Guten Morgen ihr Lieben,


    erstmal danke für die rege Beteiligung und die vielen Gedanken. Tut mir leid, dass ich mich erst melde, ich hatte gestern einen recht arbeits-intesiven Tag.


    Kurz vorweg: Ich bin ja gerade etwas erstaunt über die Eigendynamik des Fadens, wie mein Freund dargestellt wird ":/ Ok, vielleicht kam es von mir so rüber... Aber zur Klarstellung: er wird hier als Ich- fixiert, Egoist usw bezeichnet. So möchte ich das nicht stehen lassen, weil ich ihm dann wirklich unrecht tun würde. Er ist stets bemüht auf mich einzugehen und mir bei besagten Diskrepanzen entgegenzukommen. Er sagt selbst von sich, dass er der glücklichste Mensch wäre, wenn er bei gewissen Dingen über seinen Schatten springen könnte. Was ich meinte, als ich sagte, ich spreche gewisse Bedürfnisse gar nicht mehr aus, weil ich weiß, dass er mir da nicht entgegenkommen kann ist zB. dass es nichts bringen würde darauf zu pochen Arm in Arm einzuschlafen... er kann dann nicht einschlafen. Aber damit meinte ich nicht, weil er grundsätzlich sagt, nein das machen wir auf meine Art. Aber ja natürlich dreht sich generell der Tag eher um ihn, weil seine Probleme eben stets präsent sind und ich fühle mich dadurch zurückgesetzt.


    Jemand meinte (verzeiht mir wenn ich jetzt das genau Zitat nicht mehr finde) ich kann euch nicht erzählen, dass er bei solch massiven Problemen am Anfang selbstbewusst rüberkam. Was genau hätte ich davon hier rum zu lügen? Das war eben mein Eindruck, dann hab ich wohl ne schlechte Menschenkenntnis. Zum besseren Verständnis: Wir haben uns beide im Sommer im Heimaturlaub kennengelernt. Wir kommen aus der selben Gegend. Er lebt aber in einer großen Stadt und ich lebe im Ausland. Sprich wir führen eine Fernbeziehung. Wir haben die zwei Wochen daheim komplett zusammen verbracht, 24/7 x:) Und dann bin ich jedes We zu ihm geflogen, weil es für mich beruflich leichter war weg zu kommen. Und jetzt im November haben wir es so organisieren können, dass er bei mir länger bleiben kann und von hier aus arbeitet. Als wir uns an den Wochenenden sahen war es ja quasi immer wie Urlaub, kein Alltag. Er war locker, wir gingen auch fort, ohne dass ich ihm irgendetwas angemerkt hätte, dass er sich unwohl fühlt. Er meinte, so lange ihn keiner kennt, hat er kein Problem damit und fühlt sich nicht bewertet. Deshalb liebt er das anonyme Stadtleben. Auch das Schlafproblem war da nie so präsent, weil wir in der früh ja auch ausschlafen konnten. Dadurch hat er auch nicht diesen "Stundenzähltick", wie lange er noch schlafen kann.. da fiel schon mal viel Druck bei ihm weg. Seine ganzen Macken habe ich dann erst nach und nach in den letzten 2-3 Wochen festgestellt und irgendwann habe ich dann auch verstanden, dass es sich um weit mehr als nur einfache Macken handelt.


    Viele finden er sollte auf die Couch nicht ich! Ja stimmt, ihr habt eh recht. Der Vorschlag ging aber von mir aus und er hat mehrmals gesagt er kann genauso auf die Couch. Hier wurde er wieder als Egoist betitelt. Ich weiß, dass er im Wohnzimmer nicht schlafen kann, weil es zu hell ist. Und wenn ich ganz ehrlich bin, genieße ich es total mal nach 11 noch Tv gucken zu dürfen :=o


    Irgendwo hab ich wohl Sprachproblem geschrieben, tut mir leid, Tippfehler, sollte natürlich Schlafproblem heißen |-o

    Zitat

    Hängt ja auch davon ab wieso er so ist wie er ist. Asperger ist ja zum Beispiel genetisch, da dienen diese ganzen Spielchen ja in der Tat irgendwie dem Überleben und sind nur ganz schwer und in eingeschränktem Rahmen therapierbar.

    Ich hab mich jetzt mal zu Asperger eingelesen. Das kann ich komplett ausschließen. Von den Symptomen her passt das überhaupt nicht. Er ist zwischenmenschlich extrem kompetent, sehr emphatisch. Er merkt sofort, wenn bei mir irgendwas nicht stimmt. Er hat auch kein Problem Leuten in die Augen zu sehen. Und es ist auch nicht so, dass er menschlichen Kontakt verabscheut. Nur die Phase davor. Wenn wir zB. meine oder seine Freunde getroffen haben hatte er vorher richtige Schweißausbrüche, wollte nicht angefasst werden, hat schwer geatmet, er war richtig in Panik. Wenn wir dann aber in der Situation sind, beruhigt er sich auch gleich wieder und er meinte selbst, dass es ihm dann auch Spaß macht. Aber er will sowas trotzdem vermeiden, weil der ganze Stress vorher jeglichen Spaß relativiert. Er sagt zu mir er ist unsozial, was ich aber überhaupt nicht so empfinde. Er tritt sehr souverän auf, sticht in einer Runder eher heraus, unterhält die Leute. Also er steht dann nicht wie ein Mäuschen da, im Gegenteil. Er kann nur überhaupt nicht damit umgehen, nicht zu wissen was auf ihn zukommt. Wer genau alles anwesend sein wird, wo wir hingehen... und weil er eben diese Gedanken im Kopf hat, die Leute denken er wäre hässlich. Er fühlt sich stets bewertet.

