Der Mythos "Die Mutter als Löwin"

    Aufgrund eines anderen Fadens und der Gegenwehr meiner Argumente. Wer sieht es ähnlich?


    Die Mutter als existentielle Ernährungsquelle, nicht nur für das Bedürfnis Hunger nach Essen. Nein, auch Hunger nach Geborgenheit, Liebe, Zärtlichkeit, ein sich völliges fallen lassen in vertraute Arme.


    Passiert dem eigenen Kindes etwas böses, dann wird die Mutter zur Löwin, verteidigt, beschützt und kämpft für das Kind. So sollte es sein. So sagt es die Logik oder unser Menschverständnis, unsere Erwartungshaltung. Wer? Wer, wenn nicht die Mutter, hilft in allen Lebenslagen?


    Aber was ist, wenn die Mutter sich durch das "Ich stelle mich vor mein Kind" gegen die Familie stellen muss? Gegen ihre eigene Wahrheit, gegen das Gefühl der Liebe zum Partner? Was, wenn der Partner zum Monster mutiert. Zum Monster mutiert durch die Anschuldigung des Kindes? Kann ich ein Monster lieben? Im eigenen Selbstvertrauen zutiefst erschüttert, das Urvertrauen in sich selbst, siew Lüge strafen könnte! Der Zweifel sich in ihr Gewissen bohrt? Liebe ich ein Monster? Nein, niemals.


    Und doch, in meinen schlimmsten Alpträumen, denke ich bei mir: "Alles ist gut, wenn du aufwachst läufst du zur Mami." Und ich erwache und merke, nein, diese Mutter gibt es nicht.


    Ist das so unvorstellbar? Kann sich keiner vorstellen, dass die Mutter nicht immer der gute Verbündete ist. Einfach aus ihrerer eigenen Unzulänglichkeit der Wahrheit ins Gesicht zu blicken?


    Nicht immer singt die Mutter:"Heile, heile Gänschen, ist bald wieder gut."

  • 41 Antworten
    Zitat

    Kann sich keiner vorstellen, dass die Mutter nicht immer der gute Verbündete ist.

    Doch, absolut. Ein Teil der Mutterliebe ist Instinkt, der Rest ist Prägung.


    Sowohl Instinkt wie Prägung können fehlen oder nur teilweise funktionieren. Dann benötigt die Mutter Hilfe um eine konstante und positive Bindung zum Kind herzustellen.


    Nitzsche, der Philosoph, hat Mutterliebe übrigens als eine "niedere" Liebe bezeichnet...

    Zitat

    Ein Teil der Mutterliebe ist Instinkt, der Rest ist Prägung.

    Das wäre zumindest eine Erklärung für den Umkehrschluss der bedingslosen Liebe des Kindes zur Mutter, trotz der verstandesmässig erfassten Erfahrung, dass die Mutter keine Löwin war.

    Zitat

    bedingslosen Liebe des Kindes zur Mutter

    Die Liebe des Kindes zur Mutter (bzw. zur primären Bezugsperson) ist schlicht vom Ueberlebenswille geprägt. Menschenkinder kommen stark unterentwickelt zur Welt und sind für viele Jahre auf Schutz und Zuwendung angewiesen.


    In Kulturen, wo Kinder in Sippen aufwachsen, ist die Bindung zur leiblichen Mutter oft sehr viel weniger ein Thema, weil die Kinder von der Sippe gemeinsam aufgezogen werden. Und sich die Kinder folglich auch der ganzen Sippe zugehörig fühlen.

    Zitat

    Kann es nicht auch der Instinkt sein, der sie veranlasst die Familie mit Gewalt zu halten?

    Ich denke, die meisten Frauen und Männer gehen das Projekt "Familie" sehr idealistisch an. Man hat seine Vorstellungen und Träume. Wenn man in der Realität diese Träume nicht erreichen kann oder an auftretenden Problemen scheitert, so führt dies zu Versagensgefühlen. Und zugeben, dass man versagt hat, fällt vielen Menschen sehr schwer. Das kann dazu führen, dass man lieber an einer ganz persönlichen Realität (wir/ich haben kein Problem/ich bin im Recht) festhält, als sich zu öffnen und etwas aktiv zu ändern.


