Angststörung - Panische Angst vor Nachbarn

    Hallo!


    Ich weiß nicht, ob der Beitrag hier oder überhaupt in diesem Forum richtig ist. Aber ich denke ich brauche vielleicht einmal den ein oder anderen Rat.


    Ich leide seit ich 12 bin, also nun schon 13 Jahre an einer Angststörung, die sich in sehr viele Lebensbereiche mit sich zieht. So ist auch eine Angst vor S und U-Bahn fahren. Richtige Panik entsteht dann, wenn schreiende Obdachlose oder Junkies o.Ä. (was in Berlin nun auch nicht gerade selten der Fall ist) mit einsteigen oder mir zu Nahe kommen. Dies habe ich soweit im Griff. Desweiteren eine Agoraphobie und eine Sozialphobie.


    Nun zu meinem neuen Problem. Ich wohne in einer 1Zimmerwohnung seit fast nun zwei Jahren. Das erste Jahr verlief unproblematisch, ich fühlte mich sehr wohl hier und die Wohnung ist für eine Studentin wie mich wirklich ein Traum! Allerdings wohne ich in einer "Platte" d.h. 11 Etagen à vier Wohnung je Etage. In dem letzten Jahr kam es immer wieder dazu, dass mein Nachbar über mir sehr laut war bzw. immer noch ist. So ist es nicht selten der Fall, dass er Freitag oder/und Samstag richtig ausrastet, die Musik volle Kanne aufdreht, rumbrüllt (ja ich denke er ist besoffen), rumtrampelt und mich somit die ganze Nacht auf Trapp hält. Ich kann dann erst gegen vier Uhr einschlafen und durchlebe eine Panikattacke nach der nächsten. In diesen Nächten bin ich meist damit beschäftigt, meine Schweißausbrüche, sowie meine Übelkeit, mein Zittern u.v.m. unter Kontrolle zu bekommen. Über den Tag hinweg kann ich ohne Kopfhöhrer leider auch nicht lernen, mal unterhält er sich, sagen wir mal nicht gerade auf Zimmerlautstärke, hört Musik, den Fernseher höre ich auch (manchmal erkenne ich sogar die Werbung wieder). Leider ist er anscheinend auch arbeitslos, und verlässt das Haus nie! Fakt ist dieser Typ macht mir so eine Angst, dass ich schon manchmal richtige Angstzustände bekomme, wenn ich nach Hause muss. Ich war schon bei der Wohnungsbaugesellschaft, die mir auch helfen würde. So hat die Wbg nun einen Brief geschrieben, dass er sich bitte an die Ruhezeiten halten soll. Kurz darauf knallte er prompt circa eine Woche lang außerhalb der Ruhezeiten (immer gegen 19 Uhr) die Türen, so laut, dass ich wieder Angstzustände bekam. Seither ist es auf jeden Fall viel ruhiger geworden. Aber die Frage, die mich quält ist, wie lange geht das denn bitte gut?? Während meiner Prüfungszeit habe ich ihm auch einen Brief geschrieben. Er hat es geschafft ganze drei Wochen ruhig zu sein, danach ging alles wieder von vorne los. Während meiner Prüfungsphase musste ich zu meinen Eltern gehen und lernen, weil meine Prüfungen schon in Gefahr waren, da ich mich hier nie konzentrieren kann.


    Nun kommt der nächste Schritt ich solle das Lärmprotokoll nun hinschicken, was ich aber auf keinen Fall tun kann und werde, da dort mein Name steht und es das dann war mit meiner Anonymität. Ich würde es nicht überleben, mit dem Gedanken, dass er meinen Namen kennt und bei mir klingeln könnte, denn er ist wirklich offensichtlich nicht Herr seiner Sinne.


    Morgen möchte bzw. muss ich hin und möchte hier ausziehen. Ich muss hier raus, denn so langsam zerrt es an meiner Psyche. Genau das wovor ich "draußen" Angst habe, wohnt nun über mir. Ich kommte nicht mehr gerne nach Hause, am liebsten würde ich jede Nacht überall schlafen nur nicht in meinen eigenen vier Wänden.


    Ich weiß jetzt leider auch nicht, ob das jemand versteht. Um ehrlich zu sein, kann ich sehr gut verstehen, wenn der ein oder andere es eben nicht versteht, aber ich denke dies ist leider Teil meiner Erkrankung.


