Angst, Tiere zu überfahren

    Eine mir liebe Person hat beim Autofahren sehr große, ja fast schon zwanghafte Angst, dass ihr ein Tier vor den Wagen läuft.


    Ihr selbst ist das bisher glücklicherweise noch nie passiert, jedoch hat sie vor ein paar Jahren miterlebt wie ein Auto auf der Gegenfahrbahn eine Katze erwischt hat und einfach weitergefahren ist. Sie hat die Katze zum Tierarzt gebracht, leider vergebens.


    Seitdem begleitet sie die Angst oder das unbehagliche Gefühl, wie sie es selbst nennt, bei jeder Autofahrt und wird zunehmend ausgeprägter. Sie hatte diese Angst auch schon vor dem Vorfall mit der Katze, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß. Es geht soweit, dass sie Straßen an Feldern oder Wald wenn möglich meidet und lieber Umwege fährt oder aber auf "riskanten Streckenabschnitten" im Schneckentempo dahin kriecht.


    Als besonders schlimm empfindet sie es auch überfahrene Tiere (Igel, Hasen,...) am Straßenrand zu sehen. Obwohl sie sich vor dem Anblick ekelt und fürchtet, hält sie an um zu sehen, ob man für das Tier noch etwas tun kann, was ja gerade bei Igeln leider nie der Fall ist. Trotzdem kann sie laut eigener Aussage nicht anders, obwohl es sie ziemlich mitnimmt.


    Kurzum: diese Angst wird zunehmend zur Belastung im Alltag, vor allem da sie der Weg zur Arbeit auch über Landstraßen führt, in der das Risiko eines querenden Tieres durchaus gegeben ist und man alle paar Tage auch einen überfahrenen Igel, Feldhasen,... am Straßenrand sieht. Für sie ist es also jeden Tag Thema und das gleich zweimal (Hin- und Rückfahrt). Sie meint, sie wisse, dass sie sich zu sehr in diese Angst hineinsteigert, aber gegensteuern kann sie trotzdem nicht richtig.


    Ihr großer Wunsch ist es von diesen Angstgedanken wegzukommen.


    Habt ihr Ratschläge, was helfen kann oder kennt ihr vielleicht sogar diese Angst aus eigener Erfahrung? Was hat euch geholfen, Abstand dazu bekommen?


    Und ganz praktisch: gibt es Jahreszeiten in denen bestimmte Tiere vermehrt unterwegs sind oder kann man da nicht pauschalisieren? Ich kenne mich leider nicht damit aus, aber denke es könnte helfen, zu wissen, dass es neben der Hochsaison auch Zeiten gibt, in denen das Risiko deutlich geringer ist.

  • 31 Antworten

    Wenn die Dame Hilfe erfahren möchte, sollte sie selbst posten.


    Und Zwänge gehören in therapeutische Behandlung. Diese Antwort solltest Du auch selbst wissen. Wie reagierst sie denn darauf, es mit Therapie zu versuchen?


    Mit EMDR könnte der damalige Vorfall erst mal gemildert werden.


    Jemand, der mit 30 über die Landstraßen zuckelt, stellt selbst überhaupt ein Verkehrsrisiko dar. Da werden Menschen vielleicht in Eile überholen wollen, gerade auf kurvigen Landstraßen kann das immer mal knapp werden.

    Die meisten Tiere sind hauptsächlich bei Dämmerung oder nachts unterwegs.


    Ich komme ursprünglich Land und manchmal überfährt man etwas (meistens Fasanen da sie strunzblöd sind). Ausweichen ist nicht immer möglich. Das muss man auch bedenken. Anhalten auf eine Landstraße ist lebensgefährlich.

    BenitaB.

    Zitat

    Und Zwänge gehören in therapeutische Behandlung. Diese Antwort solltest Du auch selbst wissen.

    Ich mute mir nicht an, als Laie eine Diagnose zu stellen.


    Luci32

    Zitat

    Die meisten Tiere sind hauptsächlich bei Dämmerung oder nachts unterwegs.

    Okay, das ist schon mal hilfreich. Der Hintergedanke meiner Frage hier ist unter anderem vielleicht auf der rationalen Ebene helfen zu können. Wenn man weiß, dass die Tiere hauptsächlich in der Dämmerung oder Dunkelheit unterwegs sind, gibt dieses Wissen bei Tageslicht vielleicht schon ein besseres Gefühl und mehr Sicherheit.

    Zitat

    Ausweichen ist nicht immer möglich.

