• Alleine "dickeres Fell" erarbeiten

    Hey, ich brauche dringend ein "dickeres Fell". Mir geht vieles schnell an die Nieren, nervt mich etc pp. Frage, wie erarbeitet man sich das? Alleine durch den Gedanken "ich habe jetzt ein dickeres Fell" klappt das nicht :=o Oder kann man das gar nicht selbst erarbeiten? Habt ihr da Erfahrungen/Tipps? Danke schon mal vorab
  • 28 Antworten

    Apropo dickes Fell...




    Du hast es gut Lyrics Milva

    Milva - Du hast es gut Songtext

    Du hast ein beneidenswertes Naturell

    Du bist hart im Nehmen und vergisst sehr schnell

    Hätte ich doch auch nur so ein dickes Fell

    Du hast es gut

    Wenn es sein muss, zügelst du gekonnt die Wut

    Du bewahrst im Notfall immer ruhig Blut

    Auch wenn Du verlierst, verlierst Du nie den Mut

    Du hast es gut

    Hast Du's gut

    Durch Deine Art

    Bleibt Dir so mancher Kummer erspart

    Geht mein Gemüt

    Mir auch gegen den Strich

    Du hast vom Glück

    Nur halb soviel wie ich

    Alles, was Du anfängst, machst Du mit Bedacht

    Du hast niemals eine schlimme Nacht durchwacht

    Und Du hast dich selbst nie ausgelacht

    Du hast es gut

    Das, was Du nicht sehen willst, das siehst Du nicht

    Darum kommst Du auch nie aus dem Gleichgewicht

    Du bist keiner, der sich seinen Kopf zerbricht

    Du hast es gut

    Sunflower - das Stundenkontingent war aufgebraucht und der Therapeut sagte, ich sei nun bereit es selbst zu versuchen. Für Notfälle konnte ich mich immer melden (Plötzlicher Tod vom Vater, Mordfall in der Familie, etc pp).

    Ansonsten kam ich bisher auch immer gut durch, nur die letzten Monate haben mich arg zurückgeworfen.


    TimFaber - es kamen hier auch allgemeine Tipps, wie auch dein autogenes Training, die ich für mich testen kann. Wie gesagt, nenne ich hier Beispielsituationen wird es vermutlich eher auf etwas hinauslaufen, was nichts mehr mit meiner Ursprungsfrage zu tun hat ;-)


    Lacrtes8 - ich glaub da ist aber eher ein "dickes Fell" mit "Gleichgültigkeit" gleichgesetzt. Mir sollen die Dinge ja nicht gleichgültig sein. Ich muss sie anders bewerten :)

    Wäre es möglich, sich ggf. nochmals therapeutische Hilfe zu holen und das bisher Erarbeitet nochmals konkret zu vertiefen?

    Alias 974973 schrieb:

    Lacrtes8 - ich glaub da ist aber eher ein "dickes Fell" mit "Gleichgültigkeit" gleichgesetzt. Mir sollen die Dinge ja nicht gleichgültig sein. Ich muss sie anders bewerten :)

    Schau an, so hat jede(r) seine Lesart. Ich für mich würde das eher als Gelassenheit (in sich ruhend) bezeichnen, statt Gleichgültigkeit.

    Bewerten ":/. Deine Themen sind mir nicht fremd, auch das musste ich für mich ändern. Ich habe allerdings niemals bewertet, wenn Du gut oder schlecht meinen solltest.

    Für mich ging es eher darum, in der Thera erkannt (Kopf), im Alltag umgesetzt (Aha Erlebnis), weiter geübt und im Laufe der Zeit integriert (alte Muster durch neue Erfahrungen ersetzt).

    Sunflower: Theoretisch ja. Praktisch wohne ich zu weit weg um zum alten Therapeuten, mit dem ich gut klar kam, zu gehen. Ich bräuchte einen komplett neuen. Ich bespreche das mal mit meiner Hausärztin. In der Zwischenzeit kann ich ja schon mal den ein oder anderen Tipp probieren


    Fizzlypuzzly - noch nicht mal in gut oder schlecht bewerten. Sondern von "der greift mich persönlich an" hin zu "was möchte er mir nüchtern von außen betrachtet sagen". So dachte ich eher. Das Emotionale beiseite schieben um dem Sachlichen Platz zu schaffen.


    Beim "im Alltag umsetzen" war ich schon. Leider immer wieder mit Erlebnissen die mich zurückgeworfen haben.

