Borderline und Schwangerschaft - Hilflosigkeit

    Hallo liebes Forum,


    ich wende mich an euch nach einer weiteren schlaflosen Nacht. Langsam weiß ich keinen Rat mehr.


    Ich bin am Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels mit unserem absoluten Wunschkind schwanger. Anfangs waren wir unheimlich glücklich. Doch mittlerweile streiten wir nur noch und ich habe das Gefühl, unsere Beziehung steht kurz vor dem Aus.


    Das belastet mich sehr, da ich durch meine Erkrankung sehr anfällig für Stress bin.


    Aktuell geht es wieder so weit, dass ich mich selbst verletzten möchte, nicht mehr schlafen kann, unter Muskelzuckungen leide und ein Stress-Ekzem im Gesicht mit mir herumtrage.


    Mittlerweile habe ich einen regelrechten "Hass" auf das Baby und will es irgendwie nicht mehr. Ich habe das Gefühl, es ist Schuld, dass unsere Beziehung so ist wie sie gerade ist. Ich habe das Gefühl, das Baby nimmt mir die Freiheit. Vor allem sehne ich mich nach Alkohol und Zigaretten. Einfach, um mal wieder runterzukommen.


    Meine Erkrankung wurde 2013 festgestellt. In diesem Jahr machte ich eine Verhaltenstherapie, die mir sehr geholfen hat. Mein Therapeut lobte mich unglaublich für meine Fortschritte und seitdem hatte ich auch keine Anfälle mehr dieser Art. Ich habe meine Erkrankung "vergessen". Seitdem ich schwanger bin, ist sie mit voller Wucht zurückgekommen.


    Ich bekomme Wutanfälle. Kleinigkeiten führen zum Streit. Ich schreie, weine bis zum Nervenzusammenbruch und sitze anschließend nur noch apathisch auf dem Boden, zittere und wippe nach vorn und zurück. Ich verletzte mich sogar wieder selbst und zerkratze meinen Körper, obwohl ich das seit der Pubertät nicht mehr gemacht habe. Manchmal drohe ich meinem Partner auch mit Suizid oder damit, dass ich das Baby töten werde.


    Ich weiß nicht, warum ich das tue. Nach ein paar Stunden bin ich wieder "klar" und absolut fassungslos von dem, was ich getan und gesagt habe. Ich bin nicht mehr ich selbst. Mein Mann hat mich während meiner Therapie kennengelernt und meine Genesung verfolgt. Er weiß also, wie ich mal "war" und hat mich immer unterstützt. Er ist ein ganz toller Mann und ich schäme mich so sehr dafür, dass ich ihm das alles antue.


    Er fühlt sich mittlerweile so unwohl mit mir, dass ich das Gefühl habe, dass er mich meidet. Unsere bzw. eher meine Streitpunkte sind vorgeschoben und befassen sich mit Kleinigkeiten, wie etwa, dass er mehr im Haushalt helfen sollte oder mehr Zeit mit mir verbringen sollte. Ich denke, in Wirklichkeit will ich aber einfach nur Dampf ablassen.


    Er sagt mir jedes Mal, wie sehr es ihn verletzten würde. Dass er mittlerweile Angst habe, alles falsch zu machen und mich selbst gar nicht mehr erkennen würde.


    Gestern habe ich nach einem erneuten Streit sogar gesagt, dass es für mich aus sei und ich mich trennen möchte, dabei planen wir gerade unsere Hochzeit 2018.


    Er tut mir so leid. Ich tue mir so leid. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich komme mit mir nicht mehr zurecht.


    Ich habe Angst, dass ich dem Baby in einem hitzigen Moment etwas antun könnte. Ich habe Angst, dass ich es nicht schaffen werde, eine Mutter zu sein. Ich habe Angst, dass wir uns trennen werden. Ich habe Angst, dass ich es mit Kind nicht mehr zurück in den Beruf schaffe. Ich habe Angst, dass unser Leben, so wie es war, jetzt vorbei ist.


