Der Punkt ist:


    Leider gehen schizophrene Erkrankungen häufig einher mit einer Berufsunfähigkeit und einem eher chronischen Beeinträchtigungszustand. Ausnahme sind eigentlich nur die Patienten, die eine einmalige Episode haben und danach stabil sind.


    Wiederholte Klinikaufenthalte und immer wieder abgesetzte Medikamente sprechen leider für einen chronischen Verlauf – was wie gesagt nicht selten ist. Das ist ja daa Tragische an diesen Erkrankungen, dass gesunde Menschen mit tollen Zukunftsoptionen zu chronisch schwer kranken Psychiatriepatienten werden.


    Was man auch bedenken muss:


    Bei Schizophrenie sind es ja nicht nur die Wahnvorstellungen, die ein Problem darstellen. Sondern auch weniger auffällige Symptome wie die sog. formalen Denkstörungen, wo grundlegende kognitive Leistungen beeinträchtigt sind. Das können viele Betroffene außerhalb einer akuten Phase gut kaschieren, aber wenn es um komplexe neue Anforderungen geht, wird es oft schwierig.


    Was für Euch jetzt wichtig ist:


    Nutzt alle Optionen, die es gibt. Soll heißen: Kontaktiert den Sozialpsychiatrischen Dienst. Kümmert Euch ggf. um eine Betreuung. Dein Bruder sollte möglichst eigenständig wohnen, um zumindest diese alltagspraktischen Fähigkeit aufzubauen oder zu bewahren. Und wenn es eine betreute Wohngruppe oder betreutes eigenständiges Wohnen ist. Ist aber ein ganz wichtiger Punkt.


    Haltet Euch aus der Behandlung an sich aber raus. Es muss ein Netz aufgebaut werden, wo sowloh Dein Bruder als auch professionelle Kräfte sich darum kümmern, dass er die Medikamente nimmt (ggf. sollte man auf Depot-Spritzen umsteigen, da hat man dann mehrere Wochen Ruhe).


    Ist denn seitens der behandelnden Klinik nie etwas derartiges (Betreuung,...) in die Wege geleitet worden? I.d.R. kümmert sich gerade bei Schizophrenie-Patienten der Sozialdienst da sehr gut um eine langfristige Perspektive. Inkl. finanzieller Hilfen. Erster Ansprechpartner für Euch wäre wie gesagt der Sozialpsychiatrische Dienst Euer Stadt / Eures Landkreises.


    Ob Dein Bruder medikamentös gut eingestellt ist oder eben nicht, ist schwer zu beurteilen. Trotz guter, zur Verfügung stehender Medikamente erreicht man auch damit längst nicht immer ein normales Funktionsniveau.


    Die Idee, dass Dein Bruder bei Dir wohnen soll, halte ich für völlig aberwitzig. Zum einen muss er auf eigenen Beinen stehen (inkl. finanzieller Hilfen vom Staat!). Zum anderen kann es eine immense Belastung darstellen -und wenn er wiederholt Medikamente absetzt, könnte es leider auch passieren, dass er Dich in seine Wahnvorstellungen einbezieht, sein Vertrauen in Dich kaputt geht – und weitere Probleme resultieren. Für ihn dazusein ist eines; hautnah mit ihm zusammenzuleben ist etwas anderes. Es muss auf jeden Fall vermieden werden, dass zu viele Familienmitglieder in alltägliche Medikamenten-Diskussionen oder Einnahme-Kontrollen verstrickt werden. Dass muss Dein Bruder selber in den Griff bekommen – mit Hilfe entsprechender Stellen. Was er jetzt quasi an Eigenständigkeit verlernt / nicht braucht, kann im Zuge der Krankheit schnell verloren gehen.


    Häufig hält Scham davon ab, die vorhandenen Hilfen auszuschöpfen – DA solltet Ihr Euch als Familie aber nochmals engagieren. Egal, ob es Deinem Bruder passt oder nicht.


    Ihm stehen sowohl finanzielle Unterstützung zu als auch sozialpädagogische Betreuung. Sinnvoll wäre auch eine spezielle Rehamaßnahme zur Arbeitserprobung. Er wird vermutlich nie auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß fassen können, aber es gibt im geschützten Rahmen durchaus gute Projekte (und damit meine ich nicht gleich die klassische Werkstatt für Behinderte!)