    Vielleicht ist es aber die Angst, dass die Familie auseinanderbrechen könnte und man am Ende alleine dasteht. Oder das familieninterne Geschichten an die Oeffentlichkeit gelangen und man sich vor allen schämen muss. Und so wird die ganze Energie darauf verwendet, dass System (so schlecht wie es ist) zu erhalten, Veränderungen zu vermeiden und vor allem zu Schweigen.


    Ich denke aber, dass es hier nicht mehr um ein instinktmässiges Verhalten geht. Es sind eher unbewusste oder verdrängte Aengste, die am Wirken sind.

    Ein Zitat aus "Die Wolfsfrau", welches mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist:


    "Die Frau, die ich als Mutter gebraucht hätte, wurde bereits lange vor meiner Geburt zum Schweigen gebracht."


    Ich bin auch Tocher so einer "Mutter".

    Zitat

    Einfach aus ihrerer eigenen Unzulänglichkeit der Wahrheit ins Gesicht zu blicken?

    Ich denke, das triffts am ehesten. Wobei ich immer noch nicht sicher bin, ob Feigheit und Schwäche maßgeblich sind, oder ob einfach die Schutzfunktion der Psyche zu stark ist.


    Außerdem gibt es viele Mütter, die selbst äußerst bedürftig sind und garnicht innerlich in der Lage sind, "die Große" zu sein, sondern ihre eigenen ungestillten Kindheitsbedürfnisse von ihren Kindern befriedigen lassen. Dann drehts die Rollen vollends um.

    Zitat

    Außerdem gibt es viele Mütter, die selbst äußerst bedürftig sind und garnicht innerlich in der Lage sind, "die Große" zu sein, sondern ihre eigenen ungestillten Kindheitsbedürfnisse von ihren Kindern befriedigen lassen. Dann drehts die Rollen vollends um.

    Eigentlich sollte der Vater stark sein ... ich halte das nicht für die Aufgabe der Mutter.

    Zitat

    Mutterliebe kann schrecklich erdrückend und unendlich egoistisch sein.

    Klar diese Seite gibt es auch. Mir geht es aber eher um die Frage: Warum denken/hoffen oder scheinen so viele zu glauben, die Mutter stützt das Kind in jeder Lebenslage?


    Was tut ein Kind, wenn es fällt, sich das Knie aufschlägt. Die Logik sagt mir, es läuft zur Mutter und holt sich Trost.

    Zitat
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    Außerdem gibt es viele Mütter, die selbst äußerst bedürftig sind und garnicht innerlich in der Lage sind, "die Große" zu sein, sondern ihre eigenen ungestillten Kindheitsbedürfnisse von ihren Kindern befriedigen lassen. Dann drehts die Rollen vollends um.

    Eigentlich sollte der Vater stark sein ... ich halte das nicht für die Aufgabe der Mutter.

    ":/

    Zitat

    Was tut ein Kind, wenn es fällt, sich das Knie aufschlägt. Die Logik sagt mir, es läuft zur Mutter und holt sich Trost.

    Es läuft zu seiner Bezugsperson. Das muss nicht zwingend die Mutter sein.


    Man muss ausserdem die kulturellen Einflüsse berücksichtigen. Bei Südländern z.B. kümmern sich oft sowohl Männer wie Frauen um kleine, weinende Kinder. Bei uns wird Trösten und Versorgen meistens als rein weibliche Aufgabe angeschaut.


    Achtet Euch doch mal bei Familienfesten darauf. Wenn jemand eine Kopfweh-Tablette oder ein Pflaster braucht, dann rennt meist eine Frau. Wenn sich jemand Sauce übers Hemd geschüttet hat- rennt eine Frau. Wenn bei einem Kindervelo die Kette rausgefallen ist, kümmert sich ein Mann darum. Wenn der Ball auf dem Dach gelandet ist, klettert ein Mann hoch, usw.usf.

