Ja, es ist dein Leben und du bist frei. Falschen Stolz sollte man ablegen. Man braucht nicht irgendeinen Scheiß zu machen um anderen etwas zu beweisen. Leiden tut man dann letzten Endes nur selber darunter.


    Du solltest glüchlich werden mit deinem Leben. Es anderen zeigen zu wollen macht nur vordergründig glücklich. Dieses Glücksgefühl hat einen sehr schalen Nachgeschmack.

    Ich sehe das ganz anders als Setzen6. Ich denke, es sind zwei ganz unterschiedliche Themen, zum Einen, wie zufrieden man fuer sich selber mit seinem Leben ist, was man in seinem Leben aendern kann, ob und wie man es verbessern kann, und zum Anderen was fuer Erwartungen die Eltern haben – vor allem dann, wenn sie dem Kind Liebe und Akzeptanz entziehen, wenn es die eigenen Erwartungen nicht erfuellt.


    Voellig unabhaengig davon, wie du, Tsunami, lebst und was sich dabei verbessern liesse, finde ich es ein Unding, dass deine Mutter dir quasi ihre Liebe und Verbundenheit entzieht, weil du nicht tust, was sie fuer dich vorgesehen hat. Ich kann dich nur in deiner Unabhaengigkeit bestaerken (mal abgesehen davon, dass du da sowieso nur alleine durchkannst und ich deshalb vermutlich nicht viel "bestaerken" kann).


    Ich habe Eltern (gehabt), die mir nie ihre Liebe und ihren Rueckhalt entzogen haben, egal was ich getan habe. Das ist extrem wertvoll. Dass Eltern mal kritisieren, ist eine Sache und dass man sich auch mal was zu Herzen nimmt, eine andere. Aber die Liebe und der Rueckhalt, die braucht man auch gerade, wenn man im Leben nicht dort ist, wo die Eltern einen haben wollen.


    Ich glaube, Tsunami, deine Mutter hat mit ihren eigenen Vorstellungen zu schaffen, vielleicht mit Dingen, die sie schon so durch ihre Eltern mitbekommen hat. Ich glaube, das hat mit deinem Verhalten viel weniger zu tun als es den Anschein hat. Sie fuehlt sich vielleicht als Versagerin, weil sie glaubt, durch dich zu "zaehlen", und weil ihre Art zu zaehlen deinem Leben nicht entspricht,


    Setzen6


    Ich finde es ziemlich verquer, dass du Tsunamis Mutter quasi im selben Atemzug verteidigst, in dem du sagst, dass die Vorstellungen deiner Eltern fuer dich auch nicht passen. Auch fuer dich gilt: Mache dich frei von ihren Erwartungen! (Das bedeutet auch, nicht zwanghaft dagegen zu leben, wo es dir nach deiner eigenen Einschaetzung nicht gut tut.)


    Ich glaube, deine Reaktion hat auch mehr mit dir selber zu tun als mit Tsunami. Kann es sein, du verteidigst hier deine eigenen Eltern gegen dich selber, aus Schuldgefuehl?

    Zitat

    Ich glaube, Tsunami, deine Mutter hat mit ihren eigenen Vorstellungen zu schaffen, vielleicht mit Dingen, die sie schon so durch ihre Eltern mitbekommen hat. Ich glaube, das hat mit deinem Verhalten viel weniger zu tun als es den Anschein hat. Sie fuehlt sich vielleicht als Versagerin, weil sie glaubt, durch dich zu "zaehlen", und weil ihre Art zu zaehlen deinem Leben nicht entspricht,

    Das stimmt. Sie ist wie sie ist. Sie hat ihre Gründe. Ich halte es ihr nicht nach. Im Gegenteil, ich verstehe und akzeptiere es.

    Zitat

    Das Ganze zeichnet mich auf irgendeine Weise für die Zukunft.

    DASS es zeichnet, steht außer Frage. WIE es zeichnet, da kann man für sich selbst schon ein wenig dran drehen. Auch Du hast – im übertragenen Sinne – einen Pinsel in der Hand. Ich wünsche Dir, dass Du Farben findest, die Dir am ehesten entsprechen. :)*

    Ja, Mutter...


    ich bin "nicht genug". Und ich will nicht ständig hören, dass ich "ungenügend" bin. Danke.


    Du hast gesagt, du hoffst, dass ich es nicht bereue. Was verdammt soll ich bereuen?


