Bulimie - Rückfall nach 5 Jahren

    Hallo!


    Ich bin ganz neu hier im Forum und hoffe, dass ich vielleicht einen guten Rat finden kann. Ich habe als Jugendliche an Magersucht und Bulimie gelitten - jetzt bin ich 25 und eigentlich seit 5 Jahren ohne Rückfall. Doch seit einigen Wochen ist es plötzlich wieder schwer Stress, Druck und andere negative Gefühle vernünftig zu bewältigen und ich hatte mehrere (Bulimie-)Rückfälle. Ich habe eine Grenze überschritten, die ich 5 Jahre lang nicht mehr überschritten habe und diese Stärke hat einen Großteil meines Selbstbewusstseins ausgemacht. So blöd wie es klingt, dachte ich, wenn du eine Essstörung überwinden kannst, kannst du alles schaffen - du bist stark. Jetzt fühle ich mich sehr schlecht - als hätte ich versagt und alles kaputt gemacht. Und das Gefühl macht den Druck für Rückfälle eigentlich nur noch größer. Außerdem fühle ich mich seit ein paar Wochen auch wieder viel unwohler in meinem Körper - obwohl ich damit in den letzten Jahren kaum Probleme hatte. Es wäre jetzt wirklich zu viel im Detail auf die Ursachen einzugehen - aber ich habe gedacht vielleicht gibt es jemanden hier im Forum der auch schonmal sowas erlebt hat? Wie habt ihr die Situation gelöst?


    Ich würde mich wirklich über einen kleinen Rat freuen :-)

  • 4 Antworten

    @ plüschbiest:

    Ja ich war damals über 2 Jahre in Therapie und habe danach noch 3 Jahre gebraucht bis ich endgültig rückfallsfrei war. Die Therapie hat mir damals bei der Ursachenanalyse geholfen aber das Verhalten letztendlich zu ändern hat viel Zeit gebraucht in der ich das mit mir selbst ausgemacht hab - was für mich der beste Weg war, da mich Therapie auch manchmal eher tiefer in kranke Denkweisen gezogen hat. Und 'gesund' geworden bin ich nur durch die Einsicht, dass es Dinge gibt die man nicht ändern kann und mit denen man lernen muss gut zu leben (ergo: gesund!) - aber es ist schwierig mit etwas abzuschließen wenn man ständig darüber spricht. Aber deshalb ist es auch so komisch dass es mir jetzt plötzlich wieder so geht. Für mich gehört die Krankheit zu meiner Jugend und selbst mit den Rückfällen jetzt aktuell fühlt es sich an als wäre das ganz weit weg von mir - als wäre das praktisch gar nicht mein aktuelles Ich dass da handelt. Deswegen ist es ja so schwierig jetzt damit umzugehen nach langer Zeit. Ich fühle mich gesund - in meinem Selbstbild habe ich die Krankheit überwunden aber ich kann die (plötzlichen) Rückfälle ja auch nicht einfach ignorieren. Ihnen Beachtung zukommen zu lassen heißt aber gleichzeitig der Krankheit wieder einen Platz in meinem Leben zu geben und das wiederum fühlt sich sehr schlecht an. Irgendwie eine Mischung aus Angst, dass es so schlimm werden könnte wie früher, Wut, dass ich die Rückfälle zugelassen hab und Überforderung weil ich gar nicht einordnen kann wieso (bis auf Stress da ich gerade mein 1. Staatsexamen mache läuft mein Leben richtig gut)


    Früher hatte ich natürlich Strategien mit Rückfällen umzugehen aber die passen irgendwie gar nicht mehr zu meiner aktuellen Situation...

    Hallo! Dann bitte ich Dich, gleich wieder eine Therapie zu beginnen, bevor es wieder richtig schlimm wird, Du den Überblick verlierst und die Therapie dann lange dauert. Jetzt reicht hoffentlich noch eine kleine Auffrischung. Da Du mit Deinem damaligen Therapeuten anscheinend nicht richtig zufrieden warst, und seine Therapie auch nicht lange vorhielt (5 Jahre minus 2 Jahre minus 3 Jahre = eigentlich gar nicht :-(' ), würde ich Dir doch zu einem anderen Therapeuten raten, oder einer Klinik.


    Da Du gerade ein Staatsexamen machst bist Du doch intelligent und hast auch schon das Leben von seiner schönen Seite kennen gelernt. Da frage ich mich, was soll ein Therapeut Dir erklären, was Du nicht eh schon weißt? Beantworte bitte Dir - und nur Dir selbst - die Frage, was Dich belastet, so sehr, dass Du Deinen eigenen, schönen Körper hasst. Und meide das Problem dann bitte in der Zukunft, oder ändere Umstände, die Dich krank machen. Das kann einen Umzug, eine Änderung in privaten Verhältnissen usw. sein. Sei bitte ehrlich zu Dir selbst und richte Dich nach Deiner Erkenntnis.

    Ich glaube, man überwindet eine Essstörung nicht wirklich, sondern lernt nur damit zu leben. Klingt total abgedroschen, aber ich merke auch, dass es in Stressphasen bei mir immer schlimmer wird.


    Ich war jetzt lange Zeit in der Klinik und immer, wenn es da an schwere Themen ging, kam die Essstörung mit einem Schlag ins Gesicht sowas von heftig zurück ??sie war nie weg, aber halt vom Ausmaß her anders??

    Zitat

    Doch seit einigen Wochen ist es plötzlich wieder schwer Stress, Druck und andere negative Gefühle vernünftig zu bewältigen und ich hatte mehrere (Bulimie-)Rückfälle.

    Das sehe ich hier eben auch. Wie bist du sonst mit Stress umgegangen?


    Man braucht einfach irgendein Ventil um Druck abzubauen und früher war das bei Dir anscheinend die Essstörung und danach irgendwas anderes, was du jetzt vielleicht nicht mehr tust oder was nicht mehr reicht. Vielleicht brauchst du was Neues als Stressabbau? Hast du da irgendwelche Ideen?

    Zitat

    Ich habe eine Grenze überschritten, die ich 5 Jahre lang nicht mehr überschritten habe und diese Stärke hat einen Großteil meines Selbstbewusstseins ausgemacht. So blöd wie es klingt, dachte ich, wenn du eine Essstörung überwinden kannst, kannst du alles schaffen - du bist stark.

    Du BIST stark. Du hast es geschafft, die Essstörung so lange nicht Dein Leben beherrschen zu lassen und hilft Dir vielleicht das Wissen, dass du es schonmal geschafft hast?


    *


    Glaubst du denn, dass die Ursachen immer noch die selbigen sind oder gibt es neue "Gründe"?


    Liebe Grüße :)*