    Zitat

    Aber er arbeitet als Jurist. Wie hat er so das Studium und das Referendariat, geschweige denn bisher seinen Beruf(seinstieg) geschafft, wenn er so eine soziale "Scheu" hat?

    Die Frage habe ich mir selbst auch schon gestellt. Jura ist seine Passion, er könnte Stunden davon reden. Er liebt das was er tut. So wie ich das einschätze ist Arbeit gleichzeitig sein Ausgleich/Ruhepol. Er ist gut darin, fühlt sich was seine Arbeit betrifft auch sehr selbstsicher. Ich habe ihn eh schon oft gefragt wie er das bei Meetings macht oder auf Gericht. Er meinte, das sei kein Problem, weil er im Beruf eine Sicherheit spürt, die er privat nicht hat. Nur mit den kranken Arbeitszeiten kommt er gar nicht zurecht. Und wie gesagt, er kommt extrem selbstsicher rüber, wenn man ihn nicht besser kennt. Er kann das super verstecken. Als ich meiner Mutter von seiner Unsicherheit erzählte, fiel sie aus allen Wolken.

    @ mond+sterne @bambiene

    Nun bin ich doch verwundert, warum ich von euch so selbstgefällig und übergriffig dargestellt werden.

    Zitat

    Was würdest Du davon halten? Wäre es ein Deal, er macht eine Psychotherapie und Du eine Schönheitsoperation?

    Was soll dieser Vergleich? Eine schiefe Nase oder ein flacher Busen sind keine Erkrankungen.


    Angstzustände sind nicht normal, das ist krankhaft und beeinflussen dein Leben in Maßen, dass es dich meiner Meinung nach geradeaus in eine Depression verfrachten muss. Ich habe ihm den Rat gegeben sich Hilfe zu holen. Wie man das mit einer Schönheitsop vergleichen kann ist mir schleierhaft. Ich verstehe nicht warum es in der heutigen Zeit immer noch Leute gibt, die eine psychische Erkrankung anders sehen als eine andere Krankheit. Würdest du es bei einem Krebspatienten auch als übergriffig empfinden, wenn man ihm zur Chemo ratet? Ja von Angstzuständen stirbt man nicht, sofern man nicht suizidal ist, aber das Leben ist nun mal nicht so lebenswert, wie das eines Menschen ohne krankhafter Gedankenspirale. Ob er eine Therapie macht ist ganz allein seine Entscheidung, aber wenn ich mir das Leid schon täglich anhören darf, erlaube ich mir auch das Aussprechen eines Lösungsansatzes.

    Zitat

    Du schreibst er arbeitet bis Abends und hat z,Z. viel Stress. Verwundert es da wirklich, dass er am Abend alle ist und keine Lust mehr auf Geseligkeit und schon gar nicht Lust auf deine Freundinnen hat?

    Ich bin die erste die unter der Woche nach der Arbeit auf die Couch fällt und nicht mehr rauswill ;-) Hier geht es nicht um Lust haben. Du verkennst hier das Problem. Er sagte schon so oft, ich wäre gerne so ruhig wie du, wenn ich mich einfach nur auf ein Zusammentreffen mit Freunden freuen könnte. Letzte Woche waren wir bei seiner Schwester abends zum Essen eingeladen und er hat schon am Nachmittag angefangen zu zittern und zu schwitzen, weil er solche Panikattacken hatte. Er will selbst, dass das aufhört. Nur leider ist er eben der Meinung, dass das eine Charaktersache ist.

    Zitat

    Du hast dich in einem anderen Faden beschwert, weil dein Freund alle vier Stunden Hunger hat, auf einen Schlag 500 gr Nudeln verdrückt und am Abend einen ganzen Liter Milch trinkt.

    Obwohl er nach deinen Angaben kein Gramm Fett zuviel hat, siehst du schon Diabetes auf ihn zukommen und möchtest dass er zum Arzt geht um was-weiß-ich-was-für-Kalzium abklären zu lassen.

    Ich habe mich nicht beschwert %-| Ich mache mir Sorgen, weil sein Essverhalten alles andere als normal ist. Und ja er lebt nur von Milch, Nudeln und Toastbrot.... warum sollte ich mir das ausdenken? Außerdem kann ein Schlafproblem auch von einem Nährstoffmangel herrühren.


    Ich wünsche mir gerne eine Diskussion auf Augenhöhe, dieses von oben herab finde ich lächerlich!

