Das Leben verändern, aber wie?

    Hallo ihr Lieben,


    ich versuche mal in Kurzform meine Situation zu schildern und hoffe, dass mir jemand einen Tipp geben und mir helfen kann, da ich selbst einfach nicht mehr weiter weiß.


    Zu mir und meiner Situation:

    27 Jahre

    Derzeit Azubi (aber krankgeschrieben)

    Wohne mit meinem Freund zusammen

    Psychische und körperliche Gewalterfahrungen in der Kindheit

    Kein Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Körpergefühl

    Angststörung und Panikattacken

    In psychiatrischer Behandlung

    Medikamentös eingestellt mit 125mg Sertralin

    bereits 2 Krankenhausaufenthalte in psychosomatischer Klinik

    1 abgeschlossene Behandlung Verhaltenstherapie


    Ich habe bisher schon einiges erlebt, wodurch meine Problematik wohl entstanden ist.

    Durch psychische und körperliche Gewalterfahrungen in meiner Kindheit habe ich absolut kein Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl oder gar ein Körpergefühl. Im Gegenteil trotz meiner fast 90-60-90 Maße hasse ich meinen Körper. Ich höre ständig wie toll ich aussehe und das sich so viele meine Figur wünschen würden, aber ich hasse meinen Körper. Ich würde ihn am liebsten abgegeben und umtauschen können.

    Wenn mir jemand Komplimente macht, dann prallen diese an mir ab. Ich widerspreche sogar und kann nicht verstehen, warum derjenige etwas nettes über mich sagt.

    Ich verstehe es nicht, da ich mich selbst nicht mag.

    Ich vernachlässige mich regelrecht. Wenn ich Hunger habe, bin ich zu faul zum aufstehen und esse lieber Chips oder Schokolade die neben mir liegen.

    Durch meine Panikattacken und Angststörung habe ich viele Fehlzeiten in meiner alten Ausbildung gehabt und somit auch keine Freundschaften schließen können. Letzendlich habe ich die Ausbildung abgebrochen, da ich sie sowieso nicht geschafft hätte.

    Seit letztem Jahr September habe ich eine neue Ausbildungsstelle, jedoch bin ich seitdem krank geschrieben. Anfangs war es die Angst dorthin zu fahren, die neuen Menschen haben mir Angst gemacht, die vielen neuen Eindrücke und Aufgaben haben mich -ohne das ich sie kannte- überfordert und mir solche Angst gemacht, dass ich nicht hingehen konnte.

    Mittlerweile bin ich so lange krank geschrieben, dass ich -selbst wenn ich könnte- nicht zur Arbeit gehe, aus Angst vor der Reaktion der anderen und dem vielen verpassten Stoff, den ich im Leben nicht mehr nachholen kann.


    Auch weiß ich gar nicht wirklich was ich überhaupt machen will. Ich habe in meiner Kindheit nur Ablehnung erfahren und um keinen Ärger/Stress oder Gewalt zu bekommen habe ich einfach immer das gemacht was mir gesagt wurde.

    Ich bin mittlerweile 27 und weiß nicht welchen Beruf ich machen will. Ich kann mich in vieles hineinversetzen und mir vorstellen, aber entscheiden und vor allem durchziehen kann ich nicht.

    Auch weil dann wieder das verminderte Selbstwertgefühl da ist. Wie reagieren die anderen? Mögen sie mich? Schaffe ich das was von mir verlangt wird? Habe ich meine Angst im Griff? Ich darf keine Fehler machen etc.

    Ich mache mir selbst so viel Druck weil ich Angst vor Fehlern und den Konsequenzen habe, dass ich erst gar nichts anfangen kann/will. Auch aus Angst, dass ich dann wieder runtergemacht werde a la´ "Ich hab es dir ja gleich gesagt oder hätteste das mal so oder so gemacht. Deine Schwester hat in deinem Alter aber schon XY erreicht. Sieh mal zu das du dein Leben auf die Reihe bekommst"


    Ich schlafe mittlerweile erst gegen 2 Uhr ein und wach morgens gegen 10-11 Uhr auf, damit es kürzer ist bis mein Freund wieder zu Hause ist. Ich liege im Bett und der Fernseher läuft, aber hinschauen tue ich nicht wirklich. Es läuft -wie der Rest meines Lebens- an mir vorbei.