    Vermutlich hat Dein Bruder noch nicht realisiert, was reelle Chancen für ihn sind – und es wird kaum möglich sein. ihm das als Familie deutlich zu machen. Da muss professionelle Unterstützung her! Vermutlich muss manmit so grundlegenden Dingen wie Tagesstrukturierung, Besuch einer Tagesstätte, Ergotherapie,... anfangen.


    Es ist nicht nur im Hinblick auf die langfristig selbstständige Lebensführung Deines Brudes ein MUSS, solche Angebote zu nutzen, sondern auch zur Entlastung der Familie.

    Zitat

    Die Idee, dass Dein Bruder bei Dir wohnen soll, halte ich für völlig aberwitzig. Zum einen muss er auf eigenen Beinen stehen (inkl. finanzieller Hilfen vom Staat!). Zum anderen kann es eine immense Belastung darstellen -und wenn er wiederholt Medikamente absetzt, könnte es leider auch passieren, dass er Dich in seine Wahnvorstellungen einbezieht, sein Vertrauen in Dich kaputt geht – und weitere Probleme resultieren.

    Dem kann ich leider nur zustimmen. Hab meine schizophrene Mutter nachdem sie aus ihrer Wohnung flog ein Jahr bei mir wohnen lassen. Milde ausgedrückt echt nicht weiterzuempfehlen, nach dem Jahr war ich ziemlich fertig^^

    Zitat

    I.d.R. kümmert sich gerade bei Schizophrenie-Patienten der Sozialdienst da sehr gut um eine langfristige Perspektive.

    hmnaja, meine Mutter schien so durchhaltend unkooperativ zu sein dass sie's sowohl geschafft hat wieder unbetreut, als auch dauerhaft unmedikamtiert zu leben. Mag sogar gut gehen solange halt keine akute Phase kommt. Würde ihr wünschen dass nicht, aber wenn hab ich hoffentlich was draus gelernt und lass mich nicht mehr involvieren. Klingt hart aber sone Verzweiflung und seelische Entkräftung wie damals will ich möglichst nie wieder erleben.

    Das Problem scheint hier wohl auch in mangelnder Krankheitsakzeptanz seitens der Eltern zu liegen. Solange die nicht da ist und man ich nicht um die Hilfen bemüht, sondern (eher unrealistische aber "normale") Lebenspläne fördert, wird das einfach nix.


    Solche Maßnahmen heißen ja nicht, dass der Bruder keine Perspektive hat. Vielleicht würde genau das Netz aus Betreuung, Medikamentenkontrolle, Arbeitserprobung ja zu einer Stabilisierung fühten – mit daraus resultierender verbesserter Perspektive... Manchmal muss man halt eher um die Ecke denken.

    Zitat

    Das Problem scheint hier wohl auch in mangelnder Krankheitsakzeptanz seitens der Eltern zu liegen. Solange die nicht da ist und man ich nicht um die Hilfen bemüht, sondern (eher unrealistische aber "normale") Lebenspläne fördert, wird das einfach nix.

    Ja absolut. Sehe da leider auch keinen grünen Zweig wenn die Eltern ihm sozusagen noch zuspielen.

    @ Sahnegirl03:

    Wollte dir nur nochmal Rückmeldung geben, daß wir alle in dem Faden "In Arzt verliebt, weiß nicht weiter" im "Beziehungs-Unterforum" noch immer auf Nachricht(en) von dir warten.


    Melde dich doch mal da! Danke. *:)

    Zitat

    Das mein Bruder manchmal (oder oft) absichtlich auf Mitleid macht, vermute ich auch oft, aber er beteuert immer wieder das das nicht so ist sondern er einfach krank ist und deshalb Hilfe braucht...

    Wenn man einen Sumpf trockenlegen will, sollte man nicht die Frösche um Erlaubnis fragen.


    Hast du ernsthaft eine andere Antwort erwartet?


    Ich rate dir auch ganz dringend dazu, eine Betreuung für deinen Bruder zu organisieren. Damit gibt es einen Verantwortlichen, der nicht emotional involviert ist. Das muss ja nicht heißen, dass du dich gar nicht mehr um ihn kümmern darfst. Aber du könntest dann so viel für ihn tun, wie es dir gut tut, anstatt dich für ihn aufopfern zu müssen.


    Steh dazu, dass auch jemand für dich sorgen muss, und derjenige bist du selbst.