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    Du möchtest pelztier86 eine Frage stellen.


    Was ist Deine Frage?

    Das habe ich mich auch gefragt. Was war in dem Beitrag eine konkrete Frage? Das war lediglich eine Meinungsäußerung. Man könnte hineininterpretieren, dass mit dieser indirekt die Frage gestellt wird, wie ich oder jemand anderes hier zu der geäußerten Meinung stünde, im Spezifischen, ob diese Ansicht von jemandem geteilt werde.

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    Man könnte hineininterpretieren, dass mit dieser indirekt die Frage gestellt wird, wie ich oder jemand anderes hier zu der geäußerten Meinung stünde, im Spezifischen, ob diese Ansicht von jemandem geteilt werde.

    Ja, das wäre eine relativ freundliche Interpretation. Ich lese aus dem Beitrag allerdings kein Interesse an anderen Meinungen heraus. Ich würde deshalb eher eine Frage hineininterpretieren, die eigentlich keine Frage ist. Also vielleicht: "Was schreibst Du hier eigentlich für einen Stuss?"

    @ rlpo94

    Also, es gibt die unterschiedlichsten Interpretationen Deines Beitrags.


    Deshalb würde ich gerne wissen, wie Du es gemeint hast.

    Ich sehe das anders. M.E. hat rlpo ein handfestes Vorurteil, ohne über das Asperger-Syndrom wirklich etwas zu wissen. Eine Frage lese ich nirgends. Wahrscheinlich wollte rlpo nur seine Meinung kundtun. Okay, hat er/sie gemacht, und gut isses.

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    doch trotz allem ergibt sich schon ein gewisses Bild des "Nicht - Rechtfertigen Müssens" gegenüber anderen Menschen und eine Art Rolle des Mitleid- Erhaschens.

    Punkt 1 kann ich bejahen. Sich für sein mitunter seltsames Verhalten nicht rechtfertigen zu müssen, ist viel wert. Punkt 2 ist einfach nur lächerlich. Warum Mitleid? Verstehe ich nicht.


    Mitleidiges Gesülze höre ich schon wegen meines künstlichen Darmausgangs zur Genüge, und es nervt. Schon dies allein ist der Grund, warum ich mich von vielen Menschen zurückgezogen habe. Mitleid ist wirklich das Letzte, was ich brauche. Ich brauche lediglich Akzeptanz, die ich zum Glück bei einem kleinen Kreis von Freunden und innerhalb meiner Familie erfahre.

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    Sich für sein mitunter seltsames Verhalten nicht rechtfertigen zu müssen, ist viel wert.

    Was ist es anderes als ein Rechtfertigungsversuch, wenn man sein "seltsames Verhalten" mit der Diagnose Asperger Syndrom begründet?

    Es ist kein Rechtfertigungsversuch, sondern lediglich eine Information - so wie ich jemandem sage, der mir etwas zum Durchlesen vor die Nase hält: "Moment, dafür muss ich erst mal meine Lesebrille aufsetzen." Manches beim Asperger-Syndrom ist nun einmal nicht zu ändern, so sehr man sich auch bemüht.

    Bei rlpo klingt heraus, dass man nur dies oder jenes machen muss, damit das Asperger-Syndrom quasi nicht mehr existent ist. Das ist unglaublicher Nonsens. Ich gehöre zu jenen, die extrem spät diagnostiziert wurden. Während der fast 60 Jahre meines Lebens war mein hauptsächliches Ziel, so normal wie möglich zu sein und endlich mal richtig "dazu zu gehören". Warum mir dies nie gelang, weiß ich erst seit der Diagnose vor 2 Jahren.


    Ich sage nochmals: Ab Ende der Pubertät war ich tatsächlich einigermaßen gesellschaftsfähig und z.T. auch relativ gut integriert. Aber etwas fehlte leider immer, um mittendrin zu sein. Erst seit der Diagnose begreife ich all die Konflikte der Vergangenheit. Heute fällt es mir relativ leicht, die Reaktionen anderer Menschen zu akzeptieren. Umgekehrt werde ich wenigstens von einem kleinen Kreis ebenfalls akzeptiert. Dieser Kreis weiß um mein Asperger-Syndrom und hat kein Problem damit. Unter diesen Menschen bin ich auch endlich "mittendrin".


    Aus einem Aspie einen NT basteln zu wollen, kann nicht funktionieren, jedenfalls nicht auf Dauer. Man tut unsereins mit "NT-Training" auch keinen Gefallen. Seit der Diagnose bin ich endlich zufrieden und im Reinen mit mir.