    Ich sehe keinen Sinn aufzustehen und z.B. was im Haushalt zu machen.

    Wofür einkaufen, wenn man das Essen auch bestellen kann und es geliefert wird?

    Klamotten etc wird auch alles geliefert.


    Ich habe so viel gemacht (Therapien, Krankenhausaufenthalte etc.) und nichts hat geholfen. Ich habe langsam das Gefühl, dass es für mich keine Lösung gibt.


    Dabei habe ich Wünsche. Ich möchte arbeiten gehen und tolle Kollegen/Freunde haben mit denen man lachen und Spaß haben kann.

    Geld verdienen und mir Dinge leisten können

    Ein Haus kaufen mit großem Garten

    Heiraten und eine Familie gründen


    Für all das fehlt mir aber ein Plan. Ich habe keine Ahnung womit und wie ich anfangen soll. Ich fühle mich wie ein kleiner Zwerg vor einem riesigen Berg. Ohne Werkzeug und bei eisigen Orkanböen soll ich da hochkommen.

    Ich weiß das ich es alleine nicht schaffe, aber wer hilft mir? Wer könnte mir helfen?


    Habt ihr einen Tipp? Lösungsvorschlag? Hinweis o.ä.?

    Oder auch nur ein Denkanstoss. Ich bin für alles dankbar. @:)


    Sorry das es so lang geworden ist. Ich hoffe man kann es dennoch verstehen.


    Hoffnungsvolle Grüße

  • 12 Antworten

    Hallo liebe TE,

    falls es dich nicht stört hätte ich ein paar Fragen um mir ein besseres Bild machen zu können:

    Hat dir denn die Verhaltenstherapie irgendwas gebracht?
    Wendest du an, was du da gelernt hast?

    Warum warst du in einer psychosomatischen Klinik und nicht in einer psychotherapeutischen?

    Was sagst dein Freund zu der Situation? Steht er hinter dir oder steht da im Raum, dass er das auf Dauer nicht mitmacht?

    Und last but not least: wovon lebst du/ ihr? Vom Krankengeld einer Ausbildung kann man ja kaum Essen und Klamotten bestellen.


    Vielleicht hilft es dir zu wissem: Alles was du mehr tust als jetzt, kann deine Situation nur verbessern. Dazu gehört auch einfach aufzustehen und irgendwas zu tun.


    Erstmal solltest du versuchen keine Zukunftsangst aufzubauen - denn du lebst in der Gegenwart. Und so lange in der nichts passiert, kann man nicht besonders weit in die Zukunft planen. Also: Nonsens darüber zu grübeln. Zukunftsangst ist kein Zustand in dem man Zukunftsvisionen/-ansprüche entwickeln sollte.


    Im weiteren finde ich kleiner_drachensterns Fragen sehr gut und würde erstmal auf die Antworten dazu warten wollen.

    Hallo ihr Zwei


    Selbstverständlich antworte ich auf die Fragen.


    Ehrlich gesagt hat mir die VT nicht viel gebracht. Der Therapeut hat einige Bemerkungen gemacht die mich verletzt haben, sodass ich dann nur noch über unnötige Dinge gesprochen habe. Ich wollte nicht abbrechen, da ich Angst hatte Probleme mit der Krankenkasse zu bekommen, falls ich erneut eine Therapie beginnen möchte. Daher hab ich es dann durchgezogen.


    Zu der Frage mit der Klinik kann ich dir nicht wirklich etwas sagen. Mir wurde die Klinik von meinem Arzt empfohlen und das Erstgespräch lief auch ganz gut und sie waren der Meinung mir helfen zu können. Beim ersten Aufenthalt (wo ich extrem unter der Angststörung gelitten habe) hat mir auch recht gut geholfen.


