Antidepressiva hilfreich bei Appetitlosigkeit?

    Bei Antidepressiva wird als Nebenwirkung oft von einer Zunahme des Appetits berichtet.


    Mein Problem ist, dass ich seitdem ich L-Thyroxin nehmen muss im Grunde kaum noch Appetit habe und mir Essen einfach nicht oder kaum noch schmeckt.

    Vorher konnte ich gerade Süßigkeiten nicht widerstehen und habe meistens erst aufgehört, wenn die ganze Packung leer war, weil es gut geschmeckt hat und irgendwie auch die Laune verbessert hat und vermeintlich hilfreich gegen die ständige Müdigkeit war; Zucker bringt ja Energie. Essen hat einfach generell Spaß gemacht; gesundheitlich ging es mir allerdings schlecht durch die Schilddrüsenunterfunktion.


    Jetzt habe ich das paradoxe Problem, dass es mir gesundheitlich sehr gut geht und mein Stoffwechsel endlich normal ist, dafür ist mein Appetit deutlich gesunken und Essen ist primär zu einer Notwendigkeit geworden, um den Hunger zu stillen (nicht etwa den reinen Appetit - wie das früher Alltag war). Mir schmeckt auch vieles an Süßigkeiten nicht mehr, was ich vorher geliebt habe, zB Schokolade. Aber auch normales Essen ist irgendwie nicht richtig mehr anziehend - ich muss mich regelrecht dazu zwingen, was zu essen; an machen Tagen ist es besser, an anderen schlechter.


    Ich will hier nicht groß rumjammern, aber meint ihr es könnte sinnvoll sein, ein Antidepressivum off-Label zu nutzen, um von der Nebenwirkung "Appetitsteigerung" zu profitieren? Wenn das Medikament meine Laune verbessern und mehr Fröhlichkeit & Optimismus im Leben bewirken sollte, wäre mir das natürlich auch recht, wobei ich mit dem Status Quote recht zufrieden bin und vermutlich funktioniert eine Stimmungsaufhellung auch nur bei Depressionen durch solche Medikamente. :-/Oder greift ein Antidepressivum zu stark in den Körper ein, ähnlich wie die Pille zur Verhütung, als dass man so ein Medikament nehmen sollte um dessen Nebenwirkung willen?


    Ich möchte meinen Körper schließlich nicht versehentlich mit Medikamenten schrotten vom Stoffwechsel, nun wo das Heckmeck mit der Schilddrüse, Nährstoffmängeln und Hashimoto endlich gut ist.

  • 19 Antworten

    Hast du denn ein Problem mit Untergewicht?

    Weil wenn kein Untergewicht vorhanden ist, würde ich es an deiner Stelle wohl eher lassen. Man kann heute auch jahrelang AD nehmen ohne dass einem was passiert, sollte aber Nieren/Leberwerte dementsprechend kontrollieren. Außerdem muss man dann auch das richtige AD finden. Meins hat damals meinen Appetit sogar gezügelt... Dann muss man ja auch noch nen Arzt finden, der es einem Off Label verschreibt und dann die regelmäßigen Kontrollen macht.


    Bist du denn gut mit der Schilddrüse eingestellt? In Überfunktion hat man zBsp ja oft den "Heißhunger", weil der Körper mehr verbrennt als in Unterfunktion.


    Deswegen bin ich eben verwundert, dass du, wo du ja jetzt besser eingestellt sein müsstest, solch ein Symptom hast.

    Xirain schrieb:

    Hast du denn ein Problem mit Untergewicht?

    Etwas, aber das Untergewicht ist nur leicht und ich habe auch vor der Appetitlosigkeit nicht viel gewogen. Das Gewicht ist aber inzwischen auch stabil, also ich nehme nicht weiter ab. Das wäre sicher für sich kein Grund, mit Medikamenten zu intervenieren.


    Mir geht es aber um Lebensqualität, so blöd sich das auch anhören mag, und auch wenn mein Problem ein Luxusproblem ist. ... Es stört mich im Alltag, aber auch, wenn man irgendwo mit anderen isst z. B. bei Einladungen.


