Verhaltensanalyse

    Eine Verhaltensanalyse schreibt man nach destruktiven Handlungen wie beispielsweise parasuizidales Verhalten (=z.B. Hochrisikoverhalten, über Strasse gehen ohne vorher zu schauen, Extremsportarten wegen dem Risiko, ...), bei Problemverhalten (Fressanfall mit anschliessender Kompensation, Selbstverletzung, Substanzmissbrauch, ...), allerdings kann man sie auch bei positivem Verhalten verwenden. :-)


    Der Nachteil ist wohl, dass eine Verhaltensanalyse - abgekürzt VA - von einigen als "Strafe" betrachtet wird. Dem ist jedoch nicht so, man sollte mit der Zeit auch selber merken, dass sie helfen kann, das eigene Handeln besser zu verstehen.


    Ich versuche die folgenden Punkten am Beispiel einer Selbstverletzung zu erklären. Natürlich ist das nur ein Beispiel. ;-)


    Nun zu den einzelnen Punkten.


    =>Zuerst beschreibt man das Verhalten und orientiert sich an folgenden Punkten:


    -1. (Beobachtbare) Handlung - hier schreibt man, was man genau getan hat - z.B. Verletzung am Arm mit dem und dem Gegenstand.


    -2. Gedanken/Gefühle: Hier wird aufgeschrieben, was man dabei gedacht/gefühlt hat - das könnte, um beim Selbstverletzungsbeispiel zu bleiben, z.B. "ich habe das verdient" oder "Erleichterung" sein.


    -3. Körperliche Wahrnehmung: Hier könnte z.B. "Schmerzen" stehen.


    =>Anfälligkeitsfaktoren: Gab es vorher schon Dinge, die einen anfällig für das Verhalten gemacht haben? Beispielsweise: Streit mit einer Freundin, Schuldgefühle deswegen => Drang, sich zu bestrafen. Oder: Träume von Selbstverletzung. Oder: Getriggert worden durch einen Film.


    =>Auslöser: Wichtig ist, Auslöser und Anfälligkeitsfaktoren nicht zu verwechseln. Der Auslöser ist nur das, was schlussendlich zu dem Verhalten geführt hat. Sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Hier gibt es wieder 3 Punkte (bei den Anfälligkeitsfaktoren gibts übrigens keine Unterteilung):


    -1. situativ: Hier z.B. das Auffinden eines Selbstverletzungswerkzeuges = letzter Trigger, der zur Tat führte.


    -2. Gedanken/Gefühle. Bsp: Ich muss mich jetzt einfach verletzen. Starker Druck.


    -3. körperliche Wahrnehmung, Bsp: Kribbeln in den Armen, Herzrasen, Beklemmungsgefühl.


    =>Selbstregulation: Was man normalerweise in solchen Situationen tut.


    -1. Dysfunktionales Verhaltens- oder Reaktionsmuster: Hier ganz klar Selbstverletzung.


    -2. Erwartungen/Annahmen/typische Gefühlsmuster: Beispielsweise "nach der Selbstverletzung geht es mir besser", "ich muss das jetzt einfach tun", "habe das verdient".


    3. Typische körperliche Reaktionsmuster: Beispielsweise "Anspannung".


    =>Konsequenzen, kurzfristig (bis ca. 30 Minuten nach der Tat) und langfristig (alles danach). Separat aufschreiben, sowohl kurzfristig als auch langfristig sind unterteilt in 3 Punkte:


    1. situativ: Kurzfristig könnte hier sein: Schn*ttw*nden. Langfristig: Narben.


    2. Gedanken/Gefühle: Kurzfristig: Erleichterung. Langfristig: Ärger darüber, rückfällig geworden zu sein.


    3. Körperliche Warnehmung: Kurzfristig: Schmerzen, Brennen. Langfristig: Keine besonderen.


    =>Lösungsanalyse: Was hätte ich tun können, um die Tat zu verhindern? Wichtig ist, dass man das nicht als Vorwurf auffasst - so nach dem Motto "hättest du mal das und das gemacht, dann..". Natürlich ist es bereits passiert und man kann es nicht mehr ändern. Trotzdem ist so eine Analyse im Nachhinein hilfreich. Hier z.B: Sport, um Anspannung zu verhindern. Igelball, um Schmerzen auszulösen, ohne sich verletzen zu müssen. Gespräch mit irgendjemandem.