    Ich habe versucht, dir die Möglichkeit zu geben, mich zu kennen, wie ich wirklich bin, anstatt dem Wunschbild, dem ich gar nicht entspreche. Du hast zweiteres vorgezogen. Danke.


    Nun gut, dann soll es so sein.

    Ich habe zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass ich das Verhalten von Tsunamis Mutter in Ordnung finde, viel eher fand auch ich es hart, dass sie ihm gleichzeitig mit Liebesentzug drohte. Das habe ich auch geschrieben.


    Was ich allerdings noch immer meine: Man sollte nicht sofort sagen, dass die Vorstellungen seiner Mutter zwangsläufig falsch sind. Meines Erachtens ist es mehr als verständlich, wenn eine Mutter sich wünscht, dass ihr Kind ein ordentliches Leben führt.


    Für mich ist schwierig an dieser ganzen Situation, dass ich Dinge von Tsunami weiß, die hier nicht wirklich bekannt sind. Somit entscheide ich aus einer ganz anderen Warte – und muss einfach sagen, so hart es klingt, dass ich seine Mutter ansatzweise verstehe.


    Aber wie ich oben schon sagte: wie sie es tut, ist nicht sonderlich liebevoll von ihr. Aus ihr spricht die Verzweiflung und die Enttäuschung.


    Dass das schwer als Sohn auszuhalten ist, ist mehr als verständlich.


    Jeder sollte seinen eigenen Weg gehen. Tsunami soll seinen Weg gehen, wie er ihn gehen möchte. Das ist das Einzige, was wichtig und richtig ist. Ich habe (und wenn das nun einmal mein Gefühl ist, dann könnt ihr nicht einfach sagen "nein, das ist falsch", Gefühle sind in dem Sinne nie falsch) nur mehr als einmal das Gefühl gehabt, dass Tsunami selbst mit diesem Weg nicht immer zufrieden war und ist. Und dass du, Tsunami, zwar einerseits tatsächlich erschwerenden Faktoren entgegenblickst, aber teilweise auch Dinge nicht oder nur sehr schleppend änderst, die du ändern könntest.


    Wegen Befangenheit halte ich mich aus dieser Sache jetzt raus.




    Zum Abschluss meines Statements: Hier wurde so oft von Chancen und "Weiter" gesprochen. Von Entscheidungen und Wahl. Aber es wird immer wieder deutlich, wie schwer wir (da schließe ich mich definitiv nicht aus) uns damit tun, dies dann tatsächlich auch umsetzen und anwenden.


    Wie viel Ruck ist durch euer Leben gegangen durch all die theoretischen Erkenntnisse dieses Fadens?


    Haben die Worte dieses Fadens euer Handeln in irgendeiner Weise beeinflusst?

    Es ist in Ordnung. Ich werde meine Mutter nicht umerziehen und sie wird mich nicht umerziehen. Sie ist schon groß und ich bin es auch.


    Ja, "sie lebt durch mich". Sie will, dass ich das "gute Leben" lebe, welches ihr beschieden gewesen wäre. Unabsichtlich macht sie jedoch mich dafür schuldig, dass sie kein "gutes Leben" hat, wenn ich ihren Vorstellungen davon nicht entspreche. Ich bin jedoch nicht sie und sie ist nicht ich. Woher soll ich diesen "perfekten Sohn mit der perfekten Einstellung" herzaubern? Dazu müsste ich einen Großteil meines Lebens ausradieren, und das geht nicht. Nicht nur sie hat ihre Gründe, auch ich. Wenn ich es nun unbedingt aufwiegen wollte, dann haben und hatten ihre "hehren Erwartungen" nicht weniger zerstörerische Effekte auf andere und sie selbst, als mein "schlechter Lebenswandel". Wieviel Schaden hat sie durch ihre Art verursacht, wieviel ich durch meine? Ein Aufwiegen ist sinnlos.


    Sie kennt mich nicht, versteht mich nicht. Insbesondere hat sie kein Vertrauen darin, dass ich ein glückliches Leben außerhalb ihrer Vorstellungen führen könnte.


    Wenn alles wegbricht, dann bleibt mein Vertrauen in das Leben und mich selbst. So habe ich es gelernt. Nicht, weil es irgendjemandes Vorstellungen entspricht, sondern wegen allem, was mir im Leben begegnet ist.