Derealisation seit 10 Jahren, benebelt sein ist mein Alltag

    Vor 10 Jahren hatte ich einen Umzug von Südamerika nach Deutschland und ich bin in eine Depression verfallen. Es ging mir einfach Scheiße. Ich habe die Schule so sehr gehasst, dass ich oftmals sehr spät ins Bett ging und am nächsten Tag total fertig war.. und obwohl ich irgendwann wieder regelmäßig ins Bett ging mache ich seither zu 70% meiner zeit einen benebelten und "gestoneten" Eindruck.


    Wie einer in einem anderen Beitrag eben berichtete: es fühlt sich an, als wäre die welt die mir so vertraut ist doch so fremd ist. Ich betrachte mein eigenes Ich, meine handlungen und die welt von außerhalb.. so fühlt sich das zumindest an. Ich habe schwierigkeiten mit meiner konzentration, koordination (besonders feinmotorik, früher war das meine stärke), ich bin sehr schwach, habe gleichgewichtsstörungen, zuckungen am ganzen körper, ich leide unter starker nervosität und war sogar beim psychologen, er konnte mir nicht helfen.


    Medizinisch bin ich total gesund. Mehrere ärzte (neurologen, internisten, HNO) stellten nichts außer eine schilddrüsenunterfunktion fest, die ich mit Thyroxin 75µg behandle und regelmäßig kontrollieren lasse.


    Wird sich denn jemals was ändern? Wie werde ich dieses Gefühl los? Ich bin das gefühl so sehr gewohnt, es belastet mich aber jeden tag bei jeder handlung (sport ist die einzige tätigkeit die mich davon ablenkt, obwohl ich viele jahre gebraucht habe, wieder ein gefühl für mein bewegungsapparat zu bekommen).


    Hat denn jemand soetwas ähnliches und hätte ideen, wie man zumindest das gefühl lindern kann? Ich bin sportlich und ernähre mich gesund, schlaf habe ich im großen und ganzen ausreichend und ich tue mein bestes.. aber nichts hilft. Es ist einfach wahnsinnig belastend.


    VG

  • 25 Antworten

    Ich habe größtenteils kaum bis keinen kontakt mehr zu meinen alten freunden einfach weil ich nicht mehr ich sein kann. Es fällt mir schwer menschen in die augen zu gucken und wenn ich das tue sind diejenigen immer zuerst schockiert von meinem blick. Da ich langsam im denken bin reagiere ich oftmals sehr spät, und das kombiniert bin augenkontakt macht das ganze ziemlich verstörend für diejenigen. Mein blick wirkt dann immer leer und kalt. Es ist einfach nicht leicht für mich..

    Ich kenne das. Als Nebenwirkung meiner Medikamente, sowohl als eigenständiges Symptom. Hast du dich schon mal einem Psychiater vorgestellt? Seltsam, dass der Psychologe dir nicht helfen konnte.

    Sport und Ablenkung ist generell gut. Ich mache Zuhause diverse Übungen für das Körpergefühl, beispielsweise balancieren, Yoga etc.

    Kleingärtner schrieb:

    Vielleicht wäre es besser wenn Du zurück nach Südamerika gehen würdest. Mal darüber nachgedacht ?

    Natürlich habe ich das. Aber das ist keine langfristige lösung. Die perspektiven dort sind schlecht, finanziell würde es auf dauer nicht gehen. Das ganze würde ein paar jahre klappen, und dann? Dann wieder zurück und noch eine weitere umstellung riskieren. Außerdem ist das jetzt 10 Jahre her und ich habe mich hier so gut es nur geht angepasst.. für mich ist südamerika meine alte heimat aber doch so fremd.. so wirklich zuhause fühle ich mich nirgendwo (abgesehen von meiner familie und freundin, bin übrigens selber deutsch).

    Meinschwarzesherz schrieb:

    Ich kenne das. Als Nebenwirkung meiner Medikamente, sowohl als eigenständiges Symptom. Hast du dich schon mal einem Psychiater vorgestellt? Seltsam, dass der Psychologe dir nicht helfen konnte.

    Sport und Ablenkung ist generell gut. Ich mache Zuhause diverse Übungen für das Körpergefühl, beispielsweise balancieren, Yoga etc.

    Ahh, sorry. Ich war bei einem Psychiater und nicht Psychologen. Es war allerdings tiefenpsychologie und so ganz hat mich die Therapie nicht überzeugt. Ich bin offen dem gegenübergetreten aber ich kenne meine vergangenheit nun mal schon, ich kenne meine probleme und ich weiss wie ich mich verhalten sollte.. aber das ganze in die tat umzusetzen ist irgendwie nicht machbar. Da hakt es einfach mit der motivation, der derealisation (dem ständig benommen sein) und der allgemeinen unzufriedenheit.