    Das ist das Problem. Gerade bei der Katze ging es offenbar wahnsinnig schnell, sie war mit einem Satz vor dem Auto. Ich denke bei Rebhühnern, Hasen, etc. wird es nicht anders sein. Als Autofahrer ist man da mitunter chancenlos, aber mit 20, 30 Sachen dahin zu kriechen ist auch keine Lösung und in Sachen Verkehrssicherheit einfach bedenklich.

    Ausweichen ist nicht nur nicht immer möglich, sondern auch schlicht gefährlich, auch wenn man als Fahrer mit 30 über die Landstraße schleicht. Durch ein hektisches Ausweichmanöver riskiert man selbst noch zu verunglücken.


    Nicht umsonst kriegt man in der Fahrschule eingebläut, dass man "draufhalten" sollte, wenn es sich um ein kleineres Tier handelt. So schwer es also fällt - wenn Fasan, Kaninchen oder Fuchs auf der Fahrbahn sitzen, sollte man einfach stoisch weiterfahren, bei Reh oder Wildschwein abblenden und umsichtig versuchen zu bremsen und auszuweichen.


    Schwierig ist es da vermutlich, wenn man so ein Mitleid mit jedem Tier hat, da seine Reflexe im Zaum zu halten, aber genau das, und das sollte die Freundin sich klarmachen, ist unter Umständen lebenswichtig - für sie! In meinem Bekanntenkreis passierte vor etlichen Jahren mal ein Unfall, weil eine Frau einem Kaninchen das Leben retten wollte und ihm hektisch ausgewichen ist. Als Folge fuhr sie in einen Graben und aus der anderen Seite wieder heraus, das Auto überschlug sich. Sie und drei Mitfahrer wurden alle verletzt, zum Glück nur leicht, aber das Auto war Totalschaden.


    Ich würde der Freundin zu einem Fahrsicherheitstraining raten, in dem sie lernt, wie sie mit unerwarteten Situationen auf der Straße klarkommt.


    Ihre Tierliebe wird ihr das nicht austreiben, aber zumindest erfährt sie dort, wie sie im Idealfall reagieren sollte.


    Mal ganz grundsätzlich sollte sie sich aber überlegen, dass sie sich und andere Menschen durch ihr Fahrverhalten in Gefahr bringt. Es wurde ja bereits erwähnt - auf der Landstraße anzuhalten und auszusteigen, am besten noch im Dunkeln, ist bestenfalls dämlich, schlimmstenfalls gefährlich. Ob sie sich und andere Verkehrsteilnehmer wirklich für einen plattgefahrenen Igel in Gefahr bringen möchte, sollte sie sich mal ganz realistisch fragen.

    Ich fahr regelmässig durch Wälder und es kommt sehr auf die Jahreszeiten an. Und auf die Tiere. Ich empfehle Nebelscheinwerfer wenn du welche hast, die leuchten die Seiten mehr aus und das hilft etwaige Tiere einen Moment früher zu sehen. Außerdem nicht mit Tunnelblick fahren, wenn man anfängt danach zu schauen sieht man unheimlich viele Tieraugen in der Nacht, weil sie das Scheinwerferlicht reflektieren.


    Anhalten macht wenig Sinn, außer du hast eines erwischt, dann musst du streng genommen stehen bleiben und schaun was passiert ist. Aber auch mal mit 70 statt 100 durch die Nacht zu brausen, macht schon einen Unterschied. Mir ist mal aus einem Graben ein recht großes Reh vors Auto gesprungen. Das sah ich erst als es im Landeanflug war. Da ich wusste das die Gegend gefährlich ist war ich ein wenig langsamer unterwegs und konnte rechtzeitig auf die Bremse. War aber eine Millimeterentscheidung, das Reh hat dem Auto im Vorbeilaufen noch einen Tritt verpasst ;-)


    Noch ein Tip: Falls ein Wildschwein direkt vor dir über die Straße rennt, ist es sehr wahrscheinlich, dass gleich noch welche kommen, da die in der Rotte unterwegs sind.

    Zitat

    Ausweichen ist nicht nur nicht immer möglich, sondern auch schlicht gefährlich, auch wenn man als Fahrer mit 30 über die Landstraße schleicht. Durch ein hektisches Ausweichmanöver riskiert man selbst noch zu verunglücken.

    Zitat

    !** Auf keinen Fall versuchen auszuweichen wenn einem ein Tier vor das Auto läuft ! Das kann sehr böse ins Auge gehen.

    Das ist u. a. auch meine Sorge. Vor allem, weil sie auf besagten Streckenabschnitten total darauf fixiert ist, dass ihr ein Tier vor's Auto läuft. Passiert ist es zum Glück noch nie, aber die Angst, DASS es passiert, ist inzwischen ziemlich problematisch.

    Zitat

    bei Reh oder Wildschwein abblenden und umsichtig versuchen zu bremsen und auszuweichen.

