Behandlung "Anpassungsstörung" bei Hausarzt oder Psychiater

    Mein Hausarzt hat mich zum Psychiater überwiesen und auf dem Überweisungsschein steht "Anpassungsstörung" bzw. das entsprechende Kürzel. Hab ich natürlich gleich gegoogelt. Unklar ist mir, ob ich das jetzt "ernstnehmen" soll. Weil die "Diagnose" von einem Allgemeinmediziner kommt und nicht von einem Psychiater.

    Derselbe Arzt hat auch gesagt, wenn ich keinen Termin beim Psychiater bekomme (ist hier in der Gegend wohl schwer), müssen wir selber über Medikation nachdenken. Das will er beim nächsten Termin besprechen.

    Ich weiß halt nicht, ob das so gut ist, also ob ich dem Arzt vertrauen soll (grundsätzlich wirkt er schon sehr kompetent) oder ob ich warten soll, bis ich einen Termin beim Psychiater kriege.

    Deshalb interessiert es mich, ob sich hier jemand mit der Diagnose und grundsätzlich mit der Vorgehensweise bei "sowas" auskennt.


    Danke und LG

    Mika

  • 21 Antworten

    Die erste Medikation habe ich damals auch vom Hausarzt bekommen. Zur Überbrückung bis zum Termin beim Psychiater. Das ist meines Wissens ganz üblich, um die Beschwerden schon mal zu lindern, während man auf den Facharzttermin wartet. Das kann ja schon mal ein paar Wochen dauern...

    Mikadon't schrieb:

    Unklar ist mir, ob ich das jetzt "ernstnehmen" soll. Weil die "Diagnose" von einem Allgemeinmediziner kommt und nicht von einem Psychiater.

    Naja, eine "Anpassungsstörung" ist ja erstmal relativ allgemein ausgedrückt - irgend etwas muss der Hausarzt ja angeben. Ich habe auch einmal aufgrund bestimmter Symptome vom Hausarzt eine psychische Diagnose bekommen, die dann aber von Fachleuten genauer spezifiziert wurde (was nicht heißen soll, dass der Hausarzt falsch lag).

    Die meisten Hausärzte sind psychologisch geschult

    Anpassungsstörung ist eine Diagnose die ein psychologisch geschulter Hausarzt durchaus treffen kann,

    Ich würde dem Arzt vertrauen, vor allem wenn er ansonsten kompetent ist und nicht gerade frisch von der Uni kommt.

    Ich habe einfach irgendwie Angst, dass ich eigentlich gar nichts habe und nur dumm und lebensunfähig bin und wegen nichts ein Theater mache. Kann man vielleicht nicht so gut nachvollziehen, aber mir wäre es ehrlich gesagt lieber, schwarz auf weiß zu haben, dass in meinem Gehirn etwas nicht richtig funktioniert und ich mich deshalb so fühle, wie ich mich fühle, als immer gesagt zu bekommen, ich solle mich halt nicht so anstellen.

    Und von einer "Anpassungsstörung" hatte ich bisher noch nie was gehört und kann da irgendwie nicht viel mit anfangen. Das klingt für mich nach "Ein paar Symptome einer Depression, aber nicht stark genug für eine richtige Depression". Also irgendwie nichts ganzes und nichts halbes, oder?

    Die "Diagnose" ist ja erstmal ganz allgemein. Der Hausarzt schätzt halt bei sehr fachlichen Themen ab in welche Disziplin das gehört, hat eine Handvoll generischer Diagnosemöglichkeiten als Begründung um das ganze schonmal ganz grob einzuordnen.


    Sowas ja nicht mittels Bluttest oder ähnliches einfach auf Papier diagnostiziert. Ob man behandelt werden sollte, hängt primär vom Leidensdruck ab. Und den hast Du.


    Wenn jemand z. B. 2, 3 Merkmale einer Zwangsstörung hat, sich das nie ausbreitet, er hat einfach paar Ticks die ihn nicht stören, dann muss er das auch nicht behandeln lassen.


    Du hast aber ja einen Leidensdruck. Egal ob der jetzt aus Deinem inneren, von Deinem Umfeld oder einer körperlichen Erkrankung herrührt. Wenn jemand eine körperliche Krankheit hat und ihn das immer runterzieht, wird eine Psychotherapie die körperliche Krankheit nicht heilen, dafür muss er parallel zu einem Facharzt zu diesem Thema, aber man kann lernen besser damit zu leben und damit umzugehen.


    Falls Dein Problem bei dir innerlich liegt, kannst Du das mit tehrapeutischer Hilfe aufdecken um den Stress, den Du Dir selbst machst zu reduzieren. Wenn es das Umfeld ist, dann scheint "Dein" Problem damit zu sein, dass Du Dir "von anderen gesagtes" zu sehr zu Herzen nimmst. Da hilft dann zu lernen selbstbewusster zu werden, sodass Stress von außen besser abprallen kann. So oder so kann psychologische Unterstüztung helfen.


    Allerdings habe ich jetzt nur vom psychologischen gesprochen, der Psychiater ist ja kein Psychologe sondern Arzt, aber mit einer entsprechenden Weiterbildung. Er kann sich das anhören und jenachdem, was er denkt oder auch feststellt (gibt ja auch Untersuchungen für manche Dinge, falls da ein Verdacht aufkäme) dann eine Therapie und / oder Medikamente in die Wege leiten.

