Diagnose Depression, und nun?

    Guten Abend zusammen,


    vor ein paar Tagen diagnostizierte mir ein Facharzt für Psychiatrie eine depressive Episode. Er legte mir auch nahe, mich in Therapie zu begeben, da ich von einem Klinikaufenthalt nicht sonderlich begeistert bin, bleibt also die ambulante Therapie. Da ich aber vielleicht innerhalb der nächsten Wochen/ Monate umziehe, soll ich diese erst beginnen, wenn mein Wohnsitz für die nächsten 1-2 Jahre fest steht. Zur Überbrückung dieser Zeit und der wohl langen Wartezeit auf einen Platz, behandelt er mich erstmal kurzfristig selbst, auch Medikamentös.


    Hat vielleicht jemand Ideen/ Tipps was ich in der Zwischenzeit selbst tun kann? So als Selbsthilfe. Was mich auch ziemlich beschäftigt ist die Frage, ob und mit wem ich drüber reden soll. Mein Umfeld hat schon gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt. Allerdings habe ich bis jetzt immer abgeblockt, wenn Nachfragen kamen. Ich habe Angst, dass Beziehungen dadurch langfristig Schaden nehmen können.


    Ist eine Depression wirklich heilbar, wie mein Arzt meinte? Werde ich mal wieder so wie vorher? Irgendwie fehlt mir im Moment die Hoffnung dazu :|N

  • 22 Antworten

    also ich würde auch zu Medikamenten raten. Die wirken stabilisierend. Ob eine Depression wirklich heilbar ist, ist umstritten. Ich persönlich würde von mehreren depressiven Phasen im Leben sprechen, die auf irgendein Ereignis eintreten. In den wenigsten Fällen entsteht eine Depression völlig grundlos. Actio et Reactio.

    Ich rate zu intensiven Gesprächen auf privater Basis mit einem netten Menschen, dem Du vertraust und der sich Zeit für Dich nimmt.


    Meiner Beobachtung nach gibt es eine große Gruppe Menschen, die eine Schraube locker haben und es über lange Zeiträume (eventuell Jahrzehnte) nicht hinbekommen diese Schraube reinzudrehen. Ich gehöre auch zu dieser Gruppe.

    Du kannst schon reden...es kommt halt drauf was du alles erzählst.


    Ich erzähle meiner Vertrauensperson z.B. nicht alles. Ich schaue immer, dass ich ihn nicht zu sehr belaste. Gewisse Themen sind halt sehr schwierig und die kommen halt nur in der Therapie zu Sprache. Und du solltest auf jeden Fall ein Zeichen vereinbaren mit dem der andere seine Grenzen aufzeigt. Wenn ihr etwas auf euch achtet tut das unglaublich gut! :)_ :)* @:)

    Zitat

    Ist eine Depression wirklich heilbar, wie mein Arzt meinte? Werde ich mal wieder so wie vorher? Irgendwie fehlt mir im Moment die Hoffnung dazu :|N

    Ja, ist sie. Der Statistik nach hat jeder 5. Mensch einmal in seinem Leben eine Depression. Mit Medikamenten und Psychotherapie heilt eine Depressive Episode in den meisten Fällen ohne Rückstände aus. Was leidr nicht heißt, dass es nicht irgendwann später erneut zu einer depressiven Episode kommen kann.


    Die Anfälligkeit ist anscheinend dauerhaft.


    Lies dich mal hier ein: http://www.bptk.de/patienten/psychische-krankheiten/depression.html

    Zitat

    Zur Überbrückung dieser Zeit und der wohl langen Wartezeit auf einen Platz, behandelt er mich erstmal kurzfristig selbst, auch Medikamentös.

    Das ist gut, nimm die Medikamente, auch wenn du anfangs Nebenwirkungen haben solltest. Vertrau auf deine Ärzte.

    Zitat

    Hat vielleicht jemand Ideen/ Tipps was ich in der Zwischenzeit selbst tun kann? So als Selbsthilfe. Was mich auch ziemlich beschäftigt ist die Frage, ob und mit wem ich drüber reden soll.

    Mit einer vertrauten Person über deine Krankheit reden ist eine gute Idee, du fühlst dich dann weniger alleine.


    Ansonsten kannst du es mit Sport versuchen, min. 3 mal pro Woche richtig auspowern, joggen, Tennis, Radfahren, was auch immer. Der Puls muss jedenfalls hoch. Sport hilft bei Depressionen sehr gut, fast so gut wie Antidepressiva. Irgendwelche Hormone im Gehirn kommen durch die beim Sport ausgelösten Botenstoffe wieder ins Gleichgewicht.