    Ich habe Angst, dass ich diese Schwangerschaft nicht überstehe. Am liebsten würde ich direkt zur nächsten Abtreibung rennen. Ich weiß, dass ich dieses Kind eigentlich möchte. Wir haben es uns sehr gewünscht. An sich bin ich auch ein rationaler, verantwortungsbewusster Mensch. Doch plötzlich ist alles anders. Ich bin wieder ein Gewalttäter und misshandle meinen Mann emotional.


    Hat jemand ein nettes Wort für mich, der selber betroffen ist und in in einer ähnlichen Situation war?


    Ich werde morgen defintiv alle Therapeuten in der Stadt durchklingeln und hoffe, dass jemand Zeit für mich hat. Alleine werde ich mit dieser Situation nicht mehr fertig. Um die Zwischenzeit zu überstehen, hoffe ich hier auf ein bisschen Trost. Ich war über Jahre unauffällig. Selbst in meinen schlimmsten Momenten war es nie so schlimm. Ich weiß gar nicht, wohin mit mir. Aktuell bin ich alleine. Mein Mann hatte Nachtdienst und kommt erst heute Nachmittag wieder. Im Normalfall kann er mich beruhigen, ohne ihn kann ich mich nicht regulieren und drehe durch. Ich weiß nicht, wie ich die Stunden bis zu seiner Rückkehr überstehen soll. Ich stehe unter so starker Anspannung, dass ich den Verstand verliere.


    Ich weiß, ich klinge wie ein schlechter Mensch, der besser kein Kind bekommen sollte. Ich könnte auch verstehen, wenn solche Reaktionen kommen.

  • 13 Antworten

    Ich kann Dir nicht wirklich helfen. Nur den Hinweis auf das hier


    http://www.telefonseelsorge.de/?q=node/9


    geben. Vielleicht kannst Du dort im Akutfall anrufen und so aus der Situation mit Deinem Mann rauskommen und Dich selbst runterfahren? Manchmal hilft es, wenn man in solchen Momenten ein anderes Ventil findet.


    :)* :)* :)*

    Du hattest eine hilfreiche Therapie. Was hat dir dort besonders geholfen. Kannst du dich an skills oder andere Lösungsansätze erinnern? Ich kenne mich mit Borderline nicht aus.


    Allgemein würde ich sagen, Bewegung hilft bei innerer Anspannung. Spazieren, radeln, schwimmen etc. Raus aus der Situation, frische Luft, Natur genießen.

    Gibt es in deiner näheren Umgebung eine psychosoziale Beratungsstelle? Dort könntest du dich über Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Zudem werden Beratungstermine auch über längere Zeiträume angeboten - das ist ähnlich wie eine Therapie, nur halt unter dem Namen "Beratung".

    Könnte es vielleicht sein, dass du gerade "nur" eine Phase hast? Erstens stehst du ja gerade unter hormonellen Veränderungen - die aber irgendwann vorübergehen. Ich habe öfter von Frauen aus dem Bekanntenkreis gehört, dass das erste Drittel "schlimm" gewesen sein soll, aber sich die Beschwerden (Abgeschlagenheit, Übelkeit und Geruchsempfindlichkeit, Aggressionen...) im weiteren Verlauf der Schwangerschaft legten oder zumindest besserten.


    Und auch in Bezug auf deine Boderline-Störung: auch darin gibt es ja Phasen, die kommen aber auch wieder gehen. Es prasseln gerade eine Menge unterschiedlicher Themen und Umstände auf dich ein: Hormone, Änderungen in deinem Leben, die Festigung der Partnerschaft durch das gemeinsame Kind, deine psychische Vergangenheit, und sicher noch mehr. Eigentlich ist es da kaum verwunderlich, dass du empfindlicher, gereizter und aggressiver reagierst als sonst - auch wenn es nun nicht angenehm ist für dich und dein Umfeld. Ich kann da schon gut verstehen, dass das zurzeit ein schwer ertragbarer Zustand ist, nur versuche die Zuversicht zu behalten, dass es auch wieder besser laufen wird/kann. Aber dafür hole dir Unterstützung von deinem Mann, Freunden, Familie, Beratungsangeboten. @:) @:)

    Kinder konfrontieren ihre Eltern unbewusst mit deren unverarbeiteten Problemen, mit den wunden Punkten... mit deinen eigenen Grenzen und mit dem, was du nicht ertragen kannst (oder besser gesagt nie zu ertragen gelernt hast).


