Bin ich wirklich irrational?

    Ich selbst bin überzeugter Antinatalist, ich denke es ist unmoralisch Kinder in diese Existenz zu setzen, denn diese Existenz ist für die meisten Menschen keine schöne Existenz, es gibt mehr schlechtes als Gutes, ausserdem bedeutet Existenz immer Leiden, für manche mehr für manche weniger. Davon abgesehen wäre ich sowieso kein guter Vater. Denke ich wirklich so weil ich angeblich einfach nur depressiv bin, und psychisch krank? Oder ist mein Denken wirklich rational? Man muss dazu sagen, dass mein Leben wirklich alles andere als grossartig ist, und ich im Leben auch nie wirklich viel Glück hatte. Schlussendlich habe ich aber gemerkt ist niemand wirklich glücklich im Leben, und jeder leidet im Leben, selbst Superreiche und gesunde Menschen. Ich bin auch der Überzeugung, dass Suizid gerechtfertigt ist wenn es keinen anderen Weg aus der Misere gibt, oder auch Sterbehilfe. Oder wenn es niemals besser wird, sondern immer schlimmer je älter man wird. Bin ich denn wirklich psychisch krank wenn ich so denke? Bin ich wirklich krank wenn ich denke, dass, das Leben eben nicht nur wunderschön ist und nicht ein Geschenk?

  • 31 Antworten
    Verhueter schrieb:

    Ich teile deine Ansichten. Aber was bringt dir das jetzt?


    Ich weiss nicht warum die Leute erwarten man ist glücklich und dankbar im Leben, wenn man noch nie glück im leben hatte. Immer nur Pech.

    Nein, krank ist es nicht. Du darfst halt nur nicht den Fehler machen deine Sichtweise auf andere übertragen zu wollen. Man kann unterschiedliche Schlüsse ziehen ohne signifikante Unterschiede in der 'Lebensschwere' zu haben.


    Ich bin in einem Suchtkrankenhaushalt, später im Heim groß geworden, hatte PTSD und Depressionen. Aber ich lebe gerne, möchte Kinder und würde sagen, dass ich definitiv mehr glücklich als unglücklich bin. Leid gehört zum Leben dazu. Letztes Jahr verlor ich eine meiner engsten Bezugspersonen durch Suizid, was bis heut höllisch weh tut. Ich respektiere ihre Entscheidung, das ist der letzte Akt meiner Liebe ihrgegenüber. Dass es so weh tut sie verloren zu haben, ist nur möglich weil ich zuvor liebte. Man kann niemandem nahe sein ohne sich der Gefahr auszusetzen, dass es höllisch weh tut. Aber ich würde keine Sekunde nachdenken und immer wieder wählen jemandem so nahe zu stehen, auch wenn ich wieder den Verlust fühlen würde, das Zerspringen des Herzens und die Wunde die bleibt.


    Ich erwarte nicht vom Leben immer gut zu sein, sondern nehm es als das wie es kommt. Da draussen ist kein Schicksal oder iwas was meine Wege vorbedingt. Wer liebt kann verletzt werden, aber gute Dinge kommen mit einem Preis.

    Fiorentina2017 schrieb:

    Nein, krank ist es nicht. Du darfst halt nur nicht den Fehler machen deine Sichtweise auf andere übertragen zu wollen. Man kann unterschiedliche Schlüsse ziehen ohne signifikante Unterschiede in der 'Lebensschwere' zu haben.


    Ich bin in einem Suchtkrankenhaushalt, später im Heim groß geworden, hatte PTSD und Depressionen. Aber ich lebe gerne, möchte Kinder und würde sagen, dass ich definitiv mehr glücklich als unglücklich bin. Leid gehört zum Leben dazu. Letztes Jahr verlor ich eine meiner engsten Bezugspersonen durch Suizid, was bis heut höllisch weh tut. Ich respektiere ihre Entscheidung, das ist der letzte Akt meiner Liebe ihrgegenüber. Dass es so weh tut sie verloren zu haben, ist nur möglich weil ich zuvor liebte. Man kann niemandem nahe sein ohne sich der Gefahr auszusetzen, dass es höllisch weh tut. Aber ich würde keine Sekunde nachdenken und immer wieder wählen jemandem so nahe zu stehen, auch wenn ich wieder den Verlust fühlen würde, das Zerspringen des Herzens und die Wunde die bleibt.