    Außerdem ist es hilfreich, wenn du deine Gefühle für den Moment akzeptierst, und versuchst, dich für die Gefühle nicht zu schämen oder sie zu verurteilen.


    Zum Belasten der Vertrauensperson: Da solltest du wirklich abwägen, wie viel diese Person "ertragen" kann. Ist es ein guter Kumpel, ist es sicher nicht zu viel, sich einmal pro Woche intensiv auszutauschen. Jeden Tag weinend anrufen und stundenlang deine düstersten Gedanken mit ihm zu teilen ist wohl zu viel.


    ??Über Selbstmordgedanken, sofern du welche hast, solltest du besser auch nur mit einem Arzt/Therapeuten sprechen, sowas überfordert Angehörige meist völlig??


    Alles Gute dir, das wird schon wieder!


    Ich kenne viele Menschen, die eine Depression hatten (oder sogar mehrere Episoden) und die jetzt wieder ein erfülltes, schönes Leben führen, sich wieder so fühlen "wie davor" oder sogar besser. Da kannst du auch (wieder) hinkommen. Lass dich behandeln und hab Geduld. @:)

    Danke für die Antworten :)

    Zitat

    Das ist gut, nimm die Medikamente, auch wenn du anfangs Nebenwirkungen haben solltest. Vertrau auf deine Ärzte.

    Ja das Mittel nehme ich seit knapp einer Woche. Habe momentan noch mit den Nebenwirkungen ein bisschen zu tun, aber der Arzt meinte ich soll erstmal mindestens zwei bis vier Wochen durchhalten.

    Zitat

    Ansonsten kannst du es mit Sport versuchen, min. 3 mal pro Woche

    Mhh bin ein ziemlicher Sportmuffel, aber ich kann es ja versuchen, kostet ja nichts, nur Motivation.

    Zitat

    Alles Gute dir, das wird schon wieder!

    Danke dir @:)

    Huhu, hier auch jemand Depressions-Geplagtes! Nehme Medikamente seit einigen Monaten und die haben mir sehr geholfen. Habe mehr Antrieb und schlafe nicht mehr 14 Stunden, sondern kann sogar früher aufstehen. Bin also normaler geworden. ??Ich drehe manchmal trotzdem durch, Svv, aber da kann mir nur eine Therapie helfen, die ich frühestens in 1 Jahr bekomme?? Kannst also nur zuversichtlich sein! *:)

    Thema Selbsthilfe: Buchtipp


    http://www.hogrefe.de/programm/ratgeber-depression.html


    Enthält grundlegende Informationen und einfache erste, selbst anzuwendende Therapiestrategien. Definitiv empfehlenswert!


    Bzgl. Therapie und Wartezeit:


    Es gibt ggf. auch die Option, schneller einen Therapieplatz über das sog. Kostenerstattungsverfahren zu bekommen. Google mal "Ratgeber Kostenerstattung Bundespsychotherapeutenkammer". Das pdf-Dokument ist da ebenfalls hilfreich.


    Ansonsten sind Medikamente zur Überbrückung durchaus sinnvoll und hilfreich (und ggf. auch parallel zu einer Therapie). Manchmal muss man ein wenig suchen und experimentieren, was frustrieren kann. Nicht aufgeben!


    Und:


    Depressionen sind häufig, aber i.d.R. gut behandelbar. Wenn man Pech hat, melden sich Episoden immer mal wieder. Aber mit einer Therapie lernt man, mit diesen umzugehen und schneller wieder aus dem Loch zu kommen. Es lohnt sich!

    Huhu Mimiko *:) na mal sehen, auf den gesteigerten Antrieb hoffe ich ja auch noch, die letzten Tage ging nichts... Bis jetzt rauben mir die Meds lediglich jeden Schlaf.


    Nach einer Selbsthilfegruppe werde ich mich mal erkundigen, ich habe zwar immer etwas Schwierigkeiten mich jemanden zu öffnen, aber vielleicht klappt es ja besser, wenn das Medikament anfängt zu wirken.

    Danke für die Buchempfehlung Sunflower. Das Kostenerstattungsverfahren ist mir bekannt. Das Problem ist aber, wie bei der normalen Therapieplatzsuche, diese ewige abtelefonieren von Therapeuten. War zur Schulzeit mal wegen einer sozialen Phobie in Behandlung. Telefonieren zählte noch nie zu meinen Hobbies ;-)


    Habe nächste Woche wieder ein Termin beim Psychologen, mal sehen wie es weiter geht. Danke für die Hilfe bis hierher!