    Zitat

    Vielleicht wünscht er sich von dir einfach mehr Akzeptanz für seine Art zu sein.

    Auch hier verkennst du das Problem. Es ist mir egal wann er ins Bett geht!! Mit meinem Ex bin ich auch nie zur gleichen zeit ins Bett. Aber wenn dein Freund 23.04 Uhr fast weinend und total verzweifelt vor dir steht, weil er nun das richtige Zeitfenster ins Bett zu kommen um 4 min verpasst hat, was würdest du dir dabei denken? Er liegt dann die ganze Nacht wach...weil er sich das so extrem einredet und sich reinsteigert. Hier geht es nicht darum, dass ich mit Schatzi noch gerne bis in die Puppen tanzen gehen möchte, sondern weil ich sehe, wie schwer er sich sein eigenes Leben macht und es zur Zeit alleine keinesfalls aus dieser Spirale rausschafft.

    Zitat

    Ich denke deine dauernde Kritik an ihm, deine Art ihn mit seinen "liebenswerten" Eigenheiten gleich zu pathologisieren, führen bei ihm zu starker Verunsicherung.

    Wo liest du raus, dass ich ihn ständig kritisiere? Er steht weinend vor mir, dass er so nicht mehr kann. Weil er Angst hat dass ich Schluss mache, weil er merkt wie unterschiedlich wir sind. Diese Unterschiede beziehen sich aber nicht auf unseren Charakter (Interessen, Werte, Einstellungen haben wir die gleichen), sondern dass er von seinen Angstzuständen gelenkt wird. Nur genau da liegt der springende Punkt, dass er eben von charakterlichen Unterschieden redet, weil er es von sich nie anders kennengelernt hat.

    Zitat

    Aber wenn dein Freund 23.04 Uhr fast weinend und total verzweifelt vor dir steht, weil er nun das richtige Zeitfenster ins Bett zu kommen um 4 min verpasst hat, was würdest du dir dabei denken?

    daran sieht man, daß es offensichtlich auf deine "rücksichtnahme" gar nicht drauf ankommt- sein leidensdruck bleibt da, egal, wie sehr du versuchst, auf ihn rücksicht zu nehmen und dich dabei verbiegst wie sonstwas.


    aber seine bereitschaft, sich da wirklich hilfe zu holen ist so gut wie nicht vorhanden- weil er es ja quasi auf dich abwälzt (du sollst halt rücksichtsvoll sein- aber wozu? wenn sich dann ja auch nix ändert....)

    Zitat

    So wie ich das einschätze ist Arbeit gleichzeitig sein Ausgleich/Ruhepol.

    glaub ich ehrlichgesagt nicht. wenn es sein ausgleich/ ruhepol wäre, dann würde er, sobald er frei hat genau diesen "ausgleich/ruhepol" vermissen. deine schilderung von eurer freien zeit davor klingt aber eher so, als wäre er da wesentlich ruhiger und ausgeglichener gewesen, als er nicht gearbeitet hat. von dem her wirkt es für mich eher so, als würde er in seinem job ein anstrengendes schauspiel vollführen, um so zu wirken als wäre er selbstbewusst, was ihm aber so viel energie kostet, daß er dann privat mit all diesen anstrengenden macken das wieder kompensieren muss.


    ich meine, quasi jeden abend an der kippe zur panikattacke zu stehen, weil man evtl. ein paar minuten zu "spät" ins bett geht klingt nicht nach einem gesunden alltag.

    Zitat

    Nur mit den kranken Arbeitszeiten kommt er gar nicht zurecht.

    was sind denn seine "kranken arbeitszeiten"? im eingangsbeitrag schreibst du, er steht um 9.15h auf- da kann er doch, selbst wenn er in der morgentoilette schnell ist, und einen kurzen arbeitsweg hat, frühestens um 10h anfangen? und er arbeitet bis 20h, ok- was ist jetzt an diesen arbeitszeiten so "krank"?


    bzw. wenn es ihn so krank macht- wieso holt er sich keine hilfe oder ändert an seinem lebensstil etwas?


    und nein, ich meine jetzt nicht, daß DU ihm hilfst, in dem du am sofa schläfst :=o

    Phenolphtalein


    Mh. Also an seiner Bereitschaft sich auf eine Therapie einzulassen oder auch nicht, kannst du nichts drehen. Du kannst nur bei dir bleiben, so wie es zum Beispiel wasilli meinte. Wenn du jemanden sehen willst, zu Besuch haben willst, dann tu es. Er kann dann für sich entscheiden ob er sich den Ängsten stellt oder der Situation ausweicht und langfristig ob er eine Therapie macht und der Sache eine Chance gibt oder ob ihm die Therapie noch mehr Angst macht als dich zu verlieren.

    Zitat

    daran sieht man, daß es offensichtlich auf deine "rücksichtnahme" gar nicht drauf ankommt- sein leidensdruck bleibt da, egal, wie sehr du versuchst, auf ihn rücksicht zu nehmen und dich dabei verbiegst wie sonstwas.

