Bin ich depressiv?

    (Urspr. Titel: "Wäre o.k. jetzt zu sterben.")




    Vor ein paar Wochen kam mir mal der Gedanke in einer ruhigen Stunde, dass es für mich jetzt absolut o.k. wäre zu sterben.


    Das hängt auch natürlich damit zusammen, dass ich viele Jahre in Verantwortung für einen Menschen stand, welcher jetzt nicht mehr lebt.


    Grundsätzlich will ich darauf hinaus, dass ich - um es kurz zu machen - mein Leben noch nie mochte. Und mich selbst noch nie mochte bzw. zufrieden war.


    Die Gründe dafür sind mannigfaltig.


    Irgendwie ist aber nun für mich seit jenem Verlust auch der "Gesamt-Grund" entfallen, leben zu wollen.


    Ich habe keine Ahnung, was nach dem Leben kommt und habe auch viel zu viel Angst davor das Schicksal von Leben und Tod selbst in die Hand zu nehmen. Aber wenn ich auf glatter Landstraße mit voller Knäcke gegen einen Baum fahren würde, dann wäre das akzeptabel für mich. Ich kann nicht behaupten, dass das ein Schreckensszenario ist. Natürlich wünscht man sich keine Schmerzen.


    Ich bin mir auch klar darüber, dass es genügend Menschen gibt, die zum Beispiel durch Krankheit ein Leben mit festgelegten Limit führen müssen. Was ausgesprochen schlimm ist. Denn Diese wollen leben. Und ich irgendwie nicht mehr.


    Solche Fälle kenne ich auch aus nächster Nähe meiner Familie.


    Ich kann nur soviel sagen, dass der Gedanke stetig präsent ist. Ob ich will oder nicht.


    Normalerweise glaube ich nicht an Depressionen. Für mich steht stattdessen die Diagnose "scheiß Leben" fest.


    Und ja, ich weiß, dass es mit Sicherheit Milliarden Menschen gibt, denen es schlechter geht als mir. Da deren Leib und Leben direkt bedroht ist. Diese Tatsache hilft mir persönlich allerdings auch nicht weiter.


    Also was ist nur los mit mir?


    Dämlich?


    Depressiv?


    Oder beides?

  • 21 Antworten

    Hey Marty,


    Hm ... du beschreibst deine Lebensituation eher vage. Wenn man lange in der Verantwortung für jemanden steht, kann einen das in der eigenen Persönlichkeit selbst ausdünnen; So das man das Gefühl hat es wäre von einem selbst nichts mehr da, wenn derjenige fort ist. Wenn es darum geht, lasse dir gesagt sein: Es ist ganz viel in dir und um dich herum. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.


    Für mich klingt deine Haltung lebensmüde. Nicht wie man zu Andere fragt "Bist du lebensmüde!?", sondern nach entsprechenender Resignation. Möchtest du eventuell mehr über dich schreiben?


    Wenn du es aus deiner Familie, oder nächster Nähe, kennst ... kennst du auch die Hintergründe dazu?

    Vor einigen Jahren ist nach dem Absetzen eines ähnlichen Postings von den Mitgliedern bzw. den Mods die Polizei/Rettungswagen (?) informiert worden, die ziemlich schnell


    beim TE-Ersteller gewesen sind. Das wurde dann noch tagelang hier diskutiert, aber die einhellige Meinung war: lieber einmal umsonst als zu spät.


    Dafür ist das Thema dann doch zu ernst.

    Marty, aus den wenigen Worten von dir, fällt es mir auch schwer.

    Zitat

    Irgendwie ist aber nun für mich seit jenem Verlust auch der "Gesamt-Grund" entfallen, leben zu wollen.

    Um welche Person, die du verloren hast, geht es denn? Und was bedeutete diese Person für dich, dass du dein eigenes Leben so stark davon abhängig machen willst? Wie lange ist der Tod dieser Person denn her?


    Um deine eigene "Grund-Dämlichkeit" abzuschätzen, kannst du selbst schauen, was du eben doch im Leben erreicht hast. Abschlüsse, Ausbildungen, Berufe, sozialer Umgang allgemein, Anerkennung im Leben.


