Zitat

    Aber eine generelle Logik scheint es für das Glücklichsein nicht zu geben.

    Nun, ich denke schon, dass Glücklichsein logisch ist. Nur eben nicht auf der von uns betrachteten Ebene. Würde man (im biologischen Sinne) alle Faktoren kennen, die dieses Glücklichsein beeinflussen, dann denke ich, dass es schon eine gewisse Logik ergeben würde.

    Ich finde es schade, daß dieser Gedankengang des Fadeneröffners

    Zitat

    Ich finde, man kann gar nicht glücklich genug sein, um nicht weiterhin für sich und andere danach zu streben.

    nicht weiter Beachtung fand. Von den meisten wird die Individualität des Glücks betont, was soweit richtig ist, aber für dieselben hört das Thema Glück mit dem Empfinden desselben auch schon auf. Wenn mal jemand den Gedanken aufgriff, dem Glückserlebnis weitere folgen zu lassen oder die Erlebnisdauer selbst zu verlängern, dann war das immer Ich-bezogen. Gibt es keinen, dessen individuelles Glück mit dem Antrieb und Anspruch verbunden ist, auch anderen zu ihrem Glück zu verhelfen? Ist Glück nur ein Kraftquell für einen selbst, reicht die Kraft nicht für andere oder überläßt man deren Glückssuche lieber ihnen selbst, weil man bei so einer individuellen Sache ja doch nur stören könnte? Oder hat Glück auch eine egoistische Komponente?

    drug

    Zitat

    Würde man (im biologischen Sinne) alle Faktoren kennen, die dieses Glücklichsein beeinflussen, dann denke ich, dass es schon eine gewisse Logik ergeben würde.

    Gerade diese Möglichkeit halte ich für nicht gegeben. Es geht um ein ganz individuelles Erlebnis. Wir können zwar die biochemischen Vorgänge im Körper dabei analysieren, aber die zeigen bereits das Ergebnis an. Die Ursachen des Glücklichseins sehe ich in der persönlichen Interpretation und Bewertung von Emotionen. Da spielen Erfahrungen und Überzeugungen eine Rolle, die von Mensch zu Mensch verschieden sind.

    Noch einmal:


    Glück kann bzw. muss aktiv hergestellt werden und entsteht nicht einfach passiv, durch das Wegfallen von Unglücklichsein, Schmerz oder Stress. Nach einem solchen Wegfall sind wir bestenfalls in einem neutralen Zustand, aber damit noch nicht glücklich.


    Dass positive oder negative Gefühle stark von uns selbst abhängen, zeigt auch der Psychologe Paul Watzlawick in seinem sehr empfehlenswerten Buch "Anleitung zum Unglücklichsein" an vielen Beispielen. Dem Willen zum Glück fällt demnach eine bedeutende Rolle zu. Glücksgefühle sind eine Folge der richtigen Gedanken und Handlungen, die durch Wiederholungen und Gewohnheiten trainiert werden können. ;-)

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    Ist der Adrenalinausstoß die Ursache der Angst oder die Folge davon?

    So eine Frage von Dir? :-o Wenn man sich etwas mit Wahrnehmungsforschung befaßt, dann erkennt man sehr schnell daß es sich um eine Wahrnehmungskette handelt, die durch ständige Alktualisierung einen Regelkreislauf bildet. Mathematisch würde man sagen x wird zu x', wodurch y zu y' wird. Vergleichbares begegnet uns eigentlich ständig.

    Spannend, wirklich spannend, was ihr hier so schreibt.


    Pars pro toto.


    Hier die Wiki-Definition dafür.


    Wie soll man das nun verstehen? Je nach Situation/Anforderung sicherlich anders.


    Ich meine es in einem eher "buddhistischen" Sinne. Ich muss dazu anmerken, dass ich kein Buddhist bin, obwohl ich mal auf Einladung mehrere Stunden auf einer buddhistischen Veranstaltung mit schätzungsweise 2000 Teilnehmern verbracht habe. Das hat mir Spaß gemacht. Durchweg symphatische Personen, soweit ich mich erinnern kann. Zum Ende hin wurde noch gemeinschaftlich 20 Minuten lang meditiert und dann ging es zur anschließenden Party, wo es zu günstigen Preisen Selbstgemachtes (z.B. Dinge aus Ton oder Gips, mir fällt der Fachbegriff nicht ein), Verzehrbares und Getränke gab. Ich kann alle Argwöhnischen beruhigen, Buddhisten feiern wie alle/viele andere Menschen auch - unter anderem, zumindest partiell, mit viel Bier.