    Mein Freund ist der einzige Mensch der zu 1000000% hinter mir steht. Wir hatten es bisher nicht leicht und er hat mir bei allem geholfen und mich unterstützt so gut er konnte. Er ist immer für mich da.


    Ich bekomme kein Krankengeld, da ich Beamtin auf Widerruf bin. Ich bekomme mein normales Gehalt und mein Freund geht auch arbeiten. ~63 Stunden p.Woche weshalb ich auch den Großteil des Tages alleine bin.


    An manchen Tagen schaffe ich es auch mich aufzuraffen und was im Haushalt zu machen oder einkaufen zu gehen.

    Ich habe mir vorgenommen täglich 10 Minuten im Haushalt zu machen. Leider fehlt mir die Disziplin das durchzuhalten.

    Manchmal denke ich mir auch, dass ich heute nichts machen muss, da ich gestern ja 3 Stunden aufgeräumt habe.

    Ich kann mich nicht motivieren etwas zu tun. Auch nichts was mir gut tut oder eigentlich schön für mich ist. Immer suche ich nach Ausreden oder Gründen warum ich xy nicht machen kann/will.

    Es fühlt sich einfach komplett aussichtslos an :/

    hallo Gluecksbärchii,


    bei dem, was du schreibst fällt mir vor allem auf, dass du sehr antriebslos zu sein scheinst. Das ist ein ganz "normales" Symptom einer Depression. Wurden Depressionen bei dir diagnostiziert?


    Deine medikamentöse Einstellung jedenfalls scheint nicht ideal zu sein. ICH an deiner Stelle würde zu meinem Psychiater gehen und etwas an den Medikamenten ändern, damit es bald wieder bergauf geht.


    Du bist nicht "zu faul" etwas zu machen. Du bist - meiner Meinung nach - zu krank etwas zu machen.


    Gib nicht auf. Es kommen bessere Zeiten. Ich weiß - scheiß Spruch - aber erfahrungsgemäß ist es so.


    Manchmal braucht man erst einen medikamentösen "Schubser", bevor man "therapierbar" ist. Wenn dir schon der Antrieb fehlt, dir etwas zu Essen zu holen (ich kenne das), dann fehlt dir vermutlich auch die Energie, regelmäßig zur Therapie zu gehen.


    Also: Energie sammeln, aufstehen, am Rädchen drehen und dann um alles Weitere kümmern.


    Alles Gute. Halte uns bitte auf dem Laufenden. @:)

    An praktischen Hinweisen wirst du in den Therapien ja sicherlich schon Einiges mitbekommen haben. Dafür sind wir auch keine Fachleute. Aber meinen Eindruck kann ich dir schildern, den deine Beiträge auf mich machen: Du hast aufgrund deiner vergangenen Erfahrungen Angst davor, verletzt zu werden. Daher meidest du jede Situation, in der du scheitern könntest. Bleibst am liebsten im sicheren Zuhause. Und du lehnst dich und deinen Körper selbst ab, weil du mit dieser Einstellung keine Enttäuschung von außen erfahren kannst. Lieber sagst du dir selbst, wie scheiße du bist, damit sich ein MÖGLICHER Anflug der kleinsten Kritik von anderen für dich immer noch als Gewinn anfühlt.


    Wie man da rauskommt, kann ich dir als Laie nur schwer sagen. Und dass diese unbewusste Taktik selbstzerstörerisch ist, weißt du vermutlich selbst, denn du willst es ja eigentlich ändern. Du wirst es aber nicht ändern können, dass der "riesige Berg", vor dem du dich wie ein Zwerg fühlst, gar nicht das Leben an sich ist, sondern deine Last aus Vergangenheit und Angst. Das musst du akzeptieren, und ich hoffe, es wird dir irgendwann gelingen.


