Chronische Unpünktlichkeit + unfähig, Dinge in Angriff zu nehmen

    Hallo,

    ich würde gern wissen, was mit meiner Mutter los ist. Sie kam schon immer permanent zu spät.

    Wenn sie mich früher manchmal in den Kindergarten oder zur Schule gebracht hat, kam ich immer mindestens 30 Min. zu spät, was mir immer total peinlich war. Am Ende des Tages war ich im Kindergarten und Grundschule auch immer die Letzte, die noch nicht abgeholt wurde. Ich musste dann auch 30-60 Min. warten, bis meine Mutter endlich da war. Auch bei sonstigen wichtigen Anlässen (Termine, Sportverein, Geburtstag usw.) ist sie permanent deutlich zu spät gekommen oder hat mich viel zu spät hingebracht/abgeholt.

    In Geschäfte ist sie oft 5 Min. vor Ladenschluss gegangen und hat gebeten, noch „schnell“ was kaufen zu dürfen, hatte dann aber doch noch etliche Fragen und die Verkäufer bis deutlich nach Ladenschluss aufgehalten. Mir war das immer sehr unangenehm, wenn ich dabei war.

    Wenn ich meine Mutter darauf hingewiesen habe, dass wir uns beeilen müssen, hat sie oft aggressiv reagiert und gedroht, mich an dem Tag „gar nicht mehr zur Schule zu bringen“, wenn ich nicht aufhöre. Oft hat sie sich im Bad eingeschlossen und ewig geschminkt oder mit ihrem neuen Freund telefoniert/gestritten.

    Es war nicht nur die Unpünktlichkeit, auch generell hat meine Mutter einfache Dinge nicht geschafft zu erledigen, z.B. den Schrebergarten zu kündigen, den sie seit 12 (!) Jahren nicht mehr genutzt hat. Sie hat dafür permanent weiter Miete + Pflegekosten gezahlt, ohne das zu nutzen. Es kam ihr immer wie eine nicht zu bewältigende Aufgabe vor, die Dinge, die noch im Garten waren, zu sortieren. Wenn ich helfen wollte dort auszumisten, wurde sie schnell sauer, ich würde alles durcheinander machen, würde sie drängen und sie hätte jetzt gerade keine Ruhe dafür. Das sagte sie jedes Mal

    Außerdem habe ich mit ihr und meinem kleinen Bruder, bis ich 17 war, in einer kleinen Kellerwohnung gelebt, die ursprünglich nur als Übergangswohnung gedacht war. Ich musste neben ihr auf einem ausziehbaren Sofa schlafen, weil sie es nicht geschafft hat, sich für eine andere größere Wohnung zu entscheiden. Dadurch hatte ich in meiner Jugend nie Privatsphäre und wollte auch keine Freunde einladen. Nur durch extremes Drängen von mir und meinem Bruder nahm sie, als ich 17 war, endlich eine andere größere Wohnung, die sie eigentlich auch wieder nicht nehmen wollte, aber wir konnten diese Enge nicht mehr ertragen. Geld war übrigens nicht das Problem, sondern überhaupt etwas in Angriff zu nehmen/zu verändern.

    Ich könnte jetzt noch etliche andere Beispiele nennen. Habt ihr eine Idee, wie man diese Probleme nennen oder worunter man das zusammenfassen könnte? Kennt ihr so jemanden, wie kann so jemandem geholfen werden? Wenn ich das so schreibe, bin ich wieder wütend, wenn ich mir vorstelle, wie ich täglich vergebens gewartet und nicht abgeholt wurde, wie ich keine Privatsphäre zuhause hatte. Hätte ich da als Kind oder Jugendliche was machen können?

  • 16 Antworten

    @ T,E

    deine Mutter muss selbst zur Einsicht gelangen dass sie ihr Leben stressfreier und angenehmer haben könnte und sich dafür Hilfe suchen.

    Du selber kannst da gar nichts erreichen.