    Wenn ich eine "Religion" wählen müsste, dann wäre es wohl der Buddhismus - nicht wegen dem Bier. Hatte während der langen Veranstaltung mit einem Lama festgestellt, dass ich so ähnlich ticke wie die bzw. die wie ich. In meinem Größenwahn gehe ich natürlich davon aus, dass die so ticken wie ich, und nicht anders herum. ;-)


    So, wie ich es verstanden habe, besteht der Buddhismus zu großen Teilen daraus, hin und wieder Meditation/Kontemplation zu betreiben, um letztendlich auf seine eigene Art und Weise zu sich selbst zu finden. Da gibt es nur wenige Gebote oder Verbote, sondern nur ein Fokussieren auf sich selbst, mit dem Ziel, //Eins-zu-sein. Das gefällt mir.


    Jetzt darf man das Fokussieren auf sich selbst nicht mit Egoismus (welcher größtenteils negative, aber auch durchaus positive Aspekte hat) verwechseln.


    Denn die Erkenntnis ausgiebiger Meditation bzw. Kontemplation und gleichzeitig eine/die grundlegende Maxime des Buddhismus ist, dass man immer ein Teil des Ganzen und gleichzeitig das Ganze ist. So ist man immer ein Teil des Lebens und gleichzeitig das ganze Leben.


    Ich finde den gerade genannten Gedanken durchaus interessant und inspirierend.


    In dieser Sicht verliert auch der Spruch "Tue dir und anderen Gutes." seine Bedeutung, denn was man für oder wider andere tut, richtet man am Ende nur gegen sich selbst.


    Mittlerweile bin ich schon nicht mehr (oder doch?) beim buddhistischen Glauben, sondern bei meiner persönlichen Sicht der Dinge. Ich habe nicht wirklich eine Religion oder Glauben, den ich befolge. Ich habe schon einen Glauben, doch dieser Glaube baut eher auf dem Menschen an sich und das, was man "natürlicher Menschenverstand" nennt - wesentlich, einfach, intelligent und dennoch praktikabel.


    Es ist nun wirklich kein Geheimnis, dass man an Einsamkeit krepieren kann, und das zudem, sehr schnell und unglücklich. Mann kann heutzutage noch so intelligent, wissenschaftlich und fortschrittlich sein, es täuscht nicht über das grundlegendste und wichtigste Motiv menschlichen Handelns und Lebens hinweg: nicht alleine sein.


    Ist zum Beispiel Geld ein grundlegendes und wichtiges Motiv des Menschen? Nicht wirklich. Es ist eine Ersatzbefriedigung. Mehr nicht. Alles das, was man jetzt tut, könnte man - sehr theoretisch - genauso gut oder noch besser tun, ohne sich ständig Metall und Papier hin und her zu schieben. Ich danke an dieser Stelle schnattergusche für seine fachkundige Aussage an anderer Stelle in diesem Forum. Geld, seine Bedeutung und Nützlichkeit, ist ein sehr weites Feld, welches ich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nich beackern möchte.


    Wenn man sich nun die Wichtigkeit und gleichzeitig die Zerbrechlichkeit eines Menschen in Bezug auf das "Nicht-alleine-sein" (zu können und zu wollen) ernsthaft und ehrlich vor Augen führt, dann sollte man sich wirklich mal überlegen, wie man zu sich selbst, seinen Freunden, seiner Familienmitgliedern, seinen Arbeitskollegen und dem "Rest der der Welt" steht.


    Der Buddhist würde jetzt müde lächeln und sich des Eins-sein vergegenwärtigen.


    Es ist auch gerade für "zivilisierte" Menschen mit all ihren Zivilisationskrankheiten schwierig, (gerade und insbesondere) ihren Kopf frei zu kriegen. Da, wo "rückständige"/arme Völker täglich um ihr Überleben ringen, herrschen oft mehr Übereinstimmung über Werte und Streben für gemeinschaftliches Glücklichsein, als es der materiell befreite und in Anbetracht der schier unbegrenzten Möglichkeiten, und dennoch ständig sinnsuchende "Zivilisationsbürger" und seine Gemeinschaft es vermögen.


    Das würde mir sehr stark zu Denken geben.



    ceterum censeo

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    Ist der Adrenalinausstoß die Ursache der Angst oder die Folge davon?

    So eine Frage von Dir? :-o Wenn man sich etwas mit Wahrnehmungsforschung befaßt, dann erkennt man sehr schnell daß es sich um eine Wahrnehmungskette handelt, die durch ständige Alktualisierung einen Regelkreislauf bildet. Mathematisch würde man sagen x wird zu x', wodurch y zu y' wird. Vergleichbares begegnet uns eigentlich ständig.

    Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Und was soll das überhaupt heißen?

    Hanna

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    Glück kann bzw. muss aktiv hergestellt werden ...Glücksgefühle sind eine Folge der richtigen Gedanken und Handlungen

    Diesen Absolutheitsanspruch kann ich nicht nachvollziehen. Bereits auf Seite 2 der Diskussion sind wir zu dem Ergebnis gekommen, daß Glück in erster Linie individuell empfunden wird. Du glaubst, jemandem den Entstehungsweg seines Glücks erklären zu können, wo Du doch nicht mal Zugang zum individuellen Glücksempfinden der Person hast?


    Das klingt so wie "ich weiß zwar nicht, worauf du Appetit hast, aber das gibts bei Aldi" :|N


    Die Ausdrucksweise legt außerdem den Umkehrschluß nahe, daß unglückliche Menschen "falsch" denken und handeln. Sozusagen "selber schuld"? Mich erinnert diese Denkweise stark an das "Wohlstandsevangelium". Wikipedia dazu:

    Zitat

    Psychologen und Psychiater warnen ausdrücklich davor, dass die Methoden labile und depressive Patienten weiter schädigen können oder zum Realitätsverlust führen.

    Nach meiner Meinung gehört das ganze Thema ausschließlich in die Hände studierter, verantwortungsbewußter und erfahrener Psychologen.

    Tsunami

    Zitat

    Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Und was soll das überhaupt heißen?

    Ich weiß jetzt nicht, womit genau Du ein Problem hast. Hier mal die Wahrnehmungskette. Bei "Verarbeitung" könnte der Adrenalinausstoß stehen. Dessen Stellung kann man nun von rechts und von links definieren. Er ist also immer Ursache und auch Folge gleichzeitig. Wobei Folge schon wieder auf der veränderten Ursache x' beruht. Regelungstechnik ist mir nicht ganz unbekannt; das hab ich gelernt und teilweise auch studiert. Ich hatte schnatter eigentlich auch für relativ firm auf diesem Gebiet gehalten, weshalb mich seine Frage irritiert hatte. Aber vielleicht war sie auch nur rhetorisch gemeint.

    _Tsunami_

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    Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Und was soll das überhaupt heißen?

    Ich befürchte, es war sein Ernst. Nur eben leider wieder ohne verwertbaren Inhalt. Sich etwas mit der Wahrnehmungsforschung zu befassen, also mal etwas darüber zu lesen, schafft noch nicht unbedingt ein Verständnis dafür.


    Diese Ableitungen von x und y zu x' und y' kann man natürlich beliebig oft finden. Ihre Verknüpfung untereinander ist aber durch die Konjunktion "wodurch" gekennzeichnet. Also nur ein verwirrender verbaler Ausdruck für das, was ich geschrieben hatte: Ursache und Wirkung.


    In der Wahrnehmungskette steht der Adrenalinausstoß nicht bei der Verarbeitung, sondern außerhalb dieses Modells in einem zweiten, begleitenden biochemischen Kreislauf. Dabei entstehen zwei Berührungspunkte. Die Wahrnehmung führt zu einem Nervenreiz in den Nebennieren. Dort wird das Adrenalin ins Blut ausgeschüttet. Dann wirkt es auf die Transduktion. Dabei kommt natürlich der von cc angesprochene Regelkreislauf in Gang. Aber es bleibt die Frage, was die Ursache für das Nachregeln war. Der (dann wohl eher zufällige) Ausstoß von Adrenalin, oder die Wahrnehmung, die sich aus der subjektiven Verarbeitung des Reizes ergibt.

    Damit ich glücklich bin möchte ich das mich die anderen so akzeptieren wie ich bin. Und das ich im Stande bin die anderen so zu nehmen wie sie sind. Dann ist alles gut. @:) Ach ja, Gesundheit ist das wichtigsten überhaupt... körperliche und seelische.

    schleierweiss

    Ganz meine Meinung. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen. Man möchte nicht unglücklich im Kreis von Glücklichen und nicht glücklich im Kreis von Unglücklichen sein. Aufeinander zugehen ist wichtig und sich gegenseitig annehmen.


    Ich finde es traurig, daß andere das immer wieder mit dem negativ belegten Wort Abhängigkeit in Verbindung bringen. Klar gibt es Menschen, deren Beziehungen auf Abhängigkeit aufbauen (manchmal auch unbewußt zwangsweise), aber mit denen würde ich gar nicht erst Gesellschaft haben wollen.