    =>Präventionsstrategie: Tja. Was tut man nun, wenn in Zukunft so eine Situation kommt? Was gäbe es für Möglichkeiten? Neue Skills, die man probieren könnte? etc.


    Kleiner Nachtrag: Der Unterschied zwischen diesem Beitrag und den anderen ist ,dass ich ihn selbst geschrieben habe. Der Rest war jeweils aus nem Arbeitsbuch abgeschrieben.


    Sollte etwas unverständlich sein, bitte nachfragen, ist nicht immer einfach zu formulieren. Rechtschreibefehler bitte ignorieren. ;-)

    Achtsamkeitsübungen

    Theorie: http://www.med1.de/Forum/Psychologie/168417/1/#2070949 + folgende Beiträge.


    Paar Übungen: http://www.med1.de/Forum/Psychologie/267243/1/


    -Was soll das eigentlich? Wozu soll ich das machen?


    => Achtsamkeitsübungen dienen dazu, sich wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Häufig beschäftigt man sich gedanklich entweder mit der Vergangenheit oder mit der Zukunft und kommt kaum mehr davon los. Achtsamkeit kann, je nach Übung, auch ein guter Skill bei Anspannung sein.


    -Bei mir funktioniert das nicht. Ich kann mich nicht konzentrieren.


    => Das ist normal. ;-) Eine normale Übung dauert meist so 3-4 Minuten, wobei man das natürlich variieren kann. Es ist vollkommen verständlich, dass man nicht 4 Minuten ohne ein einziges Mal abzuschweifen bei der Übung bleiben kann. Was zur Achtsamkeit gehört: Wahrnehmen, dass man nicht bei der Übung ist (ohne zu bewerten, Gedanken wie "so ein Scheiss, wieso kann ich mich nie konzentrieren?" vermeiden), und versuchen, zurückzukehren. An einem Tag klappt es mit der Konzentration vielleicht ganz toll, am nächsten wieder nicht. Das passiert selbst Leuten, die seit 10 Jahren Achtsamkeitsübungen machen, immer noch.


    -Ich habe gehört, man soll sich auf ne bestimmte Art hinsetzen?


    => Das stimmt. Am besten auf eine stabile Sitzfläche, beide Füsse am Boden, Hände auf den Knien/Oberschenkeln, wobei die Handflächen sowohl nach oben als auch nach unten gerichtet sein können. Rücken möglichst gerade, aber so, dass es noch bequem ist. Kopf aufgerichtet, Blick ist entweder auf den Horizont gerichtet oder die Augen sind geschlossen (das klappt meist besser, weil nichts ablenkt).


    -Ich kann nicht 4 Minuten gerade sitzen!


    => Übungssache, das war bei mir zu Beginn auch so. Nach 30 Sekunden habe ich gezittert. Man kann mehrfach täglich probieren, sich einfach mal für 30 Sekunden gerade hinzusetzen, dann wird es schnell besser.


    -Was heisst innere oder äussere Achtsamkeit?


    => Innere Achtsamkeit konzentriert sich auf den Körper und die Gedanken selber, äussere Achtsamkeit richtet sich nach aussen, man arbeitet mit den Sinnen.


    -Woher weiss ich, was besser für mich ist?


    => Ausprobieren! Generell lässt sich aber sagen, dass innere Achtsamkeit bei hoher Anspannung meist nicht wirklich produktiv ist. Ausnahmen bestätigen die Regel. Äussere Achtsamkeit lässt sich gut als Ablenkung nutzen. Von vielen wird äussere Achtsamkeit als einfacher empfunden.


    -Kannst du einzelne Beispiele nennen?


    => Klar. ;-) Innere Achtsamkeit: -Mit der Aufmerksamkeit durch jedes einzelne Körperteil wandern. oder: -Versuchen, seine Gedanken von aussen zu beobachten, ohne sie zu bewerten.