    Zitat

    Eigentlich sollte der Vater stark sein ... ich halte das nicht für die Aufgabe der Mutter.

    Meinst Du? Ich denke, dass sowohl Frauen wie Männer ihre spezifischen Stärken haben.


    Das sieht man auch gut bei Tieren, die in sozialen Verbänden leben. Sowohl das männliche wie das weibliche Leittier ist das "Stärkste" seines Geschlechts. Stärke beinhaltet immer auch Erfahrung, Wissen, Können, Autorität, Fairness, etc.

    Zitat

    Es läuft zu seiner Bezugsperson. Das muss nicht zwingend die Mutter sein.

    So habe ich das noch garnicht betrachtet. Ich denke, da ist etwas dran.


    Vielleicht ist es auch die eigene Erfahrung die mitspielt. Ich kam nur auf die Frage, weil oftmals den Mensch hier geraten wird, erzähl es deiner Mutter, die wird schon helfen. An den Gedanken, die Mutter hält lieber die Familie aufrecht und verleugnet somit das Problem des Kindes.

    Schwarzes Blut


    Die Mutter in der Wahrnehmung des Kindes ist ja nicht dieselbe, wie in ihrer eigenen Wahrnehmung oder der Wahrnehmung anderer.


    Das Kind lernt die Mutter kennen aus der Position absoluter Abhaengigkeit heraus, deswegen ist es verstaendlich, wenn das Kind sie idealisiert und extrem hohe Erwartungen an sie stellt.


    Die Natur hat der Mutter gewisse Instinkte mitgegeben, aber diese sind eigentlich nicht zuverlaessig - abgesehen davon, dass sowieso keine zwei Menschen von Natur aus dasselbe fuehlen, macht die Mutter ja auch Erfahrungen, die von der Natur nicht vorgesehen sind, die moeglicherweise alles durcheinanderbringen. Die Mutter hat eine gewisse Ausruestung, den Erwartungen gerecht zu werden (wenigstens im Wesentlichen, nicht absolut), aber sie kann diese Ausruestung verlieren, oder die Ausruestung kann verschuettet werden. Die Sicht des Kindes auf die Mutter ist immer von diesem total abhaengigen Anfang gepraegt - fuer das Kind kommt ja davor nichts. Fuer die Muitter kommt vieles davor, und daher ist die Sicht der Mutter auf das Kind von allen moeglichen Dingen gepraegt, auf die das Kind gar keinen Einfluss hat und von denen es oft nichts weiss.


    Von daher, ja, ich kann mir gut vorstellen, dass die Mutter sich "enttaeuschend" verhalten kann - in verschiedenster Weise und aus den verschiedensten Gruenden, die fuer das Kind meist nicht einsichtig sind.

    @ Lewian

    Genialer Beitrag ! :)^ :)=


    Du hast so Recht, mit dem, was du schreibst....

    Zitat
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    Eigentlich sollte der Vater stark sein ... ich halte das nicht für die Aufgabe der Mutter.

    Meinst Du? Ich denke, dass sowohl Frauen wie Männer ihre spezifischen Stärken haben.

    Ja, ich finde, die Mutter ist dafür zuständig, dem Kind das Urvertrauen ins Leben zu geben, eine starke emotionale Bindung aufzubauen, das Kind zu versorgen, Liebe zu schenken, soziale Kompetenzen vermitteln.


    Der Vater stärkt seinen Kindern den Rücken, geleitet sie ins Leben / die Freiheit, sorgt dafür, dass sie unabhängig und lebensfähig werden. Er sollte derjenige sein, auf den die Kinder immer bauen können und der sie auch verteidigt (na gut, in der heutigen Zeit wohl weniger notwendig...)

