• Die Logik vom Glücklichsein - Teil 2

    Hallo alle miteinander! Ich habe gestern mit einem Freund über das Glücklichsein gesprochen. Ich habe behauptet, dass Menschen glücklich sein wollen, aber sich nicht besonders viele Gedanken darüber machen, sondern sich den lieben langen Tag mit Dingen beschäftigen, die nichts mit Glücklichsein zu tun haben, und sie auch nicht darauf hinarbeiten. Um sich…
  • 748 Antworten

    Wir leben ja in einer monetären, konsumorientieren Gesellschaft und prinzipiell dreht sich fast alles nur darum irgend wen irgendwas zu verkaufen. Dabei spielt das wecken und generieren von Bedürfnissen eine entscheidende Rolle. Das Auto und das Smartphone sind glaube bezeichnend für diese Entwicklung - zwei Dinge, auf die man scheinbar nicht mehr verzichten kann, wenn man gesellschaftlich bestehen will und die zugleich aufgrund der hohen Fokussierung ein Statussymbol darstellen. Psychologisch total lächerlich, aber so funktioniert nun mal unser miteinander.


    Ein Rad für 5000€ würde niemandem auffallen, ein Porsche kennt jeder oder ein iPhone X. Mit grundlegenden Bedürfnissen hat das nichts zu tun, zumal Leute Grundbedürfnisse wie Nahrung und Schlaf gar zurückstecken, um sich Status zu erarbeiten. Wir versklaven uns selbst, dabei kann niemand sein Geld nach dem Tod mitnehmen. Ich versuche das täglich neu zu verstehen, aber die Relativitätstheorie erscheint mir da verständlicher ...

    Ich persönlich zäume das Pferd ja gerne mal von hinten auf, gehe den anderen Weg, so ein bisschen Sherlock Holmes - Ausschlussverfahren.


    Was also hält mich von Glück oder Zufriedenheit ab? Was ist meine größte Angst?

    Im Zweifel hilft zum besseren Verständnis oft die Maslowsche Bedürfnispyramide, weil sie in gewisser Weise auf alle Menschen zutrifft, obwohl das von "Ego-Fanatikern" nicht so gerne zugegeben wird.

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    Zitat

    Was also hält mich von Glück oder Zufriedenheit ab? Was ist meine größte Angst?

    Wenn ich bei meinem Grundgedanken bleibe:


    Glück ist nicht Zufriedenheit.


    Wenn ich die verbreiteten (irrtümlichen) Glücksbegriffe hernehme, dann:


    - Ich habe meine "Ziele" nicht / noch nicht erreicht und fürchte, dass ich sie niemals erreiche oder wieder verliere.


    - Ich erfahre keine Anerkennung, weder von der "Gesellschaft" noch von nahestehenden Menschen.


    - Ich leide Not (manchmal auch eine Frage des aktuell-persönlichen Horizontes). Den Horizont nenne ich auch Null-Linie.


    Die Maslowsche Pyramide kannte ich noch nicht. In der Grundform sehe ich darin das Gedankengut der FDP (Selbstverwirklichung als Spitze). Interessanterweise soll M. - laut Wiki -die Pyramide kurz vor seinem Tod durch Transzendenz und Ästhetik erweitert haben, also das, was hier viele schon erwähnten.


    Ich finde auch, dass "Selbstverwirklichung" eine kaum fassbare Begrifflichkeit ist. Um sich verwirklichen zu können, müsste man ja erst mal wissen, wer man (wirklich) ist! Kann das nicht leicht damit verwechselt werden, was/wer man sein möchte? Soll das eine persönliche Konstante sein, die jedem per Geburt aufgeprägt ist oder kann sie sich ändern (Saulus -> Paulus)?


    Was soll Selbstverwirklichung überhaupt? Es impliziert, dass jede/r ein "Individuum" sei, das nur für sich selbst verantwortlich ist. Der Mensch ist aber kein Einzelgänger, sondern ein soziales Wesen, ohne die Gemeinschaft nicht lebensfähig.


    "Robinson" ist eine Utopie. Auch er hatte die Erfahrungen und das Wissen der Gesellschaft in seinem Kopf, aus der er kam.