    Wie hast du deinen Partner kennengelernt? Das finde ich eigentlich ungewöhnlich, dass er den Zugang zu dir gefunden hat und dass du ihn in als Bestandteil deines Lebens "eingelassen" hast. Hier konntest du deine Ängste, enttäuscht zu werden, überwinden.Vielleicht ist das der Schlüssel? Vielleicht gibt es auch noch andere Vertrauenspersonen in deinem Umfeld oder Menschen, die du zu diesen machen könntest? Das Leben wird immer mal hier und da eine kleine Enttäuschung bereithalten, aber die Bilanz kann unterm Strich doch ganz anders aussehen. Dazu muss man aber auch wieder etwas Teilhabe am Leben wagen. Das heißt, deine sicheren Rückzugsgebiete in der Wohnung und in Begleitung deines Freundes musst du auch mal aufgeben. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass dein Freund deutlich zu viel arbeitet. Bei dem winzigen Rest, der euch gemeinsam bleibt, habt ihr vermutlich alles auf reine Paarzeit reduziert. Wenn er mehr Zeit hätte, hättest du auch die Chance, mit ihm auch mal vorsichtig einen Schritt nach dem anderen ins gesellige Leben zu wagen. Ist dein Freund auch ausschließlich auf dich fixiert? Oder hat er noch einen Bekanntenkreis? Probiere es da mal. So banal es klingt: Geh vor die Tür, akzeptiere deine Angst und deine Panik als Teil von dir. Wenn du das schaffst, wird beides irgendwann auch den Schrecken verlieren. Erwarte keine Patentrezepte von Therapeuten, die dir das mit einem Rezept abnehmen können.

    Guten Morgen :)


    Ich bin zu Tränen gerührt von den Antworten. Damit hätteich nicht gerechnet. Aus meinem Umkreis kenne ich das nicht. Da höre ich immer nur "reiß dich mal zusammen. Ich habe morgens auch keine Lust aufzustehen und mache es trotzdem."

    Hier gerade mal keine Vorwürfe zu bekommen ist ein völlig unbekanntes Gefühl.


    Depressionen wurden nicht diagnostiziert. Ich hatte mal depressive Episoden als Diagnose stehen. Das wurde mir "verpasst", weil ich aufgrund meiner Angststörung nicht raus gehen konnte/wollte.


    Das Medikament sind wir noch am einstellen. Ich soll am 15.04. die Dosis von 125mg auf 150mg erhöhen sofern bis dahin keine Besserung eingetreten ist.

    Vor dem Sertralin hatte ich Paroxetin gehabt, welches aber noch weniger bzw gegenteiliger gewirkt hat. Unter Paroxetin konnte ich nur noch schlafen und war müde, abwesend etc.


    Das ich lieber zu Hause bleibe als raus zu gehen, da stimme ich dir zu. Ich habe Angst andere zu enttäuschen, nicht zu genügen aber auch davor das ich enttäuscht werde. Sowohl von anderen als auch von mir selbst.


    Meinen Partner habe ich vor knapp 8 Jahren bei einem Praktikum kennen gelernt. Ich habe dort ein Praktikum gemacht und er kam immer als Urlaubs/Krankheitsvertretung für den eigentlichen Fahrer der uns immer die Post gebracht hat.

    Wir fanden uns beide sympathisch, aber keiner hat sich getraut was zu sagen.

    Mein Praktikum ging zu Ende, aber zu meiner Chefin hatte /habe ich einen super Draht und so hatte ich sie ab und zu mal besucht wenn ich in der Nähe war.

    Knapp 2 Jahre nach meinem Praktikum war ich zu Besuch und er hatte wieder Vertretung. Ich war total überrascht das er mich sofort wiedererkannt hatte und wir haben uns so verstanden als wenn wir uns gestern zuletzt gesehen hätten.

    Leider musste er immer schnell weiter und so hatten wir immer nur max 10 Minuten zum sprechen.

    Meine damalige Chefin wusste das ich ihn toll finde und so bekam ich etwa 2 Wochen nach dieser Begegnung eine SMS von ihr, ob ich in meinem Leben noch Platz für einen Mann hätte und das er ihr seine Nummer gegeben hat.

