CBASP bei chronischer Depression empfehlenswert?

    Hallo,


    ich leide schon jahrelang unter Depressionen verbunden mit einer Essstörung. Eine Bekannte hat mich auf eine Therapieforum namens CBASP bei Dysthymie aufmerksam gemacht und die Theorie hört sich interessant an. Hat jemand von euch Erfahrungen damit gemacht und kann vielleicht sogar eine Klinik empfehlen wo die Therapieform angeboten wird?

  • 8 Antworten

    Habe jetzt gegoogelt und es scheint eine neue Form der Psychotherapie zu sein.

    Scheint aber so, dass man es selbst bezahlen muss.

    Gut, hatte nur den obersten Link kurz überflogen.

    Dann ist es kein Risiko. Wenn es nichts bringt hast du wenigstens kein Geld dafür ausgegeben.

    CBASP ist speziell für chronische Depressionen entwickelt worden und daher durchaus empfehlenswert. Genau wie für alle anderen Therapieformen gilt aber, dass die Arbeitsbeziehung zum Therapeuten der entscheidendste Wirkfaktor ist.

    Elemente aus CBASP können auch zB im Rahmen einer Verhaltenstherapie angewendet werden. Es gibt bestimmt Zusatz-Zertifikate, die man als Therapeut noch extra erwerben kann (die gibt es für alles mögliche), aber das bedeutet nicht, dass ein Therapeut, der diese Zertifikate nicht hat, die Therapieform nicht beherrscht.

    Ein "Therapeut", der nur CBASP anbietet auf Selbstzahlerbasis ist möglicherweise gar kein ausgebildeter psychologischer Psychotherapeut, und ein (zB) Verhaltebstherapeut mit Kassenzulassung rechnet eh unter dem "Sammelbegriff" Verhaltenstherapie ab, egal ob da jetzt CBASP in einer Stunde vorkommt oder nicht.

    Ich habe Anfang des Jahres eine stationäre CBASP-Therapie gemacht. 10 Wochen stationär sind dort "Pflicht", wer mag kann noch 2 Wochen teilstationär dran hängen. (Wegen Corona wurden diese 2 Wochen auf weiter vollstationär geändert.)

    Als gesetzlich versicherter hat man eigentlich nur die Möglichkeit, diese Therapieform im stationären Setting zu machen. Ambulant ist alles Selbstzahler bzw. privat soweit ich weiß.

    Ich empfehle das Buch "Die Mauer überwinden", welches bei uns als Therapie-Begleitbuch zum Ausleihen gab. (Aber auch für Interessierte oder Angehörige.) Kann man auch in jedem Onlineshop bestellen. Dort ist alles super beschrieben mit Beispielen, Aufgaben, Vorgehensweise und Klinik-Adressen.

    Viele Unikliniken bieten diese Therapie stationär an. Der Hauptbestandteil besteht aus Situationsanalysen im Einzel und in der Gruppe (6 Patienten + 2 Therapeuten). Welche konkrete zwischenmenschliche Situation machte Probleme? Was ist eigentlich mein erwünschtes Ergebnis? Habe ich es damals erreicht? Was waren meine Gedanken/Gefühle dabei? Man lernt als Hauptwerkzeug den Kiesler-Kreis kennen und probiert auf dessen Basis verschiedene Verhaltensweisen aus (Nähe/Distanz schaffen, offen/verschlossen auftreten). Dann folgen für diese Situation mehrere Rollenspiele, wo man sich ausprobieren kann und die Erfahrung macht, dass man durch sein neues Verhalten sein erwünschtes Ergebnis (welches immer nur in uns selber verankert sein kann) erreicht.

    Die Theorie besagt, dass man dadurch selbst handlungsfähiger wird und die Erfahrung macht, Situationen selbst lenken zu können und somit aus der passiven Rollen rauskommt. Für künftige schwierige Situationen (mit Chef, Familie, Partner etc.) gibt es eine Zukunftsanalyse.

    Einzeltherapie hatten wir 2 x pro Woche je 50 Minuten. Hier fängt man in der (frühen) Kindheit an, welche prägenden Bezugspersonen gab es, was ist passiert, wie haben die mich geprägt. Hier kann man die Erfahrung machen, dass die Menschen heute meist anders reagieren, als unsere Bezugspersonen damals. Das kann heilsam sein.

    Für mich war es eine sehr wertvolle Zeit und ich habe viel gelernt.

    Aber ein "Allheilmittel" ist das auch nicht finde ich.

    Was zwischenmenschliche Interaktionen angeht wird man schon sicherer und hat mehr Handlungsspielraum.

    Da bei mir noch andere Probleme da sind und einige Änderungen in naher Zukunft anstehen, geht es mir aktuell nicht wirklich besser.

    Allerdings hat man für die nächsten Jahre immer die Möglich für ein 5-wöchiges stationäres Refresh (frühestens nach 6 Monaten) zurück zu kommen. Es gibt Leute, die machen das jedes Jahr.

    Wenn du weitere Fragen hast, gerne :-)

    Hi,


    gibt es eine Möglichkeit dir für persönliche Fragen eine PN zu schicken? Ich will hier nicht alles für jeden ausbreiten was meine Person angeht.

    Hallo,


    gibt es Übersichtsseiten im www auf der man sehen kann welches Krankheitsbild in welcher Einrichtung behandelt wird? Ich habe bisher nichts gefunden.