    Ich weiß nicht, was ich mir erhoffe. Aber kennt das jemand?? Oder hat jemand Tipps, wie mir sowas vielleicht nicht nochmal passiert für die neue Wohnung? Fakt ist, ich werde wieder in eine Platte ziehen müssen (als Student hat man nicht so die Wahl in Berlin). Vielleicht eine klitzekleine Frage: Findet ihr den Auszug ein bisschen übertrieben? Ich habe ehrlich gesagt ein "bisschen" Bammel vor der Reaktion der Wbg, schließlich sind das höchstwahrscheinlich "normale" Menschen, die meine "Paranoia" vielleicht nicht mal ansatzweise verstehen werden.


    Auf jeden Fall schon mal Danke für's Durchlesen.

  • 13 Antworten

    Hallo Dissaster,


    ich kann deine Ängste absolut nachvollziehen und sie sind eben da und auch verständlich für mich. Das ist eben so. Du beschreibst selber, dass du an einer Sozialphobie leidest. Also bleibt nur der Auszug aus der jetzigen Wohnung. Der jetzige Zustand ist für dich (wäre auch für mich so) nicht lebenswert. Also raus dort und suche dir eine kleine bezahlbare Bleibe. Achte bei der Besichtigung auf wichtige Gegebenheiten. Zustand des Hausflures, Klingelschilder, die notdürftig angebracht sind, zeugen von wechelnden Mietern, also auch nicht gut. Mach Abstriche bei der Wohnungssuche. Lieber eine ruhige Gegend aber ohne Nerver, die sich asozial verhalten. Zieh in einen Randbezirk. Achte auf viele Gegebenheiten, die dich stören oder ich auch beeinflussen könnten. Es gibt in Berlin viele Aussenbezirke, die auch schöne kleine bezahlbare Wohnungen anbieten.


    Ich verstehe dein Problem und ich würde auch so reagieren. Lieber einen Randbezirk in Betracht ziehen, als mittig und zentral im Horror wohnen.


    Ich wünsche dir viel Glück bei der Suche.


    :)*

    Was unternimmst Du denn genau, um die soziale Phobie loszuwerden?


    Auch ohne soziale Phobie kann man an solche Nachbarn geraten, meine waren auch dauernd besoffen und es hat 3 x gebrannt bei denen. Alles glimpflich ausgegangen. Umgezogen. Die Nachbarn waren aber nicht minder laut, qualmten von der Terrasse alle naselang ihre Zigarette, der Rauch zog in mein Schlafzimmer. Wieder Umzug. Seniorenanlage. Da gibt es dann unerzogene Köter, die den ganzen Tag jiffeln.


    Ein Auszug garantiert, gerade im unteren Preislevel, noch keine Ruhe.


    Trotzdem würde ich das hier auch vorschlagen. Und eine geeignete Therapie.

    @ Seraphina1

    Vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Nachdem ich mich wirklich drei Wochen gedrückt habe und mir das alles noch schön geredet habe, ist es morgen soweit und ich werde bei der Wohnungsbaugesellschaft fragen. Hattest du schon einmal ähnliche Erfahrungen?? Bei der nächsten Wohnung werde ich (auch wenn es komisch aussieht) bei den über mir klingeln, denn so etwas darf mir nicht nochmal passieren, da ich es finanziell auch nicht so "dicke" habe.

    @ BenitaB.

    Ich wollte die Sozialphobie keineswegs in Verbindung mit den Nachbarn stellen. So ne Nachbarn kann jeder antreffen, egal ob psychisch krank oder eben nicht. Meine Sozialphobie habe ich weitesgehend im Griff. So kann ich studieren, Freunde treffen etc. Natürlich werde ich nie der Mensch sein, der gerne auf große Parties geht oder eine Rede vor 300 Leuten bevorzugt. Eine geeignete Therapie hatte ich schon mal in Anspruch genommen über vier Jahre. Leider ist es gerade in Berlin sehr schwierig einen geeigneten Therapeuten zu finden. (Lange Wartelisten und vorzugsweise vormittags). Für eine geeignete Therapie fehlt mir leider während des Semesters die Zeit. Trotzdem danke ich für Deine Ratschläge. Mir ist bewusst, dass ich wahrscheinlich nicht die völlige Ruhe bekommen werde, aber ein Nachbar der nicht rumbrüllt und ab 22 Uhr ruhig ist, wäre echt schon hilfreich.


    Lieben Gruß.

