Ich nehme den Pfad nochmal auf.


    Dieses Wochenende ist meine Angst wieder in vollem Gange.


    Natürlich ist man ja nie ganz unschuldig bei dem Ganzen.


    In dem ganzen Jahr und vorallem in den letzten Wochen war unheimlich viel Ärger und Stress in der Familie gewesen. Im Moment ist es ruhig und es kommt mit voller Wucht.


    Heute war es so schlimm, dass ich in die Notfallpraxis gefahren bin. Blutdruck war erhöht 140/100 und ich hatte Extrasystolen. Der Arzt (Internist) schob es allerdings auf die Anspannung und sah auch keine Veranlassung mich an einen Kardiologen weiterzuleiten.


    Ich habe daraufhin mit meinen Eltern gesprochen und habe meinem Vater die Situation geschildert. Er sagte mir, dass es ihm auch nicht gut ginge, nach dem ganzen Streit wir es aber schuld seien.... Eigentlich wollte ich nur, dass man sich darauf einigt, dass mal Ruhe in der Familie bleibt und nichts anderes.


    Dann habe ich einen weiteren Fehler gemacht und habe privat bei meiner Therapeutin angerufen. Ich sah einfach in diesem Angstmoment keinen anderen Ausweg. Diese hat mich natürlich abgewiesen...


    Ich habe im Gefühl, nicht richtig in die Ruhe zu kommen derzeit. Vll. ist es aber auch, weil ich ständig diese Angst vor der Angst habe. Was meint ihr?


    LG, Herzblatt2000

    Zitat

    Ich habe daraufhin mit meinen Eltern gesprochen und habe meinem Vater die Situation geschildert. Er sagte mir, dass es ihm auch nicht gut ginge, nach dem ganzen Streit wir es aber schuld seien.... Eigentlich wollte ich nur, dass man sich darauf einigt, dass mal Ruhe in der Familie bleibt und nichts anderes.

    Hallo Herzblatt2000


    Ich sehe zwei unterschiedliche Gesprächsgrundlagen: Eigentlich - wie Du sagst - (und da bin ich auf Deiner "Seite") möchtest Du ein Gespräch auf Augenhöhe, das es aber im Erleben Deines Vaters so nicht gibt. Er sieht nicht die Verantwortung, die jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer "eigentlich" haben/hätten, ihren Anteil an einer Einigung oder Eskalation zu beobachten (wenn sie es denn können) oder dafür dann auch gerade zu stehen.


    Dein Vater betrachtet vermutlich das "Gesamtpaket" eines Gesprächs und das Zuschieben von "Schuld" (die da eigentlich nichts zu suchen hat - will ich/man weiterhin ein erträgliches Zusammenleben kultivieren) ohne Hinterfragung, ob es von allen anderen auch so erlebt und gehändelt wird. DAS hat überhaupt nichts mit Dir selbst zu tun.

    Zitat

    Vll. ist es aber auch, weil ich ständig diese Angst vor der Angst habe. Was meint ihr?

    Ich würde versuchen, mir diese Angst (wenn sie noch erträglich ist) anzuschauen, da manchmal hinter dieser Angst eine Erkenntnis steckt, die ich nutze, um kleine Änderungen herbeizuführen. Bsp


    Angst vor Schuldzuschreibung, Angst vor Auseinandersetzung, Angst vor einer Wiederholung, ...vor Ablehnung, ...dem Konflikt an sich, ...den Folgen, ..vor einer gefühlten Hilflosigkeit, ...einem wiederholten "sich dem ausgesetzt fühlen", ohne etwas daran ändern zu können, ...sich im Recht zu wissen, ohne dass dies gewürdigt würde... usw.


    Klar entsteht da eine (überaus) starke Anspannung, es ist aber meiner Erfahrung (anfangs) schwer, eine häufig so wie Du beschrieben hast ablaufende Dynamik entweder abzubrechen und etwa frühzeitig auszusteigen, bevor ich in den Modus "schlittere", in dem die Auseinandersetzung sodann auf der Gefühlsschiene dahinrast, statt bedächtig Schritt für Schritt auf rationaler Ebene vorzugehen.