    Äussere Achtsamkeit: -Auf sämtliche Geräusche in der Umgebung achten. Oder: -Eine Blüte mit geschlossenen Augen erfühlen, an ihr riechen, sie beschreiben. Oder: -Einen Raum achtsam anschauen und für sich selber beschreiben.


    -Wieso wertungsfrei?


    => Weil in unserem Alltag Bewertungen sowieso überall integriert sind. Schnell denkt man sich "das ist hässlich", "ich bin doof", "das mag ich nicht". Bei der Achtsamkeit geht es darum, das mal wegzulassen und einfach nur wahrzunehmen. Ist nicht ganz einfach, aber Übungssache! Bewertungsbeispiele: "Das gefällt mir nicht", "das finde ich blöd", "das Geräusch nervt".


    Mehr Fragen fallen mir auf Anhieb nicht ein, wenn ihr welche habt, stellt sie. ;-)

    Craving

    Craving - was ist das?


    Craving ist der englische Begriff für heftiges Verlangen. Diese Skills sollen helfen, ein dysfunktionales Verhalten zu lassen, obwohl ein starker Drang danach zu spüren ist.


    =>Nehmen Sie das "craving" als eine Welle wahr:


    -die kommt und wieder geht


    -die langsam grösser wird, bis sie sich irgendwann bricht und allmählich ausläuft


    =>Sprechen Sie über das (akute) "craving" mit anderen!


    =>Machen Sie sich eine Liste aller (potentiell denkbaren) Auslöser!


    =>Alle (entfernbaren/vermeidbaren/vernichtbaren) Auslöser weg!


    =>Akzeptieren Sie das craving:


    1. Wo genau (im Körper) nehmen Sie es wahr?


    2. Fokussieren Sie Ihre Wahrnehmung auf einen Bereich Ihres Körpers, in dem soe es spüren!


    3. Nehmen Sie das craving an und gehen Sie mit ihm mit; erleben Sie dabei, dass Sie Kontrolle über es haben.


    =>Erstellen Sie einen craving-Plan:


    1. Wann, wo, wie genau geht es regelmässig los?


    2. Welche Strategien gibt es jeweils dagegen?


    =>Führen Sie ein craving-diary. (Tag/Uhrzeit, Situation, Art des Cravings, hilfreiche Skills)


    Das war jetzt abgeschrieben. ;-) ich werde nachher versuchen, ein paar Arbeitsblätter online zu stellen.


    Kleine Info: Es soll ein vollkommen überarbeitetes DBT-Arbeitsbuch geben, es ist wohl auch eine PC-Version geplant. Das nur so zur Info.

    Imaginationsübungen

    lateinisch "imago" = Bild.


    Zitat aus Wikipedia: "Im engeren, psychotherapeutischen Sinne ist Imagination das Vermögen, bei wachem Bewusstsein mit (zumeist) geschlossenen Augen innere bzw. mentale Bilder wahrzunehmen. Die inneren Bilder ähneln Traumbildern, ihr Entstehen kann jedoch willentlich gefördert und modifiziert werden. Imagination wird oft mit Entspannungsmethoden kombiniert."


    Imaginationsübungen sind teilweise nicht ganz einfach.


    Es gibt z.B. die Übung des "inneren, sicheren Ortes". Man begibt sich gedanklich an einen sicheren Ort (das kann alles mögliche sein, einfach ein Ort, an dem man sich wohl fühlt), hört die Geräusche, riecht die Gerüche, etc. An diesem Ort soll man sich zurückziehen können, wenn es einem nicht gut geht, oder auch einfach zur Erholung. Ist unter Umständen auch ein guter Skill.


    Natürlich gibt es noch weitere Übungen. So gibt es die Möglichkeit, sich mit anderen zu verbinden, indem man sich vorstellt, dass aus den eigenen Füssen Wurzeln wachsen, die zu den anderen Personen wachsen.


    Oder man stellt sich vor, dass man von einem hellen Licht erfüllt wird, versucht, die Wärme zu spüren, stellt sich vor, wie einen das Licht ausfüllt.