    Rehe und Wildschweine kommen bei uns, glaube ich, gar nicht vor. Ihre Stecke liegt am Stadtrand, sie führt von der Vorstadt Richtung Innenstadt und da gibt es einige Straßen die meist auch nur einseitig an kleinen Feld- und Waldabschnitten entlang führen. Hauptsächlich geht es um Kleingetier, meist Igel und gelegentlich Hasen.

    Zitat

    Ich würde der Freundin zu einem Fahrsicherheitstraining raten, in dem sie lernt, wie sie mit unerwarteten Situationen auf der Straße klarkommt.

    Das ist ein guter Tipp, danke. Ich werde das vorschlagen und könnte mir vorstellen, dass ihr das zu mehr Sicherheit verhilft.

    Zitat

    Es wurde ja bereits erwähnt - auf der Landstraße anzuhalten und auszusteigen, am besten noch im Dunkeln, ist bestenfalls dämlich, schlimmstenfalls gefährlich. Ob sie sich und andere Verkehrsteilnehmer wirklich für einen plattgefahrenen Igel in Gefahr bringen möchte, sollte sie sich mal ganz realistisch fragen.

    Ihr ist das eigentlich bewusst und so ein übermäßig großer Tierfreund ist sie in dem Sinn nicht, aber sie meint, sie würde einfach sichergehen wollen, ob das Tier vielleicht noch eine Chance hat. Was man bei Igeln ja meist auf den ersten Blick im vorbeifahren ausschließen kann. Aber in dem Punkt schaltet bei ihr die Logik aus... Das geht einfach nicht, siehe Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer und sich selbst. :-/

    Zitat

    Ich fahr regelmässig durch Wälder und es kommt sehr auf die Jahreszeiten an. Und auf die Tiere. I

    In welchen Jahreszeiten kommt es denn vermehrt zu Straßenquerungen?

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    [...]aber mit 20, 30 Sachen dahin zu kriechen ist auch keine Lösung und in Sachen Verkehrssicherheit einfach bedenklich.

    Mag sich jetzt zynisch anhören aber so meine ich es nicht. Wenn sie da dermaßen langsam fährt, wäre es nicht eine Alternative mit dem Fahrrad zu fahren? Ok, 30 schafft man da dauerhaft eher nicht, aber so wie es jetzt ist halte ich sie für eine Gefahr für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.


    Sieht sie denn selber das Problem und möchte daran auch arbeiten?

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    Rehe und Wildschweine kommen bei uns, glaube ich, gar nicht vor.

    das wäre eher ungewöhnlich. es kann durchaus sinnvoll sein, in der dämmerung an waldrandbereichen deutlich langsamer zu fahren als 100 (60-70), aber weniger wegen der igel, sondern wegen rehen, hirschen und schweinen.


    erwischt man wirklich hasen? kann ich mir gar nicht vorstellen bei diesen fluchttieren ...

    Zitat

    Wenn sie da dermaßen langsam fährt, wäre es nicht eine Alternative mit dem Fahrrad zu fahren?

    Nein, das geht nicht. ;-) Der Hauptteil des Arbeitswegs führt ja über Autobahn und durch die Innenstadt, aber etwa 10km auch an Wald und Feld vorbei.

    Zitat

    Sieht sie denn selber das Problem und möchte daran auch arbeiten?

    Ja, inzwischen ist es für sie ein Problem, weil sie die Angst als anstrengend und störend empfindet und dadurch beim Autofahren mittlerweile gehemmt und beeinträchtigt ist. Es ist einfach nicht schön, wenn man den täglichen Weg mit Bauchweh und einem unguten Gefühl zurückliegt. Vor allem, weil die Wahrscheinlichkeit, DASS es passiert und sie ein Tier erwischt, nun auch nicht übermäßig groß ist. Klar kann es jederzeit vorkommen, aber es ist auch nicht so, dass man als Autofahrer ständig Igel, Füchse und so weiter überfährt.


    Daran arbeiten möchte sie und erstmal ist die rationale Ebene interessant, also ob es hilft, wenn sie weiß, dass die Tiere hauptsächlich abends und nachts unterwegs sind. Wenn sie die Strecke fährt, ist es meistens schon bzw. noch hell. Auch ein Fahrsicherheitstraining wird sie vermutlich machen, wobei wir da gerade schauen, ob sie auch eine Art "Einzelschulung" zu dem Thema haben könnte, denn davon abgesehen fährt sie seit vielen Jahren gut und sicher Auto, bisher zum Glück auch unfallfrei.