    Xirain schrieb:

    Man kann heute auch jahrelang AD nehmen ohne dass einem was passiert, sollte aber Nieren/Leberwerte dementsprechend kontrollieren.

    Das wäre an sich nicht gut, wenn das Antidepressivum auf die Nieren gehen kann. ... Kreatinin war bei mir immer etwas zu hoch, aber das liegt daran, dass ich einen relativ hohen Muskelanteil habe für eine Frau. Der Cystatin-C-Wert war nämlich in Ordnung. Danach sind die Werte nicht mehr erhoben worden.


    In meiner Familie gibt es mehrere Nierenerkrankungen, deshalb würde ich nichts riskieren wollen und so gesehen lieber auf das Antidepressivum verzichten. (Auf Blutabnahmen bin ich auch alles andere als scharf. :-X)


    Xirain schrieb:

    Meins hat damals meinen Appetit sogar gezügelt.

    Das wäre natürlich erst recht schlecht. Das wußte ich nicht, dass man davon auch weniger Appetit bekommen kann.


    Xirain schrieb:

    Dann muss man ja auch noch nen Arzt finden, der es einem Off Label verschreibt und dann die regelmäßigen Kontrollen macht.

    Stimmt, das käme ja auch alles dazu.


    Xirain schrieb:

    Bist du denn gut mit der Schilddrüse eingestellt? In Überfunktion hat man zBsp ja oft den "Heißhunger", weil der Körper mehr verbrennt als in Unterfunktion.

    Eine Überfunktion hatte ich noch nie. Die Schilddrüse sollte mittlerweile tatsächlich gut eingestellt sein und mir geht es soweit auch gut körperlich; all diese typischen Beschwerden, wenn die Dosis nicht mehr passt und zu gering ist, habe ich nicht derzeit.


    Die Appetitlosigkeit fing mit dem L-Thyroxin an. Andererseits ist das L-Thyroxin ein echter Segen, weil die ganzen Unterfunktionsbeschwerden damit gelindert werden und bei guter Dosierung komplett weg sind.


    Xirain schrieb:

    Deswegen bin ich eben verwundert, dass du, wo du ja jetzt besser eingestellt sein müsstest, solch ein Symptom hast.

    Ich habe das auch mit schlechter Einstellung mit L-Thyroxin gehabt mit der Appetitlosigkeit. Nur bevor die Schilddrüse und die Unterfunktion überhaupt behandelt wurden, hatte ich mehr Appetit und u. a. Heißhunger vor allem auf Süßes.

    BeQuiet5 schrieb:

    Das wäre natürlich erst recht schlecht. Das wußte ich nicht, dass man davon auch weniger Appetit bekommen kann.

    Es gibt viele verschiedene Sorten von AD. Ich nahm damals ein SSRI namens Sertralin und das wirkte bei mir so (vor allem zu Beginn).

    Wohingegen meine Mutter Mirtazapin nahm und davon zunahm. Wie aber ihr Appetit war, das weiß ich nicht. Ich kann mich nur erinnern, dass sie wirklich Schwierigkeiten mit ihrem Gewicht hatte, was sie unglücklich machte.


    Deswegen sollte man das ganze gut abwägen und dann einen Spezialisten aufsuchen (Psychiater), der sich wirklich mit den Arten auskennt. Das würde ich nicht in die Hände eines Hausarztes geben. Damit hab ich schlechte Erfahrung gemacht.



    BeQuiet5 schrieb:

    In meiner Familie gibt es mehrere Nierenerkrankungen, deshalb würde ich nichts riskieren wollen und so gesehen lieber auf das Antidepressivum verzichten. (Auf Blutabnahmen bin ich auch alles andere als scharf. :-X )

    Ich glaub, die meisten werden über die Leber verstoffwechselt, aber 100% sicher bin ich mir da nicht, auch da wäre wohl ein Psychiater derjenige, der da genauer Bescheid weiß....



    BeQuiet5 schrieb:

    Die Appetitlosigkeit fing mit dem L-Thyroxin an. Andererseits ist das L-Thyroxin ein echter Segen, weil die ganzen Unterfunktionsbeschwerden damit gelindert werden und bei guter Dosierung komplett weg sind.