    Auch eine gute Übung bei Schmerzen o.ä. irgendwo im Körper: Man konzentriert sich auf die schmerzende Stelle und atmet dann tief ein und aus, stellt sich dabei vor, wie beim Ausatmen ein Teil des Schmerzes ausgeatmet wird. Man versucht, in diese Stelle hineinzuatmen.


    Der Phantasie ist hier keine Grenzen gesetzt, wichtig ist einfach, dass Imagination niemals runterziehen sollte. Wenn es zu intensiv wird, lieber aufhören!

    Rund um Skills

    Häufiges Problem bei der Skillsanwendung ist, dass man denkt, dass ein Skill niemals die Selbstverletzung ersetzen kann. Das stimmt wohl tatsächlich. Aber schliesslich ist es ja Ziel, dass man mit der Selbstverletzung aufhören kann und alternative Möglichkeiten findet. Wenn man gar nicht mit der Selbstverletzung aufhören will, werden Skills wohl auch weniger bis gar nicht helfen.


    Für Selbstverletzung gibt's ja diverse Auslöser. Um nur einige zu nennen:


    -Man spürt seinen Körper nicht/ist dabei, abzudriften: Hier helfen wohl vor allem starke Reize, das heisst z.B. eine kalte Dusche, eine Dusche mit Klamotten, Ingwerbonbons, Chili auf die Zunge, Tierbalsam, Eiswürfel, Ammoniak...


    -Man hat eine hohe innere Anspannung: Hier muss man für sich selber Skills finden, die einen runterbringen, z.B. Sport, ein Bilderbuch, Sanduhr (man schaut achtsam einer 1-Minuten-Mini-Sanduhr zu), Skillskette ist hier hilfreich!


    -Wut auf sich selber oder auf andere: Die Wut am besten irgendwo deponieren. Aufschreiben, mit jemandem darüber reden, rausschreien - körperlich: Auspowern, Sport, irgendsowas in die Richtung.


    -Selbstbestrafung: Hier könnte man z.B. entgegengesetzt handeln. Das heisst, man bestraft sich nicht, sondern tut sich bewusst etwas Gutes. Ein Bad nehmen, eine Dusche mit Haarkur, etc.


    Was ist eine Skillskette?


    Eine Skillskette wird angewandt, wenn die Spannung schon über 70 ist, das heisst, die Kontrolle über die Handlungen droht verloren zu gehen. Wichtig dabei ist:


    -Es sollten nur drei bis vier Skills hintereinander sein


    -Sie sollten eine klar festgelegte Reihenfolge haben


    -Die KEtte muss automatisiert ablaufen


    -Das letzte Kettenglied sollte möglichst unter eine Spannung von 70 führen.


    Natürlich ist das auch wieder eine Übungssache, bis man herausfindet, welche 4 Skills in welcher Reihenfolge für einen selber am besten geeignet sind.

    Einem Gefühl entgegengesetzt handeln

    Kleines Beispiel zur Problematik von Vermeidungsverhalten. Nehmen wir an, jemand soll eine Aufgabe lösen und denkt sich "Das schaffe ich sowieso nicht". Er vermeidet die Aufgabe. Das hat den positiven Effekt, dass er nicht scheitert, was das Vermeidungsverhalten verstärkt, und den negativen Effekt, dass er sich als Versager fühlt, was das "das schaffe ich sowieso nicht"-Gefühl verstärkt. Also ein Teufelskreis.


    (ich hoffe, das war verständlich erklärt)


    Dazu gibt es ein Arbeitsblatt. Ich schreibe mal meine Situation damals auf, so zum Verständnis. Das Thema ist Übelkeit auf der Zugfahrt zurück in die Klinik, die Angst davor, sich im Zug übergeben zu müssen, und die Frage "aussteigen oder weiterfahren?".


    "Ich habe ein Gefühl - was kann ich tun?"


    => Sie befinden sich in einer Situation, in der Sie nicht genau wissen, ob Sie Ihrem Gefühl nachgeben sollen oder nicht.


    1) Welches Gefühl habe ich gerade?


    -Angst.


    2) Was ist mein Handlungsimpuls?


    -Flucht, also aus dem Zug aussteigen und mich irgendwo verkriechen wo mich niemand sieht, bis es mir besser geht.