    Wichtig finde ich vor allem, dass du mit deinem Verstand arbeitest... dass du die emotionalen Anfälle als solche erkennen kannst und sich dein Geist nicht mit ihnen identifiziert. Denn du liebst dein Kind und du möchtest eine gute und liebevolle Mutter sein, das ist aus deiner Beschreibung deutlich herauszulesen. Die Gedanken mit der Gewalt und der Abtreibugn sind Panikreaktionen, in diesen Momenten sind irgendwelche unbewussten "Programme" in dir aktiv und nicht dein Geist. Hier kannst du versuchen, mit deinem Geist/Verstand in diese unbewusste Ebene vorzudringen... besser zu verstehen, wie diese "Programme" funktionieren, und mit welchen unverarbeiteten Themen aus deiner Vergangenheit sie dich konfrontieren. Was sind deine Ängste? Wo wurdest du in der Vergangenheit mit den gleichen Gefühlen und Ängsten konfrontiert? Du kannst mit Hilfe dieser Gefühle lernen, deine eigene Vergangenheit und dein eigenes Wesen bewusster wahrzunehmen. Und diese Erfahrungen als Teil von dir anzunehmen, und über das was du erlebt hast trauern. Je mehr du von deiner Vergangenheit auf eine bewusste Ebene transformiertst und je mehr du davon verarbeitest, um so mehr Last wirst du von deinem Kind nehmen.


    Es ist sicher nicht einfach, aber vielleicht kannst du irgendwann einmal zurückblicken und dein Kind als ein Geschenk sehen, das dir dabei geholfen hat, dein eigenes Leben besser aufarbeiten zu können...


    Und vielleicht kann dir der Gedanke ein wenig Frieden geben, einfach loszulassen... die Dinge geschehen zu lassen, die Verantwortung an deinen Körper abzugeben und nicht mehr mit deinem Verstand alles kontrollieren zu wollen... diese Art von Vertrauen und Loslassen kann ebenfalls sehr heilsam sein...denn in Wirklichkeit kämpfst du nicht gegen dein Kind an, sondern gegen irgendwelche Themen und Erlebnisse aus deiner Vergangenheit... die du heute nicht mehr rückgägnig machen kannst, sondern nur akzeptieren und in dein jetziges Leben integrieren...


    Ich hoffe, mein Beitrag hört sich nicht zu abgehoben an... ich wünsch dir von Herzen Gesundheit und alles Gute auf deinem Weg.

    Such dir ganz schnell psychologische Unterstützung! Kannst du zu deinem alten Therapeuthen zurück? Wenn du suizidgedanken hast pack deine Sachen und lass dich Einweisen, bevor du in einem schlimmen Moment was dummes tust. Ich bin auch Borderlinerin und habe in der Theraphie gelernt, dass in solchen schlimmen Phasen nur konsequentes Nach-Hilfe-Suchen funktioniert. Notfallmaßnahmen sozusagen.


    Wenn du aus dieser Phase raus bist, sieht die Welt sicherlich ganz anders aus. Dein Körper ist durch die Schwangerschaft total durcheinander und auch dein Gefühlshaushalt. Da wir Borderliner ja nun mal leider ein Problem mit Gefühlen haben, ist es eigentlich logisch, dass eine Schwangerschaft alles durcheinander wirbelt. Aber ich würde nicht allzu schwarz sehen. Du hast es schon einmal aus dieser schlimmen Zeit geschafft, dann schaffst du es sicherlich auch ein zweites Mal. Du schreibst ja auch, dass du das Kind eigentlich möchtest, du nur vor allem Angst hast. Ängste kann man behandeln :)^

    Hallo.


