Tausende von Dingen gehen durch meinen Kopf und durch mein Leben. Viele davon sind existentiell und gesundheitlich bedrohlich. Es macht keinen Sinn, einen weiten Bogen darum zu machen, denn ich stecke mittendrin.


    Ja, ich sehe definitiv besser. Also lag ich trotz aller Fehl- und Rückschläge nicht ganz verkehrt. Und ich werde auch wieder gut sehen. :)z Nur eine Frage der Zeit. Einen letzten Schritt muss ich noch gehen. Der gedankliche Prototyp für des Rätsels Lösung existiert bereits in meinem Kopf. Nächste Woche erfolgt die Order.


    Komisch, was diese fünf Jahre mit mir angestellt haben und was ich mit mir selbst angestellt habe. Ich habe gelernt, wie es ist, enorm eingeschränkt zu sein, und wie es ist, wenn die Psyche enormen Belastungen ausgesetzt ist, und wie es ist, sich wie alle anderen zu verhalten, obwohl man nahe am Zusammenbruch ist. Trotzdem habe ich gelebt, gelernt und bin gereift. Ich habe mich verändert und mein Leben hat Bahnen angenommen, die ich mir niemals hätte vorstellen können. Und dennoch bin ich auch irgendwie nach wie vor derselbe. Vieles hat sich für mich gewandelt, Einiges nicht. Ich kann das Leben, Menschen und Situationen bedeutend besser einschätzen als zuvor.


    Ich sehe Dinge besser, die man üblicher Weise nicht mit den Augen sieht. Was meine Augen und mein Gehirn wegen Überbelastung nicht mehr leisten konnten, habe ich irgendwie auf andere Weise kompensiert. Ein anderes Sehen. Vielleicht vergleichbar mit einem Blinden, dessen andere Sinne sich stärker entwickeln.


    Ich denke, Sehen bedeutet für mich mehr denn je Verstehen. Wenn der optische Kanal für das Verstehen nur bedingt nutzbar ist, dann müssen andere Kanäle für das Verstehen herhalten. Blindheit ist mir ein Graus. Jedoch habe ich verstanden, dass man selbst durch den kompletten Ausfall der optischen Wahrnehmung immer noch "sehen" kann. Anders ja, nicht zwangsweise auch schlechter. Natürlich meine ich ein ganzheitliches Sehen, zu dem die optische Wahrnehmung nur einen mehr oder weniger geringen Teil beiträgt. Ja, ich schätze das Augenlicht sehr, doch sehe ich es nunmehr so, dass es hauptsächlich ein Mittel zum Zweck ist, wobei der Zweck meines Erachtens schwerer wiegt.


    Sehen, auf die eine oder die andere Weise, ist für mich keinesfalls eine Selbstverständlichkeit mehr.


    Das alles hatte seinen Preis. Ich bin ein auf einem Schlingerkurs befindliches Wrack, welches mehr und mehr mit Wasser vollläuft, aber noch nicht untergegangen ist. Der Kompass funktioniert, der Nebel lichtet sich. Zeit für Instandsetzungsarbeiten.