    Auf der Grundlage körperlicher und geistiger Gesundheit fällt es einem natürlich leichter, glücklich zu sein. Dann reicht manchmal schon angenehme Gesellschaft, ein Regenbogen oder ein Sonnenuntergang :-)

    Ich wuerde gerne daran erinnern, dass die Sprache den Empfindungen der Menschen nicht gewachsen ist. "Glueck" ist ein Wort, welches wir irgendwann lernen. In welchen Belangen sich das, was sich unterschiedliche Menschen darunter vorstellen, gleich, aehnlich oder ganz unterschiedlich ist, laesst sich letztlich nicht herausfinden. Nur so lange, wie es um Sagbares geht, dem man zustimmen oder widersprechen kann - aber auch dann nicht mit Sicherheit, weil ja auch die anderen Worte mit unterschiedlichen Gefuehlen verknuepft sein koennen.


    Aus meiner Sicht waere es nicht angemessen, Glueck in operationaler Weise zu definieren, also sozusagen eine beobachtbare Checkliste aufzustellen, anhand derer feststellbar waere, ob ein Mensch gluecklich waere oder nicht. Wenn jemand sagt: "Fuer mich gehoert eine Familie zum Glueck" oder "Gesundheit", dann sind dies Aussagen, die auf nicht beobachtbare Gefuehle verweisen. Das, was dieser Mensch Glueck nennt, stellt sich nur ein, wenn er z.B. gesund ist. Kann gut sein. Bloss ist die Gesundheit an sich nicht das Glueck, und auch nicht Bestandteil desselben, allenfalls Bedingung. Und wenn zwei Menschen sich nicht darueber einigen koennen, ob es Bedingung ist oder nicht, ist es auch nicht klar, ob sie darueber reden, dass es Bedingung fuer dasselbe waere.


    Das Wort "Glueck" kann auch beginnen, ein Eigenleben zu fuehren. Zum Beispiel, indem es in bestimmten Familien zum Mantra wird, "gluecklich" sein und dies zeigen zu muessen. Dann kann es umschlagen in einen Zwang, oder eine glaenzende Verpackung, hinter der sich ganz anderes verbirgt. "Ich bin gluecklich"... "Ich bin gluecklich, aber...", "Ich habe immer gedacht, ich sei gluecklich, aber...",


    "muesste ich nicht gluecklich sein, ich bin gesund, habe eine wundervolle Familie und einen guten Job?"


    Was ich am Gluecksbegriff immer irritierend gefunden habe, ist, dass er oft so gehandhabt wird wie eine Kiste, in die man vieles, oder bestimmte Dinge hereinfuellt, damit sie geschlossen werden kann. "Ich bin gluecklich." Keine weiteren Fragen. Ich liebe das Weiterfragen und stehe daher dem Glueck misstrauisch gegenueber. Wenn ich, nach meinem Empfinden, gluecklich bin, empfinde ich den Vorgang, "ich bin gluecklich" zu sagen, als tendenziell eher das Glueck stoerend. Bestenfalls richtet es weiter keinen Schaden an, ein solches Sprachgeraeusch abzugeben. Ein vergeblicher Versuch, etwas Unfassbares zu fassen. Nuetzlich allenfalls als affirmative Geste, damit andere Leute zufrieden darueber sind, mich zufriedengestellt zu haben, bzw. nicht anfangen zu glauben, sie muessten irgendwas an irgendeinem Unglueck tun.

    Lewian

    Zitat

    "ich bin gluecklich" zu sagen, als tendenziell eher das Glueck stoerend.

    Da gehe ich absolut konform mit Dir. Wenn man Glück erklären oder beschreiben kann, dann ist es keins bzw. bereits wieder Vergangeheit. Denn die Empfindung von Glück geht nicht einher mit bewußten Worten oder Taten, sie ist eine reine - die höchste - Genußempfindung. Auch nur die Idee, das Glück doch jetzt noch irgendwie steigern zu können, zeigt, daß es keins (mehr) ist. Es sei denn, man versucht, dem Glück eine Skala der Intensität aufzudrücken. Das hat aber bisher in diesem Faden, glaub ich, nur Hanna mit sogenanntem "kleinen" und "großen" Glück versucht. In der Betrachtung nachhinein ist das eventuell auch möglich (der zweite Kuß machte mich glücklicher als der erste), aber nie in der Gegenwart der augenblicklichen Glücksempfindung. Die entzieht sich jeden Vergleichs.