Antidepressiva - ja oder nein?

    Hallo,


    kämpfe seit ungefähr 3 Jahren mit mir selbst. Bin auch solange schon in psychotherapeutischer Behandlung. Es hat sich seitdem schon etwas gebessert. Mein Selbstbewusstsein ist um einiges gestiegen und ich trau mich mittlerweile Mal Stop zu sagen..


    Das Problem ist, dass ich immer noch wahnsinnige Stimmungsschwankungen und v.a. Stimmungstiefs hab. Durch die Therapie sind viele Themen aufgekommen, die mich sehr belasten. Meine Therapie ist eigentlich zu Ende, ich schaff es auch nicht weiter über alles zu reden, aber ich merke dass ich sehr viel grüble. Außerdem bin ich ununterbrochen unter Anspannung, wie getrieben, ich bin wütend, aggressiv (innerlich), schnell gereizt, schnell überfordert. Ich fühl mich oft so ausweglos.. dann hab ich zwischenzeitlich wieder paar Tage da läuft alles gut und es belastet mich kaum was, außer die Anspannung (auch in Form von Körperhaltung, Zähneknirschen usw). Mein gesteigertes Selbstbewusstsein führt oft dazu, dass ich ganz oft sehr unhöflich was sage, ich merke richtig wie es innerlich anfängt in mir zu kochen und ich könnte so ausflippen, muss mir jedes Mal auf die Zunge beißen. Mein Kopf ist eigentlich die ganze Zeit am Ackern und hat eigentlich auch keinen Grund dazu...


    Meine Eltern sind beide seit Ewigkeiten chronisch depressiv.


    Denkt ihr, es wäre evtl. eine Hilfe, wenn ich ein Antidepressiva nehmen würde? Würde natürlich zum Psychiater gehen, aber kann mir das in meiner Lage überhaupt helfen?


    Oder übertreib ich und muss mich einfach nur zusammenreißen? Also, das denk ich zwar selbst auch, aber ich kanns nicht. Ich komm nicht runter. Und manchmal obwohl an einem Tag alles gut war, wach ich am nächsten Tag auf und alles ist auf ein Mal furchtbar schwer und anstrengend. Ich fühl mich, als wär ich ganz weit weg...

  • 16 Antworten

    Deine Frage beantwortest Du ja schon beinahe selbst. ADs können sehr hilfreich sein, aber es kann Geduld erfordern, bis man das richtige AD und die passende Dosis gefunden hat. Da auf Psychopharmaka jeder Patient anders reagiert, sind 1.1-Übertragungen von Erfahrungen Dritter nicht möglich. Ohne ADs und ohne meine Frau würde ich heute nicht mehr leben.

    Schließe mich Zwack und Xirain an. Mir hat es gegen die Daueranspannung (Panikattacken und Co.) geholfen. Ich wollte das eigentlich nie, aber hatte letztendlich kaum eine Wahl. Weg sind meine Symptome nicht, v.a. nicht die Stimmungstiefs, gesund bin ich deswegen auch nicht, aber vieles ist sehr viel erträglicher. Wichtig ist zu wissen, dass das eine langfristige Entscheidung ist. Das machst du dann in der Regel nicht ein oder zwei Monate, sondern über Jahre. Und man muss sie sehr langsam und kontrolliert und unter ärztlicher Aufsicht wieder "ausschleichen", damit die Symptome nicht (vielleicht schlimmer) wiederkommen.


    Du kannst ja einfach mal einen Termin beim Psychiater machen und ihm deinen Zustand schildern. Er kann dir genauer sagen, ob medikamentöse Behandlung bei deiner Symptomatik Sinn macht.

    Naja das ist schwer zu sagen! Natürlich können dir Medikamente in deiner Situation schon die nötige Unterstützung geben, die du brauchst. Aber wenn du auf Psychopharmaka zurückgreifst, dann können die natürlich auch ungewollte Nebenwirkungen erzeugen und die Situation dann verändern, aber ob sie besser dadurch wird sei dahingestellt.


    Es gibt auch viele pflanzliche Produkte, die du zuerst ausprobieren könntest, bevor du dir Psychopharmaka verschreiben lässt. Diese haben keine Nebenwirkungen und lassen dich nicht zu so einer leblosen Hülle werden wie viele andere Medikamente. [...] Es ist wichtig, dass du selbst einen Weg findest, der für dich gut ist!

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    Meiner Meinung nach "kann" pflanzlich helfen, wenn man noch nicht zu tief in der "kacke sitzt".


    Wenn man aber schon Therapie und alles gemacht hat, bezweifel ich, dass ein bisschen johanniskraut und baldrian hilft.


    Mir hat das AD am besten in der Kombi mit Therapie geholfen.


    Ohne wäre ich kaum therapiefähig gewesen.

