@ isabell

    Ja, ich kenne ihre Fäden und habe auch von Anfang an mitgelesen. Auch ich hatte zwischendurch das Gefühl "Mensch, die will doch gar nicht richtig". Seit ich aber anfang des Jahres das erste Mal eine richtig schwere depressive Episode hatte, weiß ich wie sie sich fühlt. Was sie schreibt, kann ich nachvollziehen. Ich konnte das Bett nicht verlassen. Selbst zum Nachdenken war ich zu erschöpft.


    Ihr dringlichstes Problem ist nicht ihre fehlende Eigenverantwortung. Ich denke vielmehr, Himbeere ist weder medizinisch noch psychologisch ausreichend versorgt.

    Im Prinzip könnte man auch am morgen nicht aufstehen und weiterschlafen, dann irgendwann um 12.00 gemütlich im Bett essen, dann TV schauen oder weiterschlafen usw. NUR: da sind die Konsequenzen, die daraus entstehen :-/ , d.h. in dem Fall: Kein Zur-Arbeit-Gehen bedeutet kein Geld haben, dh. wiederrum kein Essen, kein Dach über dem Kopf, irgendwann kein gemütliches Kopfkissen oder Bett, also später kein ruhiges Schlafen mehr. Wenn du allerdings früh aufstehst, dann erhälst du direkt Belohnungen dafür: ein angenehmes Leben, du kannst dir was leisten, du kannst essen, kannst dir neue Bettwäsche oder Kopfkissen kaufen, kannst dir was erfüllen, reisen oder sowas. Du siehst was von der Welt, erlebst was, wenn du aufstehst. Kannst du dir nicht einen Hund holen, damit du mit diesem immer morgens, mittags und abends Gassi gehst??


    Ein Führerschein muss nicht zwingend sein, wenn du so viele Probleme hast, dann kannst du meiner Meinung nach diesen Wunsch nach hinten schieben, da er nicht so zwingend notwendig ist.Konzentriere dich erstmal auf wircklich wichtige Dinge in deinem Leben: Aufstehen, Arbeit/Ausbildung, Therapie. Fertig. Wenn du das im Griff hast, kannst du über weitere Dinge wie auch den Führerschein nachdenken, ansonsten überforderst du dich selbst mit allem und kriegst am Ende nichts wirklich hin.

    GibNichtAuf


    Schließt denn das Eine das Andere mehr oder weniger komplett aus?


    DASS sie ein Problem hat – welcher Art auch immer- bestreitet ja Niemand.


    Und dass man/Himbeere bei der Anmerkung "Dir fehlt Eigenverantwortung" nicht in dem Maße reagiert "Ach sooooooooo...na hätte ich das gewußt! Dann ist ja alles gut" dürfte auch klar sein.


    Dem hier:

    Zitat

    Ich denke vielmehr, Himbeere ist weder medizinisch noch psychologisch ausreichend versorgt.

    kann ich allerdings gar nicht zustimmen. Sie hat so viele Möglichkeiten bekommen und Alle schmeißt sie immer wieder hin. Sie erweckt den Eindruck, dass sie einfach nicht vorwärts kommen will.


    Ebenfalls kann ich auch die Projektion Deiner Situation nicht so ganz verstehen. "Depressionen" sind nicht gleich "Depressionen". Du schreibst von Deiner in der Vergangenheit, das heißt, Du hast sie soweit (oder zumindest die schlimme Phase) überstanden, oder? Wie kam es denn dazu? Weil Du eventuell gute ärztliche und therapeutische Unterstützung hattest? Zumindest war es so, dass Du an Deiner Situation was ändern wolltest.


    Und mehr und mehr offensichtlich, will dies Himbeere aber nicht. Sie sucht weiterhin nach der ultimativen einfachen Lösung, nach Menschen, die ihr das abnehmen.


    Ich sehe einfach keinen Sinn darin ihr den Kopf zu tätscheln. Ihre Situation ist definitiv schwer, keine Frage. Sie macht das nicht aus Faulheit! Das will ich ganz und gar nicht sagen. Aber sie muß langsam mal begreifen, dass es ohne ihre (Selbst)Hilfe niemals funktionieren wird.

    @ isabell

    Zitat

    Sie hat so viele Möglichkeiten bekommen und Alle schmeißt sie immer wieder hin. Sie erweckt den Eindruck, dass sie einfach nicht vorwärts kommen will.

    Ich habe schon zig Therapien abgebrochen. Entweder weil ich es nicht ausgehalten habe oder weil ich einfach nicht hingegangen bin. Wollte ich trotzdem, dass es mir besser geht? Ja. Ich hätte eine meiner Nieren dafür verkauft. Manchmal ist Therapiearbeit einfach zu viel. Liegt vielleicht am Therapeuten, vielleicht an Himbeere.

