• Die Logik vom Glücklichsein - Teil 2

    Hallo alle miteinander! Ich habe gestern mit einem Freund über das Glücklichsein gesprochen. Ich habe behauptet, dass Menschen glücklich sein wollen, aber sich nicht besonders viele Gedanken darüber machen, sondern sich den lieben langen Tag mit Dingen beschäftigen, die nichts mit Glücklichsein zu tun haben, und sie auch nicht darauf hinarbeiten. Um sich…
  • 748 Antworten
    Hanca schrieb:

    Es gibt wirklich viele Menschen, die sich aus der Konsum- und Leistungsgesellschaft nicht viel machen und deren Werte auch nicht übernehmen.

    Mir ist der Gedanke zu einseitig.

    Viele Menschen? Das kann ja so nicht stimmen, denn dann würde es diese ja nicht geben. Stelle Dich mal morgen früh an eine Hauptstraße und erkläre den Leuten, dass es keine Leistungsgesellschaft gibt ... die fahren da alle sicher net in die Arbeit, weil da die Tapete so schön ist.


    Menschen sind Gruppenwesen. Und Werte werden immer innerhalb dieser Gruppen und deren Kultur ausgehandelt. Zufriedenheit definiert sich ganz wesentlich darüber, inwiefern man "dazu gehört". Studiere dazu mal diverse Literatur. Klar, ist das einseitig, aber so komplex wie wir immer meinen zu funktionieren, sind wir nicht. Vieles ist auf einfache, elend alte Grundregeln zurückzuführen.


    Und manchmal ist es dann tatsächlich einfacher und sinnvoller sich eine Currywurst und ein Pils am Imbiss zu holen, als sich irgendein Superfood nach dem Yoga reinzuschieben, weil es im "Gesundheitsratgeber zur Selbstoptimierung" steht.

    Zitat

    Und manchmal ist es dann tatsächlich einfacher und sinnvoller sich eine Currywurst und ein Pils am Imbiss zu holen, als sich irgendein Superfood nach dem Yoga reinzuschieben, weil es im "Gesundheitsratgeber zur Selbstoptimierung" steht.

    Selbstoptimierung ist zu einem Unwort verkommen, aber wenn man darüber nachdenkt, dann ist das genau doch das Ziel im Leben. Das ist ja nicht, dass man schlechter wird, sondern besser. Die Frage ist nach welchen Werten und Worten lebt man, wie definiert man den Erfolg und was tut man dafür. Erfolgreich ist letztlich der Zufriedende. Zufriedenheit kommt von ihnen und ist auch m.E. kraft des freien Willens möglich, wenn man seinen Verstand benutzt und vertraut, um die eigenen Werte zu realisieren. Auch entsteht Zufriedenheit im Denken und unserer Wahrnehmung, die miteinander eng verwoben sind und Gesetzmäßigkeiten unterliegen, deren Wissen uns auf ein höheren Bewusstsein-Level heben können, wenn sie wir als wahr erkennen.

    Es geht also darum, dass Leben bewusst zu leben, anstatt ein passiver Akteur zu sein, der dem Schicksal oder dem System ausgeleifert ist. Per Definitionem kann man m.E. unbewusstes Leben als Zeitverschwenung betrachten, da es nicht nachhaltig ist (hinsichtlich unserer Selbstwirksamkeit, damit auch unserem Selbstwertgefühl, also letztendlich Zufriedenheit) sondern dahin plätschert. Zeit ist die entscheidende Ressource und wir alle stehen vor der Entscheidung, wie wir unsere begrenzte Lebenszeit gestalten wollen.

    Ich habe mir gerade alle Beiträge durchgelesen. Erst mal:

    @S. wallisii

    Sehr guter Beitrag. Aber dasselbe auch an die anderen Schreiber*innen.


    Zu dem 'Disput': ich glaube ihr habt dieselbe Ansicht, aber streitet um ein Wort, Selbstverwirklichung oder Selbstoptimierung, das ihr für euch persönlich anders definiert. Vielleicht kann man auch tatsächlich auf die Verwendungskontexte dieser Worte hinweisen und eine bestimmte Verwendung 'beweisen', aber das halte ich für weniger sinnvoll, da ihr m.E. inhaltlich auf derselben Linie seid.




    _nemesis schrieb:

    Viele Menschen? Das kann ja so nicht stimmen, denn dann würde es diese ja nicht geben.

    "Viele" ist ja ein relativer Begriff.

    Die überwiegende Mehrheit unterliegt sicherlich dem Konsum- und Leistungsdenken.

    Aber das sind längst nicht alle Menschen, so wie du es darstellst.


    Relativ viele Menschen erkennen, dass Leistung und Konsum nicht glücklich machen. Sie wenden sich anderen Werten zu und finden darin ihr Glück.

    Hanca schrieb:

    Relativ viele Menschen erkennen, dass Leistung und Konsum nicht glücklich machen.

    Willst du die Aussge wirklich so stehen lassen? Willst du damit wirklich behaupten, dass Leistung und Konsum niemanden glücklich machen und alle die danach streben falsch liegen?

    Oder meintest du, dass Leistung und Konsum nicht jeden glücklich machen? Da 'Glück' alleine schon sehr unterschiedlich definiert wird.

    Bei der Leistung würde ich differenzieren.

    Wenn die Leistung erbracht wird, weil man seine Berufung gefunden hat - ob privat oder beruflich - dann macht Leistung glücklich.