    @ Xirain

    Ich merke gerade auch, dass ich ne Blockade in der Therapie habe. Ich erzähl meinem Psychologen, dass alles gut ist und ich gut klarkomme, so ist es aber nicht. Ich setz vor ihm ne Maske auf... ich schaff es einfach nicht ehrlich zu sein.. Keine Ahnung warum.


    Hab Baldrian schon zu genüge durch... Manchmal hab ich zum Schlafen ne tavor genommen, ich schlaf zwar dann ein, aber die Anspannung bleibt.

    Weißt du, auch ohne AD dachte ich irgendwann: Scheiß drauf, sag einfach frei schnauze was du denkst, schlimmer kanns ja nicht mehr werden.


    Ich bin heute froh, dass mein Therapeut mich ernst nahm, mir aber meine wahnhaften Gedanken mal gerade rückte.


    Er hätte mich auch einweisen können...tat er nicht. Wir hatten einen Deal, wenn ich es nicht aushalte, geh ich in die Notfallpsychiatrie. + 2 Kurztermine.


    Das hat mir alles sehr geholfen denn so hatte ich vertrauen, dass ich ALLES aussprechen kann auch "den Wunsch nicht mehr zu existieren".


    Tavor war nicht so hilfreich für mich.


    Ich habe es, ja, ich nutze es bei schlimmen Attacken...aber ich werde damit nur äußerlich physisch müde. Ich zittere nicht mehr, ich weine nicht mehr, ich schlafe schneller ein... aber innerlich ändert tavor nichts am Sturm.


    Ob das AD half oder die Therapie kann ich eben nicht sagen, aber ich denke bei mir war es beides.


    Wenn du das Gefühl hast, du willst es probieren, dann tus. mir war von anfang an klar, ich brauche Krücken, ich halte es nicht mehr aus...


    Ich hab es zu lange vor mir hergeschoben...

    @ Xirain

    Ich hab gar nicht die Gedanken "nicht mehr existieren zu wollen"... Eher im Gegenteil.


    Vorsicht, Triggergefahr.


    Ich fahre Auto und stell mir vor wie ich gegen den Baum fahre, dieser mich druchbohrt, überall Gedärme rumliegen und meine Liebsten mich aufsammeln und ich bin einfach weg. Oder ich stell mir vor, ich springe einfach vom Balkon oder lege mich auf die Gleise, schneide mir die Arme auf und mein Mann findet mich und dieses Gefühl was ich dann habe ist so unerträglich.... Ich will das alles gar nicht tun.


    Ich habe Vorstellungen wie ich einen Anruf kriege in dem es heißt mein Mann sei tot... oder die Diagnose einer unheilbaren Krankheit bei mir oder einem nahestehenden Menschen. In letzter zeit kommt irgendwie oft das Thema Hirntumor auf, so durch alltägliche Gespräche. Meine Arbeitskollegin kannte meine Vormieterin, die ist an einem Hirntumor verstorben, die Mutter der Nachbarin unter mir vor paar Jahren an Krebs. Da krieg ich panische Angst, hab meinen Mann sogar gefragt ob wir nicht lieber ausziehen, weil das vielleicht an dem Haus liegt und wir dann auch krank werden.


    Hab das Gefühl, meine Eltern zu enttäuschen, weil ich mein Leben nicht so lebe, wie sie es sich vorgestellt haben. Hab das Gefühl, dass ich in ihren Augen so vieles falsch mache und ihnen ununterbrochen damit weh tu. Ich find einfach keinen Frieden.


    Ich bin wie getrieben, den ganzen Tag putze ich oder schlafe ich. Das einzige, das mich derzeit ablenkt ist ein PC, zocken oder Social Media. Ich kann kein Buch zu Ende lesen, nichts.


    Und mein Körper, alle Muskeln tun weh, vorallem Gesicht/Kiefer. Alles steht unter Strom und ist angespannt...ich kann nicht locker lassen, habe Schmerzen und du die verspann ich nur noch mehr.


    Deswegen die Idee Antidepressiva...

    Zitat

    Ich fahre Auto und stell mir vor wie ich gegen den Baum fahre, dieser mich durchbohrt, überall Gedärme rumliegen und meine Liebsten mich aufsammeln und ich bin einfach weg. Oder ich stell mir vor, ich springe einfach vom Balkon oder lege mich auf die Gleise, schneide mir die Arme auf und mein Mann findet mich und dieses Gefühl was ich dann habe ist so unerträglich.... Ich will das alles gar nicht tun.


    Ich habe Vorstellungen wie ich einen Anruf kriege in dem es heißt mein Mann sei tot... oder die Diagnose einer unheilbaren Krankheit bei mir oder einem nahestehenden Menschen. (...) Ich find einfach keinen Frieden.

    Ich glaube, das sind Zwangsgedanken (als Symptom einer Zwangserkrankung). Die sind bei Menschen mit Neigung zur Depression nicht gerade selten.


    Antidepressiva können da schon helfen. Sollte man zumindest versuchen!