    Hallo,


    ich kenne Derealisation und Depersonalisation auch. Ich hatte es für Jahre rund um die Uhr - mal mehr, mal weniger. Dahinter steckt ein Trauma, das ich total abgespalten / verdrängt hatte. Seitdem ich eine Traumatherapie mache, geht es mir schon viel besser.


    Liebe Grüße

    Stephan

    Freut mich, dass dir eine Therapie geholfen hat. Leider springt das ganze nicht bei mir an und ich brauche Alternativen.

    Randomdawg,


    Ich habe dieses Gefühl jetzt seit gut 2 Wochen aber ich weiß nicht ob es in die Kategorie Derealisation gehört. Ich habe auch dieses Gefühl der Benommenheit, wie stoned sein, nicht ganz wach sein, nur das mir meine Umgebung nicht fremd vorkommt und ich mir selbst auch nicht. Ich sehe und erkenne alles problemlos nur bin ich aber ständig in diesem stoned Zustand, du bist zwar da aber nicht ganz wach, nimmst die Umgebung etwas benebelt wahr, echt scheiß Zustand. Ich wüsste auch zu gern wie man so was erfolgreich behandeln kann. Aber ich glaube in diesem Forum, haben viele keine Erfahrung oder kennen sich mit dieser Störung nicht aus.

    Ich hatte mal nach einem geeignetem DR/DP Forum gesucht aber es scheint leider keins zu geben.

    Random

    Ich tippe mal auf ein Trauma-Erlebnis bzw. eine Anpassungs-Störung.

    Hast du mal über Medikamente nachgedacht? Als zusätzliche Option?

    Ich habe sehr lange Zeit in Depersonalisations- bzw. Derealisationszuständen zugebracht (damals wusste ich nicht, was das ist). Mir geht es mit Therapie und Medis diesbezüglich deutlich besser (Derealisation nur bei Extremsituationen). Was ich noch anmerken wollte: Ich habe nie massiv unter der Depersonalisation / Derealisation gelitten, weils es für mich ein bekanntes / lang vertrautes Gefühl war. Natürlich war es nicht schön oder erstrebenswert, ich fand es nur in Vergleich mit anderen Symptomen noch easy zu händeln....Deshalb finde ich die Derealisation vielleicht "weniger schlimm", als du sie empfindest (no offense!). Rückblickend gesehen war es doch immens scheiße, v.a. weil ich in der Depersonalisation mein Gedächtnis verliere, mich nur noch ganz langsam bewegen kann und ich auch meine Sprache verliere / kommunikativ abkacke.

    schnecke1985 schrieb:

    Random

    Hast du mal über Medikamente nachgedacht? Als zusätzliche Option?

    Ich habe sehr lange Zeit in Depersonalisations- bzw. Derealisationszuständen zugebracht (damals wusste ich nicht, was das ist). Mir geht es mit Therapie und Medis diesbezüglich deutlich besser (Derealisation nur bei Extremsituationen). Was ich noch anmerken wollte: Ich habe nie massiv unter der Depersonalisation / Derealisation gelitten, weils es für mich ein bekanntes / lang vertrautes Gefühl war. Natürlich war es nicht schön oder erstrebenswert, ich fand es nur in Vergleich mit anderen Symptomen noch easy zu händeln....


    Welche Medikamente hast du genommen?

    Du hast also die DP,DR also diesen Zustand angenommen, ich glaube selbst das ist auch der Schlüssel zum Erfolg, vielleicht sogar zur Heilung. Man muss es annehmen beziehungsweise eine egal Einstellung entwickeln, das Gehirn registriert es dann irgendwann nicht mehr und man ist da wieder draußen.

    Aber es zu akzeptieren ist enorm schwierig, ich versuche es jetzt schon seit gut 2 Wochen aber keine Chance, immer wenn ich daran denke zieht es mich runter. Habe schon kein Hunger mehr, fühle mich total down und ausgeliefert. Es gibt immer kurze Momente wo es kurz besser wird aber diese halten nicht lange an.


    Gibt es irgendwie besondere Therapiemöglichkeiten für Leute mit DP,DR?

    Es gibt einige Modelle, die Anpassung zwischen den Kulturen beschreiben, u.a. , dass man nicht glücklich werden kann, wenn man sich als Angehöriger nur einer Kultur versteht - man muss akzeptieren, dass beide Kulturen ein Teil von einem geworden sind;

    und den Bedürfnissen beider Kulturen auch mal nachgeben,

    guck´ mal nach "Modell des inneren Teams" von Schulz von Thun.