    Ich wollte mich mal wieder melden. Es ging eine Weile, aber jetzt wird es immer schlimmer :-(


    Ich glaube, ich will das Kind nicht mehr. Mein Partner entfernt sich immer weiter von mir. Seine Arbeitstage sind so gelegt, dass er frei hat, wenn ich arbeite und er arbeitet, wenn ich frei habe. Überschneiden sich unsere Feierabende, dann verbringt er die Zeit häufig mit Freunden.


    Ich bin alleine Zuhause. Ich fühle mich so einsam und verlassen. Wenn ich ihn darauf anspreche, sagt er mir, ich würde es mir nur einbilden und er bräuchte auch seine Freiheit. Schließlich hätten wir ja meist am Morgen 1-2 Stunden.


    Toll. Ich will ihm nicht beim Duschen und beim Frühstück zusehen und das als gemeinsame "Paarzeit" werten.


    Ich fühle mich so ungeliebt und weiß nicht mehr weiter. Er witzelt immer, dass ich ihm das Kind untergejubelt habe, dabei haben wir es uns beide gewünscht. Er spricht davon, dass er nun seine Träume nicht mehr verwirklichen könne. Plötzlich möchte er auch keine Elternzeit mehr nehmen. Dabei bin ich doch Blöde, wenn ich ein Jahr Zuhause sitze und nicht in die Rentenkasse einzahle. Ich bin es doch, deren Vertrag nicht verlängert wird. Ich bin der, der unter diesem Kind leidet, nicht er. Ich mache doch alles. Habe bisher alles gekauft und bezahlt, er gibt sein Geld nur für sich selbst aus.


    Wäre ich nicht schwanger, würde ich sofort meine Sachen packen und gehen. Aber mein größter Horror ist es, alleinerziehend zu sein. Ich möchte das nicht.


    Meine Gedanken kreisen Tag und Nacht darum, dass ich auf eine Fehlgeburt hoffe und darüber nachdenke, wie ich das Baby verlieren kann. Ich hoffe, dass beim zweiten Ultraschall irgendein Defekt entdeckt wird, der einen Abbruch rechtfertigt oder ich denke an Adoption.


    Ich kann nicht mehr. Ich kann dieses Kind nicht kriegen. Ich will hier raus.

    Bitte such dir umgehend Hilfe. Es gibt auch Therapeuten, die auf psychische Störungen in der Schwangerschaft spezialisiert sind. Ich bin momentan selbst bei einer solchen Therapeutin in Behandlung.


    Viele deiner Gedanken kann ich wirklich unheimlich nachvollziehen. Die Panik vor Verlust des eigenen Lebens, Freiheit, finanzielle Unabhängigkeit und die Wut auf das Kind, weil sich dadurch so viel verändert. Besonders natürlich auch in einer vormals funktionierenden Beziehung.


    Die Wut, dass der Mann den ganzen Mist nicht durchmachen muss und sich im Zweifelsfall sogar allem entziehen kann (außer Unterhalt evtl.).


    Ihr braucht dringend wieder positive, optimistische gemeinsame Zukunftsaussichten!


    Eventuell könnt ihr auch zusammen zur Caritas oder ähnlichem gehen, als Paar und euch gemeinsam beraten lassen. Ihr müsst miteinander reden, wieder zueinander finden. Die Differenzen ansprechen und klären, in Ruhe und sachlich. Mittels Wutanfall funktioniert das nicht.


    Du brauchst Hilfe, er braucht Hilfe und ihr braucht gemeinsam als Paar Hilfe und das besser gestern als heute.


    Für den absoluten Notfall, wenn gar nichts mehr geht... mach dir klar, dass du das Baby auch zur Adoption freigeben könntest. Dann müsstest du "nur" noch einige Monate durchhalten und wärst dann wieder "frei". Vielleicht befreit dich das von der Last des gedanklichen "FÜR IMMER". Allein, zu wissen, dass es diese Option gibt. Auch, dass es diese Option im Notfall immer geben wird (Pflegefamilie). Du könntest quasi "jederzeit" aussteigen. Zumindet in einigen Monaten.