    3) Realitätsüberprüfung: Wie schätze ich die Situation ein?


    -Naja, es ist wohl ziemlich unrealistisch, dass ich mich ausgerechnet jetzt übergeben muss, schliesslich war mir schon so oft schlecht und nie ist was passiert...


    4) Pro und Contra:


    -Dem Gefühl nachgeben: Pro: Sicherheit (ich wäre alleine). Contra: Ich komme zu spät in die Klinik, ich hätte wieder vermieden.


    -Dem Gefühl entgegengesetzt handeln: Pro: Ich kann nachher stolz auf mich sein, und ich bin pünktlich zurück in der Klinik.


    Contra: Vielleicht muss ich mich ja tatsächlich übergeben...


    5) Entscheidung:


    -Will ich dem Gefühl entgegengesetzt handeln, ja oder nein?


    Ja


    -Welche Skills brauche ich jetzt zusätzlich?


    Ablenkung!

    Grundannahmen

    So, mal sehen, was ich dazu noch zusammenkriege..habe dazu gar kein Informationsblatt. :-| ich glaube auch nicht, dass ich es hinkriege, das wertungsfrei aufzuschreiben..


    (Fast?) Jeder Mensch hat Grundannahmen. Grundannahmen können einen sehr beeinflussen und einschränken. Häufig stammen die Grundannahmen aus der Kindheit, aus der Erziehung und aus persönlichen Erfahrungen.


    Ein Beispiel für eine Grundannahme wäre: "Wenn ich in der Öffentlichkeit weine, hält mich jeder für schwach." Das ist - objektiv betrachtet - nicht korrekt. Vielleicht gibt es Menschen, die einen dann für schwach halten, aber es gibt auch solche, die vielleicht höchstens Mitgefühl empfinden - oder aber das einfach ignorieren. Ein Gegenargument wäre also: "Wenn ich in der Öffentlichkeit weine, so hat das nichts mit Schwäche zu tun."


    Weiteres Beispiel: Es geht darum, dass die Familie etwas unternehmen möchte, man selber aber gar nicht will. Man möchte aber nicht einfach absagen. Grundannahme? "Die Familie hat besondere Rechte." Gegenargument: "Ich selber habe nicht weniger Rechte als meine Familie!"


    Schwierig zu erklären. Hilfreich kann es sein, wenn man sich vorstellt, dass die Grundannahme von jemand anderem stammt. Da findet man meist die besseren Gegenargumente, als wenn man es selber ist. Natürlich braucht sowas auch Übung, und es kann auch sein, dass sich das Gegenargument erstmal "falsch" oder ungenügend anfühlt.

    Realitätsüberprüfung

    Die kann ganz praktisch sein...


    Ich bringe gerade mal ein Beispiel:


    Ein paar Leute treffen sich regelmässig zu einer Gesprächsgruppe. Sie kennen einander recht gut. Die eine Person (A), recht unsicher, sagt irgendwas, was sie eigentlich nicht besonders lustig findet, sondern ganz normal. Zwei andere aus der Gruppe (B und C) lachen los und kriegen sie fast nicht mehr ein. A ist verwirrt und fragt sich, was sie falsch gemacht hat. Sie denkt sich, dass die anderen über sie lachen, weil sie so hässlich ist. Oder vielleicht ist sie rot geworden? Oder hat besonders seltsam geredet? Auf jeden Fall hat man sie ausgelacht. A ist ziemlich traurig und wütend auf sie selbst.


    Nach der Gruppe geht A auf B und C zu und fragt nach, wieso vorhin gelacht wurde. Da stellt sich heraus: Es hatte nichts mit A selber zu tun, sondern mit einem Gespräch, das, unabhängig von der Gruppe, zuvor zwischen B und C stattgefunden hatte. A kriegt sogar eine positive Rückmeldung in Bezug auf die heutige Gruppe.


    Fazit: A hat sich unnötig Gedanken und Sorgen gemacht und ist froh, es angesprochen zu haben, da sie sonst vor und in der nächsten Gruppe sicher sehr unsicher gewesen wäre. Die Rückmeldung von B und C verstärken A zudem positiv.