    Zunächst müsste erst einmal klar sein, was genau das oder die Probleme deiner Mutter sind.

    Das kann alles sein, von Depressionen über Prokrastination, ADS; Autismus oder einfach Überforderung.

    Plüschbiest schrieb:

    @ T,E

    deine Mutter muss selbst zur Einsicht gelangen dass sie ihr Leben stressfreier und angenehmer haben könnte und sich dafür Hilfe suchen.

    Du selber kannst da gar nichts erreichen.

    Zunächst müsste erst einmal klar sein, was genau das oder die Probleme deiner Mutter sind.

    Das kann alles sein, von Depressionen über Prokrastination, ADS; Autismus oder einfach Überforderung.

    :)z:)^

    Ich glaube, ich frage mich vielmehr auch selbst, wie ich mit ihrem Verhalten hätte umgehen können (früher) und auch wie ich jetzt noch damit umgehen soll.


    Wenn ich sie treffe, kommt sie immer noch deutlich zu spät. Sogar zu einer Beerdigung kam sie letztens deutlich zu spät, was sehr unpassend wirkte. Wenn ich mit ihr rede, erzählt sie mir pausenlos von Sachen, die sie nicht erledigt hat, aber jetzt unbedingt in Angriff nehmen will. Das erzählt sie aber teilweise schon seit 5-10 Jahren und ich weiß, dass sie das sowieso nicht macht. Ich finde das sehr anstrengend und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Hilfe biete ich ihr an, aber das wird immer abgeblockt oder kritisiert oder mir wird vorgeworfen, dass ich etwas falsch mache, Dinge kaputt gemacht hätte, die ich nie angefasst habe usw.

    Gleichzeitig gibt sie mir aber auch die Schuld und sagt, sie hätte Dinge (nach Jahren) immer noch nicht erledigt, weil ich ihr nicht dabei helfe. Also ich wäre schuld, obwohl das Sachen von ihr sind.


    Wie würdet ihr damit umgehen?

    Ja, sie hortet viele Sachen. Sie hat auch schon seit langem eine extra Garage angemietet, in der alte Sachen stehen.

    Lebkuchenherzchen schrieb:

    Kennt ihr so jemanden, wie kann so jemandem geholfen werden?

    Ich schätze mal, du bist jetzt erwachsen und nicht mehr direkt davon betroffen. Daher die Frage: Stört es SIE denn? Wenn nein, dann lass sie doch.


    Mich persönlich würde das alles stören, allein das rausgeworfene Geld durch einfaches Verpeilen, Dinge rechtzeitig zu kündigen.

    Wenn sie solche Einbußen und vergleichbare Versäumnisse nicht stören und es auch sonst nicht finanziell eng ist, dann ist dieser Lebenswandel //für sie// vielleicht einfach stressfreier, als sich jetzt groß zu optimieren oder optimieren zu lassen. Dass während deiner Jugend auch du+Geschwister da mit drin hingt, ist natürlich mistig gewesen, keine Frage. Aber das ist ja vorbei.

    Was würde denn passieren, wenn du einfach mal was für deine Mutter organisierst und machst ohne sie groß zu fragen?

    Also, wenn sie sagt wie will xyz machen, dass du dass dann einfach in die Wege leitest und dass so, dass es dann auch wirklich erledigt ist?

    Zitat

    Habt ihr eine Idee, wie man diese Probleme nennen oder worunter man das zusammenfassen könnte?


    Mal was zur Auswahl:


    Es könnte eine Form von Narzissmus sein - ich bin so wichtig, dass alle anderen warten müssen und sich nach mir richten. Nur wer zu spät kommen kann, ist wirklich wichtig. Und über meinen Schrebergarten bestimme ich, auch wenn das Unkraut 4m hoch wächst und es jemand anders wegmacht, den ich dafür bezahle (Pflegekosten des Gartens nach Satzung).

    Grob ähnlich wäre ADS - das Verhalten macht sie zu etwas besonderem und Aufmerksamkeit bekommt sie damit auf jeden Fall, immer und immer wieder.