    Ich fand die Worte von criecharlie übrigens ganz passend als Worte der Warnung. Hier ist nicht das Forum, um "glorreich" seinen Abgang zu planen und zu verkünden. Konkrete Suizid-Absichten werden sehr ernst genommen.


    Erzähle also ein bisschen aus deinem Leben, von den Rückschlägen und Erfolgen, und überlege, was dazu geführt haben könnte, warum du heute diese Todessehnsucht haben könntest, wenn das das passende Wort ist. Und wie lange sich das so entwickelt hat. Auch von deinen Erfahrungen mit Psychiatern oder Psychotherapie, wenn es da schon Anläufe gegeben hat.


    Die Grundtendenz einer möglichen Depression / depressiven Episode finde ich übrigens schon ganz gut möglich.

    @ MountainMarty

    Das du so eine negative Einstellung zum Leben hast, ist echt traurig.


    Da man deine Lebenssituation nicht kennt, ist es natürlich schwer, etwas halbwegs Produktives beisteuern zu wollen.


    Ich für meinen Teil freue mich jeden Tag über neue Dinge und Kleinigkeiten, die passieren.


    Ein gutes Gespräch, gutes Wetter oder ein schönes Lied, was ich lnage nicht gehört habe, reicht da schon.


    Du schreibst, das du jemanden verloren hast, der dir wichtig war.


    Kannst du nicht ehrenamtlich etwas machen, was deinem Leben wieder einen Sinn gibt, vielleicht Betreuung eines Menschen, der allein ist?


    Alles Gute für dich! :)*

    Zitat

    Mit keiner Silbe habe ich irgend etwas Suizidales angedeutet. Also locker bleiben.

    Dann solltest du dir mehr Mühe geben, dies auch wirklich so zu halten, und lose Todesgedanken oder -sehnsucht von der konkreten Ausführungsplanung zu trennen. Deine folgenden Sätze waren da nicht so eindeutig.

    Zitat

    Aber wenn ich auf glatter Landstraße mit voller Knäcke gegen einen Baum fahren würde, dann wäre das akzeptabel für mich. Ich kann nicht behaupten, dass das ein Schreckensszenario ist. Natürlich wünscht man sich keine Schmerzen.

    Hi MountainMarty,


    verzage nicht, sorge dich nicht, LEBE einfach nur !!!!!


    Ich habe in meinem Leben viiiiele Monate in Krankenhäusern wegen brüchen von Rippen; Wirbeln, Beinen; Bypässe (gehört beim Sport/Rauchen/Saufen alles dazu) verbracht, ich gehe stramm auf die siebzig zu und gebe zu, es gab Situationen/Zeiten, während derer ich gedacht habe, aus dem Fenster zu springen. Insbesondere, wenn ich mal wieder an einer REHA-Maßnahme teilgenommen habe und mein Zimmer im zehnten OG oder noch höher lag.


    Heute bin ich knapp siebzig und soooo froh, auf ein soooo tolles Leben zurück blicken zu können.


    ÜBRIGENS: Vor fünfzig Jahren hab' ich mir nicht vorstellen können, dass das Leben eines "alten Mannes", wie ich es bin, noch so toll und erfüllend sein ksnn.


    LEBE !! LEBE !! Lebe....!! Und genieße !! Das Alter entschädigt für das Erlebte.


    Ich bin übrigens tiiief gläubig, gehöre aber keiner Religionsgemeinschaft (Buddhismus, Judentum, Hinduismus Christentum, Islam, oder so) an. Ich halte es da eher mit Albert Einstein und Steven Hawking. JA, die Zwei und auch Andere haben sich sehr große Gedanken über das, was wir heute Lebenden wahrnehmen, gemacht. Nachdem Heisenberg vor Jahrzehnten die Unschärferelation/Unbestimmtheitsrelation bewiesen hat, meinte Einstein: "Er würfelt nicht". Damit meinte er Gott oder ein höheres Wesen.


    Gaaaanz liebe Grüße und alles Gute vom Tantra-Begeisterten !!!

    Zitat

    Das hängt auch natürlich damit zusammen, dass ich viele Jahre in Verantwortung für einen Menschen stand, welcher jetzt nicht mehr lebt.


    ...