    Dass Du Dir Hilfe geholt hast (oder zumindest es versuchtest), ist doch in Ordnung!

    Zitat

    ...wir es aber schuld seien

    Für Deinen Vater bedeutet dies eine Regelverletzung, wie viel Sinn diese Regel auch immer stiftet: sie wurde seiner Meinung nach überschritten bzw. nicht erfüllt. Wenn Du magst und den Mut dazu aufzubringen vermagst, versuche einmal, ihn in einer entspannteren "Minute" zu fragen, wie es zu dieser Regelerstellung kam (wenn er es noch nicht getan hat) bzw. Verständnis für seine Gefühle (inklusive der dazu gehörenden Situation), die zum Entstehen dieser Richtlinie geführt hat/haben, zu erübrigen, wie "logisch" sie auch sein mögen.


    Vielleicht hilft Dir das Modell der GfK? ("Gewaltfreie Kommunikation" nach M Rosenberg - findest Du auf YT, im Netz oder auch Literatur)

    Vielen lieben Dank für deine Antwort.


    Ich werde mit meinem Vater nochmal sprechen in einer ruhigen Minute und dann von Angesicht zu Angesicht.


    Im Moment nehme ich jede Stunde Neurexan und ich habe mich gerade mal geduscht und frisch gemacht. Das hatte ganz gut getan.


    Des Weiteren habe ich mir überlegt, dass ich ganz aktiv an mein Selbstvertrauen arbeiten muss. Vertrauen in meinem Körper wieder zu bekommen und das bekomme ich nicht hin, wenn ich ständig von Arzt zu Arzt renne. Dies hatte mir der Arzt in der Notfallpraxis heute auch nochmal bestätigt. Mein Freund meint auch, dass ich ganz alleine für mich und meine Gefühlswelt verantwortlich bin.


    ich allerdings denke nur immer wieder was ist, wenn die Angst zurückkommt und es nicht mehr weggeht. Wobei das ja Schwachsinn ist, weil es ja immer wieder weggegangen ist. Das zeigt ja auch die Erfahrung. Es ist ja eine ganze Zeit lang weg gewesen.

    Hallo Herzblatt2000


    Es ist ja bereits mehr als zwei Wochen her, dass Du mir hier geantwortet hast. Zu dem damaligen Zeitpunkt warst Du offensichtlich sehr angespannt und die Aufregung ist beinahe in Deinen Zeilen spürbar.


    In dem Moment des Schreibens Deiner Zeilen an diesem vierten Dezember scheint aber ein wenig Zuversicht zu erkennen sein. Zum einen die Erkenntnis, dass Du doch nicht ganz so hilflos dem ganzen ausgesetzt bist und zum anderen der Vorsatz, nun den Blick mehr auf Dich und Dein Erleben zu richten und als weitere Schlussfolgerung, dass Du sehr wohl etwas gegen diese passive Haltung tun kannst.

    Zitat

    ich allerdings denke nur immer wieder was ist, wenn die Angst zurückkommt und es nicht mehr weggeht. Wobei das ja Schwachsinn ist, weil es ja immer wieder weggegangen ist. Das zeigt ja auch die Erfahrung. Es ist ja eine ganze Zeit lang weg gewesen.

    Das kann ich absolut nachvollziehen!


    Natürlich interessiert es mich, wie es Dir mit dem gefassten Vorsatz - wenn du ihn denn (erfolgreich) umgesetzt hast - ergangen ist. Ich möchte Dir aber auch meine Gedanken mitteilen, indem ich glaube, es sei sehr schwierig, Deinen Vater da vielleicht umstimmen zu können, wenn es denn überhaupt (wie in diesem bestimmten Punkt) gelungen sein mag. ":/


    Darf ich Dich also fragen, ob bzw. wie sich bis jetzt etwas geändert hat? :)* @:)