    Eine Realitätsüberprüfung kann auch in anderen Fällen sinnvoll sein. Wenn man nicht die Möglichkeit hat, jemand anderen zu fragen, versucht man, eine möglichst neutrale Überprüfung zu machen.


    Beispiel: A hat sich selbstverletzt und muss dies ihrer Therapeutin sagen. Sie hat jedoch Angst davor, da sie überzeugt ist, dass die Therapeutin sicher wütend und enttäuscht ist, weil A ja versagt hat (das ist A's Sicht der Dinge!). A malt sich sogar aus, dass die Therapeutin sie aus der Therapie wirft wegen dem Rückfall.


    Was A nun tun kann: Sie kann versuchen, sich vorzustellen, dass jemand anders vor diesem Problem steht und nicht sie selber. Wie würde A die Sache da beurteilen? Sie würde vermutlich fragen, wieso die Therapeutin das denn tun sollte, schliesslich gehören Rückfälle auch dazu, das war ja kein böser Wille. Eine gute Therapeutin sollte Verständnis haben und versuchen, mit dem Patienten gemeinsam zu überlegen, was man in Zukunft tun könnte, damit es nicht wieder zur Selbstverletzung kommt.


    Nun muss A nur noch versuchen, das auf sich selber zu beziehen bzw. für sich selber anzuwenden.


    Ich hoffe, das wird jetzt einigermassen klar..:-

    Anti-Dissoziations-Skills

    Besonders bei körperliche Empfindungsstörungen geeignet:


    =>Zehenstand: Immer wieder kurz auf die Zehen stehen, wieder runter (aber die Füsse nicht ganz abstellen), wieder rauf, runter, etc. Ganz schön anstrengend, soll einen aber gut zurückholen.


    =>Stresshocke: Eine Wand suchen und sich "in die Luft" setzen, mit dem Rücken zur Wand, möglichst tief, damits auch richtig anstrengend ist.


    =>Massage, z.B. mit Igelball


    =>Sich abklopfen, um die eigenen Körpergrenzen wieder zu spüren


    =>Wechseldusche


    Geeignet, wenn man aussteigt oder einfach alles unreal erscheint:


    =>Mit den Kleidern duschen - soll ein derart komisches Gefühl sein, dass es einen zurückholt.


    =>Sich auf den Raum konzentrieren, in dem man gerade ist. Wie sieht die Wand aus, welche Farbe hat sie? Sind Bilder an der Wand? Wie könnte man sie beschreiben? Etc.


    =>Evtl. auch mit den Sinnen arbeiten, z.B. die Wand ertasten - ist sie eher rauh oder ganz glatt? Kühl oder von der Sonne gewärmt?


    =>Eiswürfel, Chilipulver, Ammoniak, Tigerbalsam...


    =>Sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren, versuchen, den Boden unter den Füssen zu spüren. Welcher Tag ist heute, welches Datum? Wieviel Uhr ist es?


    Für Aussenstehende:


    =>Unbedingt mit der Person selber absprechen, ob man helfen kann und wie! Bei einigen hilft es ganz gut, wenn man sie anspricht (nicht anschreien!), explizit mit Namen, andere kommen zurück, wenn man links und rechts von ihnen mit den Fingern schnippst. Nicht berühren, ausser die Person wünscht ausdrücklich, dass man das in so einem Fall macht!


    Ein Knackfrosch (http://de.wikipedia.org/wiki/Knackfrosch) kann auch hilfreich sein.


    Wenn man die Person anspricht und sie bereits wieder etwas da ist, kann man ihr auch konkrete Fragen stellen, à la "mit wem bist du hier?" oder "welche Farbe hat der Boden hier?" etc. - irgendwas, das die Person quasi "zwingt", sich auf ihre Umgebung zu konzentrieren.


    Was man der betroffenen Person auch vorschlagen kann: Dass sie immer etwas dabei hat, was sie zurückholen kann, was man dann als Aussenstehender anwenden kann.


    War halt das, was mir so einfällt, da ich selber nicht betroffen bin, kann ich auch nicht mehr dazu sagen.