    Ich erwarte nicht vom Leben immer gut zu sein, sondern nehm es als das wie es kommt. Da draussen ist kein Schicksal oder iwas was meine Wege vorbedingt. Wer liebt kann verletzt werden, aber gute Dinge kommen mit einem Preis.

    Ich will keine Kinder weil ich erstens Homosexuell bin zweitens weil ich niemanden diese Existenz zumuten will, denn es geht noch deutlich schlimmer als mein Leben. Trotzdem, habe ich wohl nicht wirklich eine Lebenswerte zukunft, oder überhaupt wirklich eine Zukunft, ich könnte mir auch gar keine Kinder leisten.

    Eine lesbische Freundin von mir wird bald Mama, daran tät ich nis festmachen.


    Und keine Kinder haben wollen ist doch komplett ok. Da bist du doch nicht der erste der bewusst keine will ;)


    Mach dir das Herz nicht extra schwer. Du hast keine Kinder, willst keine, also wirst du kein Elternteil. Nichts verpflichtet dich Leben gut finden zu müssen. Auch da bist du keine Ausnahme. Also warum sich den Kopf zerbrechen? Man darf Kinder, Leben, Rosinen im Hefezopf finden wir man will ohne sich dafür selbst kritisch zu betrachtrn.

    Ich denke, da spricht vor allem die Krankheit aus dir. Du klingst sehr negativ und pessimistisch.


    Man hat sein Glück selbst in der Hand. Es kommt nicht unbedingt zugeflogen, aber man kann auf sein eigenes Glück hinarbeiten und sich Ziele setzen, die einen glücklich machen. Dieses „die Welt ist so schrecklich“ finde ich maßlos übertrieben. Da hab es schon deutlich schlimmere Zeiten und trotzdem ist die Menschheit nicht ausgestorben.

    Es geht eher darum, dass ich nicht mehr kämpfen will nicht mehr leben, aber dieser Wunsch wird mir natürlich nicht gewährt, nein Hauptsache langes Leben, aber ohne Qualität.

    Golddust schrieb:

    Ich denke, da spricht vor allem die Krankheit aus dir. Du klingst sehr negativ und pessimistisch.


    Man hat sein Glück selbst in der Hand. Es kommt nicht unbedingt zugeflogen, aber man kann auf sein eigenes Glück hinarbeiten und sich Ziele setzen, die einen glücklich machen. Dieses „die Welt ist so schrecklich“ finde ich maßlos übertrieben. Da hab es schon deutlich schlimmere Zeiten und trotzdem ist die Menschheit nicht ausgestorben.


    Warum muss man denn überhaupt Kämpfen? Warum darf man nicht sagen ich will nicht mehr, und gut ist? Irgendwann muss auch mal Schluss sein. Ausserdem wurde ich vom Staat eh entmündigt.

    Gefangener1912 schrieb:

    unmoralisch Kinder in diese Existenz zu setzen, denn diese Existenz ist für die meisten Menschen keine schöne Existenz, es gibt mehr schlechtes als Gutes, ausserdem bedeutet Existenz immer Leiden

    Zumindest solche Aussagen wie "die meisten" halte ich in dem Kontext in der Tat für irrational und vermessen. Ich behaupte, die meisten Menschen finden ihre Existenz ganz schön, trotz aller Widrigkeiten.
    Und nein, Existenz bedeutet definitiv nicht immer Leiden. Es gibt genügend Menschen, die kennen kein Leid.

    Gefangener1912 schrieb:

    Davon abgesehen wäre ich sowieso kein guter Vater.