    Ich befürchte nämlich, dass eine Fehlgeburt bei dir noch schlimmere Schübe auslösen könnte. Dann richtest du den Hass wieder gegen dich selbst, was du deinem Kind angetan hast, deiner Beziehung... Du begibst dich gefühlt in eine Spirale, aus der du nicht mehr alleine rauskommst.


    Ich möchte dir viel Kraft wünschen!

    Natürlich ist Schwangerschaft eine Ausnahmesituation und für dich schwer. Aber genauso ist es auch eine Ausnahmesituation für den Mann und genauso schwer. Er fühlt keine Beschwerden, fühlt später das Baby nicht und kann dir nur zuschauen und Beistand leisten, wie es dir schlecht geht. Unabhängig von deinem psychischen Befinden. Das spielt noch oben drauf.


    Ich würde mal pauschal vermuten, dass er nicht weiß, wie er mit dir, mit der Situation mit dem heranwachsenden Baby im Bauch umgehen soll. Vielleicht distanziert er sich deswegen.


    Ich bin auch schwanger und habe auch eine Persönlichkeitsstörung. Durch meine Verhaltenstherapie, in die auch mein Partner mit einbezogen wurde, wissen wir aber mittlerweile beide, damit im Alltag umzugehen. Aber Schwangerschaft ist halt eine neue Situation. Da muss selbst jedes "normale" Paar erst einmal wieder neu zueinander finden. Nicht nur sexuell.


    Was uns hilft? Reden, reden reden. Über meine Gefühle, Ängste und Zukunftssorgen. Über seine! Ganz wichtig! Man muss nicht auf einen Nenner kommen, es müssen keine Kompromisse oder neue Wege gefunden oder erfunden werden, aber das Reden hilft ganz ganz viel.


    Und nehmt euch gemeinsame Auszeiten. Mein Mann hat sich zu Beginn der Schwangerschaft auch erst einmal in die Arbeit gestürzt ("Es muss doch jemand für die Zukunft sorgen" war sein O-Ton). Dann muss man sich "verabreden", gemeinsame Zeit einräumen, meinetwegen als Dates in den Terminkalender eintragen. Das kann genauso romantisch sein. Auf jeden Fall ist es praktisch.


    Oder kleine Rituale einbauen. Jeden Tag gemeinsam duschen gehen oder er ölt dich ein, oder oder.


    Lernt euch, einander wieder zuzuhören und zu verstehen. In der Schwangerschaft ist man als Frau logischerweise mehr auf sich und seinen Körper fokussiert und denkt, dass der Mann sowieso nichts verstehen kann. Er versteht doch nicht, wie kacke es einem gerade geht mit der Übelkeit. Er versteht doch meine Ängste nicht. Aber genauso wenig verstehe ich seine Magenschmerzen, weil er Sorgen hat. Oder seine Ängste vor der Zeit nach der Geburt. Oder seine Probleme, weil er noch keine Verbindung zum Baby im Bauch aufbauen kann.


    Und wenn nichts mehr hilft, hilft eine gute Psychotherapie. Oder einfach mal an die Luft gehen, raus! Allein oder zu zweit.


    Ich wünsche Euch das Beste und dass ihr diese Ausnahmesituation übersteht. @:)

    Danke für eure Beiträge. Ich habe beim letzten Mal nicht mehr geantwortet, weil ich mich sehr für meine Gefühle schäme und anschließend nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchte.


    An sich ist es so, dass ich meinen Mann und mein Baby und auch mich liebe. Dann ziehen dunkle Wolken auf und auf einmal möchte ich alles kurz und klein schlagen, anzünden und die Beine in die Hand nehmen.


    Das, was ich denke, wenn ich in dem Loch bin, ist nicht das, was ich eigentlich denke und fühle.