    Irgendwie ist aber nun für mich seit jenem Verlust auch der "Gesamt-Grund" entfallen, leben zu wollen.

    Welche Bedeutung hatte dieser Mensch in deinem Leben und was bedeutet der Verlust für dich? Kann es sein, dass die Leere, die du jetzt spürst, die Erholung von diesen Jahren ist, die dich forderten? Dass jetzt Körper und Seele sich zurückholen, wozu in diesen Jahren keine Zeit war?


    Du sagst zwar, dass dir das Leben nie besonders zufriedenstellend vorkam, aber wenn es wirklich viele Jahre in dieser Situation waren, kann das die Erinnerung auch trüben. Und gegen Stimmungen ist man machtlos, dagegen kommt man nicht an, wenn man noch so viel Objektivität bemüht.

    Zitat

    Normalerweise glaube ich nicht an Depressionen. Für mich steht stattdessen die Diagnose "scheiß Leben" fest.

    Und ich glaube eher an Depressionen. Denn das "Scheiß Leben" wird nur in ganz geringem Maß von außen so sehr beeinflusst, dass man selbst keine Wahl hätte. Aber man hat eine Wahl, sich das Leben so zu gestalten, dass man sich darin wohlfühlt. Wenn man diese Chance nicht ergreifen kann, dann hat man entweder unter einem so persönlichen Schicksal zu leiden (wovon du aber nichts schreibst, wie z.B. schwere Erkrankungen), oder die Psyche steht einem im Weg. Ob Depressionen, Burn Out oder was weiß ich noch alles. Und da solltest du ansetzen, denn dein Blick aufs Leben wird von deiner Psyche beeinflusst.

    Hallo MoutainMarty

    Zitat

    Das hängt auch natürlich damit zusammen, dass ich viele Jahre in Verantwortung für einen Menschen stand, welcher jetzt nicht mehr lebt.

    All diese Jahre der Verantwortung haben Dir doch etwas gegeben. Es ist ein Dasein für jemanden, der einen braucht, wenn es um Verantwortung geht. Für jemanden zu sorgen (innerhalb eines bestimmten Rahmens) das jeweils Notwendige und Richtige zu tun, das ist nicht immer leicht. Und es scheint, als habest Du dies ganz gut hinbekommen, oder gibt es da einen Widerspruch?


    Der Gedanke an das Sterben ist in einer ruhigen Stunde gekommen, in einem Moment, wo keine Beanspruchung bestand. Es fand Zeit zum Nachdenken statt, Zeit, die vorher nicht da war?


    In einem solchen Zeitfenster besteht die Möglichkeit, in Gedanken über jemanden zu sinnieren oder über einen Sachverhalt nachzudenken. Womöglich hat sich in einem solchen Augenblick ein Gedanke in das Bewusstsein gedrängt, der durch die Sorge um einen anderen Menschen irgendwie in den Hintergrund gedrängt war. Dann würde das bedeuten, dass er vor dem schon da war.


    Mit anderen Worten hattest Du eine Aufgabe übernommen, eine wichtige Aufgabe sogar, die Dich vermutlich auch sehr gefordert hatte und sie hat für Dich einen Sinn ergeben (?). Du konntest etwas (fürsorglich oder stellvertretend) tun, was der anderen Person schwer bis unmöglich gefallen ist.

    Zitat

    Irgendwie ist aber nun für mich seit jenem Verlust auch der "Gesamt-Grund" entfallen, leben zu wollen.

    Ich glaube, es ist in uns Menschen angelegt, in Beziehung zu anderen Menschen zu treten, natürlich gibt es Ausnahmen und vielleicht ist es auch manchmal unmöglich, da genauer hinzusehen, weil es etwas gibt, das zu schwer ist, um ins Bewusstsein zu dringen.

    Zitat

    Und ich dachte, es wäre interessant mal anonym zu hören, was andere dazu sagen können. Schließlich teilt man sich sonst ja über sowas nicht mit.