    Das leichte Lächeln

    Ich habe dazu auf Seite 2 (http://www.med1.de/Forum/Psychologie/168417/2/#2090788) ja die Theorie abgeschrieben. Stationär haben wir das leichte Lächeln tatsächlich mal ausprobiert. Ich hatte da ein paar Vorurteile (Das ist albern, was bringt mir das? etc.), aber wieso nicht mal ausprobieren?


    Man kann dieses Lächeln eigentlich überall anwenden, da es von aussen nicht sichtbar sein muss. Es kann sein, dass sich die Mundwinkel leicht nach oben ziehen, aber das ist nicht zwingend.


    Wie man es schlussendlich für sich umsetzt, muss man ein bisschen ausprobieren. Ich habe beim leichten Lächeln z.B. sowas vor Augen: http://www.macarthurchristian.com/images/smilie.jpg


    Oder ich versuche gedanklich, mir vorzustellen, wie sich meine Mundwinkel nach oben ziehen, wie ich innerlich lächle und zufrieden bin.


    Ich muss gestehen, dass ich das erst einmal gemacht habe und das an meiner Grundstimmung damals nicht wirklich was geändert hat. Jedoch ging es einigen Mitpatientinnen anders, sie bemerkten bei sich eine Veränderung. Ich fand die Erfahrung einfach interessant. :-)


    Ich glaube, es ist ein Stück weit normal, dass man bei einigen DBT-Übungen zuerst mal Vorurteile hat...aber ich kann nur empfehlen: Ausprobieren! Mochte ich z.B. zu Beginn die Achtsamkeitsübungen gar nicht, so fand ich sie später sehr entspannend. :-)

    Phasen der Traumabehandlung

    Hat nicht mehr viel mit DBT zu tun, denke aber, dass es trotzdem interessant ist. Zu sagen ist, dass es verschiedene Konzepte der Traumabehandlung gibt - das ist eines davon.




    Ein Trauma ist eine Erfahrung, die ein Mensch nicht verarbeiten kann. Wenn man etwas erlebt, wird es als integrierte Erinnerung im Gedächtnis gespeichert; man kann sich dann gut an bestimmte Einzelheiten erinnern. Bei Traumata wird diese Erinnerung zersplittert und ist nicht mehr als bewusste Erinnerung zugänglich.


    Folgendes beschreibt die Traumatherapie in 4 Phasen.


    Phase I:


    -Anamnese, das heisst, die Vorgeschichte wird aufgenommen.


    -Diagnostik, auch Feststellung, um was für eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS bzw. englisch PTSD) es sich handelt - es gibt wohl die Unterscheidung zwischen PTBS nach einem einzelnen Trauma, chronifizierte PTBS nach mehreren Traumata der selben Art (z.B. körperliche Gewalt), und komplexe PTBS nach mehreren Traumata auf verschiedenen Ebenen (z.B. körperlicher, sexueller und psychischer Missbrauch).


    -Unterscheidung zwischen Mono-Trauma (einzelnes Trauma) und Poly-Trauma (mehrere Traumata).


    -Aufklärung - wie läuft die Therapie ab, was möchte man erreichen?


    -Trauma-Landkarte - das heisst, eine ungefähre Wann geschah was -Aufstellung.


    Phase II:


    -Stabilisierung


    -Anti-Dissoziations-Skills


    -Selbstbesänftigung


    -Skills allgemein


    -Imaginationsübungen, z.B. innerer, sicherer Ort


    -Fertigstellung der Trauma-Landkarte (siehe Phase I)


    Diese Phase dauert so lange, bis der Patient die Skills absolut beherrscht und stabil ist!


    Phase III:


    -Trauma-Exposition: Mit bestimmten Distanzierungstechniken traumatische Erlebnisse mit allen Gefühlen, Gedanken und Sinneseindrücken berichten. Dies wird wiederholt durchgeführt. Wichtig: Bei einer richtigen Therapie wird man nicht einfach aufgefordert, gleich nochmal das ganze Trauma zu durchleben und sich voll reinzuversetzen!


    Phase IV:


    -Trauer


    -Neuorientierung - wie geht es jetzt weiter?


    -Abschied (vom Therapeuten)