    *:)

    Gesundheit als Glücksfaktor: Ist ähnlich. Jemand sagte mal, dass Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit sei, also mit anderen Worten, man bemerkt sie als Gesunder nicht. Daraus folgt aus meiner Sicht, dass Gesundheit kein spezielles Glücksgefühl generieren kann, sie ist quasi der Horizont oder die "Nullinie", die weder positve noch negative Emotionen auslöst.


    ]:D

    Zitat

    Ich finde auch, dass "Selbstverwirklichung" eine kaum fassbare Begrifflichkeit ist. Um sich verwirklichen zu können, müsste man ja erst mal wissen, wer man (wirklich) ist!

    Kulturschaffender das erfährt man ja während der Selbstverwirklichung.


    Selbstverwirklichung ist ein Kennenlernen dessen, was mich ausmacht.


    Wenn man sich immer wieder neu ausprobiert und seine Grenzen überschreitet, dann stellt man fest, welches unglaubliche Potenzial in jedem Menschen steckt.

    Zitat

    Kann das nicht leicht damit verwechselt werden, was/wer man sein möchte?

    Jeder kann das werden, was er sein möchte.

    Zitat

    Jemand sagte mal, dass Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit sei, also mit anderen Worten, man bemerkt sie als Gesunder nicht.

    Mir gefällt die Definition der WHO:


    "Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen."

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    Zitat

    Wenn man sich immer wieder neu ausprobiert und seine Grenzen überschreitet, dann stellt man fest, welches unglaubliche Potenzial in jedem Menschen steckt.

    Da man - laut Deiner Aussage - seine Grenzen ständig erweitert, kann man ja dann nur für einen Moment glücklich oder wenigstens zufrieden sein, da die erweiterte Grenze ja wiederum erweitert werden muss. Wann - Achtung, Wortspiel! - "gibt man sich zufrieden" und akzeptiert diese/eine andere Grenze, ohne unglücklich zu sein?

    Zitat

    Jeder kann das werden, was er sein möchte.

    Da möchte ich mit Volker Pispers antworten: "Natürlich kann jeder Millionär werden. Aber doch nicht alle." Überdies träume ich gelegentlich davon, einfach die Arme auszubreiten und fliegen zu können. Ich habe allerdings so meine Zweifel, ob das klappt - dem Schneider von Ulm ist das nicht gut bekommen...

    Zitat

    "Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen."

    Das soll von der WHO sein?? Nach dieser Definition wären wir alle krank, denn Vollkommenheit, gleich welcher Ausprägung, gibt es nicht, höchstens Durchschnittlichkeit. Außerdem sollen die mir dann mal "soziales Wohlbefinden" definieren.

    Zitat

    Da man - laut Deiner Aussage - seine Grenzen ständig erweitert, kann man ja dann nur für einen Moment glücklich oder wenigstens zufrieden sein, da die erweiterte Grenze ja wiederum erweitert werden muss. Wann - Achtung, Wortspiel! - "gibt man sich zufrieden" und akzeptiert diese/eine andere Grenze, ohne unglücklich zu sein?

    Wie kommst du darauf, dass Unzufriedenheit der Antrieb ist, die Grenzen zu erweitern?


    Es kann auch Neugier sein, Entdeckungsfreude, Freude am Lernen.

    Zitat

    "Natürlich kann jeder Millionär werden. Aber doch nicht alle."

    Ich möchte gar nicht Millionär sein. Ich habe alles Materielle, was ich brauche.


    Wer aber unbedingt Millionär werden möchte, kann es auch werden.

    Zitat

    Das soll von der WHO sein?? Nach dieser Definition wären wir alle krank, denn Vollkommenheit, gleich welcher Ausprägung, gibt es nicht, höchstens Durchschnittlichkeit. Außerdem sollen die mir dann mal "soziales Wohlbefinden" definieren.

    Natürlich gibt es diesen Zustand des vollkommenen Wohlbefindens in allen Bereichen.


    Die meisten Menschen kommen gesund zur Welt und es liegt in ihrer Hand, sich diesen vollkommenen Zustand zu erhalten.

    Wir sind doch aber in diesem Faden bei der Frage: Was ist Glück und die Gesetzmäßigkeiten, die dorthin führen (falls es diese gibt)?

    Zitat

    Es kann auch Neugier sein, Entdeckungsfreude, Freude am Lernen.

    Dann würde ich Dich so verstehen, dass der Weg das Glück beinhaltet und nicht das Ziel (oder eben die Grenze).