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    Bei rlpo klingt heraus, dass man nur dies oder jenes machen muss, damit das Asperger-Syndrom quasi nicht mehr existent ist. Das ist unglaublicher Nonsens.

    Ja, für mich ist das indiskutabel und nichts weiter als Provokation. Wenn rlpo ein ernsthaftes Interesse an einer Diskussion gehabt hätte, hätte er sich sicherlich wieder gemeldet.

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    Während der fast 60 Jahre meines Lebens war mein hauptsächliches Ziel, so normal wie möglich zu sein und endlich mal richtig "dazu zu gehören". Warum mir dies nie gelang, weiß ich erst seit der Diagnose vor 2 Jahren.

    Kannst Du das genauer erklären?


    Ich habe schon öfter gehört, dass Aspis mit ihrer Diagnose eine Art Aha-Effekt hatten.


    Mir geht es zwar auch so, dass ich das Gefühl habe, nirgendwo so richtig dazu zu gehören, nicht auf diese Welt zu passen. Aber bei dem, was ich über Autismus gelesen habe, ist bei mir so ein Aha-Effekt ausgeblieben. Es war eher so ein häh?, wo ich mich nicht drin wieder finden konnte.


    Also, inwiefern hat Dir die Diagnose geholfen, Dich besser zu verstehen? Kannst Du etwas dazu schreiben, inwiefern Du anders bist als andere?

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    Umgekehrt werde ich wenigstens von einem kleinen Kreis ebenfalls akzeptiert. Dieser Kreis weiß um mein Asperger-Syndrom und hat kein Problem damit. Unter diesen Menschen bin ich auch endlich "mittendrin".

    Glückwunsch erstmal dazu! :)*


    Wie hast Du das geschafft? Liegt es daran, dass Du Dich den anderen erklären kannst? Was hat sich da durch die Diagnose verändert?

    Dies zu erklären, ist nicht ganz einfach, weil dabei sehr viele, z.T. vermeintlich unwichtige Faktoren eine Rolle spielen. Es geht damit los, dass ich Schwierigkeiten habe, nonverbale Kommunikation zu verstehen. Gesagtes nehme ich meist wörtlich auf, viele Floskeln verstehe ich einfach nicht. Über viele Witze lachen alle, nur ich nicht, weil ich die Pointe nicht erkenne. Zwangloses Geplauder (Small Talk) funktioniert mit mir überhaupt nicht. Was sich innerhalb von Gruppen abspielt, bemerke ich fast nie - außer man macht mich darauf aufmerksam. Gerate ich unter Druck, stellen sich stereotype Bewegungen sein, die ich nur mit Mühe unterdrücken kann (Wippen, Schaukeln, Hände reiben, kratzen ...). Ich bin extrem schreckhaft und reagiere auf unvorhergesehene Berührungen nicht angemessen, mitunter fast panisch. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen, aber ich hoffe, diese Hinweise genügen, um die Probleme in der sozialen Interaktion nachzuvollziehen.


    Der Diagnoseweg und die Diagnose selbst waren für mich tatsächlich ein Aha-Erlebnis. Endlich war mir klar geworden, dass ich viele Defizite einfach nicht beseitigen bzw. nur mittels Verstand und auch nur teilweise minimieren kann. Das ist anstrengend. Seit der Diagnose konzentriere ich mich vor allem auf meine Potenziale, was mir sehr gut tut.


    Mein heutiger Freundeskreis besteht vor allem aus Menschen, mit denen ich meine Spezialinteresse(n) teile. Den meisten musste ich auch gar nicht erklären, was das Asperger-Syndrom bedeutet. Sie kannten es bereits, teilweise auch, weil sie beruflich damit konfrontiert wurden/werden, teilweise hatten sie bei mir eh schon so etwas vermutet. Ja, und manchmal können wir gemeinsam über meine Aspie-Reaktionen lachen - z.B. wenn ich mal wieder alles wortwörtlich auffasse, aber nicht begreife, was eigentlich ausgedrückt werden sollte. Die anderen denken logischerweise nicht permanent daran, worauf sie im Gespräch mit mir achten müssen, damit ich ihnen folgen kann. Das ist für einen NT schließlich ähnlich anstrengend wie für mich der umgekehrte Weg. Also versuchen wir uns irgendwo in der Mitte zu treffen ... :-)

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    Mir geht es zwar auch so, dass ich das Gefühl habe, nirgendwo so richtig dazu zu gehören, nicht auf diese Welt zu passen. Aber bei dem, was ich über Autismus gelesen habe, ist bei mir so ein Aha-Effekt ausgeblieben. Es war eher so ein häh?, wo ich mich nicht drin wieder finden konnte.