    Heute geht es mir wieder besser und ich frage mich, wer diese Frau war, die gestern diesen Beitrag geschrieben hat. Mein Mann ist ein toller Mann. Er ist Sozialarbeiter und arbeitet mit vielen Kindern, die dieselbe Krankheit haben wie ich. Er versteht und unterstützt mich. Normalerweise teilen wir die Hausarbeit. 1/3 er, 2/3 ich, weil ich TZ arbeite.


    Die letzte Woche war ich wie gelähmt. Ich konnte nicht mal mein Geschirr nach dem Essen wegräumen oder meine Socken in den Wäschekorb schmeißen. Er hat alles weggräumt, die Wäsche gewaschen, Essen gekocht und sich nicht mit einem Wort beschwert. Ich zeige ihm nicht mehr, was ich fühle. Ich glaube, er hat Angst, dass ich mir oder dem Baby etwas antue. Für ihn bricht jedes Mal die Welt zusammen, wenn ich diese Anfälle habe. Er ist hilflos.


    Eigentlich bin ich es, die sich distanziert. Ich mache Überstunden, irre nach der Arbeit durch die Straßen, vermeide mein Zuhause und besuche Freundinnen an entfernten Orten. Ich meide ihn.


    Wir hatten schon ein Gespräch, was mit dem Baby passiert, wenn ich nicht mehr möchte. Er ist in jedem Fall auch dazu bereit, sich alleine um das Kind zu kümmern. Ich kann also immer gehen und weiß mein Kind in sicheren Händen.


    Aber das will ich nicht. Ich will alleine dafür sorgen und es schaffen und wenn ich es nicht schaffe, soll am besten niemand mein Kind kriegen - nicht mal ich selbst. Kann man das irgendwie nachvollziehen?


    Ich schäme mich so sehr für meine Gefühle und meine gestrigen Gedanken. Ich würde meinem Kind nie etwas antun. Ich bin eine vorbildliche Schwangere. Wenn es einen Bachelor in Babykunde und Schwangerschaft geben würde, könnte ich jetzt meine Thesis aus dem Effeff schreiben. Ich achte penibel auf die Ernährung und ausreichend Bewegung. Über meine Lippen ist nie auch nur ein Tropfen oder ein Bisschen Schlechtes gekommen. Ich gehe zum Mami-Sport und und und. Aber sobald ich in dem Loch bin, ist alles wie vorbei. Alle meine Gefühle sind gelöscht. Alles Gute und jede Freude ist vergessen und ich könnte nur noch schreien.


    Ich schneide mich nicht. Ich habe Angst, dass mein Mann oder der Gynäkologe es sehen könnten. Also kneife oder kratze ich. Aber nie im Übermaß, sodass keine sichtbaren Spuren entstehen. Schmerz ist das einzige, was mir in solchen Momenten Erleichterung verschafft. In dieser Intensität hatte ich die Anfälle nicht mal während der Pubertät.


    Ich habe gesehen, dass ich Hilfe brauche. Ich werde Morgen auf alle Fälle bei meinem alten Therapeuten anrufen. Hat er keine Zeit für mich, wende ich mich an pro familia. Die haben bestimmt Kontakte und können in solchen Fällen vermitteln.


    Danke, dass ihr mich nicht verurteilt habt. Ich habe felsenfest mit negativen Antworten gerechnet. Dass es Frauen gibt, die ähnlich fühlen, tröstet mich sehr.

    Zitat

    Ich habe gesehen, dass ich Hilfe brauche. Ich werde Morgen auf alle Fälle bei meinem alten Therapeuten anrufen. Hat er keine Zeit für mich, wende ich mich an pro familia. Die haben bestimmt Kontakte und können in solchen Fällen vermitteln.

    Das ist super! Mach das! Du kannst dich auch so oder so direkt an beide wenden, auch wenn du einen Termin bei deinem Therapeuten bekommst. Unterstützung kannst du sicherlich nicht genug haben. @:) Und zu pro familia kannst du ja auch zusammen mit deinem Mann gehen, wenn du es möchtest. Dann fühlt er sich eingebunden.


    Du bekommst das schon hin! Es ist ja nicht für immer, diese Schwangerschaft. :)*