    Alias 974973 schrieb:

    noch nicht mal in gut oder schlecht bewerten. Sondern von "der greift mich persönlich an" hin zu "was möchte er mir nüchtern von außen betrachtet sagen". So dachte ich eher. Das Emotionale beiseite schieben um dem Sachlichen Platz zu schaffen.


    Beim "im Alltag umsetzen" war ich schon. Leider immer wieder mit Erlebnissen die mich zurückgeworfen haben.

    Persönlich empfundene Angriffe haben nicht immer etwas mit einem selbst zu tun. Sehr oft reagiert das Gegenüber so, weil durch die eigene Stimme, Gestik, Mimik usw. bei anderen eine Erinnerung hochkommt, meistens unbewusst, aus der sich dann die Handlung ergibt.

    Im Grunde ist es deren Problem und sie übertragen es auf andere, in diesem Fall auf dich. Hierzu mal ein Beispiel von mir.


    Vor ziemlich langer Zeit meldete ich mich zu einem Trommelkurs an. Ich kannte niemanden von den ungefähr zehn Leuten. Wir sassen im Kreis und in einer Pause unterhielt ich mich mit meinem Nebenmann über so einiges und lachten auch mal. Ich war wie vom Donner gerührt als mich eine Frau von gegenüber plötzlich lauthals angiftete.


    Ich sagte mir, die meint nicht mich, die spricht von sich. Mein Herz pochte wie wild, weil ich mich darauf nicht einlassen wollte und blieb äusserlich ruhig. Sie kam dann am Ende der Stunde auf mich zu, entschuldigte sich und fragte ob wir darüber sprechen können. Ich, nein ist schon ok. Im Laufe der nächsten Treffen sagte sie mir, dass sie den Eindruck hatte, ihre Mutter stände vor ihr, bzw habe ich sie an sie erinnert. Hier fand ihrerseits eine Übertragung - oder wie sonst der Fachbegriff lautet - auf mich statt.


    Das war die erste reale Situation nach dem erlenten in der Therapie. Ich war überglücklich verstanden zu haben, dass nicht ich es war und ich habe mir von da an das erste Mal den Schuh nicht angezogen. Nach weiteren Übungen, in denen ich bei mir blieb, verstand ich immer mehr mich zu entziehen, indem ich es nicht persönlich nahm. Ich blieb allerdings in meinen Gefühlen, sonst hätte ich sie nach altem Muster wieder abgewürgt.


    So bekam ich immer mehr Selbstbewusstsein, blieb ruhig und stellte mich den Situationen, wobei sich auch meine Sprache, Empathie usw. zum Vorteil fast aller veränderte. Diese Frau und ich pflegten über viele Jahre eine enge Freundschaft.


    So lange Texte schreibe ich normalerweise nicht. Ich hoffe Du kannst hier einiges für dich entnehmen, was dir hilft weiter zu kommen. Und im RL bin ich viel weicher als es hier jemals ankommen wird, bzw. angekommen ist.


    Ich denke auch, dir würde eine nochmalige Therapie weiter helfen. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass Du das im Grunde schon längst weisst, dir aber die Übung fehlt. Vllt bist Du deshalb (wieder) in einer Situation, in der Du fest hängst, weil dir die Rückmeldung fehlt und/oder Du dir selbst noch nicht vertraust, vertrauen kannst?

    Danke für den langen Beitrag.

    Gefühlt könnte ich die andere Frau sein. Wobei ich es tatsächlich schaffe niemanden anzugiften, wenn ich in ihm/ihr jemand, ich nenne es mal ungeliebtes, entdecke....

    Ich gehe dann auf Abstand. Weil ich weiß das die Person mir gegenüber da gerade überhaupt nichts für kann.


    Ja, ich denke an einigen Stellen fehlt mir einfach ein Feedback. Ein Verbesserungsvorschlag. Aber halt auch einer der zu mir passt. Ein Kumpel sagt immer "dann konter doch einfach mit XY" (auch mal unter der Gürtellinie), aber das wäre niemals ich. Und es gibt ja immer mehrere Möglichkeiten einer Situation zu begegnen.


    Dann werde ich meine Ärztin kontaktieren wegen einer Überweisung sobald ich einen Therapeuten habe. Denke das objektive Feedback wird der richtige Weg sein.