    Das klingt schon sehr....keine Ahnung, ich hab davon noch nie gehört, wenn ich ehrlich bin. Vielleicht kann man ja doch etwas an der Dosis machen um das wieder zu ändern?
    Vielleicht gibt es auch andere Medikamente um den Appetit anzuregen?

    Grundsätzlich eine kleine Story, weswegen ich kritisch geworden bin, was "unnötige" Einnahme von Medikamenten angeht (Ich weiß, du leidest und ich will nicht sagen, dass es unnötig ist, denn deine Lebensqualität ist weniger, trotzdem denke ich könnte es hilfreich sein, um zu verstehen, was passieren kann.)

    Ich hatte oft Wasser-Einlagerungen in den Füßen...ich bin zu dick ja, aber mir taten die Füße richtig weg und die Socken schnitten ein, was mich abends und auf Arbeit auch einschränkte.

    Ich sprach meine Hausärztin darauf an, und ich bekam ein "Entwässerungsmittel" nach Blutkontrolle.
    Die Wassereinlagerungen gingen weg, dafür bekam ich "weichen Stuhl" und beim nächsten Bluttest war meine Harnsäure in dem Bereich, in dem man anfängt Gichtmedikamente zu geben.
    Also nahm ich plötzlich neben LT und Beta Blocker noch Wassertablette UND Harnsäuresenker.
    Es war der Wahnsinn.... ich brauchte ein paar Monate um zu begreifen, dass das alles totaler Schmarn ist. Ich setzte zusammen mit der Hausärztin die Wassertabletten wieder ab und seit dem sind meine Harnsäurewerte auch wieder ok.

    Meine Beine sind zwar wieder dick, aber durch Bewegung und Selbstmassage hält es sich in Grenzen.

    Dankeschön für deine Antwort.

    Xirain schrieb:

    Vielleicht kann man ja doch etwas an der Dosis machen um das wieder zu ändern?

    Meinst du weiter hoch gehen? Eine andere Möglichkeit bleibt ja nicht - die vorherige Dosis war zu wenig.


    Wenn die Unterfunktionsbeschwerden nicht so gravierend wären bei mir, würde ich das L-Thyroxin ja probeweise einfach für drei Monate absetzen, um zu überprüfen, ob es irgendwie an den Tabletten liegt. Aber bevor ich das mache lebe ich lieber bis an mein Ende mit Appetitlosigkeit. Gegen die Beschwerden ist die Appetitlosigkeit nämlich echt das kleinste Problem.


    Xirain schrieb:

    Das klingt schon sehr....keine Ahnung, ich hab davon noch nie gehört, wenn ich ehrlich bin.

    Ich weiß ja auch nicht, ob es von den Tabletten kommt oder das einfach ein zeitlicher Zufall war, dass Appetitlosigkeit und Start mit dem L-Thyroxin zusammengefallen ist.


    Xirain schrieb:

    Grundsätzlich eine kleine Story ...

    Sehr lehrreich, Danke. Gibt es bei deinen Beinen irgendeine Ursache wie Lipödem oder nicht ausreichende Einstellung der Schilddrüsenhormone?

    BeQuiet5 schrieb:

    Meinst du weiter hoch gehen? Eine andere Möglichkeit bleibt ja nicht - die vorherige Dosis war zu wenig.

    Dafür müsste man sich die Werte mal ansehen, schätz ich. Da würd ich keine Empfehlung geben ohne die Werte....



    BeQuiet5 schrieb:

    Wenn die Unterfunktionsbeschwerden nicht so gravierend wären bei mir, würde ich das L-Thyroxin ja probeweise einfach für drei Monate absetzen, um zu überprüfen, ob es irgendwie an den Tabletten liegt. Aber bevor ich das mache lebe ich lieber bis an mein Ende mit Appetitlosigkeit. Gegen die Beschwerden ist die Appetitlosigkeit nämlich echt das kleinste Problem.

    Hmmm... Man köööönnte noch versuchen das Medikament von einer andren Firma zu probieren. Ich weiß nicht inwiefern, da eventuell Hilfsstoffe dafür verantwortlich sein könnten, da ich davon ja leider noch nicht so oft gehört hab.