    Zitat

    Ich möchte gar nicht Millionär sein. Ich habe alles Materielle, was ich brauche.

    Genau, was ich sage. Das ist schwer zu verallgemeinern, sondern eben höchst individuell.

    Zitat

    Wer aber unbedingt Millionär werden möchte, kann es auch werden.

    Nein. Er kann es bestenfalls

    Zitat

    versuchen

    . Eine Garantie ist das aber nicht. Der "amerikanische Traum" ist nichts weiter als eine Möhre vor dem Maul eines Esels, die immer wieder weggenommen wird, wenn er danach schnappt. Dass er dabei einen Karren zieht, der ihm nicht gehört, bemerkt der Esel nicht.

    Zitat

    Die meisten Menschen kommen gesund zur Welt und es liegt in ihrer Hand, sich diesen vollkommenen Zustand zu erhalten.

    Ich sehe es so: Der Mensch ist nicht "vollkommen" konstruiert, sondern bestenfalls "brauchbar" und und dabei recht anfällig. Selbst bei "gesunder Lebensführung" (was damit auch immer gemeint sei) ist man vor Schicksalsschlägen wie unbekannte Erreger oder Verletzungen nicht gefeit. Außerdem ist der Genpool des Homo sapiens zwar untereinander kompatibel, aber nicht identisch. Vollkommenheit wird durch Varianz ausgeschlossen.

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    Kulturschaffender

    Zitat

    Wir sind doch aber in diesem Faden bei der Frage: Was ist Glück und die Gesetzmäßigkeiten, die dorthin führen (falls es diese gibt)?

    Zitat

    Dann würde ich Dich so verstehen, dass der Weg das Glück beinhaltet und nicht das Ziel (oder eben die Grenze).

    Genauso ist es.


    Die Selbstverwirklichung ist ein wesentlicher Faktor zum Glück.


    Grenzen sind nichts schlimmes. Irgendwo gibt es immer eine Grenze.


    Aber der Weg bis zu einer wirklich unüberwindlichen Grenze ist sehr viel weiter als die meisten Menschen annehmen.

    Zitat

    Ich sehe es so: Der Mensch ist nicht "vollkommen" konstruiert, sondern bestenfalls "brauchbar" und und dabei recht anfällig. Selbst bei "gesunder Lebensführung" (was damit auch immer gemeint sei) ist man vor Schicksalsschlägen wie unbekannte Erreger oder Verletzungen nicht gefeit.

    Wenn du das glaubst, dann ist das deine Grenze.


    Vollkommenes Wohlbefinden beinhaltet auch eine perfekte Körperbeherrschung und Körperwahrnehmung. Wohlbefinden bewirkt ein starkes Immunsystem.

    Hanca schrieb:

    Vollkommenes Wohlbefinden beinhaltet auch eine perfekte Körperbeherrschung und Körperwahrnehmung. Wohlbefinden bewirkt ein starkes Immunsystem.

    Zunächst: Vollkommen ist nichts. Sobald etwas "ist", ist es nicht mehr vollkommen, denn jede Existenz hat auch Schattenseiten. Alles, was ich tue, wird immer eine Gegenreaktion auslösen: Action = Reactio

    Wir umgeben uns heute leider sehr viel mit eingeimpftem Werten - eben, wie Glück, Wohlbefinden, Erfolg, Starksein, Gesundheit, Perfektionismus und merken dabei gar nicht, dass diese Werte alle allein materiell geprägt sind. Wir haben diese Gedanken als Gesellschaft so verinnerlicht, dass es uns völlig normal erscheint. Seit Jahrtausenden.


    Ich meine, wieso soll denn ein Mensch mit wenig Geld nicht glücklich sein oder jemand, der Asthma hat? Der Körper hat sein Belohnungssystem und das funktioniert eben nicht immer so, wie es das Marketing oder die Gesellschaft will - jeder findet da seinen eigenen Reize und kann sie auch trainieren. Genügsamkeit und Zufriedenheit sind erlernbar, auch wenn man kein perfektes Leben und einen perfekten Körper hat.

    Nur wird ja heute alles, was keine Rendite verspricht auch nicht gefördert. Stattdessen gibts hunderte Coachings zur Persönlichkeitsoptimierung, perfekten Figur, wie verkaufe ich mich richtig, wie bewerbe ich mich richtig, wie werde ich erfolgreich, was soll ich essen, was soll ich anziehen. Gibts irgendwo ein Workshop, wie man genügsam wird? Oder bescheiden?