    Ich hatte eine "Mutter", die hat sich wohl so selbst gesehen... peinlich. Das, was sie uns Kindern angetan hat, hat sie ausgeblendet, und tut dies bis heute. SIE hat ja immer alles so toll gemacht und vor allem richtig. Wenn ich das heute höre, bekomme ich das kalte Grausen. Ich werde wütend, hassend, weil sie lügt und nicht recht hat. Mit dieser Lüge streut sie jedesmal zusätzlich Salz in die Wunden... und drückt noch feste drauf.


    Ich kenne andererseits eine Mutter von jemandem, die will heute noch Löwin sein, auch wenn der jemand schon lang das Nest verlassen hat. Sie geht damit regelmäßig über Grenzen...


    Löwinnen wissen, wann sie ihre Kinder loslassen müssen und wieviel Freiheit den Kindern gut tut, was die Kleinen brauchen. Menschen oftmals nicht. Menschen sind da denk ich zu verkopft...

    Ich stimme euch ja im Prinzip voll zu. In jedem Beitrag ein Stück Wahrheit.


    Aber ich suche nicht nach der Erklärung, warum die Mutter unzulänglich gegenüber dem Kind ist. Meine Frage zielt auf etwas anderes ab. Vielleicht ist die Fadenüberschrift schlecht gewählt. Ich formuliere es noch mal um.

    Verabschiedet euch vom Mythos "Die Mutter als Löwin."

    Ich frage mich, warum jemanden der Rat gegeben wird, sich seiner Mutter anzuvertrauen, wo man recht deutlich aus dem Posting des TE herauslesen kann, dass die Familienverhältnisse reichlich gestört bzw. asozial sind.

    @ verzwickt

    Hatten wir die gleiche Mutter?


    Besser hätte ich meine eigene Mutter, also "diese Frau"nicht beschreiben können. Da hast du echt ins Schwarze getroffen.

    Ich find man kann nicht sagen ob das ein generell richtiger oder falscher Rat ist (kann aber auch nicht rauslesen ob du das sagen willst), ich persönlich würde es intuitiv entscheiden.


    Viele können sich halt nicht vorstellen dass einem derartiges nicht geglaubt wird und würden dann sozusagen in jedem Fall dazu raten. Ich würde ungern soweit gehen das als unverantwortlich zu bezeichnen denn sicher wissen kann man weder die eine noch die andere Möglichkeit.


    Der Rat zu fachlichen Beratungsstellen ist im Vergleich dazu immer richtig, möglicherweise aber dennoch nicht umsetzbar. Dann bleibt die Frage was wären stattdessen überwindungsmögliche Wege und jeweils ob z.B. Wahrscheinlichkeiten auf Kontraproduktivität wie z.B. wenig einfühlsames Vorgehen der Polizei, nicht-glauben der Eltern, Vorwürfe des Freundes, usw. wirklich wert wären das ein oder andere nicht zu raten.


    Dass einem nicht geglaubt ist eine schlimme Sache, im Vorfeld bleibt es aber nur eine potentielle Möglichkeit. Dass der/die Betreffende die ganze Sache weiterhin alleine mit sich rumträgt oder noch schlimmer weiterhin missbraucht wird ist dagegen die logische Konsequenz wenn sozusagen nichts passiert.


    In dem Fall an den du vermutlich denkst könnte ich eher weniger mit mir vereinbaren dazu zu raten zur Mutter zu gehen, andere können das schon und vllt ist es gut so.


    Ich könnte auch nicht zur Polizei raten denn die fragen sehr wahrscheinlich einfach ob man anzeigen will und falls nein tun sie nichts falls ja nehmen sie sicherlich nicht übermäßig Rücksicht. Andere können das raten, ich nicht.


    Andere raten zum Freund zu gehen, könnte ich nach der (zugetroffenen) geäußerten Befürchtung er würde Vorwürfe machen auch nicht.


    Man kann sagen die professionellen Hilfestellen sind der richtigste Rat aber nun scheint das nicht umsetzbar zu sein und ich für meinen Teil würde eher nichts anderes raten, wären dann nur Leute hier wie ich oder du war's das an Vorschlägen und nichts passiert möglichweise.