    Ich weiß zBsp, dass ich bei LT von Beta zBsp Schweißausbrüche bekam, trotz gleicher Dosis.


    BeQuiet5 schrieb:

    Ich weiß ja auch nicht, ob es von den Tabletten kommt oder das einfach ein zeitlicher Zufall war, dass Appetitlosigkeit und Start mit dem L-Thyroxin zusammengefallen ist.

    Hat sich denn etwas in deinem Leben geändert? Stress? Probleme?



    BeQuiet5 schrieb:

    Sehr lehrreich, Danke. Gibt es bei deinen Beinen irgendeine Ursache wie Lipödem oder nicht ausreichende Einstellung der Schilddrüsenhormone?

    Naja "könnte" von der Pille kommen, ist aber nur eine Vermutung. Oder eben von den Beta Blockern. Man weiß es nicht, aber Symptome von Medikamenten mit andren Medikamenten zu behandeln...da hab ich halt meine Lehre draus gezogen, dass das nicht so gut ist...

    Xirain schrieb:

    Dafür müsste man sich die Werte mal ansehen, schätz ich. Da würd ich keine Empfehlung geben ohne die Werte....

    Verstehe ich. Aktuelle Werte von der neuen Dosis mit 75 Mikrogramm habe ich leider noch nicht. Bislang hat mich mein Hausarzt bzgl. der Schilddrüse behandelt, teilweise gut, teilweise leider absolut nicht, vor allem bzgl. der Einstellung mit dem L-Thyroxin. Deshalb überlege ich noch, ob ich den Arzt komplett wechsel oder mich in Eigenregie um die Einstellung kümmere, solange er mir keine Steine in den Weg legt. Erstmal mache ich letzteres, weil es bei mir bis zum Jahresende berufliche Veränderungen geben wird und ich danach evtl. umziehen werde, weshalb es sich derzeit nicht recht lohnt, sich hier nun einen 2. Arzt zu suchen, wenn ich eh ggf. umziehe in ein paar Monaten. Das ist aber ein anderes eigenes Thema, das ich nicht im Forum diskutieren möchte, zumindest nicht öffentlich. Rein von meinem Befinden her passt die Dosis.


    Xirain schrieb:

    Man köööönnte noch versuchen das Medikament von einer andren Firma zu probieren. Ich weiß nicht inwiefern, da eventuell Hilfsstoffe dafür verantwortlich sein könnten, da ich davon ja leider noch nicht so oft gehört hab.

    An eine Unverträglichkeit der Hilfsstoffe hatte ich auch gedacht, aber rein von der Zusammensetzung der Tabletten fällt mir nichts auf. Die sind auch nicht anders, als andere Tabletten und es wäre mir neu, dass ich dahingehend empfindlich wäre. ":/

    Mir L-Thyroxin von einem anderen Hersteller verschreiben zu lassen, ist momentan schwierig wegen der Ärztesituation. Meinem Hausarzt brauche ich damit nicht ankommen. Ich werde diese Möglichkeit aber im Hinterkopf behalten und testen bei Gelegenheit und passendem Arzt.


    Xirain schrieb:

    Hat sich denn etwas in deinem Leben geändert? Stress? Probleme?

    Mir fällt da nur eine Sache ein, die vielleicht im Zusammenhang stehen könnte mit der Appetitlosigkeit. Das wäre dann Appetitlosigkeit durch Stress. Allerdings ist das eine anhaltende Sache, die schon Monate vor der Appetitlosigkeit da war und sich über Monate/Jahre zieht.


    Falls es daran liegen sollte, hat sich das Problem in absehbarer Zeit erledigt. Wäre aber ungewöhnlich, weil mir Stress eigentlich nur vorübergehend auf den Magen schlägt und normalerweise nur wenige Stunden bis Tage umfasst. Danach habe ich schnell wieder ganz normal Appetit. Und die Appetitlosigkeit hätte dann eher anfangen müssen denke ich. Aber ok, wer weiß wie der Körper so tickt.