    Es könnte eine Form von Demenz sein - Zeiten vergessen, Sachen vergessen und verbummeln. Dann sind Zusagen schnell vergessen, Termine, usw.


    Es könnte eine Form von Depression, Gleichgültgkeit und Antriebslosigkeit sein.

    Es könnte eine Folge von Burnout sein - erst Überforderung z.B. durch die Kinder, vielleicht fehlende Partnerschaft/Unterstützung von außen, fehlende Struktur im Elternhaus, dann Resignation. Das würde tendenziell auch in die Depression gehören. Und dann: jede Veränderung kostet Kraft. Das bestehende so zu lassen, wird als gegeben hergenommen. Und ggf. mit Geld gelöst.


    Es könnte vom Auslöser her ein Suchtverhalten sein: z.B. Alkohol, Tablettensucht, andere Süchte und dann die sich ergebenden Lebenseinschränkungen und Depression. Dann ist das Suchtmittel wichtig, der Rest nicht so sehr. Und das Suchtmittel und seine Wirkung würde das Gehirn immer wieder stark beeinträchtigen.


    Es könnte einfach eine andere Sozialisierung sein - z.B. Mutter in einem Kulturkreis aufgewachsen, wo Zeiten eher eine Empfehlung sind (südeuropäische Länder, Südamerika). Und du könntest eben in Deutschland/Österreich/Schweiz sozialisiert sein, Lebkuchenherzchen. Oder Mutter in freigeistiger Umgebung erzogen und schulgebildet (sehr freie Schularten, die es früher noch gab), und du Lebkuchenherzchen eher in einer staatlichen Schule.


    Und es könnte ein zwanghafte Vorstellung von dir Lebkuchenherzchen sein: dann wäre deine Schilderung eine Konzentration auf einige wenige Vorkommen oder kurze Zeiten, aber diese würdest du in deiner Schilderung durch einen Zwang oder Ordnungsliebe so deutlich erhöhen, dass es anderen eben so vorkommt, als wäre etwas falsch mit deiner Mutter. Ich will dir das nicht unterstellen, aber als Möglichkeit wollte ich es drin lassen.


    Und es könnte eine depressive Phase bei dir sein, Lebkuchenherzchen. Dann würdest du einem Umfeld auch nach negativen Einflüssen auf dich und nach Fremdschuldigen suchen, und wer liegt da näher als die Mutter. Aber deine Kindheit und Jugend ist vorbei. Und jetzt kannst du dein Leben selbst gestalten. Dann schau nach vorn. Andere Kinder sind mit 12, 13, 14 immer mal von zuhause "abgehauen", haben tage- oder wochenlang bei Freund/Freundin übernachtet. Und/oder haben sich ihre Sozialkontakte außerhalb der eigenen Wohnung gesucht und gefunden. Manches "Kind" hatte mit 16 seine eigene Wohnung. Ganz ohne Wertung. Oder ist z.B. früher zum getrennt lebenden Vater gezogen, wenn das Leben mit der Mutter als so bedrückend und beschränkend empfunden wurde.


    Sehr interessant finde ich, dass du, Lebkuchenherzchen, offenbar den "Lifestyle" deiner Mutter nicht übernommen zu haben scheinst.

    Sie hat wirklich schon mal was von Narzissmus gesagt und dass sie sich in diesen Gedanken von Wichtigkeit und Großartigkeit wiederfindet. Sie sagte mal, sie denkt schon seit ihrer Jugendzeit, dass sie „etwas Besonderes“ wäre, hat auch immer große Pläne (irgendeine erfolgreiche Firma zu gründen), die sie aber sowieso nie umsetzt, da sie es ja nicht mal schafft, ihre Sachen im Schrebergarten oder in der gemieteten Garage zu sortieren. Es ist für mich immer sehr anstrengend, bei ihren großen Plänen (Fantasien) zuzuhören, weil sie wohl wirklich glaubt, dass sie das machen könnte.