    Danke :)

    Zitat

    Fizzlypuzzly - noch nicht mal in gut oder schlecht bewerten. Sondern von "der greift mich persönlich an" hin zu "was möchte er mir nüchtern von außen betrachtet sagen". So dachte ich eher. Das Emotionale beiseite schieben um dem Sachlichen Platz zu schaffen.

    Ich bin zwar nicht Fizzlypuzzly, aber mir fiel das Zitierte auf.


    Da finde ich so ein Forum ganz praktisch. Ein Beitrag eines Users löst etwas aus und man zitiert das und antwortet. Ich kann da nur für mich sprechen, aber das kommt nicht immer spontan. Über manches denke ich tatsächlich auch erst mal länger nach. Genauso, wenn jemand etwas von mir zitiert hat. Ich antworte nicht immer spontan.

    Grundsätzlich kann man, wenn man etwas nicht deuten kann oder meint, dass man etwas falsch interpretieren könnte auch nochmal nachfragen.

    Und manches lasse ich einfach unkommentiert.

    Im realen Leben ist das um Einiges leichter, würde ich meinen. Gerade wenn man sein Gegenüber kennt, kann man personenbezogen jedesmal anders reagieren. Da weiß man, mit wem es sich lohnt, was zu klären oder ob man das einfach offen lassen kann. Bei Fremden weiß man das nicht. Da ist es ein bisschen Glückssache, wie man mit seiner Reaktion ankommt. Da gilt es dann die Reaktion des Gegenübers auszuhalten.

    Ich will damit sagen, dass ein Forum vielleicht gar kein so schlechter Ort ist, um zu lernen, dass vieles nicht persönlich gemeint ist und sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Hier muss man keine Angst vor der Reaktion des Gegenübers haben, weil man die nicht sieht.

    Man kann hier nur verbal klären üben, wenn einen wirklich was getriggert hat.

    Hey,


    ich war die Tage auf einem Seminar, was mir gezeigt hat das ich mit vielem gar nicht so verkehrt liege (auf der Arbeit). Das gibt natürlich einen Schubs Selbstbewusstsein und -erkenntnis.


    Auch einige Anregungen für andere Denkweisen, seine eigene Umstellen etc pp


    Ich verstehe was du meinst melb, nur sind mir die Leute hier in der Regel weniger wichtig, so das das Fell eh dicker ist. Je wichtiger mir was ist, desto dünner wird es ;-)

    ich kann dir sagen, Rückschläge sind im Leben inbegriffen.


    bleib dir stets treu, dann kann sich nichts mehr so schnell umhauen.


    du brauchst Strategien um für eine ordentliche psychohygiene zu sorgen.


    nicht alles hilft bei jedem, deshalb finde heraus was dir gut tut und halte daran fest


    das wird schon @:)

    Ja, die Rückschläge sollten nur nicht überhand nehmen :/


    Einem Freund ist jetzt aufgefallen das selbst wenn ich von Erfolgen erzähle, da gefühlt kein richtiges Glücksgefühl einsetzt. Als wäre da keine Endophinausschüttung.

    Muss zugeben das mir das auch aufgefallen ist. Aber ich kenne es auch nicht mehr. Hab ca 10 Jahre Citalopram genommen und bin seit ca 1 Jahr weg davon. Schon in der Citalopramzeit kann ich mich an sowas nicht erinnern. Und ich glaube nicht das ich da immer Depressiv war und es daran lag ":/

    Zitat

    die Rückschläge sollten nur nicht überhand nehmen

    wenn der leidensdruck zu gross wird sollte man(n) ohne scheu zum psychodoc, denn schlimmer wird es von alleine immer.


    ich glaube ich nehme 5 Jahre schon venlafaxin, mal in höheren, mal in niedrigeren dosen.


    vieles steckt man gut und mit der zeit besser weg, allerdings wenn man von Haus aus sensibler ist, dann wird es auch so bleiben.


    ich kann es z.b. nicht ertragen, wenn in der arbeit leute nieder gemacht (oder für doof gehalten) werden. da hilft auch kein psycho-Hokuspokus mehr.

    da muss man schon auf der Hut sein und wissen wo die eigene Grenze liegt.


    bist du aktuell komplett Medikamenten-frei?

    Ja, seit ca 1 Jahr `bin ich jetzt ganz ohne Citalopram unterwegs. Und grundsätzlich finde ich das gut, wenn ich merke schon das ich beim Denken "eingeschränkter" bin wenn ich Citalopram nehme.