Antidepressiva (Escitalopram) oder zunächst mit Psychotherapie versuchen (rezidivierende Depression)?

    Hallo!:-)


    Bei mir wurde aktuell leider eine leichte-mittelschwere Depression festgestellt (Rezidiv, die erste Erkrankung war vor ca. 10 Jahren).


    Nun werde ich in einigen Wochen, wenn der Antrag erfolgreich durchgeht, meine Verhaltenstherapie beginnen. Ein Psychiater hat mir parallel ein Antidepressiva aufgeschrieben (Escitalopram).


    Bei Antidepressiva bin ich grds. vorsichtig, weil ich damals große Nebenwirkungen hatte (vor alle eine heftige Gewichtszunahme). Ich weiß, dass das keine Bonbons sind...


    Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr es auch ohne Antidepressiva "geschafft" oder war es für euch eine Stütze? Hat jdm. Erfahrung mit Escitalopram?


    LG@:)

  • 33 Antworten

    Hallo! Ein Antidepressivum wird überwiegend begleitend oder vor einer Psychotherapie verordnet. In der Therapie werden die Ursachen der Depression erarbeitet und das Medikament lindert die Begleitsymptomatik, behebt aber nicht die Ursache. Leider wirken Antidepressiva nicht sofort, bis sich die volle Wirkung zeigt, können einige Wochen vergehen. Hast du vor 10 Jahren das gleiche Medikament genommen? Es gibt durchaus Antidepressiva, wo man nicht von zunimmt. Das könntest du mit deinem Arzt besprechen, eventuell findet sich eine Alternative. Alles Gute!

    ich würde dir Tabletten nehmen, sonst wird der leidensdruck zu gross.


    mit Tabletten und Psychotherapie fährst du am besten.


    Gewichtszunahme kann, aber muss nicht sein, mirtazapin ist da ganz gefährlich.


    was hat deine aktuelle Depression ausgelöst? hast du sorgen, ängste, Druck von aussen?

    _Chipsy_ schrieb:

    Escitalopram wirken gut. Therapie ist überwiegend Zeitverschwendung.

    Ich hoffe das ist nicht ernst gemeint.


    Ein SSRI schütet kein Serotonin aus, es sorgt nur dafür, dass das, was ausgeschüttet wird, länger vorhanden ist (dadurch scheint es mehr zu sein).


    Wenn Du mit einer Therapie wieder lernst, Dinge zu finden und dann zu tun die Dir Freude machen und Du noch genug Serotonin herstellst, kannst Du Dich ohne Medikamente nach und nach aus der Depression herausarbeiten. Wenn das nur noch schwer möglich ist, helfen die SSRIs, dass auch kleine Erfolge "spürbar" werden.


    Aber wenn Du einfach nur die Medikamente schluckst und Dich im Bett verkriechst wird das höchstwahrscheinlich nach hinten losgehen ....

    ErdeundMond_1986 schrieb:

    Bei Antidepressiva bin ich grds. vorsichtig, weil ich damals große Nebenwirkungen hatte (vor alle eine heftige Gewichtszunahme). Ich weiß, dass das keine Bonbons sind...

    Da ich mit solchen Medikamenten mal 40kg zugenommen finde ich es gut, dass Du vorsichtig bist. Nichtsdestotrotz muss man abwägen, ob es sinnvoll sein kann. Wenn der Leidensdruck groß ist und es ohne schwierig bis gar nicht möglich ist vorranzukommen ist es sowieso Alternativlos.


    Aber man kann ja auch Aufmerksam sein. Wiege Dich einmal die Woche, man nimmt ja jetzt nicht in 3 Tagen 20 kg zu. Wenn Du einen Trend nach oben siehst, hast Du immer mehrere Möglichkeiten: Mehr Sport als ohne die Medikamente, Ernährung anpassen oder die Medikation überdenken (reduzieren, durch anderes Medikament ersetzen). Wenn Dir die Medikamente wirklich helfen, würde ich versuchen, es mit anderen Maßnahmen auszugleichen, solange das vertretbar ist. Es ist natürlich keine Option gar nichts mehr zu essen oder 24/7 Sport zu machen. Aber wenn das temporäre Verzichten auf was süßes oder 30 Minuten Sport die Woche mehr reicht, wär das ja ne Investition die sich lohnt. Ich habe damals ins Gewicht investiert weil alles andere nicht möglich war, aber käme ich wieder in so eine Situation, in leichterer Form (ohne Klinik etc) würde ichs auf diese Weise versuchen.

