Ich hatte mich auch schon gefragt, ob einige Schreiber im selben Deutschland wie ich lebe. Eine Waffe wäre für mich verhältnismäßig, wenn ich auf dem Weg zum Supermarkt damit rechnen muss, von drei Jugendgangs angegriffen zu werden. Ehrlich gesagt sind aus meiner Sicht die gefährlichsten Orte, dass mir etwas hier in Düsseldorf passiert, folgende: Die Altstadt und der Hauptbahnhof spät abends am Wochenende, wenn ich mit Alkoholauswirkungen rechnen muss. Dadurch kann es im Umfeld von Spielen der Fortuna noch einmal gefährlich werden. Um die Wahrscheinlichkeit einzuordnen, komme ich auf eine etwas brenzligere Situation und eine unangenehme Situation in 15 Jahren, die ich mitbekommen habe.


    Wenn ich eine Waffe einsetzen möchte, muss ich auch vorher den Umgang mit ihr üben. Der Vorschlag, zum Selbstverteidigungstraining zu gehen, kommt ja nicht von ungefähr. Ich gehe dahin, um zu lernen, was ich im Falle eines Angriffs überhaupt machen kann. Ob ich in der Situation noch einen so kühlen Kopf behalten und das abrufen kann, ist dann noch einmal eine andere Frage. Mit einer Waffe wird es noch einmal schwieriger, weil ich mich auch noch um die kümmern muss.


    Eine Aufrüstung wäre für mich einfach nur unverhältnismäßig im Vergleich zu meiner Realität.

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    Wenn man sich als harmlose Joggerin schon mit Schusswaffen bewaffnen soll,

    Nein als harmlose Joggerin sollte man zu Hause bleiben; allenfalls mit männlicher Begleitung darf man aus dem Haus.

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    Waffen helfen nur, wenn das Überraschungsmoment auf eurer Seite liegt.

    Sie helfen auch, wenn man anderen helfen muß.

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    Aufrüstung ist nur für die seltensten Fälle eine Lösung. In den meisten Fällen wird alles nur schlimmer.

    Trotzdem rüsten bei uns in Österreich große Teile der Bevölkerung massiv auf. Der Vater meiner Freundin ist Jäger und musste Munition auf Wochen im Voraus bestellen, weil der Waffenhändler nicht mehr mit liefern nachkommt. Die Nachfrage ist unheimlich groß.


    Eine Waffe beim joggen mitzuführen bringt aber meiner Meinung nach wirklich nichts. Aber um sich zuhause zu verteidigen, finde ich es nicht schlecht.


    Um sich beim Joggen vor Übergriffen zu schützen, gibt es ja auch schon spezielle Hosen. Mir fällt leider der Name nicht mehr ein, aber da könnte man durch googeln sicher genaueres herausfinden, falls das jemanden interessiert. Vielleicht kann man so sein subjektives Sicherheitsempfinden ebenfalls wieder etwas verbessern.


    Ich für meinen Teil gehe seit 2 Jahren leider nicht mehr meine übliche Joggingrunde, da diese durch einen Park mit Fluss führt, der laut unserer Polizei hier ebenfalls gemieden werden sollte. Da würde mir für mein Empfinden dann wohl auch keine Sicherheitshose helfen :-|

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    Nein als harmlose Joggerin sollte man zu Hause bleiben; allenfalls mit männlicher Begleitung darf man aus dem Haus.

    Sagt der, der nicht einmal in Deutschland lebt ;-D

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    Waffen helfen nur, wenn das Überraschungsmoment auf eurer Seite liegt.

    Sie helfen auch, wenn man anderen helfen muß.

    Willkommen bei der nächsten Schießerei, wenn jeder bewaffnet rumläuft. Verbring mal eine Nacht in Kingston, am besten in Tivoli Gardens oder Trench Town. Dann bekommst du eine Vorstellung davon wie das ist, wenn jeder Dritte bewaffnet rumläuft. Es gibt keine Welt, wo sich nur die Harmlosen bewaffnen - wie kommst du darauf, dass ausgerechnet du überlegen bist, wenn du eine Waffe besitzt? Und dass du sie auch noch richtig einsetzt und nicht den falschen triffst? Das ist ein Traum - die Realität schnell ein Albtraum.