    Ich bin irgendwie mit der ganzen Situation gerade überfordert. Wenn es mir früher schlecht ging, konnte ich das immer an genauen äußeren Punkten festmachen. Das ist jetzt nicht mehr so. Seit einem Monat geht es mir fast durchgehend scheiße. Das kenne ich so nicht von mir. Ich hab versucht, mit Hilfe von Alkohol besser damit klarzukommen. Dachte, es wäre ok, weil ich nie viel getrunken habe. Jetzt hab ich zwei Tage lang gar nichts getrunken und merke jetzt doch, dass es einen Unterschied macht.

    Weiß aber keine wirkliche Alternative um mit meinen Gefühlen klarzukommen.

    Im Moment kann ich wenigstens ganz gut kommunizieren, aber die meiste Zeit über fühle ich mich total benebelt im Kopf, kann mich nicht konzentrieren und kriege nichts auf die Reihe.

    Ein Psychiater wird dir weiterhelfen können und vermutlich ist auch eine Psychotherapie/ein Klinikaufenthalt angezeigt. Du scheinst unter sehr großem Leidensdruck zu stehen.

    Alkohol ist aufkeinen Fall die Lösung. Wenn Du schon meinst Du brauchst irgendwelche chemischen Prozesse in Deinem Körper, dann lass Dir vom Psychiater Antidepressiva andrehen. Dann wird das ganze überwacht und Nebenwirkungen sind nur vielleicht da, bei Alkohol sind sie sicher.


    Aber versuch doch erstmal die normalen Dinge bis Du an der Psychiater/Psychotherapie/Klinik-Sache weiterkommst: Meditation (da gibts gute Apps), Entspannungsgedöns, alles wo man auf natürlichem Wege mal "abschalten kann" ohne Alkohol oder ähnliches. Dabei kann man dann auch noch was über sich selbst und seine Gefühle / Emotionen lernen.

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    MetteMarie schrieb:

    Ein Psychiater wird dir weiterhelfen können und vermutlich ist auch eine Psychotherapie/ein Klinikaufenthalt angezeigt. Du scheinst unter sehr großem Leidensdruck zu stehen.

    Das scheint mir auch so.

    Übermäßig viel Alkohol zu trinken ist doch so gut wie immer der Versuch sich selbst zu therapieren.

    Dass ist gar nicht so selten dass Männer durch Depressionen bedingt zum Alkoholiker werden.

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    Plüschbiest schrieb:

    Dass ist gar nicht so selten dass Männer durch Depressionen bedingt zum Alkoholiker werden.

    Dann hätten wir ja seine Geschlechts-Identitäts-Unklarheit gelöst. ;-D

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    Weder noch. Das wird psychotherapeutisch und nicht medikamentös behandelt. Überweisung brauchst du dafür nicht. Einfach Theras anrufen und Termin machen.

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    Micha2738 schrieb:
    Plüschbiest schrieb:

    Dass ist gar nicht so selten dass Männer durch Depressionen bedingt zum Alkoholiker werden.

    Dann hätten wir ja seine Geschlechts-Identitäts-Unklarheit gelöst. ;-D

    Versteh ich nicht. ":/

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    Anpassungsstörung ist meist die Vorstufe einer Persönlichkeitsstörung - nicht immer, aber oft, zumindest wird das in der Klinik deutlich


    in Kombination mit deinen anderen Problemen wäre eine Psychotherapie sinnvoll, ein rein hirnorganisches Problem sollte ausgeschlossen werden aber allein mit Psychopharmaka ist die Chance dein Leiden auf lange Sicht zu verbessern eher gering

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    Madame Charenton schrieb:

    Anpassungsstörung ist meist die Vorstufe einer Persönlichkeitsstörung - nicht immer, aber oft, zumindest wird das in der Klinik deutlich


    in Kombination mit deinen anderen Problemen wäre eine Psychotherapie sinnvoll, ein rein hirnorganisches Problem sollte ausgeschlossen werden aber allein mit Psychopharmaka ist die Chance dein Leiden auf lange Sicht zu verbessern eher gering

    Kannst du das näher erklären bzw. gibt es da Studien zu oder so?

    Ich bin (logischerweise) kein Psychologe, aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass man plötzlich ohne irgendwelche vorherigen Anzeichen eine Persönlichkeitsstörung entwickelt. Depression, ok. Bei einer Persönlichkeitsstörung müsste die Persönlichkeitsstörung doch bereits gestört sein, oder? Also ich stelle mir das so vor, dass in der Persönlichkeitsentwicklung etwas schief läuft und es so zu einer Störung kommt. Es kann ja eigentlich nicht sein, dass man 17 Jahre lang "normal" ist und dann plötzlich ist man 18 und entwickelt eine Persönlichkeitsstörung, oder?

    Google sagt, eine Anpassungsstörung tritt dann auf, wenn man mit einem belastenden Ereignis nicht klarkommt und infolge depressive Symptome etc. entwickelt. Ich wüsste nicht, welches Ereignis das bei mir sein soll, da nichts dramatisches passiert ist.