    Zitat

    Ebenfalls kann ich auch die Projektion Deiner Situation nicht so ganz verstehen. "Depressionen" sind nicht gleich "Depressionen". Du schreibst von Deiner in der Vergangenheit, das heißt, Du hast sie soweit (oder zumindest die schlimme Phase) überstanden, oder? Wie kam es denn dazu? Weil Du eventuell gute ärztliche und therapeutische Unterstützung hattest? Zumindest war es so, dass Du an Deiner Situation was ändern wolltest.

    Ob ich an meiner Situation was ändern wollte? Nein! Ich konnte das gar nicht wollen, ich habe mich ja erst so verkriecht, weil ich die Realität nicht ertragen konnte.


    Ich wurde von meinem Mann quasi zangseingewiesen. Er hat mich ins Auto gesetzt, mich zur Klinik gefahren und hat weinend gesagt "da bleibst du jetzt, ich kann nicht mehr". Danach setzte in mir ein wahnsinns Fluchtreflex ein (wohl ein Teil meiner Borderlineproblematik). Ich wollte weg, raus, dachte ich würde das alles nicht aushalten.


    Ich hatte dann unendlich viel Glück, dass ich das erste Mal in meinem langen, langen Therapieleben auf einen Arzt getroffen bin, der wusste wie er mich "anpacken" musste.


    Auch nach der Klinik wurde ich nicht hängen gelassen, sondern darf noch mehrmals die Woche (für die nächsten 2 Jahre!) dort hinfahren und verschiedene Therapiemöglichkeiten nutzen (Werk, Sport, Gespräche etc.).


    Himbeere hat weder Eltern, die einem Bilderbuch entsprungen sind noch (wie ich) einen liebenden Mann, der ihr hilft das alles durchzustehen.

    Zitat

    Kannst du dir nicht einen Hund holen, damit du mit diesem immer morgens, mittags und abends Gassi gehst??

    Bitte nicht! :|N


    Wenn man nicht einmal für sich selbst gut sorgen kann, darf man nicht noch ein Tier halten.


    Ein Tier sollte nicht als Krücke für einen Menschen dienen.


    Ja es gibt Blinden- und Assistenz-Hunde, aber da ist wenigstens gewährleistet das die Menschen ihr Leben im allgemeinen im Griff haben.

    Zitat

    Du hast noch immer ein gravierendes Problem mit der Eigenverantwortung, auch wie Du mit dem Therapiethema umgehst. Denn auch eine Therapie durchzuhalten ist ein Stück Eigenverantwortung – der Du Dich partout nicht stellen willst.


    Somit kommst Du auch nicht aus Deiner Situation raus, weil Du auch nur beim leisesten Ansatz bezüglich dieses Themas sofort "den Kopf in den Sand steckst".


    Du mußt dringend herausfinden, warum es Dir eine solche Angst, bzw. solche Probleme macht, auf eigenen Füßen zu stehen.

    :)^ :)=


    Und wenn jemand NICHT KANN: Dann gehört er stationär. Dann ist er zu krank für eine ambulante Behandlung. Das ist durchaus möglich. Aber bedeutet dann auch, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.


    Bei Himbeere ist das Muster auffällig, dass jegliche Hilfe irgendwie nichts taugt, viel abgelehnt iwrdf etc. – und wenn es eine Option gibt, dann macht sie es sich selber kaputt.

    GibNichtAuf


    Also an dieser Stelle an Dich ganz aufrichtig :)_ und :)* .


    Aber noch immer sage ich: Du kannst Deine Situation nicht auf Himbeere übertragen. Ich selbst litt jahrelang, eigentlich jahrzehntelang, unter einer Angststörung, die mit einer Depression vergleichbar ist oder in manchen Fällen mit einer Solchen einhergeht.


    Aber genau das ist für mich auch der Punkt, an dem ich es mir bezüglich verschiedener Bilder die sich mir bieten, tatsächlich auch anmaße nicht mit einem verständnisvollen Tätscheln auf die Person einzugehen, sondern mit klaren Ansagen.


    Hinzu kommt, das Himbeere hier immer und immer wieder Eines ganz klar hinstellt, das ist sogar schon eine Art Mantra von ihr (vielleicht sogar ohne es zu wollen):


    "Würde mich Jemand unterstützen, so wie ich das will, dann würde ich ja....", das zieht sich durch wie sonstwas!


    Klingt das für Dich nach einer "Depression" wie Du sie erlebt hast oder noch erlebst? Klingt das für mich nach einer psychischen Störung wie ich sie erlebt habe? Nein! Ich fühl(t)e mich sogar teilweise wie vor den Kopf geschlagen.


    Sie kann Morgens nicht aufstehen, weil kein Freund da ist der sie weckt – dann könnte sie ja! Konntest Du das? Sicher nicht, sonst wäre Dein Mann nicht so verzweifelt gewesen. Sie hat Geldprobleme in dem Sinne, dass sie nicht genug Geld für Vergnügungen/Klamotten hat. Ihr Vater verlangt von ihr im Haushalt mitzuhelfen und zahlt ihr nicht mal ein Taschengeld. Das lässt sie verzweifeln. Usw.