    Der statistische Irrtum beim Vergleich von Waffenbesitz zu Schusswechseln beruht darauf, dass man die Besiedelungsdichte ignoriert. Eine hohe Besiedelungsdichte erhöht das Konfliktpotenzial, damit auch das Risiko einer Schießerei. Wer also gerade in Risikoregionen und No-Go-Areas dafür appelliert, Schusswaffen zu tragen, handelt absolut kontraproduktiv und riskiert das eigene Leben mehr, als würde man keine tragen. Weil man den potenziellen Konflikt eskaliert und sich auf ein Terrain begibt, wo der Straftäter viel erfahrener und skrupelloser handelt.

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    Wer also gerade in Risikoregionen und No-Go-Areas dafür appelliert, Schusswaffen zu tragen, handelt absolut kontraproduktiv und riskiert das eigene Leben mehr, als würde man keine tragen. Weil man den potenziellen Konflikt eskaliert und sich auf ein Terrain begibt, wo der Straftäter viel erfahrener und skrupelloser handelt.

    ansonsten gebe ich dir ja recht, aber das hier ist schlicht unhaltbar. in einer gesellschaft, in der das tragen von schusswaffen unüblich ist, wie eben in deutschland, würde man den konflikt dadurch eskalieren. in einer gesellschaft, in der schusswaffen ohnehin schon weit verbreitet sind, wie zb den usa, gilt das nicht mehr, dort ist man eindeutig im nachteil, wenn man selbst keine schusswaffe hat, das gewaltbereite gegenüber aber schon. sind schusswaffen hinreichend selten, ist dieses risiko vernachlässigbar. sind sie hinreichend verbreitet, leider nicht mehr.


    insofern ist die verbreitung von schusswaffen imho "binär": wenn kaum jemand schusswaffen hat, hat der einzelne auch einen geringen anreiz, sich welche zuzulegen. ist allerdings ein ziemlich niedrigschwelliger "kipppunkt" an waffenverbreitung überschritten, kommt durch den nachteil der unbewaffneten gegenüber den bewaffneten eine dynamik in gang, die zwangsläufig bei zuständen wie in den usa endet. so eine aufrüstungsspirale in gang zu setzen, wäre etwas ganz schlechtes, unsere gesellschaft als ganzes sollte in großes interesse daran haben, das zu verhindern. solange allerdings die innere sicherheit aufgrund politischer, ideologischer und juristischer entscheidungen vor die hunde geht, wird genau diese unselige entwicklung irgendwann unvermeidbar sein. %-|

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    wie zb den usa, gilt das nicht mehr, dort ist man eindeutig im nachteil, wenn man selbst keine schusswaffe hat

    Das sehe ich anders. Wenn dir jemand eine Knarre vor die Nase hält und deine Geldbörse fordert ... was glaubst du, wann deine Überlebenschancen höher sind? Wenn du ihm das Geld gibst, oder wenn du auch eine Knarre ziehst?


    Schusswaffen werden in der Regel nicht dazu eingesetzt, den anderen zu töten, sondern als Bedrohung, um einen bestimmten Willen durchzusetzen. Lebensgefährlich wird es erst, wenn auch geschossen wird. Schusswaffen zur Verteidigung sind in den meisten Bedrohungsszenarien eine Illusion. Dessen bin ich mir ganz sicher. Das gilt auch für dein umschriebenes "innenpolitisches Szenario". Mehr legale Waffen bedeutet auch mehr Schwarzmarkt-Waffen. Das wäre ein Fest für depperte Kleinganoven, die heute noch zu bescheuert sind, sich eine illegale Knarre zuzulegen. Deswegen bin ich heilfroh, dass eben nicht aus ideologischen Gründen das Waffenrecht liberalisiert wird.


    Ideologisch sind in meinen Augen eher die Argumente der Waffenlobby, die tatsächlich am Beispiel Kanada erklären wollen, dass mehr Waffen nicht zu mehr Toten führen. Ich habe es oben schon erklärt: man darf die Anzahl Waffen nicht in Verhältnis der Menschen setzen, sondern in Verhältnis der Besiedelungsdichte. Nur wenn Menschen aufeinandertreffen, entstehen gewalttätige Konflikte. Die Brennpunkte belegen dies auch in deutschen Städten. Die Besiedelungsdichte der USA ist 10x so hoch wie in Kanada - was ein Wunder! Ich könnte noch sarkastisch Spitzbergen nennen. Da war ich mal in Longyearbyen. Waffen gibt es da normal im Supermarkt, pro Haushalt gibt es im Schnitt 8 Gewehre wegen der Eisbären (vermutlich Weltrekord). Aber keine Schießereien. Was aber nicht an den Waffen liegt, sondern an der Tatsache, dass Spitzbergen als Land weniger Einwohner hat als Wanne-Eickel.


