Meine Arbeit


    Ein halbjähriger Urlaub wäre jetzt nicht schlecht. Die Arbeit schlaucht teils (immer noch) so sehr, dass ich kaum zu etwas anderem komme. Immerhin bin ich bald als "guter Mitarbeiter" rehabilitiert. Wie sagte der Coach gestern: "Da bin ich wieder. Heute zum letzten Mal." Und zum Abschluss des Coachings: "Ich schreibe dir eine schöne Zusammenfassung über alles. [...] Weiß gar nicht, was das Ganze sollte."


    Da ich in letzter Zeit doch etwas mehr aus meiner "Glaskugel" heraustreten kann und mehr mit meinen Kollegen kommuniziere, habe ich mich auf dem Nachhauseweg länger mit einem ehemaligen Betriebsratskollegen unterhalten. Er meinte, dass meine Zuarbeiten durchweg gut seien, und wenn man mich wegen mangelnder Arbeitsleistung kündigen wolle, man drei Viertel der Mannschaft schon längst hätte kündigen müssen. Das mag oder mag nicht stimmen, aber zumindest stehe ich wohl nicht "auf verlorenem Posten". Es fehlt mir einfach die Kraft und der Überlick, um das Ganze "richtig objektiv" beurteilen zu können.


    Ich mache einfach nur meinen Job. Das ist alles. :)z

    Ich glaube nicht, dass es eine Auflösung des Lebensgeschehens gibt.


    Wir werden niemals wissen wer wir waren.


    Wir sind wie eine Zwiebel, wir bestehen aus tausend Schichten. Wir sind die Zwiebel, wir sind die Schichten. Wir sind das, was nicht beschrieben werden kann. Wir sind eine Zusammensetzung, ein Puzzle ohne Bild.


    Ich habe nach Wahrheiten gesucht und keine gefunden oder zu viele, die einander widersprachen.


    Also habe ich beschlossen, einfach da zu sein.


    Am Lebensende werde ich nicht wissen, ob ich mehr gewann oder verlor, obwohl ich selbst mein Leben gelebt haben werde, werde ich kein Urteil fällen können. Ich werde keine Nieten gezogen haben, die ich zählen könnte. Ich werde keine Glücksmomente aufrechnen können.


    Aber ich werde sagen: Ich war da.


    Glück? Nicht messbar, nicht definierbar, nicht belegbar. Ebenso wie Trauer.


    Im Endeffekt sterben wir genauso nackt wie wir geboren wurden. Wir nehmen die ganzen Rätsel mit, die uns in die Wiege gelegt wurden.

    Wenn man nun alles andere ausblendet und sich nur den Menschen anschaut, beispielsweise Mensch B und Mensch M, dann liegt der meines Erachtens sinnvolle Brückenschlag darin, zu erkennen, dass Mensch B zwar ein anderes Leben als Mensch M führt, aber es dennoch das gleiche Leben ist.

    Zitat

    die Wahrnehmung und die Erkenntnis.

    Aber diese sind nicht nur subjektiv sondern auch noch von so vielen Faktoren abhängig. Die Wirklichkeit, die sowieso schon subjektiv ist, ist immer auch verschleiert.


    Ein Beispiel: Ich kannte einen Mann. Im weitesten Sinne war er mir ein Freund (nicht mein Partner). Er war humorvoll und unbezwingbar. Wenn ich umfiel, hatte er noch einen lockeren Spruch auf den Lippen. Er war einfach unkaputtbar. Er verdient all meine Achtung, es war mir so fremd in all seiner Zuversicht.


    Kurz vor Weihnachten ging er wegen Schmerzen zum Arzt. Diagnose: Krebs, der Körper voller Metastasen. Sie gaben ihm maximal ein halbes Jahr.


    Nicht mal einen Monat später, vor kurzem, starb er. Ich habe ihn vorher noch gesehen, wir sprachen miteinander. Er war verbittert und gebrochen. Es war nichts mehr von dem Menschen übrig, der er mal war. Er verfluchte sein Leben und haderte. Verständlicherweise.


    Er starb unversöhnt.


    Wie sieht seine Lebensbilanz jetzt aus? Positiv, weil er Jahrzehnte ein optimistischer Mensch war? Oder negativ, weil er am Ende unter Schmerzen unversöhnt starb?

    Er ist tot. Er muss sich ueber Lebensbilanzen keine Gedanken mehr machen.


    Ganz ehrlich, es war wie es war. Im Guten wie im Boesen. Ob seine "Lebensbilanz" unter dem Strich "positiv" oder "negativ" war, erscheint mir eine irgendwie auf ein Leben im Nachhinein kuenstlich aufgesetzte Frage.