    Mich würde sowas auch ohne Angstörung massiv stören. Warum hast du noch nie die Polizei wegen Ruhestörung gerufen? Gerade wenn er bis in die Puppen Lärm macht, wäre mir da nach wenigen Tagen der Geduldsfaden gerissen.


    Könnte man eigentlich wegen einem lärmendem Nachbarn über den man sich beim Vermieter nachdrücklich beschwert hat, Mietminderung einfordern?

    Schöne Grüße aus Kreuzberg @:)


    Das was du beschreibst, ist der ganz normale Irrsinn der Stadt. Man braucht ein dickes Fell nur um durch die Straßen zu gehen. U- und S-Bahn fahre ich nur, wenn es nicht anders geht - also weite Strecken. Ansonsten radel ich durch die Stadt.


    Ich habe keine Sozialphobie, aber ein gesundes Gespür für Selbstschutz. Nicht umsonst hat die liebe BVG einen song [[Ist mir egal]] rausgebracht. Deine Wahrnehmung ist da schon nicht verkehrt. Auch wenn es nach längst vergangenen Zeiten anmutet, mittlerweile werde ich abends nach Haus begleitet. Das hat auch damit zu tun, dass ich wegen einer Knieverletzung etwas gehbehindert war. Aber es hat sich in den letzten Monaten eingebürgert und ich finde es sehr schön.


    Zu deinem Nachbar: da wirst du leider sehr wenig ausrichten können. Klar gibt es rechtliche Möglichkeiten. Aber ehe die greifen, hast du eine neue Wohnung gefunden. Der Typ wird sich nicht ändern. Allenfalls sich mehr an Regeln halten, mehr ist nicht zu erwarten. Das hilft dir aber in deinem Unwohlsein mit diesem Nachbarn nicht. Wie du beschreibst ist er aggressiv und so jemanden möchte man nicht wirklich im Hausflur über den Weg laufen.


    Erstmal klingt es ungerecht und vielleicht feige, wegzuziehen. Die Wohungssuche in Berlin ist auch mehr als einfach. Das ist wirklich ein hartes Pflaster. Trotzdem sage allen Leuten, die du kennst, Bescheid. Über Kontakte lässt sich am ehesten etwas finden. Nebenbei bei immoscout- oder welt eine Suche laufen lassen und bei der aktuellen Wohngenossenschaft anfragen.


    Viel Glück bei der Suche @:)


    Bitte denke auch daran: Wenn du diese Stadt überlebst, dann überlebst du alles ;-) Harte Lehrzeit, aber nicht umsonst!

    Zitat

    Bitte denke auch daran: Wenn du diese Stadt überlebst, dann überlebst du alles ;-) Harte Lehrzeit, aber nicht umsonst!

    Als würde es das nicht in jeder Stadt geben :=o :=o .


    Sogar im ach so ruhigen Bayern sind Wohnblocks, wie von der TE beschrieben, laut, assig und bevölkert mit Menschen mit Drogen-, Alkohol- und allen anderen Problemen.


    Ich denke nicht, liebe TE, dass sich das bessert, wenn du von einer Platte in die nächste ziehst.


    Wenn dann eben ruhig, Stadtrand, bürgerliche Siedlung.


    Dann musst du aber dafür wohl viel länger U- und S-Bahn fahren, was ja wohl auch ein Problem darstellt.


    Auch in einem Stdentenwohnheim ist es laut, es werden Parties gefeiert, Leute sind besoffen... das ist also auch keine Alternative.

    Zitat

    @ Seraphina1


    Vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Nachdem ich mich wirklich drei Wochen gedrückt habe und mir das alles noch schön geredet habe, ist es morgen soweit und ich werde bei der Wohnungsbaugesellschaft fragen. Hattest du schon einmal ähnliche Erfahrungen?? Bei der nächsten Wohnung werde ich (auch wenn es komisch aussieht) bei den über mir klingeln, denn so etwas darf mir nicht nochmal passieren, da ich es finanziell auch nicht so "dicke" habe.

    JA, ich habe diesbzügl schon viele schlechte Erfahrungen gemacht. Aber ich war immer sehr aufmerksam und achtete auf Kleinigkeiten, die evtl ein "problemreiches Miteinander" signalisiert haben.