    Ich kann Dich supergut verstehen, GibNichtAuf, Deine Neigung jeden in Deine Arme schließen zu wollen – bildlich gesprochen- der auch nur annähernd Deine Symptomatik aufweist. Weil in Dir selbst die Riesenwand Deiner Depression noch immer vorhanden ist.


    Aber versuche trotzdem ein wenig zu differenzieren. Oder versuche es gerade deswegen.


    Wenn Du Himbeeres Fäden/Faden/Beiträge wirklich verfolgt hast, dann weißt Du doch auch, wieviele Menschen auf sie zugegangen sind, ihr helfen wollten – nicht zuletzt auch der Vater.


    :)*

    Apfelkuchen


    Diese "Hundeidee** ist weit verbreitet, wird gerne hergenommen wenn es im Kontext um das Problem "Verantwortung" geht.


    Nur wird hierbei gerne vergessen, dass diese Idee nur für Menschen geeignet ist, die Verantwortung übernehmen wollen, denen diese im Grunde mehr fehlt – die genau wegen einem Verantwortungsverlust nicht mehr aus dem Bett kommen, Depressionen kriegen usw. (wer kennt nicht das Klischeebild von der "alten Dame mit ihrem Dackel").


    Aber Menschen die so schon Probleme mit der Eigenverantwortung haben, geraten durch einen Hund noch weit mehr unter Druck als sie so schon stehen.

    Zitat

    Was hast Du denn dem Therapeuten zur Erklärung gesagt? Hast Du Dich aufrichtig entschuldigt? Im Normalfall musst Du ja die Stunde dann selbst bezahlen – musst Du das?

    Ich habe ihn telefonisch nicht erreicht. Ich geb's langsam auf. Nein, musste ich nicht, da er weiß, dass ich kein Einkommen habe.

    Zitat

    Himbeere, wie sieht es bei dir medikamentös aus? Ich hab ja eine ähnliche Krankheitshistorie wie du und habe zu Zeiten einer schweren Depressionen (die leider immer mal wieder kommt- und bei dir scheint es ähnlich zu sein) ziemlich viele Medikamente gebraucht, um mein Bett wieder verlassen zu können.

    Ich nehme zurzeit 100 mg Amisulprid ein.

    Zitat

    Wie sieht es bei dir mit der Erhaltungsmedikation aus?

    Was ist das genau?

    Zitat

    Ich habe zum Beispiel 4x die Woche Werktherapie, Gesprächstherapie und Sozialtherapie in der Institusambulanz. Gibt es bei euch sowas nicht?

    Nicht, dass ich wüsste.

    Zitat

    Kannst du dir nicht einen Hund holen, damit du mit diesem immer morgens, mittags und abends Gassi gehst??

    Mein Vater erlaubt doch keine Haustiere.

    Zitat

    Wenn du das im Griff hast, kannst du über weitere Dinge wie auch den Führerschein nachdenken, ansonsten überforderst du dich selbst mit allem und kriegst am Ende nichts wirklich hin.

    Das geht nicht. Ich habe den Führerschein jetzt schon angefangen, würde ich ihn abbrechen. Könnte ich direkt wieder von neu anfangen und tausende von Euros wären weg.

    Zitat

    Himbeere hat weder Eltern, die einem Bilderbuch entsprungen sind noch (wie ich) einen liebenden Mann, der ihr hilft das alles durchzustehen.

    Genau, ich habe keinen, der mich unterstützt und meinem Vater ist alles egal.

    Zitat

    Himbeere, wann gehst du den in der Regel ins Bett? Und schläfst du tagsüber auch oft?

    Meist erst nach 3 Uhr nachts und nein, wenn ich wach werde, schlafe ich nicht mehr ein.

    Zitat

    Meist erst nach 3 Uhr nachts

    Dass da ein Zusammenhang besteht zu deiner morgendlichen Müdigkeit, darauf bist du noch nicht selbst gekommen?


    Wenn ich um drei Uhr erst ins Bett gehen würde, wäre ich auch zur Weckzeit um sechs gerade in einer der ersten Tiefschlafphasen.


    Normalerweise weiß man, dass ein Mensch mindestens sechs, als junger Mensch sogar acht Stunden Schlaf braucht, und entsprechend muss man seine Bettgehzeiten gestalten.


    Klar ist das schwierig, plötzlich um zehn, elf schlafen gehen zu müssen, wenn man es anders gewohnt ist. Aber man kann sich auch umgewöhnen. Dauert möglicherweise, aber es geht.


    Schlafmangel ist eine nicht zu unterschätzende Ursache für viele Beschwerden, auch psychischer Natur.