    Ja eben, deshalb gehe ich ja so gut wie nicht auf diese Sätze ein (ich wüsste auch nicht wie) und rate ihm zu einer Therapie. Ich habe mich nur gegenüber Bambiene gerechtfertigt, weil sie meinte ich würde normales Verhalten pathologiesieren. Ich weiß, dass ich speziell gerade nichts tun kann, außer sein Vermeidungsverhalten von sozialen Situationen zu unterstützen. Was uns aber langfristig nicht weiterbringen wird. Auch bzgl Schlafen muss ich sagen, dass es echt viel besser ist, seit ich am Sofa schlafe. Da ich das Problem gerade nicht mehr wirklich mitbekomme und ihn ja damit alleine lasse. Aber ihm geht es trotzdem schlecht, nur die Beziehung ist nicht mehr direkt durch das Schlafproblem belastet. Was so ja auch keine Lösung ist. Das er sich bei der Arbeit anstrengt selbstsicher zu sein glaube ich ehrlich gesagt auch nicht. Weil er da wirklich sicher und gut darin ist. Also ich kann das natürlich Nüsse beurteilen, aber ansonsten hätte er es wohl nicht so weit gebracht. Und er sagt auch immer wieder, dass seine Arbeit nicht Arbeit für ihn ist.

    Zitat

    deine schilderung von eurer freien zeit davor klingt aber eher so, als wäre er da wesentlich ruhiger und ausgeglichener gewesen, als er nicht gearbeitet hat.

    Nein, beim arbeiten an sich ist er ruhig. Was ihn dabei stresst ist der Gedanke aufzustehen und am Tag funktionieren zu müssen. Er kann sich am Montag Nachmittag nicht mal schnell hinlegen, weil er müde ist. Das geht nur am Wochenende. Das bringt eben für ihn zusätzlichen Druck einschlafen zu müssen und dann geht erst Recht gar nichts mehr.

    Zitat

    was sind denn seine "kranken arbeitszeiten"?

    Stimmt, das kann man jetzt nicht nachvollziehen. Er ist in der jetzigen Kanzlei noch nicht so lange. Bei seinem alten Arbeitgeber musste er weit mehr Stunden machen, was dann in Kombi mit dem Schlafproblem nicht mehr tragbar war. Da wurde es erst richtig schlimm. Wenn du bis 10 in der Arbeit bist und um 11 ins Bett gehst, hast du nämlich wirklich kein Leben mehr. Damals musste er auch viel früher raus. Er meint selbst, dass das Schlafen mit dem neuen Job viel viel besser geworden ist...naja für mich immer noch weit entfernt von normal, aber gut, das sind seine Worte.

    Zitat

    bzw. wenn es ihn so krank macht- wieso holt er sich keine hilfe oder ändert an seinem lebensstil etwas?

    Genau hier haben wir ja das Dilemma :-/

    Zitat

    bzw. wenn es ihn so krank macht- wieso holt er sich keine hilfe oder ändert an seinem lebensstil etwas?

    Weil eine Therapie unfassbare Angst machen kann. Für mich hat sich das damals so angefühlt als wolle jemand mich komplett neu bauen. Wie eine Schönheits-OP, nur ohne das ich bestellen kann wie es aussehen soll. Das natürlich ein falsches Bild von Therapie, aber wenn es darum geht etwas grundlegend ändern zu sollen, dass einen (scheinbar) ausmacht, dann macht das Angst. Hat fish ja schon angerissen.


    Manchmal ist also das bekannte Unglück viel leichter zu handhaben als die Panik vor den Veränderungen einer Therapie.

    Zitat

    Also an seiner Bereitschaft sich auf eine Therapie einzulassen oder auch nicht, kannst du nichts drehen. Du kannst nur bei dir bleiben, so wie es zum Beispiel wasilli meinte. Wenn du jemanden sehen willst, zu Besuch haben willst, dann tu es. Er kann dann für sich entscheiden ob er sich den Ängsten stellt oder der Situation ausweicht und langfristig ob er eine Therapie macht und der Sache eine Chance gibt oder ob ihm die Therapie noch mehr Angst macht als dich zu verlieren.

    Danke, ich werde das versuchen so umzusetzen. Ich werde meinen Bruder ganz normal einladen nächste Woche und werde auch sonst versuchen mein Leben nach meinen und, im Rahmen des Normalen, nach seinen Bedürfnissen zu leben. Wie gesagt, ich habe mir selbst eine Frist gesetzt wie lange ich das mitmache... wenn nichts an Einsicht kommt, bleibt mir eh nichts anderes übrig. Das eine Beziehung so nicht funktionieren kann wird mir mit jedem Tag klarer.

    Zitat

    Nun bin ich doch verwundert, warum ich von euch so selbstgefällig und übergriffig dargestellt werden.

    Für selbstgefällig halte ich Dich nicht. Inwieweit Du die Entscheidung Deines Freundes zum Thema Therapie respektierst, würde ich gerne von Dir im folgenden erfahren.