    Als Aussenstehender würde ich dich, aufgrund deiner Beiträge, eher im Autistischen oder Asperger Syndrom Bereich einordnen als im Bereich "hochsensibel", wo du dich letztens selbst einsortiert hast.


    Eine liebe Freundin von mir ist (diagnostizierter) Asperger und es hat lange gedauert bis ich ihr Verhalten vollumfänglich verstanden hab. Für mich als sehr emotionalen Menschen war das schwierig zu begreifen, aber heute ist sie eine meiner liebsten Freundin weil gerade unsere Kommunikation sehr einfach ist. Sie reagiert nicht auf meine emotionalen Spitzen und gleichzeitig holt sie mich mit ihrer ausgeglichenen Art wunderbar wieder auf den Boden zurück. Ich finde das super entspannt.

    Wenn Du ein sehr emotionaler Mensch bist, wirst Du jemanden mit Asperger-Syndrom niemals vollumfänglich verstehen können, Du kannst bestimmte Reaktionen nur akzeptieren. Das ist aber schon mehr als genug.


    Mein Mann ist durch und durch NT, und bei uns kollidieren die Gedankenwelten oft, was das Zusammenleben (immerhin schon seit 1983) stets spannend macht. Auch er schätzt meine rationale, ruhige Art mit Problemen aller Art umzugehen - überwiegend theoretisch allerdings. Ich schätze seine spontane und pragmatische Art, Probleme zu beseitigen. Hier ergänzen wir uns perfekt.

    Ich habe bei Wikipedia nachgelesen, was NT bedeutet. Du packst die Menschen also in zwei Schubladen. Autisten und Nicht-Autisten. Ich muss zugeben, mir sträuben sich da etwas die Nackenhaare. ??Bitte nicht wörtlich verstehen!??


    Was ist, wenn ein "NT" sich verhält wie ein Asperger?


    Beispiel: Es gibt Menschen, die kann man fragen "hast Du eine Uhr", und sie antworten mit "ja". Ich packe solche Menschen in die Schublade Scherzkeks, wenn aus der Situation heraus eigentlich klar war, dass man wissen wollte, wieviel Uhr es ist.


    Es könnte natürlich auch sein, dass es ein Autist ist, der wirklich nicht versteht, dass diese Frage nicht wörtlich gemeint ist.


    Scherzkekse begreifen nicht, dass manche Witze irgendwann nicht mehr witzig sind. Es bleibt einem deswegen nichts anderes, als sie zu akzeptieren. Autisten begreifen nicht, dass manche Dinge nicht wörtlich zu verstehen sind. Auch da bleibt einem nichts anderes als es zu akzeptieren.


    Also, mir ist es letztlich egal, warum jemand so ist, wie er ist. Für mich macht es keinen Unterschied, warum jemand eine Frage wörtlich nimmt, die eigentlich nicht so gemeint war.


    Deshalb meine Fragen: Wofür eine Diagnose wie Asperger? Macht es in diesem Zusammenhang einen Unterschied, ob jemand die "Diagnose" Scherzkeks oder Asperger hat?

    Ich sehe es genau umgekehrt. Der von mir gedanklich konstruierte Scherzkeks ist nicht in der Lage zu begreifen, dass es irgendwann nicht mehr lustig ist, die Frage "Hast Du eine Uhr" hartnäckig mit "ja" zu beantworten. Deshalb wird er niemals damit aufhören.


    Ein Asperger demgegenüber kann zwar nichts an seiner grundsätzlichen Eigenschaft ändern, Dinge wörtlich zu nehmen. Aber er ist in der Lage zu lernen auf die Frage mit der Uhrzeit zu antworten.


    Also jenseits der philosophischen Frage, ob ein Scherzkeks theoretisch sein Verhalten ändern könnte, wird er es niemals tun.




    Aber meine Frage zielte eigentlich auch auf etwas anderes ab. Nämlich auf den Unterschied aus der Perspektive eines Außenstehenden.


    Wenn ich jemanden etwas frage, und es wird zusätzliche Kommunikation nötig, weil er es zunächst wörtlich nimmt, dann ist es mir egal, warum diese zusätzliche Kommunikation nötig wird.


    In einem begrenzten Rahmen kann ich es mit Humor nehmen, wie es die Freunde von Monsti machen. Aber irgendwann wird es mir auch zu viel.


    Daran kann die beste Erklärung auch nichts ändern.