    Dass man das nicht sehen will, ist mir ein Rätsel. Und mit der Berücksichtigung der Bevölkerungsdichte wird auch ein Schuh draus.

    @ comran:

    was ist dann mit der schweiz? die schweiz hat eine deutlich höhere bevölkerungsdichte als die usa, aber ähnlich viele waffen pro kopf. dennoch kaum probleme mit waffengewalt.


    nein, es liegt nicht so sehr an der besiedelungsdichte sondern an sozialen spannungen und ungleichheit. in ländern, in denen es den menschen gut geht und auch die ärmeren teile der gesellschat ein zufriedenstellendes maß an sozialer absicherung und teilhabe besitzen, ist die gewalt generell niedriger - ganz gleich wieviele schusswaffen im umlauf sind. auch die kultur und erziehung spielt eine rolle. nicaragua hat eine gewaltaffinere gesellschaft als die usa, und die wiederum haben eine verrohtere gesellschaft als kanada oder norwegen.


    imho liegen probleme mit gewalt so gut wie immer an sozialen spannungen und sozialer ungleichheit. tja, und wenn es nun in einem land eine gesellschaftliche entwicklung gibt, die frauen dazu bringt sich zu fragen, ob sie sich am hellichten tag noch trauen können durch einen park zu joggen ohne vergewaltigt und krankenhausreif geprügelt zu werden, dann würde ich das durchaus als den anfang "sozialer spannungen" bewerten. ??aber vermutlich brauchen die meisten noch etwas länger bis sie bereit sind das zu begreifen.?? :=o

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    Schusswaffen werden in der Regel nicht dazu eingesetzt, den anderen zu töten, sondern als Bedrohung, um einen bestimmten Willen durchzusetzen.


    Comran

    Tja dummerweise weißt du aber nicht bei einem Überfall, wie das kriminelle Subjekt konkret tickt. Ich möchte nicht darauf angewiesen sein, dass derjenige einigermaßen normale Aggressionshemmungen hat und ihm daran gelegen ist, mich möglichst nicht zu verletzen. Alleine, dass der den Überfall/Angriff begeht, deutet schon darauf hin, dass mein Wohlergehen keine Priorität für denjenigen haben kann.


    Die Joggerin in Leipzig war dem Täter zB körperlich unterlegen, er hatte das Überraschungsmoment und sie hat sich laut Berichten wohl nicht gewehrt; trotzdem hat er ihr Gesicht zu Brei geschlagen, sodass sie notoperiert werden musste, und sie vergewaltigt. Das Paar in der Siegaue (Camper) hat sich auch nicht gewehrt (dort wurde die Waffe eingesetzt, um die Vergewaltigung zu erzwingen und Widerstand zu brechen - das Paar hatte seinerseits keine Waffe dabei, um sich verteidigen zu können). Maria L. wurde anschließend praktisch im Fluss ersäuft, "obwohl" auch dort der Täter bekommen hat, was er wollte (die Vergewaltigung). Der 40-Jährige, der neulich totgeschlagen wurde, hat die Tätergruppe seinerseits nicht angegriffen - sie aber ihn.


    Die hier waren auch sogar zu zweit unterwegs und haben die Angreifer nicht provoziert, trotzdem haben die Angreifer ihnen massive Gesichtsverletzungen zugefügt - und man kann sich ja mal überlegen, wie gut sich gerade am Kopf/im Gesicht auch mit den heutigen Möglichkeiten der Chirugie das ursprüngliche Antlitz - ganz zu schweigen von der Gesundheit und dem Wohlbefinden - wiederherstellen lässt.

    Zitat

    Ihnen kamen in der Dunkelheit zwei Männer entgegen. Als sie die Männer erreichten, schien es, als machten sie den Frauen zunächst Platz. "Doch bei der Vorbeifahrt griffen sie die Geschädigten dann unvermittelt an, woraufhin diese zu Boden stürzten. Die beiden Männer schlugen auf die am Boden liegenden Geschädigten ein und zerrten sie in einen Grünstreifen. Die weiteren Handlungen der beiden Täter waren offensichtlich sexuell motiviert", beschreibt ein Polizeisprecher die brutale Szenerie.(...)