    Zitat

    Würdest du es bei einem Krebspatienten auch als übergriffig empfinden, wenn man ihm zur Chemo ratet?

    Ich sehe es unter dem Aspekt Ratschläge erteilen, und dabei ist es mir egal, ob man jemandem zur Psychotherapie oder zur Chemotherapie rät.


    Also, wenn du jemandem zur Chemotherapie rätst, er nimmt den Rat nicht an, und du respektierst es, dann ist es für mich in Ordnung.


    Wenn du den Krebspatienten solange mit dem Thema Chemotherapie traktierst, bis er endlich eine macht, dann finde ich das respektlos.


    Da sehe ich den Knackpunkt. So wie ich Dich verstanden habe, bist Du für eine Psychotherapie. Dein Freund möchte keine Psychotherapie. Meiner Ansicht nach müsstest Du seine Entscheidung respektieren.


    Wie siehst Du das? Hältst Du Deine Haltung Deinem Freund gegenüber bezüglich einer Therapie für respektvoll? Musst Du seine Entscheidung respektieren?


    Ich teile übrigens vom Ergebnis her die Meinung Deines Freundes. Ich bin der Meinung, eine Therapie würde ihm nicht helfen.

    Zitat

    Wie siehst Du das? Hältst Du Deine Haltung Deinem Freund gegenüber bezüglich einer Therapie für respektvoll? Musst Du seine Entscheidung respektieren?

    Ich habe es nun genau zwei mal erwähnt, das sich glaube eine Therapie könnte ihm helfen. Als traktieren sehe ich das nicht. Das ganze ist noch nicht mal ne Woche her. Natürlich respektiere ich seine Entscheidung, ich weiß dann aber für mich, dass ich daraus meine Konsequenzen ziehen muss, auch wenn es mir das Herz bricht.

    Zitat

    Ich teile übrigens vom Ergebnis her die Meinung Deines Freundes. Ich bin der Meinung, eine Therapie würde ihm nicht helfen.

    Er hat nie direkt gesagt, eine Therapie würde ihm nicht helfen. Ich glaube er setzt sich gerade erstmals damit auseinander, dass die ganze Problematik, eben nicht nur auf seinen Charakter zu schieben ist, sondern doch eher was krankhaftes ist. Das er nicht sofort aufspringt und sagt "hey ja los, lass uns einen Therapeuten suchen", ist auch logisch. Ich gebe ihm jetzt erstmal die Zeit das Ganze sacken zu lassen.


    Warum soll eine Therapie nicht helfen? Ich gehe nicht davon aus, dass er diese Gedanken je ablegen kann, aber zumindest lernen damit besser umzugehen glaub ich schon.

    Zitat

    nur die Beziehung ist nicht mehr direkt durch das Schlafproblem belastet.

    naja, das widerspricht aber deinen eigenen formulierungen, daß "du ihn damit alleine lässt", daß es "euch langfristig nicht weiterbringt", daß du "sein vermeidungsverhalten unterstützt"- ehrlichgesagt sind das so formulierungen, die drauf schließen lassen, daß die beziehung eben doch durch das schlafproblem belastet ist, auch wenn du versuchst, durch das "ausweichen" aufs sofa davon weniger mitzubekommen. auf einer anderen ebene wirkt es eben trotzdem.

    Zitat

    Nein, beim arbeiten an sich ist er ruhig. Was ihn dabei stresst ist der Gedanke aufzustehen und am Tag funktionieren zu müssen.

    vielleicht verstehst du etwas anderes darunter, wenn du schreibst, seine arbeit ist sein "ausgleich" und sein "ruhepol". für mich ist "ausgleich/ruhepol" etwas, woraus man kraft schöpfen kann, und zwar kraft, die man auch in andere bereiche seines lebens mitnimmt. und das sehe ich bei ihm nicht. mag sein, daß er bei der arbeit selbst ruhig ist. aber seine ganze ruhe braucht sich sozusagen in der arbeit auf, seine energie geht völlig in der arbeit flöten- und für nix anderes ist dann mehr ruhe und energie da. und da ist dann meiner meinung nach etwas nicht im lot. also ums neudeutsch zu sagen: die work-life-balance stimmt dann nicht ganz ;-) das mag auch bei anderen menschen so sein (stichwot workaholic), aber bei ihm ist es ja insofern krasser, als bei einem "normalen" workaholic, der einfach keinen anderen lebensinhalt kennt und das auch gut findet, als daß er wirkliches psychodrama veranstaltet

    Zitat

    Er steht weinend vor mir, dass er so nicht mehr kann.

    also wenn DAS seine aussage ist, dann muss ihm doch selbst ein licht aufgehen, daß nur ER was dran ändern kann.


    ob DU damit klarkommst, daß er offentlichtlich nix ändern will, musst du selbst wissen. ich würde an deiner stelle mal in mich gehen und rausfinden wollen, was meine eigenen bedürfnisse sind. und wieviel davon in dieser beziehung möglich ist.