    Sei achtsam bei den Besichtigungen der neuen Wohnung und achte genau auf das, was dich stören würde. Mal ganz abgesehen von deiner sogenannten Sozialphobie. Es ist für viele Menschen ein Problem, mit solchen Nachbarn zu leben. Die Wohnung stellt für mich schon immer mein Nest und ein Rückzugsgebiet dar. Insofern will ich auch Ruhe und vor allem Nachbarn, die sich entsprechend verhalten und es auch leben.


    Ich kann dich nur sehr gut verstehen. Ich habe auch schon EINIGES durch. Mittlerweile wohne ich -zurzeit noch- ruhig. Aber das kann sich ja mit neuen Mietern jederzeit ändern.


    Du kannst mich auch über PN kontaktieren.


    Ich wünsche dir alles Gute und vor allem eine Wohnung, in der du dich wohl und sicher fühlst.


    :)* *:) @:) :)_

    Ich kann dich gut verstehen. Bei mir hat mal ein Nachbar nachts um 3 versucht, die Wohnungstüre einzutreten, so dass ich mich mit meiner Katze im Schlafzimmer verbarrikadieren musste. Er hatte eine psychische Störung und wurde dann auch gleich mitgenommen, mit Entspannung war dann trotzdem für lange Zeit fertig. Das war auf dem Land. Jetzt wohne ich in einer Stadt, die als sozialer Brennpunkt bekannt ist, aber in einem ruhigen Quartier und bisher gab es keine Probleme.

    Zitat

    Vielleicht eine klitzekleine Frage: Findet ihr den Auszug ein bisschen übertrieben? Ich habe ehrlich gesagt ein "bisschen" Bammel vor der Reaktion der Wbg, schließlich sind das höchstwahrscheinlich "normale" Menschen, die meine "Paranoia" vielleicht nicht mal ansatzweise verstehen werden.

    Nein, übertrieben finde ich das nicht. Ich habe keine Panikatacken, fühle mich bei lautem Reden der Nachbarn usw. aber auch unruhig. Vielleicht sagst du, dass du viel lernen musst und dich so nicht konzentrieren kannst und dir eine ruhigere Wohnung suchst. Ausserdem musst du dich doch gar nicht rechtfertigen, die haben ja nichts zu entscheiden, oder? Die ärgern sich höchstens, dass sie eine zuverlässige Mieterin verlieren. Ist jetzt aber auch nicht dein Problem.


    Gibt es in Deutschland auch Genossenschaftswohnungen? Wäre vielleicht sonst noch eine Idee.

    Ja, gibt es.

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    Ich denke nicht, liebe TE, dass sich das bessert, wenn du von einer Platte in die nächste ziehst.

    Muss nicht sein. Ich habe auch schon laut im Altbau gewohnt und derzeit ruhig in der Platte. Es ist vielleicht nicht ästhetisch ansprechend (;-D) aber je nach Dämmung und Klientel kann es in der Platte sogar leiser sein als im Altbau. Ich würde mir eher die genaue, unmittelbare Nachbarschaft anschauen, als nach dem Häusertyp zu gehen. Gerade in Großstädten ist die Wohnungsnot oft so groß, dass auch "vernünftige" Leute in die Platte ziehen (müssen).

    Noch ein Tipp, da ich das jetzt mittlerweile schon 2 Mal erlebt habe bei Wohnungen: Es gibt anscheinend Leute, die auf Uhren stehen, die zu jeder Stunde (auch nachts) so laut bimmeln, dass man es mehrere Wohnungen weit hört. Mach Wohnungsbesichtigungen also nach Möglichkeit so aus, dass du zu einer vollen Stunde (um 11 Uhr vormittags oder 4 Uhr nachmittags oder so) da bist und hören kannst, ob es da sowas gibt. Das wird sonst echt lästig, gerade, wenn das auch nachts ist.

    @ kleiner drachenstern

    Zitat

    Als würde es das nicht in jeder Stadt geben :=o :=o .

    Was soll ich sagen: kenne viele Städte und zumindest in Deutschland ist Berlin ein Lehrpflaster. Hamburg, Köln, Stuttgart lächerlich dagegen. Uuups, Bayern vergessen: Ja, auch im Ländle schauts beruhlich aus.


    Manchmal macht es mein Herz schwer zu sehen, wie Menschen leben und sie ob dieser Bedingungen ausflippen. Das passiert leider. In Großstädten begegnet man dem häufiger.


    Komm gern mal auf Besuch, um dir ein Bild zu machen.


    Gibt auch sehr schöne Seiten an der Stadt :)z