    Die beiden Frauen erlitten massive Gesichtsverletzungen.

    https://www.welt.de/regionales/hamburg/article165462867/Als-sie-vorbeifahren-wollen-reissen-die-Taeter-sie-vom-Fahrrad.html


    (Dass die beiden Frauen die doppelte armlänge Abstand hier nicht eingehalten haben und im Dunkeln unterwegs waren ohne männliche Begleitung, war natürlich fahrlässig von ihnen aus Sicht der neuen Sicherheitslage. Aber sie waren immerhin nicht bewaffnet und haben ihre Angreifer braverweise nicht provoziert durch Gegenwehr - mit Ausnahme der Schreie. [...] /ironie)


    Es läuft nicht friede-freude-eierkuchenmäßig ab, nur weil man sich als Opfer nicht wehrt und brav seine Wertsachen herausgibt oder sich eben vergewaltigen lässt. Was weiß denn das Opfer, was im kranken Hirn des Täters oder der Täter vor sich geht. Das sind in den seltensten Fällen skrupulöse, empathisch-mitfühlende und höfliche Zeitgenossen, die einen in Gentlemen-Manier bloß um Wertsachen erleichtern möchten.


    [...]

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    was ist dann mit der schweiz? die schweiz hat eine deutlich höhere bevölkerungsdichte als die usa, aber ähnlich viele waffen pro kopf. dennoch kaum probleme mit waffengewalt.

    "Ähnlich viel Waffen pro Kopf" sind Fake-News, man muss auch den genauen Wortlaut der Statistiken lesen. Es gibt ähnlich viel Haushalte, die überhaupt Waffen haben, ja - aber in den USA gibt es doppelt so viel Waffen pro Kopf wie in der Schweiz.


    http://www.watson.ch/Schweiz/U…ergleich-in-drei-Grafiken


    Dazu hat die Schweiz die hohe Waffenverbreitung vor allem durch das Armeesystem und fast nur Gewehre in den Haushalten und kaum Handfeuerwaffen - über die Hälfte der registrierten Waffen in der Schweiz sind Armeewaffen in Privathaushalten. Und mit einem Gewehr gehst du nicht abends Joggen oder in die Kneipe. Insofern ist das Äpfel mit Birnen verglichen.


    Die Schweiz rangiert auf Platz 4 bei der Tötungsrate durch Schusswaffen. Das ist nicht gerade ein rühmliches Ergebnis. Wenn du den Anteil der Handfeuerwaffen in der Schweiz im Verhältnis zu den USA betrachtest und in der Statistik berücksichtigst, bin ich mir sehr sicher, dass da eine ähnliche Tötungsrate bezogen auf die Bevölkerungsdichte herauskommt. Ich bleibe daher bei meiner Einschätzung.

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    nein, es liegt nicht so sehr an der besiedelungsdichte sondern an sozialen spannungen und ungleichheit.

    Dann die Gesellschaft also keine Waffen, sondern höhere Bereitschaft zu teilen. Oder woher kommen soziale Spannungen und Ungleichheit? Bekämpfen Waffen die Wurzel des Übels? Sicher nicht. Überleg nochmal deine Argumentationskette. :)z


    BTW: hat das einen besonderen Grund, dass du dich Black Gun nennst, oder ist das Zufall? Nur mal so aus Interesse.

    Hallo,


    Jeder Schreck, der uns eine unliebsame Realität erleben lässt, kann eine ganze Weile nachwirken. Aber ich möchte Dir tröstend sagen, meist verliert sich das früher oder später wieder, wenn wir nicht dauernd darüber nachgrübeln.


    Warnungen, also auch Berichte jeder Art, helfen uns aber höchstens, soweit sie uns sinnvoll dazu bringen, vorsichtig zu sein, z. B. nicht morgens um Sechs schon oder nachts durch einsame Gebiete zu streifen.


    Im übrigen machen sie dafüer anfällige Menschen übersensibel und helfen Null. Ich ignoriere wüste Berichte lieber mal, statt mir das nutzlos alles reinzuziehen.


    Gruß, Sviva