    Ich könnte jetzt viel dazu schreiben, warum eine Therapie vermutlich nicht den von Dir erhofften Erfolg hätte. Aber es gibt auch ein ultimatives Gegenargument.


    Ich kann nämlich nicht hellsehen.


    Deshalb sehe ich persönlich keinen großen Sinn in einer derartigen Diskussion.

    Zitat

    Ja, und würdest Du ihre Antwort akzeptieren?

    Ich würde je nachdem ob es ein grosses problem für mich ist, mich zbsp selbst einschränkt, weil wir nicht mehr raus können oder reden ohne auf das thema zu kommen, überlegen ob ich dauerhaft damit klar komme...wenn nicht dann abstand suchen oder ansprechen dass ich das nicht mehr hören/ertragen kann.

    mein letzter Beitrag ist nicht so wirklich nachzuvollziehen und höchstens zu erraten, sorry, hatte keine Zeit mehr aber das fand ich nach einem Gedankensprung dann wichtig aber ist natürlich witzlos so. Daher noch die Erklärung dazu (mit ganze viel Zeit heute (was natürlich heißt dass ich maßlos rumlaber :=o )): Du kannst und solltest dir selbstverständlich jetzt überlegen worauf du dich einlassen kannst, worauf nicht, wo Grenzsetzungen nötig sind usw... Das macht viel aus, wenn es geht. Aber im Umgang miteinander (und für Bereiche wo es nicht geht) kommen dann Situationen wo man nicht sofort und auf rationaler Ebene weiß, ob dies und jenes jetzt ok wäre oder eben nicht - dann muss man auf sein Gefühl vertrauen und danach handeln. Da ist dann aber natürlich keinerlei Basis dafür da eine Erklärung liefern zu können also sollte man es nicht tun, das verkäme automatisch zur Rechtfertigung (würd ich generell lassen, wenn dann nur erklären), noch dazu eine die auf dermaßen wackligen Beinen steht dass ein empathischer und/oder rationaler Mensch sie jederzeit als dahergelabert identifiziert. Hast du dein Gefühl dass dir z.B. bzgl einer bestimmten Sache abrät und sagt "geht nicht" näher ergründet (das kann mitunter schwer sein) kannst du ne Erklärung nachliefern wenn du es für sinnvoll hältst, dann stehst du dann auch gefestigt hinter dir und der jeweiligen Entscheidung und die Authentizität ist spürbar.

    Zitat

    Natürlich respektiere ich seine Entscheidung, ich weiß dann aber für mich, dass ich daraus meine Konsequenzen ziehen muss, auch wenn es mir das Herz bricht.

    Also ich persönlich glaube leider dass es nicht funktioniert wenn du deine Hoffnungen auf eine Therapie setzt, die wird, wenn sie hilft (Grunde für Pessimismus wären voreilig, aber Garantie gibt's natürlich auch nicht), nämlich dauern. Du gehst ja sozusagen jetzt schon auf dem Zahnfleisch, die Zeit auf solcherlei Besserung zu hoffen hast du vermutlich nicht und dir könnte da schon weit vorher die Luft ausgehen. Im Grunde legst du damit auch schon wieder einen Grundpfeiler dafür "aushalten zu müssen" bloß motiviert durch die vage Hoffnung einer therapeutisch bedingten Verbesserung seinerseits. Du musst jetzt (und fängst zum Glück ja schon an :)^ ) Konsequenzen ziehen, totale Selbstverantwortung übernehmen und die nötigen Abgrenzungen versuchen zu etablieren (soweit die Theorie, in der Praxis muss man lernen sich dahin erstmal zu bringen). Da gehört sehr wahrscheinlich auch eine zueigenmachung einer gewissen Rücksichtslosigkeit dazu, zumindest wird es sich mindestens Anfangs so anfühlen. Das wird wohl auch weder dir noch ihm gefallen aber ich seh da keine andere Chance für euch. Ich find's super dass du es versuchen willst, aber da bist momentan in erster Linie du gefordert. Also im Sinne von auf dich aufpassen. Zu sagen dies und das ertrage ich nicht, ändere es oder ich bin weg, ist einfach und es ist sogar legitim, es ist aber absolut nicht das Maximum dessen was du tun kannst um die Beziehung zu führen, es kommt dem nicht mal nahe. Zu sagen, ich hab's versucht ist Selbstirreführung, du hast es über dich ergehen lassen, deine Grenzen übertreten und übertreten lassen und getestet wieviel du aushälst, das ist jetzt äußerst nützliches Wissen - aber natürlich keine Selbstverantwortung gewesen. Aber vielleicht bist du inzwischen schon auf einem guten Weg. Ich hoffe übrigens du fühlst dich nicht über Gebühr kritisiert von mir, ich hab nämlich wirklich keinerlei angriffige oder verurteilenden Intensionen.


