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    Dein Freund hat dir mehr oder weniger mitgeteilt, dass er Eure Beziehung (im Moment?) nicht mehr will

    nö, hat er eben nicht...er hat gesagt, dass er nicht KANN...wollen würde er wohl schon...und nein, das rede ich mir nicht schön, das hat ER so gesagt...

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    und hat sogar den Kontakt zu dir aus ein Minimum reduziert

    den Kontakt haben wir beide auf ein Minimum reduziert momentan...


    und ich hab einfach keine Lust mehr, mich ständig vor irgendwem rechtfertigen zu müssen, dass ich meine Beziehung und damit einen nicht unwesentlichen Teil meines Lebens nicht einfach kampflos aufgeben kann und will...

    Wie stehst du zum Konzept "Kampf", "kämpfen" in einer Beziehung, was verstehst du darunter? Denkst du, man kann Gefühle "erkämpfen"? Es gibt ja durchaus verschiedene Meinungen hierzu...


    Ich persönlich assoziiere damit auch Zwang, Gewalt, Bevormundung, und deswegen erscheint es mir eher negativ.

    kämpfen ist für mich in dem Zusammenhang nur das Gegenteil von resignieren...von einfach aufgeben...mit einer kriegerischen Auseinandersetzung hat es nichts zu tun...nur mit aktivem Bemühen...natürlich kann man Gefühle nicht erkämpfen...aber vielleicht eine Chance...

    Ah gut, ich verstehe was du meinst und kann es jetzt auch besser einordnen! Also "kämpfen" sozusagen als innere Grundhaltung, jeder positiven Veränderung offen gegenüberzustehen. Ich halte das für eine gute Strategie, vor allem nachdem die Ereignisse ja noch so frisch sind (nach längerer Zeit kann es auch lähmen).


    Ich denke, eines der Grundprobleme ist in solchen Fällen, diese Haltung glaubwürdig deinem Freund gegenüber zu kommunizieren, ohne entweder aufdringlich oder distanziert zu wirken... auch weiterhin. Deswegen sollte die Kommunikation nicht ganz zum stocken kommen. Wie war sein Nähe-Distanz-Bedürfnis eigentlich vor den Vorfällen?

    Denkst du jetzt im Nachhinein, dass sein regelmäßige Melden und so weiter ihn "gestresst" hat, also dass er das sozusagen "auf sich genommen" hat und es als Belastung empfand, oder dass er einen Zustand erreicht hatte, in dem er diese Verlässlichkeit auch als positiv und angenehm für sich empfand?

    Ich glaub das würd ich ihn, wenn mal wieder ein richtiges Gespräch möglich ist, mal fragen. Vielleicht wünscht(e) er sich, dass du weißt dass er dich liebt und du ihm viel bedeutest, ohne diese "Bringschuld", die manche als Stressfaktor empfinden können.

    Das wundert mich so!


    Ich versuche mich immer, in andere Menschen hineinzuversetzen, aber bei deinem Freund gelingt es mir nicht. Wenn mich eine Beziehung (oder ein anderer Lebensbereich) nicht stört, nicht belastet, wenn ich froh damit bin und gut damit klar komme – WARUM sollte ich es verändern oder gar gefährden wollen? Das fällt mir so schwer nachzuvollziehen... kann es irgendjemand hier?


    Gerade wenn er selbst und der Arzt nun glauben, es liegt keine Krankheit vor: dann muss dem Ganzen ja ein bewusster Gedankengang vorhergegangen sein, eine "gesunde" Entscheidung... das verstehe ich nicht.


    Selbst wenn die Gefühle in einer Beziehung sich verändern, kann man mit ein wenig Selbstanalyse ja meist Gründe festmachen ("er hat sich verändert", "sie hat sich gehen lassen", "er ist eifersüchtig", "ihr geschmack hat sich geändert"... u.ä.). Doch bei ihm scheint das ja nicht so zu sein...


    Ich laufe da beim Versuch zu verstehen wirklich "gegen Wände", und deswegen finde ich euere Geschichte auch so interessant.

    Mir geht gerade auch durch den Kopf, ob und gegebenenfalls welche Erwartungen er bei seinem Schritt bzw im Augenblick an dich und dein Verhalten hegt.