    Ja natürlich kannst Du mal "anonym" zuhören, was andere dazu sagen haben (bzw. äußern können). Und nicht nur die eigene Mitteilungskraft spielt da eine Rolle, sondern auch das Vermögen derer, die angesprochen werden, ob sie zum einen verstehen, was man mitteilen will, und damit in etwa umgehen können. In einem Forum für psychologische Anliegen/Themen ist zudem anzunehmen, dass man verstanden werden kann, ich meine, was z.B. seelische Themen betrifft. Genauer gesagt wird aber hier in der Mehrheit von Laien das Forum "belebt".


    Gibt es also etwas, das tiefer in das Thema Psychologie geht, sind aufgrund der Situation nur eingeschränkte Aussagen möglich, so pauschal gesagt.


    Der "Sinn", den Du hier beschreibst besteht zum Teil oder vielleicht auch überwiegend darin, für diese Person da gewesen zu sein. Wie würdest Du dies mit Deinen Worten formulieren?

    Zitat

    Meine Lebenssituation kommt mir über die Jahre eben jeden Tag sinnloser vor.

    Deine Lebenssituation war also von Sinn erfüllt, als Du noch Verantwortung für diesen Menschen übernommen, vielleicht besser: "wahrgenommen" hattest?


    Wo aber, so frage ich micht beim Lesen Deiner Zeilen, wo bist Du dabei geblieben? Hattest Du denn nicht eigene Belange und Bedürfnisse zurückstellen müssen, um diese große Aufgabe bewältigen zu können? Nun da diese Richtung von Aufmerksamkeit weg gefallen ist: wie würdest Du denn beschreiben, worauf sich Deine Ziele künftig hin bewegen? Waren da welche, die Du zurückstellen musstest? Oder gab es eher weniger Gedanken, was Du selber machen könntest, was für Dich zum Vorteil gereicht hatte/hätte, was Dir selber Nutzen oder Gewinn bringt? Das muss nicht auf unlautere Weise hinauslaufen, ...einfach so ganz ohne diese starke Gebundenheit, denn es ist eine Bindung, die da eingegangen wurde. Wie ich Deinen Text lese, war es ja ebenso eine große Ver-bundenheit dazu, weil sie doch sehr viel gegeben hat, oder?

    Was, wenn "Depression" an sich diagnostizierbar ist? Es dürfen nur fachlich geschulte Personen Diagnosen treffen, gut, die können auch voneinander abweichen.


    Klar kann man selbst ein Etikett über etwas "kleben", was es für einen selbst nicht geben darf. Die Gedanken sind frei. Aber ist das wirklich unumfänglich so?


    Es geht mir hier um kein Wortspiel. Es ist in Ordnung für mich, wenn Du nicht an Depressionen "glaubst". Ein Glaube ist per Definition eine gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o. Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit. Eine Überzeugung, die auch unerschütterlich vertreten werden mag. Da wird es schwer, mit Argumenten anzutreten, die von vornherein nicht in dieses Konstrukt passen.


    Wenn ich nun sehr rigoros und vehement eine Überzeugung vertrete, die ich nicht infrage stelle (über die ich keine gegenteilige Meinung zulasse), dann folge offenbar ich einem Motto, von dem ich mich nicht abbringen lasse. Was aber, wenn dieses Motto irgendwann einmal entstanden ist, zu einer Zeit, zu der mein Bewusstsein keinen Zugang mehr hat? Dann werde ich auch nicht (mehr) hinterfragen, ob meine Überzeugung heute noch so gültig ist, wie zu dem Zeitpunkt ihres Entstehens.


    Anders gesagt setze ich mit einer Aussage wie "Ich habe ein sch... Leben" einen anderen Zusammenhang wie "ich führe ein sch... Leben". Das erste habe ich mir nicht ausgesucht, das zweite kann ich verändern. Dies zu verändern setzt aber eine Entscheidung voraus. Wenn ich also folglich ein Motto wie mit einem abgeschlossenen Satz beschreibe, steht am Ende des Satzes ein Punkt - und damit kann ich das in diesem Zusammenhang wie eine Verordnung, ein Gesetz betrachten, wie einen Vertrag behandeln.


    Noch anders formuliert: Wenn meine Überzeugung zu einem Thema in Wirklichkeit eigentlich ein "Glaube" ist und in einem Satz dargestellt wird, dann ist das ein "Glaubenssatz". (bitte informiere Dich dazu einmal (außerhalb dieser Unterhaltung) per Suche im Internet)