    Wie du schreibst, er würde dir gern entgegenkommen kann aber nicht. Das fühlt sich alles, gerade in einer liebenden Beziehung, sehr scheiße an für euch, aber ihr müsst da jeder bei sich selbst bleiben. Mal für seine Seite: dieses Zusatzleid, zu sehen man tut dem anderen weh, kann aber nicht aus seiner Haut ist furchtbar, ich versteh das prächtigst in beiden Richtungen, aber das darf man keinesfalls kultivieren sondern muss es wegkriegen, bei sich bleiben und dem anderen vertrauen dass auch er seine Selbstverantwortungen wahrnehmen wird. Du umgekehrt genauso, die ein oder andere Grenzsetzung z.B. wird ihn wohl schmerzen, das darf dich nicht hindern. Natürlich sinnt man da hoffnungsvoll auf Kompromisse und Wege beiden gerecht zu werden und bestimmt findet ihr da das ein oder andere, bis dahin und für den Rest wo's nicht geht müsst ihr beide erstmal und im schlimmsten Fall dauerhaft ein bißchen die Egoismusschiene fahren.


    Recht theoretisches Gebla alles aber vllt kannst du was damit anfangen. Ich an deiner Stelle würde jetzt mal schaun was deine Maßnahmen dir bringen und das als Maßstab dafür nehmen ob die Beziehung ginge oder nicht. Therapiebereitschaft lässt sich nicht erpressen, nicht falsch verstehen, tust du nicht, du stellst oder hast vor ein ausgesprochenes oder unausgesprochenes Ultimatum zu praktizieren was wie gesagt legitim ist, aber dein, bisher scheinbar für seine Probleme nicht so offene, Freund hat dadurch natürlich eine ziemlich deftige Motivation eine Therapie zu machen, nämlich dich bei sich halten zu können, was natürlich nicht grad die sinnvollste Motivation wäre. Ich hätte natürlich auch schon lange ne Therapie zur Sprache gebracht aber nur vorschlagend und nichts weiter (und damit meine ich nicht, einfach nur nicht zu sagen dass ich will dass er ne Therapie macht sondern es auch wirklich so zu meinen dass dies seine Sache, seine Verantwortung ist).

    Zitat

    wenn dein Freund 23.04 Uhr fast weinend und total verzweifelt vor dir steht, weil er nun das richtige Zeitfenster ins Bett zu kommen um 4 min verpasst hat, was würdest du dir dabei denken?

    Nicht groß drauf eingehen find ich gut. Den Therapierat speziell in der Situation weniger. Erinnere mich da an Heroinkonsumenten, die auch oft sehr sehr tiefe Verzweiflungen fahren. Der Therapierat ist da ne Standardreaktion von sovielen, eine die nichts bringt und vielleicht sogar schon ein bißchen an destruktiver Dynamik bedient. Aber egal, passiert und vllt war's nicht schlimm, vllt sogar doch gut trotz meiner Einschätzung - und nicht drauf einzugehen ist meiner Meinung nach wirklich das was man da tun sollte, sind vermutlich heikle Momente sowas und überall laueren die Glatteise Verantwortunsabnahme und Entstehenlassung ungünstiger Dynamiken.


    Was möchte er denn in einem solchen Moment von dir und wie reagiert er wenn er's kriegt? Trost z.B.? Oder hast du von Anfang an so undraufeingehend reagiert (ich vermute ich wär erstmal auf's eine oder andere Glatteis gekommen muss ich gestehen^^)? Könnt auch sein dass er vllt Strenge oder gar Aggressionen sucht. Weiß nicht ob ich da widerstehen könnte was rauszufinden zu versuchen aber das wär vermutlich gewissermaßen therapeutische Arbeit von der man als Partner wohl lieber die Finger lassen sollte.

    "Aber das kanns doch nicht sein, ich kann ihn doch nicht einfach fallen lassen. Ich finde das so egoistisch... Er ist krank und braucht Hilfe."


    Du. kannst. ihm. nicht. helfen. (Erstens kann er das nur selbst, und solange er nicht will, erübrigt sich jede weitere Diskussion. Seine Wahl, wenn er lieber so leben will als etwas ändern).


    Den Verleich von mond+sterne mit einer Schönheits-OP finde ich so total daneben, dass ich nicht weiter darauf eingehe. Ich hoffe, du nimmst dir das nicht zu Herzen.


    Im Übrigen sehe ich das so wie Shojo - eine Beziehung zu beenden, in der für deine Bedürfnisse kein Raum ist und in der Kompromisse immer so aussehen, dass du dich hinten an stellst, ist nicht "egoistisch", sondern Fürsorge für dich selbst. Und das ist deine erste Pflicht im Leben. Wenn er keine Hilfe will, ist das seine Entscheidung, aber du bist nicht verpflichtet - auch nicht moralisch oder so - die Konsequenzen davon mitzutragen.


    Praktisch gesehen kann ich deine Reaktion, auf sein "Jammern" mit Augenrollen als mit Mitleid zu reagieren, sehr gut verstehen. Ich würde das genauso machen und sehe darin auch nichts schlimmes - ja, er ist krank, aber er will ja nichts verändern und kann nicht erwarten, dass du ihn nun bis zum Ende aller Tage ständig bemittleidest.