    Xirain schrieb:

    Naja "könnte" von der Pille kommen, ist aber nur eine Vermutung. Oder eben von den Beta Blockern. Man weiß es nicht, aber Symptome von Medikamenten mit andren Medikamenten zu behandeln...da hab ich halt meine Lehre draus gezogen, dass das nicht so gut ist...

    Stimmt, das führt im schlechtesten Fall zu einem Rattenschwanz. Nach Möglichkeit möchte ich auch nur das nötigste an Medikamenten nehmen. Vor Antidepressiva und der Pille habe ich ziemlich Respekt, weil beide recht stark in den Körperstoffwechsel bzw. die Hormone eingreifen. Die Nebenwirkung mit der Appetitsteigerung klang nur so verlockend. ;-)

    Habe gestern abend an dich denken müssen. Habe ein Antihistaminikum genommen, weil meine Augen so brannten. Dort stand in den Nebenwirkungen was von Appetitanregend.

    Allerdings stand da auch was von 1 Person unter 1000 hat diese NW. :/


    Aber wenn ein einfaches Allergiemittel so eine NW haben kann, vielleicht gibt es ja wirklich ein Medikament, dass eben rein auf den Appetit eingeht?

    Das ist lieb von dir, Xirain.


    Xirain schrieb:

    Aber wenn ein einfaches Allergiemittel so eine NW haben kann, vielleicht gibt es ja wirklich ein Medikament, dass eben rein auf den Appetit eingeht?

    Ein Medikament, das als Hauptwirkung den Appetit steigert, habe ich nicht gefunden. Wenn werden die Nebenwirkungen ausgenutzt (aber wer weiß, was die Hauptwirkung in meinem Körper anrichtet?). Ansonsten werden noch allerlei Tees und Tinkturen empfohlen, aber Tee mag ich gar nicht. Bei den Tinkturen bin ich etwas skeptisch, aber wäre einen Versuch wert.


    Ich werde es aber erstmal mit Cetirizin versuchen, das bekommt man von all den Sachen am preisgünstigsten und die Hauptwirkung erscheint mir für einen Nichtallergiker auch akzeptabel.

    Gerade noch gefunden: Alkohol soll auch den Appetit anregen. ... Wäre evtl. auch einen Versuch wert. Als ich mich zuletzt betrunken habe, war das allerdings nicht appetitsteigernd. Vielleicht hilft aber ein halber Schnaps vorm Essen? ":/ ... Wäre nur blöd, wenn ich davon abhängig werden würde - falls das bei so geringen Mengen Alkohol überhaupt geht.

    Auch, wenn du Dich in Deinem Thread eigentlich verabschiedet hast, antworte ich hier trotzdem mal.

    Ich kann mittlerweile nur erahnen, wie sehr Dich diese Appetitlosigkeit beschäftigt, aber bitte keine Psychopharmaka! Du weißt aus dem anderen Thread, wie kritisch ich dazu stehe, allgemein zu Medikamenten, aber Psychopharmaka sind jetzt wirklich wirklich keine Bonbons mehr, sondern haben gravierende Nebenwirkungen. Selbst, wenn man die nicht spürt, greifen die so massiv in den Hirnstoffwechsel ein, dass das viel zu heftig wäre.

    Ich kenne viele, die den Appetit anregen, aber das ist kein Appetit, das ist regelrechter, unstillbarer Heißhunger. Ich habe sehr viele verschiedene genommen und bei manchen hatte ich diese Nebenwirkung tatsächlich, aber dieser Hunger ist wirklich grausam. Ich habe teilweise so viel gegessen, bis mir so schlecht war, dass ich mich übergeben musste. Und selbst dann hatte ich immer noch Appetit. Wir haben die ganz schnell wieder abgesetzt.

    Gut, vielleicht belastet mich sowas stärker, weil ich essgestört bin, aber ich weiß von sehr vielen, dass dieser Heißhunger sie stark belastet hat, weil er eben so unstillbar ist. Ich weiß von sehr vielen, die dadurch über 20kg zugenommen haben und dann auch einfach nicht mehr aufhören konnten, zu essen. Und dann weiß ich von ganz vielen, bei denen diese Nebenwirkung gar nicht aufgetreten ist.

