf ihren Wunsch sogar auf dem Dachboden eingesperrt, auch da war sie unsicher ob sie wirklich auf dem Dachboden ist oder nicht gerade schon am Bahnsteig steht.


    Zwangsgedanken sind eine nervige, belastende, schwer zu therapierende Sache.


    Vielleicht ist das beste, was man tun kann, nicht dagegen an zu kämpfen sondern zu akzeptieren, dass man sie hat. Und ein bisschen selbstironisch-humorvoll ins lächerliche ziehen.

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    Ich mache beides. Nur wegen COVID war die Therapie dieses Jahr ein bisschen auf Sparmodus.


    Ja das ins Lächerliche ziehen bringt tatsächlich was, aber nur bei leichten unbedeutenden Zwängen (bei mir).


    Der Beitrag von going hat mich schon ein bisschen beruhigt.

    Mich nimmt Wunder, was ihr zu dem Teil meint:


    Der Zwang sagt zb: du kannst dich nicht genau erinnern, weil du in Gedanken warst mit etwas anderem, während du das ,,unheil“ gemacht hast.


    Was kann ich da tun oder denken?

    und vielleicht auch aufhören überhaupt nach irgendwas zu suchen was dich beruhigt. verhaltenstherapeutisch gehts ja eher darum, die spannung zu ertragen, ohne "gegenmittel".

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    In einer Nachtcafé-Folge spricht eine Frau über ihre Zwangsgedanken und auch den Heilungsprozess und den Umgang damit, dass Symptomfreiheit nicht Heilung bedeutet - hier findest Du die Folge, etwa ab 1:11:40 geht es um ihren Fall:



    Ich fand das ziemlich eindringlich und erschreckend, aber auch ermutigend für Betroffene.

    rr2017 schrieb:

    und vielleicht auch aufhören überhaupt nach irgendwas zu suchen was dich beruhigt. verhaltenstherapeutisch gehts ja eher darum, die spannung zu ertragen, ohne "gegenmittel".

    du hast recht in dem!

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    bobi791 schrieb:

    Der Zwang sagt zb: du kannst dich nicht genau erinnern, weil du in Gedanken warst mit etwas anderem, während du das ,,unheil“ gemacht hast.

    das habe ich dir ja schon erklärt: es ist biologisch schlicht nicht möglich "in gedanken zu sein" und gleichzeitig etwas außergewöhnliches (egal ob positives oder negatives) zu tun.


    in gedanken zu sein, bedeutet, sich gerade nicht auf das geschehen um einen rum zu konzentrieren. das Gehirn wird gerade nicht gefordert und beschäftigt sich mit irgendwelchen dingen, die einem so durch den kopf gehen. dieser zustand wird vom Gehirn aber nur dann erreicht, wenn es nicht anderweitig gefordert ist und man etwas tut, was man schon oft getan hat, was zur Routine geworden istt (durch die Stadt gehen, auto fahren, Sport treiben etc), . dieses in gedanken sein wird vom Gehirn aber sofort beendet, wenn etwas unvorhergesehenes, aufregendes, angsteinflößendes, schockierendes etc passiert.

    das heißt, du kannst nicht in gedanken sein und gleichzeitig etwas tun, dass du schrecklich, verwerflich, ängstigend oder ähnliches findest. das Gehirn würde dann sofort diesen "in-Gedanken-modus" beenden und sich voll aufs geschehen konzentrieren - was dann wiederum zwangsläufig bedeutet, dass dieses geschehen von deinem Gehirn gespeichert würde. mit dem Ergebnis, dass du dich dann zwangsläufig an dieses Geschehnis erinnern würdest können

    das was du befürchtest, ist definitiv einfach nicht möglich.

    :)^


    Man muss Selbstvertrauen zurückgewinnen. Man kennt sich doch selbst und weiß was man tun würde und was nicht. Und das tut man dann auch nicht ausversehen und bekäm es dann noch nichtmal mit.

    der Zwang spielt meinem Gedächnis einen Streich, das ist das Gemeine daran.

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