    Hat er sich "getraut", so radikal zu handeln, weil er sich deiner Liebe, Treue, Loyalität so sicher ist, dass er davon ausgeht, du wirst die Situation durchstehen und er wieder die Beziehung leben wollen, wieder sofort an seiner Seite sein?


    Hat er gedacht, seine depressive Verstimmung und die Veränderungen in seinem Leben könnte dich so belasten, dass er mit dem Rückzug sozusagen prophylaktisch und zu deinem Schutz gehandelt haben könnte?


    Schützt er "Gefühlsverlust" vor, weil er in Wahrheit Angst vor seinen "zu starken" Gefühlen hat? Spielen da Verlustangst oder Angst vor Verantwortung mit rein?


    Es ist sooo schwer nachzuvollziehen... ???

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    Es ist sooo schwer nachzuvollziehen...

    wem sagst du das...

    Zitat

    Hat er sich "getraut", so radikal zu handeln, weil er sich deiner Liebe, Treue, Loyalität so sicher ist, dass er davon ausgeht, du wirst die Situation durchstehen und er wieder die Beziehung leben wollen, wieder sofort an seiner Seite sein?

    ich weiß nicht, ob du es so gemeint hast, aber für mich schwingt da sowas Berechnendes mit...und so ist er nicht...ich glaube, er hätte nicht so gehandelt, wenn er eine andere Wahl gehabt hätte...

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    Hat er gedacht, seine depressive Verstimmung und die Veränderungen in seinem Leben könnte dich so belasten, dass er mit dem Rückzug sozusagen prophylaktisch und zu deinem Schutz gehandelt haben könnte?

    vielleicht...es ist eine Möglichkeit...die ihm aber, wenn sie zutreffen sollte, wahrscheinlich nicht bewusst ist...

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    Schützt er "Gefühlsverlust" vor, weil er in Wahrheit Angst vor seinen "zu starken" Gefühlen hat? Spielen da Verlustangst oder Angst vor Verantwortung mit rein?

    zumindest nach Angst vor Verantwortung klang es anfangs durchaus...Verlustangst weiß ich nicht...

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    Gerade wenn er selbst und der Arzt nun glauben, es liegt keine Krankheit vor: dann muss dem Ganzen ja ein bewusster Gedankengang vorhergegangen sein, eine "gesunde" Entscheidung... das verstehe ich nicht.

    Diese Formulierung ist nicht schlüssig; sie "paßt" nur, wenn man "glauben" und "wissen" gleichsetzt. Wenn sich aber beide irren, ergibt sich eine ganz andere Folgerung: Es hat keinen Sinn, die Situation mit einem gesunden Hirn analysieren zu wollen. Wer schon unter mittelschweren bis schweren Depressionen gelitten hat, wird sich über das geschilderte Verhalten nicht wundern - es ist für depressive Menschen eher "normal".


    Ob sich diese zwei Menschen irren können? Dass man als Betroffener seine eigene erste Depression nicht erkennt, ist für mich das Normalste der Welt. Dass ein Hausarzt mit der Aufgabe überfordert sein könnte, halte ich für sehr gut möglich. Nach einer alten Volksweisheit geht man nicht zum Schmiedchen, sondern besser gleich zum Schmied. Es kann doch wohl nicht an 10 EUR Praxisgebühr liegen.


    Und dann gab es da ja noch die Schilddrüse.

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    Wer schon unter mittelschweren bis schweren Depressionen gelitten hat, wird sich über das geschilderte Verhalten nicht wundern – es ist für depressive Menschen eher "normal".

    naja, ohne Fachmann zu sein, würde ich behaupten, dass er unter schweren Depressionen auf keinen Fall leidet...dazu lebt er m.E. viel zu normal weiter...aber ja, es gibt ja natürlich auch noch zig andere Formen/Schweregrade...kann schon sein, dass irgendwas zutrifft...aber was soll ich machen? Ich kann ihm ja schlecht einreden, dass er ganz bestimmt eine Depression hat...

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    Es kann doch wohl nicht an 10 EUR Praxisgebühr liegen.

    wohl kaum...wohl eher an der Tatsache, dass man nicht einfach mal so zum Psychologen/Psychiater/whatever hinmarschiert und da gleich einen Termin bekommt und das, obwohl man selbst eigentlich gar nicht mehr glaubt, dass man wirklich krank ist...