    Zitat

    das wäre eher ungewöhnlich. es kann durchaus sinnvoll sein, in der dämmerung an waldrandbereichen deutlich langsamer zu fahren als 100 (60-70), aber weniger wegen der igel, sondern wegen rehen, hirschen und schweinen.

    Okay, kann es dort natürlich durchaus geben, ich weiß es leider nicht und bin, was Wild betrifft nicht sonderlich bewandert.

    Zitat

    erwischt man wirklich hasen? kann ich mir gar nicht vorstellen bei diesen fluchttieren ...

    Ja, am Straßenrand sieht man ab und zu welche liegen.

    Ich würde das Ursprungsereignis wirklich beim Therapeuten aufarbeiten bzw. mit EMDR "löschen" lassen.


    Ich habe das mehrmals in meinem Leben erlebt, dass ich tote Menschen nach Unfällen auf der Straße liegen sah, das verfolgte mich auch.


    Ich war jeweils 1 Mal beim Therapeuten, habe ca. 100 €uronen hingeblättert und so die Traumatisierung auf null runterfahren können. Es hilft.

    Auch auf der Autobahn gibt es gelegentlich überfahrene Tiere. Und ja, das ist zumindest gefühlt ein unschöner Tod; mir tun die Tiere an sich auch Leid und in Fällen, in denen niemand hinter mir ist, habe ich auch für Katzen gebremst, aber als erwachsener Mensch und Führer eines Pkw sollte man lernen, damit umzugehen, dass es manchmal ein Tier trifft. Auf irgendeine Weise stirbt jedes Lebewesen einmal. Wie viele Insekten sind schon auf ihrer Windschutzscheibe gestorben? Vielleicht hilft es ihr, wenn sie sich mit ihrer Einstellung zum Tod bzw. zum Sterben von Lebewesen auseinandersetzt? Hat sie mal Haustiere gehabt, die verstorben sind?


    Auf Landstraßen hilft in der Dämmerung und nachts auch das Fernlicht, aber natürlich nur, wenn die Straße leer ist, sonst blendet man die anderen Verkehrsteilnehmer. Und obwohl ich auf dem Land aufgewachsen bin, ist es wirklich nur sehr selten der Fall gewesen, dass sich irgendwelche (Wild-)Tiere in Fahrbahnnähe aufgehalten haben. Dass ein Tier die Straße gekreuzt hat, habe ich bei Wildtieren nie erlebt; in der Stadt nur mal vereinzelt bei Katzen (die das aber offenbar relativ gut abschätzen konnten).


    Am meisten würde sie für die Sicherheit aller Lebewesen im Straßenverkehr tun, wenn sie mit angemessener Geschwindigkeit fährt, dabei aufmerksam auf die Straße vor sich schaut und nicht ständig an eine eher seltene Ausnahmesituation denkt, die eintreten könnte.


    Wenn sie das alleine nicht schafft, könnte ihr ein Coaching helfen, oder eben ein Fahrsicherheitstraining (wobei ich nicht weiß, wie sensibel dort mit ihrer Angst umgegangen wird - dort soll ja auch eher gelernt werden, bei kleinen Tieren draufzuhalten).

    criecharlie

    Zitat

    ....mein Auto hat so Infrarotkameras, da sieht man die Viecher schon auf einige Entfernung in den Büschen sitzen. Ist ein bisschen creepy, da alles schwarz-weiß mit leuchtenden Augen..


    aber evtl. kann sie das nahcrüsten lassen?

    DAS ist wirklich ein super Tipp! :)^ Danke, ich werde mich bezüglich nachrüsten mal schlaumachen.


    BenitaB.

    Zitat

    Ich würde das Ursprungsereignis wirklich beim Therapeuten aufarbeiten bzw. mit EMDR "löschen" lassen.

    Behalte ich mal im Hinterkopf, aber ist derzeit aus einem anderen Grund erstmal kein Thema.


    Polarfuchs

    Zitat

    aber als erwachsener Mensch und Führer eines Pkw sollte man lernen, damit umzugehen, dass es manchmal ein Tier trifft.

    Das ist prinzipiell natürlich richtig.

    Zitat

    Hat sie mal Haustiere gehabt, die verstorben sind?

    Nein, das nicht, aber sie hat einen anderen großen Verlust erlitten und das spielt sicher mit rein, weil sie mit dem Thema Tod generell nicht gut klarkommt.

    Zitat

    Wenn sie das alleine nicht schafft, könnte ihr ein Coaching helfen, oder eben ein Fahrsicherheitstraining (wobei ich nicht weiß, wie sensibel dort mit ihrer Angst umgegangen wird - dort soll ja auch eher gelernt werden, bei kleinen Tieren draufzuhalten).

    Da bin ich grade dran. :)^