    Siemens07 schrieb:

    Randomdawg,


    Ich habe dieses Gefühl jetzt seit gut 2 Wochen aber ich weiß nicht ob es in die Kategorie Derealisation gehört. Ich habe auch dieses Gefühl der Benommenheit, wie stoned sein, nicht ganz wach sein, nur das mir meine Umgebung nicht fremd vorkommt und ich mir selbst auch nicht. Ich sehe und erkenne alles problemlos nur bin ich aber ständig in diesem stoned Zustand, du bist zwar da aber nicht ganz wach, nimmst die Umgebung etwas benebelt wahr, echt scheiß Zustand. Ich wüsste auch zu gern wie man so was erfolgreich behandeln kann. Aber ich glaube in diesem Forum, haben viele keine Erfahrung oder kennen sich mit dieser Störung nicht aus.

    Ich hatte mal nach einem geeignetem DR/DP Forum gesucht aber es scheint leider keins zu geben.

    Genau so kann man das ganze beschreiben. Aber seh es positiv.. du hast es erst 2 Wochen und es wird sicher wieder verschwinden bei dir. Bei mir hat das vor 10 Jahren angefangen und ich dachte anfangs es wäre einfach schlafmangel. Also war ich jeden tag so müde, dass ich echt schon fast suizidgedanken hatte (nicht wirklich, aber es war unerträglich).. es war wirklich so stark, dass jede bewegung unglaublich anstrengend war. Ich kann dir raten, dass du dich jetzt im moment nicht zu sehr unter stress setzt und diese symptome ernst nimmst. Nehm dir ein bisschen auszeit und sag auch mal nein.. sonst entwickelt sich das noch weiter und du hast keine erholung. Was mir wirklich wahnsinnig gut tut (das behauptet aber auch sicher jeder) sind ferien. Ferien sind so ziemlich das erholsamste was man haben kann, und vielleicht erholt sich deine psyche davon wieder.

    schnecke1985 schrieb:

    Random

    Ich tippe mal auf ein Trauma-Erlebnis bzw. eine Anpassungs-Störung.

    Hast du mal über Medikamente nachgedacht? Als zusätzliche Option?

    Ich habe sehr lange Zeit in Depersonalisations- bzw. Derealisationszuständen zugebracht (damals wusste ich nicht, was das ist). Mir geht es mit Therapie und Medis diesbezüglich deutlich besser (Derealisation nur bei Extremsituationen). Was ich noch anmerken wollte: Ich habe nie massiv unter der Depersonalisation / Derealisation gelitten, weils es für mich ein bekanntes / lang vertrautes Gefühl war. Natürlich war es nicht schön oder erstrebenswert, ich fand es nur in Vergleich mit anderen Symptomen noch easy zu händeln....Deshalb finde ich die Derealisation vielleicht "weniger schlimm", als du sie empfindest (no offense!). Rückblickend gesehen war es doch immens scheiße, v.a. weil ich in der Depersonalisation mein Gedächtnis verliere, mich nur noch ganz langsam bewegen kann und ich auch meine Sprache verliere / kommunikativ abkacke.

    Ja, anpassungs-störung trifft es SEHR gut. Nach 10 Jahren habe ich immernoch große schwierigkeiten, meine lage zu akzeptieren. Das war auch haupt-gesprächsthema in meiner therapie. Aber letzendlich hieß es nur "ja, deine vergangenheit hat dich beeinflusst und ins schwanken gebracht". Und jetzt?
    Medikamente habe ich nie genommen und will ich auch irgendwie nicht. Der Therapeut hat mir das öfters geraten bzw. vorgeschlagen, aber ich traue mich irgendwie nicht ich würde mich einfach aus prinzip schlecht fühlen, davon abhängig sein zu müssen. Auch wenn sie nicht psychisch abhängig machen (oder doch?).. aber was, wenn ich die medikamente absetze wenn es mir besser geht aber das gleiche dann von vorne anfängt? Wäre ich denn mein leben lang abhängig davon?
    "Weniger schlimm" sehe ich mittlerweile auch so, aber nur weil es nicht anders geht. Es ist einfach teil meines lebens der verpeilte zu sein, der für jeden gedankengang einen riesen energieaufwand braucht. Ich sitze stundenlang vor einfachen projekten, die man in der hälfte der zeit erledigen könnte.

    Hast du denn noch vor die medikamente dein leben lang zu nehmen? Wie viel besser geht es dir dadurch? Und wie Siemens07 fragte, welche?