    _nemesis schrieb:

    Zunächst: Vollkommen ist nichts. Sobald etwas "ist", ist es nicht mehr vollkommen, denn jede Existenz hat auch Schattenseiten. Alles, was ich tue, wird immer eine Gegenreaktion auslösen: Action = Reactio

    Ich finde deinen gesamten Beitrag sehr unverständlich.

    Warum gibt es kein vollkommenes Wohlbefinden?

    Wenn ich das so empfinde, dann ist es für mich vollkommen.


    _nemesis schrieb:

    Wir umgeben uns heute leider sehr viel mit eingeimpftem Werten - eben, wie Glück, Wohlbefinden, Erfolg, Starksein, Gesundheit, Perfektionismus und merken dabei gar nicht, dass diese Werte alle allein materiell geprägt sind

    Ob man sich Werte einimpfen lässt, entscheidet jeder selbst.

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    Zumindest gibt es heutzutage auch eine Trendrichtung, welche sich Minimalismus nennt, und welcher ich persönlich sehr viel abgewinnen kann.


    Zumindest manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

    Hanca schrieb:
    Ich finde deinen gesamten Beitrag sehr unverständlich.

    Findest Du? Mhhh ...

    Zum einen wirft unsere Gesellschaft zu gern mit Maximen wie "perfekt", "vollkommen", etc. um sich. Maxime sind nicht erfüllbar. Weder physisch, noch psychisch. Vielleicht war unser Universum vor dem Urknall irgendwie supersymmetrisch und perfekt. Ich weiß es nicht. Alles andere ist aber immer von Redundanz und Entropie behaftet. Das ist nun mal so. Und dann kann es auch keine vollkommene Perfektion geben. Dieser philosophische Ansatz soll auch nur verstehen helfen, dass Vollkommenheit unerreichbar ist.

    Zum anderen werden eben jene Begrifflichkeiten heute völlig normal als Alltagsvokabular gebraucht, ohne sich über die eigentliche Bedeutung Gedanken zu machen. "Die perfekte Welle" gibts nicht. Jede mag einzigartig sein, aber nie perfekt. Unsere heutige Gesellschaft suggeriert uns unentwegt, dass Erfolg, Leistung, Schnellersein, etc. zu Anerkennung und Ansehen führt und das ist ein Grundbedürfnis, wenn man in sozialen Verbänden lebt. Ergo streben wir nach genau solchen, eingeimpften Werten, die aber eben nur hausgemacht sind. Soziale Subgruppen wie Straßen-Gangs bspw. haben andere Werte für Anerkennung und da funktioniert sowas gar nicht.

    Oder anders: Das, was viele als Glück oder Zufriedenheit empfinden ist schlichtweg die Schnittmenge aus vorgegebenen Werten und inwieweit man diese erfüllt, was wiederum Ansehen innerhalb der gelebten Gruppe erzeugt. Ich glaube die wenigsten leben völlig autark mit eigendefinierten Werten und zehren dann von der Erfüllung dieser. Angenommen jemand verzichtet aus ökologischen Gründen auf die Benutzung eines eigenen Autos. Das ist toll, aber die Gesellschaft honoriert sowas in keinster Weise. Im Gegenteil, man müsste mit einem tollen SUV vorfahren, um Erfolg und Zielstrebigkeit zu demonstrieren - das macht dann "zufrieden" - sagt die Gesellschaft - das Autohaus - der Hersteller.

    Ich bin aber zufrieden, wenn ich eben nicht zur Umweltverschmutzung beitrage. Auf der anderen Seite macht es einem die Gesellschaft mit ihren "anderen Werten" unerträglich schwer sich damit auch zufrieden zu fühlen, weil man ständig gegen den Strom schwimmen muss und das natürlich auch Unverständnis auslöst.

    Es gibt wirklich viele Menschen, die sich aus der Konsum- und Leistungsgesellschaft nicht viel machen und deren Werte auch nicht übernehmen.

    Mir ist der Gedanke zu einseitig.

    Es ist doch bekannt, dass Geld allein nicht glücklich macht, ebenso wenig wie ein teures Auto oder tolle Klamotten.

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