Bipolar 1 Diagnose - ohne Medikamente - Erfahrungen?

    Ich grüße euch,


    Wie kommt ihr klar und was tut ihr für euch, wenn ihr die Diagnose Bipolare Störung habt und es ohne Medikation versucht? Habt ihr positive Erfahrungen mit begleitenden Psychotherapien und wenn ja, mit welchen Methoden?


    Ich bin schon in jungen Jahren schwer erkrankt gewesen. Damals hatte ich ein ausgeprägzets rapid - cycling. Bei mir fing es mit Depressionen an.


    Danach gab eine längere Zeit an Jahren, in welchen ich eine Ausbildung machen konnte und gearbeitet habe.


    Nacht etwa 14 Jahren, in denen ich in die Rentenkasse einzahlen konnte, kamen wieder stärkere Symptome. Leider sind diese ein durchaus belastender Teil meines Lebnes.


    Jedoch musste ich die Erfahrung machen das mir sämtliche medikamentöse Therapien und auch zwei Serien unilalateraler EKT, keine wesentlichen Verbesserungen, in der Lebensführung gebracht haben.


    Seit 1998 bin ich in einer Erwerbsunfähigenrente und erlebe seitdem selbstverständlich entsprechend Stigmatisierung. Als Mann gehe ich verhältnismäßig offen mit meiner Situation um, was manch einen zusätzlich irritieren mag.


    Die behandelnden Ärzte wollten mich regelmäßig dazu überreden wieder Neuroleptika zu nehmen, welche mir jedoch keine Symptomverbesserung gebracht haben.


    Ich habe mehrere psychotherapeutische Angebote aktiv genutzt und habe jahrelange Erfahrungen, in Selbsthilfegruppen gesammelt.


    Derzeit lebe ich ohne psychiatrische Hilfen, da ich mich nicht ernstgenommen, sondern durch die Psychiater nur stigmatisiert fühle ... . Es kann nicht gut sein wenn mir gesagt wird ich soll diese Medikamente einfach wieder alle erneut durchprobieren, obwohl ich äußern kann das ich dies ja erfolglos, in ausreichender Dosierung und über lange Zeiträume ausprobiert hatte!


    Nach dem Gewinn von Lebensqualität wird, während der Behandlung, im Regelfall nicht mal gefragt. Die Einschränkung durch die verschiedenen Medikationen, meist in einer Kombinationstherapie wurden auch nie sauber abgefragt.


    Ich nehme die nicht unerheblichen gesundheitlichen Risiken ohne sichtbaren Behandlungserfolg aber nicht in Kauf. Die Psychiatrie ist, im Gegensatz zur somatischen Medizin, nicht rein wissenschaftlich arbeitend, sodern kommt einem Glaubensbekenntnis gleich.


    Ich will niemanden, wer ernsthaft Besserung durch, bei ihm wirksame Pharmakakontherapie, erlebt hat, dazu bringen es mir gleich zu tun! Aber es gibt eine erheblich große Zahl an Menschen, die keine signifikanten Symptomverbesserungen erleben dürfen.


    Zuletzt: Es gibt dankenswerter Weise einige Psychiater und vereinzelt auch Psychiatrische Kliniken, welche versuchen ohne Zwang zu behandeln und auf geschlossene Abteilungen verzichten. Diese drei Kliniken (Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Heidenheim und Marienhospital - Eickel, die dritte ist mir namentlich noch nicht bekannt) sind aber nicht in der Großstadt, in der ich wohne.


    Zumindest sehe ich meine oben geäusserten Aussagen aber auch durch kritische Psychiater gedeckt.


    Liebe Grüße! bomaja

  • 2 Antworten

    Möglich ohne Medikamente ist es schon.


    Erfordert aber viel Einsicht und Reflektion. D.h. in die Lage zu sein, zu erkennen, dass eine Phase beginnt, der für dich gefährlich sein könnte. Und in solche Momente Hilfe aufzusuchen.


    Dieses Modell wird auch bei Schizophrenie eingesetzt. Aber da auch müssen Patienten in die Lage sein, eine beginnende Psychose zu erkennen und Hilfe suchen.


    Bei beiden Erkrankungen muss man im Falle eine Krise bereit sein, ggf. ein paar Tage in der Psychiatrie zu gehen. Man kann auch dort ein Kurzzeit medikamentöse Behandlung machen. Aber primär geht es darum in eine geschützten Raum zu sein, bis die Krise überwunden ist.

    Danke für die Rückmeldung, Luci32,


    ich kenne das von dir benannte Modell für die Erkrankungen, im schizophrenen Formenkreis. Wir haben am Ort auch eine tauglich scheinende Soteria Station.


    Soetwas wird mir leider, mit der Diagnose Bipolar nicht angeboten. In dem Konzept wird mit geringer Dosierung gearbeitet und ansonsten bis einer 1 zu 1 Begleitung gestützt. Für mich gibts nur die Akutstation. Mit deren bekannten Schwächen.


    Ich erlebe, seit ich begonnen habe meine Medikation zu reduzieren, das ist schon Jahre her, (bisher zumindest) nur mehr Hypomanien. Das ist, egal wie man Psychose definiert, zwar schon ein sozial auffälliges Verhalten, aber noch keine Psychose.


    Auch das wieder dazugekommene rapid-cycling, ist mit weniger Medikation, nicht mehr gegeben gewesen.


    Ich habe seit ich 15 Jahre alt war eine Dauermedikation eingenommen und riskiere ganz bewusst etwas. Ich bin jetzt 51 Jahre alt. Wir werden sehen.


    In den nächsten Wochen werde ich die Fühler nach einer Therapiemöglichkeit ausstrecken.


    Bin derzeit ziemlich platt, sprich depressiv, werde aber wieder Initiativen ergreifen. Die vergangene Hypomanie war übrigens von einem Zustand der relativen Energielosigkeit begleitet. Für mich ein Mischzustand.


    Dir eine gute Nacht! bomaja