    Nachdem wir dann intensiv geschrieben und telefoniert haben, ging es mit uns dann relativ schnell. Wir ärgern uns beide etwas, dass wir nicht früher schon was gesagt haben, aber letzendlich sind wir froh das es dann doch geklappt hat :)

    So sind wir nun seit knapp 5,5 Jahren zusammen (und verliebt wie am ersten Tag) :)


    Damals hatte ich die ganzen Probleme noch nicht. Sie waren tief verdrängt und versteckt. Erst durch die Beziehung kam es an die Oberfläche. Vorher habe ich niemanden so nah an mich ran gelassen. Er hatte/hat es wirklich sehr sehr schwer mit mir.

    Anfangs konnte ich keine körperliche Nähe zulassen, hatte Angst vor Berührungen etc. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen haben wir es aber geschaft und mittlerweile bin ich ein Kuschelmonster und genieße seine Nähe sehr :)


    Nach einem knappen Jahr Beziehung hatte ich dann meine erste Panikattacke und konnte das gar nicht einordnen. Ich wusste nicht was das ist und das es so etwas gibt.

    Dies wurde immer schlimmer bis es irgendwann so war, dass ich nicht mehr alleine bleiben konnte.

    Daraufhin sind wir dann zum Arzt und ich habe das Setralin bekommen und wir haben die Entscheidung getroffen, dass ich schnellstmöglich in die Klinik gehe.

    Nach dem Aufenthalt war es dann auch besser und ich habe eine Ausbildung angefangen.

    Jedoch bin ich mit dem Lernen nicht hinterher gekommen und weil ich keine schlechten Noten schreiben wollte habe ich mich dann krank gemeldet um mehr Zeit zum Lernen zu haben. Irgendwann war es dann aber so viel was ich Lernen und zusätzlich nachholen musste, dass ich nicht mehr konnte und dann aufgegeben habe. Ich wusste nicht mehr wo ich anfangen sollte weil es so viel war. Nachdem ich dann ewig krank war, habe ich mich entschieden die Ausbildung abzubrechen, weil ich das Ausbildungsziel sowieso nicht erreicht hätte.


    Letztes Jahr hat dann die neue Ausbildung angefangen und die Ängste und vor allem die Angst nicht zu genügen und andere zu enttäuschen haben mich so gelähmt, dass ich mich krank gemeldet habe.

    Ich habe einen hohen Anspruch an mich, was wohl auch durch meine Kindheit kommt. Ohne gute Leistungen gab es keine Anerkennung bzw. bei schlechten Leistungen gab es Gewalt und bei guten Leistungen nicht. Das war für mich die Anerkennung für meine Leistungen.

    Daher habe ich auch jetzt immer und überall den Anspuch an mich, dass ich sehr gute Leistungen haben muss.

    Zitat

    Das ich lieber zu Hause bleibe als raus zu gehen, da stimme ich dir zu. Ich habe Angst andere zu enttäuschen, nicht zu genügen aber auch davor das ich enttäuscht werde. Sowohl von anderen als auch von mir selbst.

    Enttäuscht es dich denn gar nicht, wie du aktuell lebst? Vielleicht kommst du ja zum Schluss, dass du gar nichts zu verlieren hast, wenn du mit der aktuellen Situation unzufrieden bist. ;-)


    Zitat

    Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen haben wir es aber geschaft und mittlerweile bin ich ein Kuschelmonster und genieße seine Nähe sehr :)

    Einfühlungsvermögen hatte dein Partner bewiesen - Geduld allerdings ihr beide. Und du erntest jetzt die Früchte. Dieser Erfolg ist übertragbar auf andere Lebenssituationen. Du hättest in dieser Zeit deinen Partner enttäuschen können oder er hätte dich enttäuscht, wenn er früh aufgegeben hätte. Und trotzdem hast du dich darauf eingelassen. Du brauchst mehr dieser "Experimente" und dieser Geduld. Vielleicht auch mal ohne jemanden, der stets an deiner Seite ist.