    _Chipsy_ schrieb:

    Escitalopram wirken gut. Therapie ist überwiegend Zeitverschwendung.

    Das sagen auch einige Psychiater;-D

    Anscheinend eine quälende On-Off Beziehung, in Verbindung mit eine Art "Bilanzierung" zum 35sten Lebensjahr und der Tatsache, das man nicht dort ist privat, wo man sein wollte.


    Andererseits fällt ein gewisser "Druck" auch weg (ein jahrelanger hoher Kredit).

    Das ist ein guter Tipp, danke!


    Die Antidepressiva würde ich in Kombi mit einer VT (1x wöchentlich) machen.


    Du hast von Escitalopram stark zugenommen?

    Bei einer leichten Depression kannst du durchaus zuerst einmal mit der VT beginnen und schauen, wie es dir damit geht.


    Gehst du weiterhin wie bisher arbeiten? Hast du weiterhin soziale Kontakte? Vernachlässigst du elementare Dinge des alltäglichen Lebens? Das wäre so die Fragen im Zhg. mit Medikation und Depr.

    Skolka schrieb:

    Bei einer leichten Depression kannst du durchaus zuerst einmal mit der VT beginnen und schauen, wie es dir damit geht.


    Gehst du weiterhin wie bisher arbeiten? Hast du weiterhin soziale Kontakte? Vernachlässigst du elementare Dinge des alltäglichen Lebens? Das wäre so die Fragen im Zhg. mit Medikation und Depr.

    Ich gehe normal zur Arbeit, schaffe aber selten die 8 h am Tag...


    Ich habe mich sozial stark zurückgezogen, treffe nur meine beste Freundin und ansonsten aktuell praktisch niemanden. Manchmal liege ich das ganze WE nur im Bett...

    Es wäre völlig unseriös, dir hier eine konkrete Antwort auf deine Frage zu geben, ob du jetzt schon ein AD nehmen oder doch lieber auf die VT warten sollst.


    Ich denke, du kannst es selbst am besten mit dem Arzt zusammen einschätzen, da du auch schon Erfahrung mit Depression hattest.

    ErdeundMond_1986 schrieb:

    Du hast von Escitalopram stark zugenommen?

    Nein, von zwei anderen Medikamenten. Allerdings in sehr hoher Dosis (höher als die Packungsbeilage erlaubt, klinisch verordnet). Ist also nicht auf Dich übertragbar.

    Ich halte nichts von Antidepressiva. Ich hatte trotz mehrerer Monate Versuch immer nur heftige Nebenwirkungen, nie aber Besserung gemerkt.


    Was mir einzig was gebracht hat, war eine Verhaltenstherapie.

    @Erdeundmond_1988


    Da es dir offenbar einigermaßen gut geht und du nicht wirklich ein Antidepressivum nehmen willst kannst du es ja auch erstmal so versuchen. Aber es gibt kein Patentrezept was für wen gut ist.

    Ich finde es schlimm wenn jemand Antidepressiva verteufelt (man kann schreiben "mir haben sie nicht geholfen" oder "ich möchte keines nehmen" aber nicht "AD sind scheixxe") und genauso daneben, wenn jemand schreibt ,es müsse unbedingt eine Verhaltenstherapie gemacht werden.


    Von Citalopram (ohne Es-) hatte ich zugenommen. Aber da kommt es auch drauf an: ist man normalgewichtig und hat dann 5kg mehr drauf, damit kann man leben. War man vorher schon übergewichtig ist das blöd. Auch wenn drei Bekannte von einem Medikament zugenommen haben, muss es nicht dazu kommen. Genauso wie es einem Single wumpe sein dürfte ob er als Nebenwirkung Erektionsprobleme bekommt während jemand in einer Partnerschaft gerne den Sex genießen möchte !

    Ich hab von Escitalopram nicht zugenommen. Eher im Gegenteil, weil ich wieder aktiver war, hab ich sogar etwas Gewicht verloren.

    Von einem anderen Antidepressivum hab ich dagegen mal 10 Kilo zugenommen.

    Ich denke, man kann vorher nicht sagen, ob und welche Nebenwirkung man hat. Da hilft nur Ausprobieren.

    Mir hilft Escitalopram jedenfalls sehr gut. Dafür komme ich mit Psychotherapie nicht so klar. Das ist nicht so mein Ding. Bei anderen ist es andersrum. Das ist einfach individuell.