    Das wäre das Risiko, dass du es umsonst machst und dann?

    Es sind übrigens nicht wirklich AD (auch, ja), sondern überwiegend Neuroleptika (zumindest in der Klinik betraf das die meisten). Die machen nicht wirklich glücklich, also die Begleiterscheinung wäre da nicht dabei ;-). Eigentlich sedieren die mehr oder weniger (manchmal auch mehr), weil sie unter anderem gegen Gedankenkreiseln helfen in solchen Dosen. Mich machen sie eigentlich nur unglaublich leer und ich habe sie bekommen, weil ich sonst zu "voll" war und zu viel nachgedacht habe. Aber diese Leere finde ich sehr schlimm, weshalb ich sie mittlerweile gar nicht mehr nehme, auch im Notfall greife ich eher zu etwas anderem.

    Ein weiteres Problem ist dann auch das Absetzen. Gut, muss man sowieso ausschleichen lassen, aber auch bei den Neuroleptika (wie bei allen Psychopharmaka) hatte ich richtig heftige Absetzerscheinungen (derzeit nehme ich deshalb auch gar nichts mehr und habe panische Angst, wieder was nehmen zu müssen). Eben weil die Hirnchemie so durcheinander gebracht wird, ist das echt nicht ohne.

    Ich bezweifel auch, dass du einen Arzt findest, der das aus solchen Gründen verschreibt.

    Auch, wenn das so klingen mag, verteufel ich diese Medikamente nicht, aber ich versuche immer Menschen zu sagen, dass man damit durchaus vorsichtig sein muss. Ich habe meine Medikamente im Januar abgesetzt und kämpfe immer noch sehr stark damit, ohne klarzukommen. Sowohl körperlich als auch psychisch. Und ich habe sie nicht sooo lange genommen. Ne, eigentlich gar nicht lange ;-D. Wir mussten bei mir nur sehr oft wechseln und ausprobieren, weil ich so massive Nebenwirkungen hatte, die leider bis heute noch nicht abgeklungen sind.


    Mit dem Schnaps. Joa, ich werde von Alkohol hungrig, aber erst bei mehr Mengen und ich glaube, das ist doch eher bedenklich ;-D.

    Ich weiß nicht, warst du mal beim Arzt und hast mit ihm genau darüber gesprochen? Also den fehlenden Appetit?

    Stimmt, hatte ich voll vergessen. Ich hatte immer nur das andere im Kopf ;-D.

    Hat ähnliche Wirkungen wie THC (ist ein Cannabidiol), aber ohne den wirklichen Rausch, sondern nur die anderen Effekte und ist legal.

    Dé.liée schrieb:

    Eben weil die Hirnchemie so durcheinander gebracht wird, ist das echt nicht ohne.

    Ja, das finde ich auch abschreckend auf der anderen Seite. Danke für deine anschaulichen Schilderungen, wie es dir mit den Medikamenten ging.


    Luci32 schrieb:

    CBD Öl

    Gut zu wissen, danke. Erstmal versuche ich es allerdings mit Antihistaminika (die sind auch günstiger.)


    felis margarita schrieb:

    Hast du es denn schon einmal mit Sport und viel an die frische Luft zu gehen versucht?

    Sport mache ich (Karate, ab und zu Laufen im Wald abends seit Kurzem wieder). Ob ich viel an der frischen Luft bin, weiß ich nicht. Von der Arbeit gehe ich manchmal zu Fuß nach Hause oder zumindest einen Teil der Strecke. Einkäufe erledige ich mal zu Fuß, mal per Pkw. Ansonsten bekomme ich frische Luft eher durch das offene Fenster (im Sommer ist das bei mir fast 24/7 weit geöffnet Daheim, wenn ich Zuhause bin.) Das ist wahrscheinlich eher vergleichsweise wenig, was ich an der frischen Luft bin in der Woche im Vergleich zu anderen, deren Arbeit unter freiem Himmel stattfindet.


    Dass sich mein Appetit durch Sport oder frische Luft gebessert hätte, kann ich leider nicht bestätigen.