    Zitat

    Daher habe ich auch jetzt immer und überall den Anspuch an mich, dass ich sehr gute Leistungen haben muss.

    Das klingt jetzt sicherlich banal, wenn ich das von außen so sage: Aber man muss nur gute Leistungen haben, wenn man sie jemandem versprochen hat. Und man sollte nichts versprechen, was man nicht halten kann. Darüber hinaus ist man niemandem gegenüber zu etwas verpflichtet. Intellektuell wird dich das Leben oder eine Ausbildung sicherlich nicht überfordern. Überfordern tun dich deine Selbstzweifel und dein Empfinden. Das lässt sich auf Knopfdruck leider nicht abstellen, aber auch hier ist Akzeptanz ein wichtiger Schritt. Akzeptanz, dass du so fühlst, wie du fühlst. Und dann die Akzeptanz, dass es nicht immer 100% sein müssen. In vielen Dingen reichen auch einfach 80%. Mit 80% besteht man Prüfungen ordentlich genug, erreicht genug vorgenommene Dinge, aber hat den Kopf frei. Und wenn du mit freiem Kopf eines Tages mal wieder so etwas wie Leidenschaft entwickelst, wirst du merken, dass Leidenschaft der größte Antrieb ist, einige ausgewählte Dinge auch zu 110% zu leisten. Aber in der Breite über alle Lebensinhalte funktioniert das kaum.


    Übe dich in Geduld, lerne Akzeptanz, und suche deine kleinen Schritte. :)^

    Hallo


    Enttäuscht sein ist glaube ich nicht das richtige Wort.

    Wenn ich zu Hause bin, dann bin ich in meiner Schutzzone. Ich kann niemanden enttäuschen oder Dinge falsch machen und ich kann nicht von anderen enttäuscht oder verletzt werden.

    Klar, würde ich gerne etwas an meiner Situation ändern. Sonst hätte ich hier nicht diesen Beitrag erstellt.


    Ich glaube Enttäuschungen und Rückschläge hatten wir auch viele.

    Aber ich hatte ihn an meiner Seite und das hat mir sehr geholfen.


    Nur habe ich ihn nicht in meinem Alltag an meiner Seite. Also nicht in jeder Situation. Das Gefühl von Sicherheit was er mir gibt, dass muss ich mir irgendwie selbst geben.

    Aber wie stellt man so was an?


    Versprechen tue ich niemandem was. Zumindest nichts von dem ich nicht 100% sicher sein kann das ich es einhalte.

    Ich habe an mich selbst diesen hohen Anspruch. Wenn ich keine sehr guten Leistungen bringe oder nicht die beste bin, dann bin ich nicht gut genug.

    Dann gehe ich in der Masse unter und bekomme keine Aufmerksamkeit.


    Ich würde gerne wieder mit Sport anfangen und habe auch schon zu mehreren Vereinen Kontakt aufgenommen. Aber aus Angst nicht gut genug zu sein und das die anderen mich nicht mögen, suche ich Woche für Woche nach Ausflüchten warum ich gerade heute nicht gehen kann.


    Die Angst zu versagen ist also nicht nur im beruflichen sondern auch im privaten Bereich sehr groß. :(

    Hallo Gluecksbärchii.


    Deine Kindheitserlebnisse haben zu einer übersteigerten Angst vor Ablehnung und Selbstablehnung geführt. Diese Einstellung kann nur in der Therapie grundlegend verändert werden. Je gravierender die Prägung durch diese Erlebnisse, desto länger wird die Therapie dauern.