    Möchte man mit der Leistung nur Anerkennung oder Gewinn erzielen, wird sich kein wirkliches Glück einstellen.

    Konsum macht nicht glücklich. Klar, man kann sich eine Weile an etwas erfreuen, aber richtiges Glück ist das nicht.

    Dann kann man auch beim Konsum differenzieren und auf den //bewussten// Konsum verweisen, der zur Zufriedenheit nicht nur beiträgt, sondern essentiell ist (da wir Konsumgüter für die Befriedigung unser (Grund)Befürfnisse brauchen. Wenn wir diese bewusst auswählen, ist viel gewonnen).

    Hanca schrieb:

    Bei der Leistung würde ich differenzieren.

    Wenn die Leistung erbracht wird, weil man seine Berufung gefunden hat - ob privat oder beruflich - dann macht Leistung glücklich.

    Möchte man mit der Leistung nur Anerkennung oder Gewinn erzielen, wird sich kein wirkliches Glück einstellen.

    Konsum macht nicht glücklich. Klar, man kann sich eine Weile an etwas erfreuen, aber richtiges Glück ist das nicht.

    Die Ansicht stimmt mich irgendwie traurig.

    Was hast du denn studiert? Da gab es doch sicher auch (Neben)Fächer, die dir nicht lagen. Dann eine gute Note zu bekommen, obwohl es eben nicht der Berufung entspricht, macht doch sehr glücklich. Bei mir war das Mathe. Im Drittversuch (der letzte) habe ich mich so angestrengt, dass ich eine 2 bekommen habe. Das macht mich nicht nur stolz, sondern auch sehr glücklich.

    Und hast du dir nie etwas gekauft, das dich glücklich macht? Warum nicht? Warum gönnst du dir denn nichts?

    asdfgh123 schrieb:

    Dann kann man auch beim Konsum differenzieren und auf den //bewussten// Konsum verweisen, der zur Zufriedenheit nicht nur beiträgt, sondern essentiell ist (da wir Konsumgüter für die Befriedigung unser (Grund)Befürfnisse brauchen. Wenn wir diese bewusst auswählen, ist viel gewonnen).

    Na ja, wenn du es so ausweiten willst, macht es natürlich glücklich, wenn man nicht verhungern muss.

    Wenn wir schon von unserer Gesellschaft reden, die nicht hungern muss, dann ist die Erfüllung der Grundbedürfnisse etwas, was zufrieden macht.

    Das hat aber mit Glück noch nichts zu tun.

    JessSlytherin schrieb:

    Was hast du denn studiert? Da gab es doch sicher auch (Neben)Fächer, die dir nicht lagen. Dann eine gute Note zu bekommen, obwohl es eben nicht der Berufung entspricht, macht doch sehr glücklich. Bei mir war das Mathe. Im Drittversuch (der letzte) habe ich mich so angestrengt, dass ich eine 2 bekommen habe. Das macht mich nicht nur stolz, sondern auch sehr glücklich.


    Und hast du dir nie etwas gekauft, das dich glücklich macht? Warum nicht? Warum gönnst du dir denn nichts?

    Natürlich machen mich bestimmte Erfolge oder schöne Dinge glücklich.

    Ich kann mich an einer schönen Winterjacke über Jahrzehnte immer wieder erfreuen, wenn ich sie anziehe.

    Das hat aber nicht unbedingt mit dem Thema "Glücklichsein" zu tun.

    Glücklichsein können ist eine Fähigkeit, die man mit dem Konsum nicht erlangt.

    Es gibt ja viele Menschen, die sich jeden Wunsch finanziell erfüllen können und trotzdem nicht glücklich sind.

    Wenn ich die Intensität von Glück vergleiche, dann ist das Glück über materielle Dinge vom Gefühl her eher oberflächlich.

    Hanca schrieb:

    Wenn ich die Intensität von Glück vergleiche, dann ist das Glück über materielle Dinge vom Gefühl her eher oberflächlich.

    In deinem Fall ja, das spreche ich dir nicht ab. Aber du kannst doch nicht behaupten, dass du genau die einzig richtige Art von Glück hast und alle anderen Arten einfach falsch, oder in deinen Worten oberflächlich, sind.

    Hanca schrieb:

    Das hat aber mit Glück noch nichts zu tun.

    Das stimmt. Ich habe tatsächlich nur von Zufriedenheit gesprochen.

    Ich würde aber auch behaupten, dass Zufriedenheit keine Grundvoraussetzung für Glück ist, aber die Wahrscheinlickeit enorm erhöht, da man seine Zeit mit den Dingen verbringt, die einem richtig und wichtig sind und sich gerade in diesen Momenten das Glück häufiger zeigt als gegenüber Situationen, in denen man nicht im Moment ist, da sich die Gedanken um andere Dinge kreisen: Meistens eben doch um Vorstellungen von Außen, die man zu erfüllen versucht oder Meinungen, die andere von einem haben können.

    Tsunami_168 schrieb:

    Meine Frage lautet daher:

    Was braucht es, um glücklich zu sein?

    Das ist individuell unterschiedlich. Ich z.B. brauche dafür nicht viel - nicht einmal Gesundheit.


    Glück ist für mich, weitgehend ungehindert das tun zu können, was mich ausfüllt. Ich würde Glück und Zufriedenheit nicht strikt trennen. Glück ist für mich lediglich eine Steigerung von Zufriedenheit. Wer unzufrieden ist, kann vermutlich kaum Glück empfinden.


    Glück hat für mich sehr viel mit intensiver Dankbarkeit zu tun.