    Das hingegen ist wohl eher rational, denn solange du deinem Kind vorleben würdest, dass seine Existenz eh nicht schön, mehr schlecht als gut ist und immer Leiden bedeutet, wirds wirklich kein schönes Aufwachsen.

    Fiorentina2017 schrieb:

    Nein, krank ist es nicht. Du darfst halt nur nicht den Fehler machen deine Sichtweise auf andere übertragen zu wollen.

    Exakt.

    Gefangener1912 schrieb:

    und jeder leidet im Leben, selbst Superreiche und gesunde Menschen.

    Nein.

    Ich lebe rasend gern. Und die meisten Leute in meinem Umfeld zumindest gern. Einige leiden auch sehr. Insofern würde ich sagen: Ja, Dein Schluss, es sei unmoralisch, Kinder zu bekommen, ist irrational. Freude ist ohne Leid nicht zu haben, und das bewertet jeder ganz für sich.


    Du bewertest es ebenfalls ganz für Dich. Wenn für Dich das Leben wenig Freude und vor allem Leid bedeutet und Du findest, dass es die Sache nicht wert ist, dann ist das so, und daran könntest Du zwar möglicherweise etwas ändern, vielleicht aber auch nicht - das vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls ist es Deine ureigene persönliche Angelegenheit, wie Du Dein eigenes Leben bewertest und empfindest.


    Aber ebenso ist es die ureigene persönliche Angelegenheit jedes anderen Menschen, wie er sein eigenes Leben bewertet und empfindet. Es steht Dir nicht zu, das für andere zu tun, so wenig, wie es anderen zusteht, das bei Dir zu tun. Du schreibst, andere würden von Dir erwarten, dass Du glücklich und dankbar bist, und das scheint Dich zu stören. Zu Recht, wie ich finde. Allerdings stellt sich für mich die Frage, inwieweit Du das auch bei anderen tust, eben aus der gegenteiligen Warte heraus.


    Ein Freund von mir ist auch nicht allzu glücklich und sagt, er hätte sich nu auch nicht direkt beschwert, wenn er nicht geboren worden wäre. Aber er überträgt das nicht auf andere Menschen. Er sieht auch sehr klar seinen eigenen Anteil daran, wie sein Leben verläuft, und sagt, so wie manche Menschen nicht gut in die Familie passen, in die sie geboren wurden, passt er offenbar nicht gut in die Welt, in die er geboren wurde. Er stößt sich unablässig daran und ist manchmal ziemlich müde davon. Zwar ist er nicht konkret suizidal, dazu ist er zu pragmatisch veranlagt, aber wenn er eines Tages sagen würde, es reicht ihm, er mag nicht mehr, dann würde ich es verstehen und akzeptieren, weil es bei ihm kein Kurzschluss wäre und kein selbstreferenzielles Geheule, sondern der Schlusspunkt eines Lebens, in dem er dauernd mit der Welt zusammengerasselt ist und sich gestoßen hat, bis er schließlich nicht mehr mag.


    Meistens sind es zwischenmenschliche Schwierigkeiten, die dazu führen, dass man das Leben nicht lebenswert findet. Ist es bei Dir auch so?

    Gefangener1912 schrieb:

    Warum muss man denn überhaupt Kämpfen? Warum darf man nicht sagen ich will nicht mehr, und gut ist?

    Wie kommst du drauf, dass man müsste? Man kann alles machen, was man will.

    Gefangener1912 schrieb:

    Bin ich wirklich krank wenn ich denke, dass, das Leben eben nicht nur wunderschön ist

    Du springst irrational zwischen Extremen und alles dazwischen siehst du nicht. Man kann das Leben auch "nicht immer wunderschön" finden und trotzdem nicht dauerhaft leiden und nicht existieren wollen. Das trifft vermutlich auf die meisten Menschen zu und nicht das, was du ihnen aus deiner subjektiven Sicht unterstellst. Dein Leid wird dir jedenfalls nicht leichter fallen, wenn du den Schuh einfach der gesamten Menschheit anziehen willst.