    Du hast Dir Ziele gesetzt, die Du erreichen willst, das ist sehr positiv! Arbeite daran. Doch immer Schritt für Schritt. Zuerst die Therapie, dann die Ausbildung. In der Therapie lernst Du auch, mit Deinen Erlebnissen umzugehen und sie zu verarbeiten. Ich empfehle Dir eine stationäre Therapie. Hast Du den Mut, Deine Vergangenheit anzugehen und aufzuarbeiten? Hast Du den Mut für eine bessere Zukunft? Kannst Du Dir vorstellen, an den Punkt zu kommen, wo Du Dich selbst so annehmen kannst, wie Du bist? Ich habe eine vor 20 Jahren gemacht, die mir sehr geholfen hat. Du wirst dann auch die Kraft dazu haben, die Ausbildung durchziehen zu können. Momentan steckst Du in einer Art Depression/ Resignation. Vorwürfe, dass Du momentan nicht die Kraft zur Alltagsbewältigung hast, sind hier völlig fehl am Platz! Niemand hat dass Recht, Dich deshalb zu verurteilen.


    Nimm einen Zettel zur Hand, halte Deine Ziele darauf fest, auch die Etappen. Ich wünsche Dir, dass Du dorthin kommst, wo Du dann als glückliche Person stehen willst.


    Gruß Andi

    Zitat

    Wenn ich zu Hause bin, dann bin ich in meiner Schutzzone. Ich kann niemanden enttäuschen oder Dinge falsch machen und ich kann nicht von anderen enttäuscht oder verletzt werden.

    Du hast aber von dem hohen Anspruch geschrieben, den du an dich selbst hast. Daher fragte ich dich, ob du mit deinem Rückzug in die Schutzzone diesem Anspruch genügst. Ist das nicht ein Widerspruch?


    Zitat

    Ich habe an mich selbst diesen hohen Anspruch. Wenn ich keine sehr guten Leistungen bringe oder nicht die beste bin, dann bin ich nicht gut genug.

    Dann gehe ich in der Masse unter und bekomme keine Aufmerksamkeit.

    Auch das ist ein Widerspruch - wenn du dich zuhause versteckst, kannst du nicht einmal Teil der "Masse" sein und schon gar keine Aufmerksamkeit bekommen. Du existierst für andere schlichtweg nicht.


    Denk mal über die eigentlichen Beweggründe nach - dein Verhalten entspricht nicht dem Anspruch, den du schilderst. Du vermeidest es regelrecht, mit diesem Anspruch konfrontiert zu werden.

    Comran :


    Genau das ist es ja. Dadurch das ich für andere schlichtweg nicht existiere, kann ich auch nicht auffallen. Weder positiv noch negativ.

    Im meiner Komfortzone muss ich nichts erfüllen und damit geht es mir "gut".


    WENN ich raus gehe oder irgendwas mache, DANN habe ich diesen hohen Anspruch an mich. Damit ich diesen Druck aber nicht habe, flüchte ich quasi, in dem ich erst gar nichts mache wo ein Anspruch an mich entstehen könnte.

    Ich hoffe man versteht was ich ausdrücken will.


    andi :


    Ich denke, dass ich derzeit die Kraft dazu habe. Letzte Woche hatte ich einen Termin zu einem Erstgespräch in einer Klinik. Bis zur Aufnahme dauert es ca. 2-3 Monate.

    Daher habe ich am 13.05. noch einen Termin in einer anderen Klinik vereinbart (in der ich schon 2x war). Dadurch wird der ganze Aufnahmeprozess beschleunigt. Ich werde erst einmal abwarten, welche "Bedingungen" die Klinik hat und was bei dem Gespräch raus kommt.

    Eventuell meinen sie ja auch, dass sie mich nicht aufnehmen können/wollen.

    Das habe ich bei meinem letzten Aufenthalt nämlich auch mitbekommen, dass Patienten nach wenigen Tagen entlassen worden sind, weil sie "nicht krank genug waren".

    Sie hatten bzw. haben Depressionen, aber eben nicht schlimm genug, um dort behandelt zu werden.

    Daher warte ich nun erst einmal ab, was das Gespräch ergibt.

    In dem Gespräch ist es natürlich wichtig, dass Du mit offenen Karten spielst. Nur wenn sie alle wichtigen Probleme wissen, können sie Dir auch darin helfen. Ich wünsche Dir ganz viel Mut!


    Alles Gute! *:)