    Du bist nicht seine Mutter und wenn er nichts versuchen will, um die Situation zu verbessern, ist das auch selbstgewähltes Schicksal. Bei Angst- und Zwangserkrankungen ist es für Angehörige super wichtig, auf den Patienten nicht allzu viel Rücksicht zu nehmen, weil Vermeidung und Rücksicht die Symptome immer weiter verstärkt und nur dazu führt, dass im Ergebnis alle "eingesperrt" sind.


    Ich halte es für eine vernünftige Sache, wenn du jetzt erstmal abwarten willst, bis sich dein Vorschlag zum Thema Therapie setzt. Ein guter Anlass, das wieder aufzugreifen, wäre sein Kinderwunsch - kommt er darauf von selbst zu sprechen? Dass er derzeit nicht in der Lage ist, ein Kind aufzuziehen, liegt ja nun auf der Hand, und da wäre ich an deiner Stelle zu ihm schonungslos offen, dass das angesichts seiner Probleme für dich absolut nicht in Frage kommt. Vielleicht könnte das ein Anlass sein, ihn zur Veränderung zu motivieren.


    Ob eine Therapie etwas bringt und in welchem Zeitrahmen Verbesserungen zu erwarten wären, steht auf einem anderen Blatt. Wunder sind da bestimmt nicht zu erwarten; andererseits ist die Prognose bei Angststörungen und Zwängen auch nicht aussichtslos. Ohne längeren stationären Aufenthalt wird bei solch massiven Schlafstörungen aber vermutlich nichts gehen.


    Ich kann gut verstehen, wenn du angesichts dieser Lage zu der Erkenntnis kommst, dass es zwischen euch einfach nicht klappen kann. Es gibt sicher Frauen, die mit seinen Problemen ganz gut klarkommen könnten. Wer selbst auch am liebsten zu Hause bleibt, wenig Wert auf die Pflege von Sozialkontakten und abendliche Unternehmungen legt und mit der Gesellschaft seines Partners völlig zufrieden ist (soll es ja geben..), hätte mit seinen sozialen Ängsten und der festgeschriebenen Zubett-Geh-Zeit viel weniger Probleme. Es legen auch nicht alle Frauen Wert darauf, mit dem Partner in einem Bett zu schlafen.

    Wenn Therapie für ihn "das große Unbekannte" ist, das so dann zusätzlich Angst macht, könnte er sich informieren welche Formen es da überhaupt gibt und wie die jeweils tendenziell ablaufen. Es gibt auch viele Tipps online zu finden zu Schlafstörungen. Das ist ja noch viel niedrigschwelliger, wenn Therapie eine zu große Hürde ist.


    In deiner Beschreibung darüber, wie er mit seinen Problemen umgeht, kann ich beim besten Willen nichts in die Richtung erkennen, dass er sich damit beschäftigen möchte. Was ich persönlich erwarten würde, wenn der Leidensdruck so hoch ist wie beschrieben. ... Wie viel Überwindung kann es schon kosten nach Schlafstörung zu googeln und sich zu informieren?


    Und da er die Stunden zählt, die er noch schlafen kann:


    Das ist der Rat, der selbst in der oberflächlichsten Bild-Gesundheitslektüre zu finden ist: Gerade wenn man Schlafstörungen hat und Probleme mit dem Einschlafen hat, soll man das NICHT tun. Schon gar nicht, wenn man mal wieder nicht einschlafen kann. Man stirbt auch nicht, wenn man mal nur zwei Stunden geschlafen hat oder gar nicht und einen langen Arbeitstag vor sich hat. Ja, das ist unschön, spätestens gegen Nachmittag, aber man kann das schaffen ohne das etwas Schlimmes passiert. Früher oder später wird man müde genug sein Zuhause, um schlafen zu können. Seinem Körper wird es spätestens dann egal sein, wie viel Uhr es ist und ob die passende Schlafenszeit erreicht ist. Wenn man dazu neigt trotz großer Müdigkeit abends wieder munterer zu werden, geht man eben ein, zwei Tage übermüdet zur Arbeit. Spätestens am 3. Tag wird man einschlafen Zuhause.


    Zumal er erst um 9:15 Uhr aufstehen muss. ... Wenn ich um 20 Uhr von der Arbeit nach Hause käme und versuchen würde, um 23 Uhr einzuschlafen, würde das auch nicht gehen - außer ich hätte die Nacht vorher kaum geschlafen/durchgemacht. Wenn ich dann noch den Tick hätte, dass ich aber um 23 Uhr schlafen MUSS, würde ich auch die Krise kriegen. Tagtäglich neu. Hat er mal überlegt, ob er nicht viel zu früh ins bett geht und sein ganzes Schlafdilemma nicht hausgemacht ist? Und was passiert, wenn er mal weniger oder eine Nacht nicht schläft? Wird ihm dann gekündigt? Kann er seine Fassade bei der Arbeit nicht aufrechterhalten und sich selbstbewusster geben, als er ist? Was ist daran so bedrohlich für ihn, wenn er mal zu wenig schläft?