Citalopram - Zukunft?

    Hallo zusammen,


    ich beschäftige mich mit einem Thema, welches für viele wahrscheinlich ein kleines ist, für mich aber momentan sehr wichtig.


    Also: Im Frühjahr 2016 habe ich durch meinen Hausarzt Citalopram empfohlen bekommen und seit dem 10mg/Tag genommen. Die Begründung war eine Überbelastung innerhalb der Familie (Schwere psychische Krankheit der Tochter, welche die ganze Familie sehe belastet hat und unter der ich mental immer häufiger zusammengebrochen bin). Citalopram hat geholfen. Anfänglich hatte ich mit Nebenwirkungen zu kämpfen (in den ersten 2-3 Wochen), danach nicht mehr. Die Situation zuhause ist inzwischen wesentlich besser, und ich habe einen neuen Job angefangen. Äußerlich alles gut. Somit habe ich das Citalopram ausgeschlichen vor 4 Wochen.


    Inzwischen geht's mir richtig schlecht. Alle Menschen um mich herum nerven mich, jede kleine Situation haut mich (wieder) um, und ich bin nur noch "traurig". Ich könnt auf der Stelle anfangen zu heulen. Und das ganz ohne Grund.


    Meine familiäre Situation ist nicht einfach. Oder zu einfach. Frau, 2 Kinder, Haus, Haustier. Punkt. Viel Streit mit pubertierenden Kindern. Alltag. Mann und Frau haben sich - na ja, nach 20 Jahren aneinander gewöhnt. Wenig prickelndes. Ruhiger Alltag mit Streit eben. Es gibt Situationen, an denen ich überlege, einfach auszubrechen. Neu zu starten. Woanders - andere Frau - anderes Leben. Und aktuell bekomme ich von Freunden auch gezeigt, wie es geht: die haben Spaß, gehen raus, haben ein spannendes Leben und auch sexuell läufts besser bei denen. Andererseits bin ich froh und weiß um die Vorzüge meiner Familie, die ich auch nie verlassen würde.


    Meine Frage: Soll ich wieder Citalopram (oder was anderes??) nehmen, um stabiler zu sein? Oder muss ich genau dieses Citalopram weglassen, um die Augen klar offen zu haben für meine Situation zuhause. Was ist, wenn ich 5 Jahre Citalopram nehme und damit hier gut leben kann, und danach aufhöre und die Situation ist die gleiche?


    Ich habe Angst vor der Zukunft. Vielleicht versteht mich irgendwer hier und kann mir Ratschläge geben. Wird man von Citalopram abhängig und ich bin jetzt im Entzug?


    Guten Rutsch und Danke fürs lesen, sci

  • 6 Antworten

    Von Citalopram wirst du nicht abhängig, es ist kein Entzug. Nur sind Antidepressiva keine Dauerlösung. Du solltest dir auch Techniken erarbeiten, mit den Stresssituationen fertig zu werden. Da hilft eine Psychotherapie.


    Was Psychopharmaka angeht: Geh mit solchen Anliegen bitte zum Psychiater, und nicht zum Hausarzt. Das ist der richtige Facharzt.

    Zitat

    Was ist, wenn ich 5 Jahre Citalopram nehme und damit hier gut leben kann, und danach aufhöre und die Situation ist die gleiche?

    Es ist kein Heilmittel, es ist nur eine Hilfe - wie bei einem verletzten Bein die Krücke. Wieder richtig laufen lernen musst du auch.

    Du hast das Citalopram vermutlich zu früh abgesetzt.


    Wenn es dir hilft spricht nichts dagegen es weiter zu nehmen.


    Zeitgleich eine Therapie zu machen wäre ganz gut.


    Im Entzug bist du sicher nicht, aber Citaopram sorgt dafür dass die Symptome der Depression und Überlastung verschwinden und ohne Citalopram tauchen sie halt wieder auf.

    Hi,


    frohes neues.....


    Nach Rücksprache mit meinem Hausarzt habe ich wieder angefangen Citalopram zu nehmen. Ich denke, dass es nach 1-2 Wochen wieder besser wird.


    Zeitgleich habe ich eine Überweisung zur Psychotherapie. Jetzt fängt die Suche an.


    Kann mir irgendwer den Unterschied zwischen tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie erklären?


    Grüße, sci

    Zitat

    Kann mir irgendwer den Unterschied zwischen tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie erklären?

    Genau das kann dir der Psychiater/in genau erklären und dir auch eine Empfehlung geben, was für dich der richtige Therapieansatz ist. Schau mal wie viel Zeit du jetzt eigentlich schon verloren hast im Hinblick auf Therapeutensuche.


    Ich bin kein Freund von Hausärzten die Psychopharmaka verschreiben, wie andere Schmerzmittel. Dies sollte meiner Ansicht nach in die Hände eines Facharztes. Auch sollte dies immer mit einem Therapieansatz verbunden sein. Nur die AD's ein paar Wochen nehmen und wenn es besser wird wieder ausschleichen kann nur nach hinten losgehen.

    Psychopharmaka vom Hausarzt sind für eine kurze Zeit eine Lösung. Dauerhaft haben Hausärzte zu wenig Ahnung - und gründsätzlich ist die Empfehlung ohnehin: Auf Dauer keine Medikamente ohne Therapie. Ja, man muss auf Therapieplätze warten, aber in Deiner akuten Belastungssituation wäre eine Therapie auch für Dich wichtig, um besser mit allem umzugehen. Du solltest dort ansetzen und ja, ggf. auch wieder zu eine AD greifen.


    Bzgl. der Therapieformen:


    Eine Analyse zum Einstieg würde ich nicht empfehlen, zumal Du da zu wenig konkreten Input bekommst. Da geht es quasi nur um "Erkenntnis". Tiefenpsychologisch könnte eine Option sein, wenn es darum geht, die jetzigen Probleme im Kontext Deiner eigenen Kindheit zu verstehen. Wenn es konkret darum geht, im Hier und Jetzt besser klarzukommen, dann wäre VT die richtige Wahl. Ganz grob und vereinfacht formuliert.


    Evtl. enthält die Broscüre "Wege zur Psychotherapie" hier: http://www.bptk.de/publikationen/bptk-infomaterial.html auch Infos dazu...

    Ich möchte widersprechen.


    Kann es aber schlecht erklären.


    Es kann durchaus "Absetzerscheinung" sein. Ich war ungefähr 4-6 Monate lang UNHEIMLICH zickig nachdem ich mein SSRI absetzte.


    Ich machte Therapie, alles war wieder im Lot und trotzdem nervte mich schon die kleinsten Kleinigkeiten.


    In solchen Fällen kann man entweder wieder die Medis nehmen und noch weiter an sich arbeiten, oder abwarten was nach ein paar Monaten passiert.


    Es ist kein richtiger Entzug, aber man kann durchaus sehr empfindlich werden, weil plötzlich die "dämpfende" Wirkung weg ist.


    Zumindest war es bei mir so. Zwar nicht Citalopram aber Sertralin.


    Ich war auch kurz davor wieder die Medis zu nehmen nach 4 Monaten und dann...wurde es leicht besser.


    Die Techniken und Erkenntnisse anwenden während man Antidepressiva nimmt und wenn man sie nicht mehr nimmt, war für mich ein großer Unterschied.


    Ich fühlte mich manchmal meinen Gefühlen und dem Stress ausgesetzt. Die Techniken wirkten schlechter als zuvor.