    Ich glaube, ihr ist nicht klar, welchen Effekt das auf ihr Umfeld hat. Sie tut es z.B. immer schnell ab, wenn man 40 Min. irgendwo auf sie gewartet hat, weil sie noch einkaufen war, obwohl man um 15 Uhr verabredet war. Ich frage mich oft, wie andere reagieren würden. Das einfach so akzeptieren, sich ein Buch mitnehmen und so lange lesen?


    Sachen einfach schnell für sie erledigen, ist eine gute Idee. Wobei ich das auch schon mal gemacht habe (aussortierte Kisten in Keller gebracht, einen kleinen Schaden repariert etc.), aber dann war sie auch nicht zufrieden und meinte, warum ich damit nicht gewartet habe, ob ich das denn genauso gemacht hätte, wie sie wollte, ich hätte sie übergangen und nicht auf sie gewartet etc. Für mich ist das immer sehr kräftezehrend und unnötig kompliziert.

    Lebkuchenherzchen schrieb:

    Sie tut es z.B. immer schnell ab, wenn man 40 Min. irgendwo auf sie gewartet hat, weil sie noch einkaufen war, obwohl man um 15 Uhr verabredet war. Ich frage mich oft, wie andere reagieren würden.

    40 Minuten auf jmd. warten würde ich vielleicht noch in meiner Wohnung, wenn es wichtig ist. Ansonsten eher nicht, ich würde den vereinbarten Treffpunkt nach 15 bis 25 Minuten verlassen.


    Zu Verabredungen derart verspätet zu erscheinen, sollte eine absolute Ausnahme sein (und bleiben). Ansonsten ist es einfach eine Frechheit. Deine Mutter macht das wohl auch deshalb, weil sie weiß, daß Du es letztlich hinnimmst. Sie kann es sich "leisten".

    Lebkuchenherzchen

    Ich hab auch so eine Mutter :=o

    Ich kenne es nur zu gut, wenn man alleine an der Schule steht. Alle Busse schon weg waren. Und das obwohl man ja eigentlich abgeholt wurde, weil die Busse teilweise viel später fuhren als man Unterrichtsschluss hatte:-o Da stand man schonmal eine Stunde und hoffte bei jedem vorbeifahrenden Auto, dass es endlich das Richtige ist...und wieder nicht :|N


    Sie hat sich bis jetzt nicht geändert. Weihnachten war sie bei und zum essen eingeladen. Ich hab ihr extra sogar eine halbe Stunde bevor das Essen fertig war nochmal Bescheid gesagt. Sie kam trotzdem zu spät. Meine Schwester erzählte mir später, dass sie kurz vorher noch bei meiner Mutter war und sie daran erinnerte, dass sie jetzt langsam los müsste. Sie antwortete, dass das nix macht, wenn sie zu spät kommt, da man das ja eh schon von ihr erwartet, wär bei ihr ja normal %-|


    Wenn sie nen Termin beim Therapeuten hat z.B. um 13 Uhr, dann fährt sie oft erst um 13 Uhr los. Fahrtzeit ca. 15 Minuten+parken+vom Parkplatz ins Gebäude gehen:=o

    Es ist generell so bei ihr, auch zur Arbeit kommt sie immer zu spät, da fällt das aber anscheinend nicht so sehr auf oder wird toleriert.


    Sie hat auch immer eine Ausrede, warum sie zu spät kommt, z.B. dass sie noch die Katze füttern musste, eingeschlafen ist, die Zeit vergessen hat, Blumen im Garten gegossen hat. Oft schreibt sie zum Zeitpunkt des geplanten Treffens, dass sie dann überhaupt erst losgeht oder losfährt. Also zumindest sagt sie dann Bescheid.


    Mein Bruder findet das auch sehr anstrengend, aber er wohnt mittlerweile 1,5 Std. weg wegen Studium und bekommt davon nicht mehr so viel mit, nur noch an Weihnachten oder an irgendwelchen Feiertagen.