• Die Logik vom Glücklichsein - Teil 2

    Hallo alle miteinander! Ich habe gestern mit einem Freund über das Glücklichsein gesprochen. Ich habe behauptet, dass Menschen glücklich sein wollen, aber sich nicht besonders viele Gedanken darüber machen, sondern sich den lieben langen Tag mit Dingen beschäftigen, die nichts mit Glücklichsein zu tun haben, und sie auch nicht darauf hinarbeiten. Um sich…
  • 748 Antworten

    Eigentlich hatte ich ja fast versprochen, hier nichts zu schreiben. Sei's drum:


    Angeblich reitet ein Esel, wenn man ihm eine Möhre vor die Rübe hält.


    (Der vielleicht bessere Beitrag folgt noch.)

    JessSlytherin schrieb:
    Hanca schrieb:

    Wenn ich die Intensität von Glück vergleiche, dann ist das Glück über materielle Dinge vom Gefühl her eher oberflächlich.

    In deinem Fall ja, das spreche ich dir nicht ab. Aber du kannst doch nicht behaupten, dass du genau die einzig richtige Art von Glück hast und alle anderen Arten einfach falsch, oder in deinen Worten oberflächlich, sind.

    Ich kenne keinen einzigen Menschen, der durch Konsum wirklich glücklich ist.

    Und ich kenne viele Menschen.

    Es geht nicht um "die richtige Art" von Glück.

    Ob jemand glücklich ist oder nicht erkennt man ziemlich schnell.

    Tsunami_168 schrieb:

    Angeblich reitet ein Esel, wenn man ihm eine Möhre vor die Rübe hält.

    Auf einem Menschen oder worauf reitet der Esel? :-D

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    Ist doch recht persönlich, auf Englisch und eben so, wie ich es damals verfasst habe. Wenn ihr damit nichts anfangen könnt, ist das vollkommen in Ordnung. So, here it goes:


    Interessanterweise reflektiert diese Diskussion vieles, dass ich oftmals anspreche. Das Wort "Freiheit" fiel hier ja auch öfter in dem Zusammenhang. Ich meine soll doch mal jemand hier "Freiheit" definieren. Die Tatsache, dass so ziemlich alle Menschen irgendwie, irgendwo dem gleichem Lebensmuster folgen, spricht doch allein Bände. Die wenigsten Menschen können doch behaupten abseits von Kita, Schule, Abitur, Berufsausbildung, Job, Selbstständigkeit, Rente irgendwas großartig individuelles gefunden zu haben.

    Unsere Wirtschaftsdiktatur diktiert uns in jeder Lebensphase, was wir zu erfüllen, zu tun und zu lassen haben. Echte Alternativen gibts es schlichtweg keine. Und letztlich können wir die meisten Bestreben im Leben irgendwie, irgendwo auf das Thema Geld zurückführen. Das ist derart fest manifestiert, dass es kaum noch etwas gibt, was sich davon frei machen kann. Die Maschinerie ist so perfekt, dass die meisten Menschen es als völlig normal ansehen so zu leben - das man eben Geld verdienen muss, soziale Grundpfeiler über Steuern geregelt werden usw. - das man sich eben mal was gönnt, in den Urlaub fährt, etc.

    Aber letztlich geht es dabei immer nur um Geld. Geld verdienen, Geld ausgeben. Das ganze Leben dreht sich um diese beiden Dinge. Und Geld kann nur verdienen, wer erfolgreich, strebsam, gebildet, gesund ist - diese Eigenschaften sind absolut positiv besetzt, wogegen Ängste, Schwächen, Krankheit, etc. durchweg negativ belegt sind. Den einzigen Zweck, den ein Mensch in seinem Leben erfüllen muss, ist Leistung. Und sämtliche Zustände von Glück und Zufriedenheit werden heute großteils über eben solche Werte vermittelt.

    Und wie ich bereits sagte: Zufriedenheit ist immer auch ein Kontext in der Gruppe - wenn ich Anerkennung erfahre, Wertschätzung, etc. bin ich zufrieden. Das setzt aber voraus, dass ich den Werten der Gruppe und Gesellschaft folge - und das ist Leistung. Ich meine, wenn ich Künstler bin und absolut 100% überzeugt von meiner Arbeit, aber innerhalb der Gruppe keinen Zuspruch erfahre, bin ich trotzdem unglücklich damit. Auf der anderen Seite kann ich meine Arbeit überhaupt nicht mögen, zehre aber vom enormen Zuspruch der Gesellschaft und bin damit nicht wirklich zufrieden, aber auch nicht todunglücklich.

    Und wenn man dann vielleicht noch gut verdient, ist das noch besser, weil Geld ja heute das Blut in den Adern der Gesellschaft ist. Die Arbeit ist vielleicht totaler Käse, aber wenn die Kohle stimmt, spricht man nicht drüber. Und so oder so ähnlich dürfte es sich doch in zig tausenden Haushalten abspielen. Wenn keiner mehr Lohn bekommt, bleiben die meisten morgen zu Hause. Aus Überzeugung macht hier kaum einer was.

    Freiheit würde bedeuten, dass ich JETZT wandern gehen dürfte. Ich könnte das natürlich tun, dann würde ich aber kein Geld verdienen und wenn ich kein Geld verdiene, kann nächsten Monat keine Miete bezahlen und die anderen Ausgaben.


    Ich arbeite sehr gern, weil ich mag, was ich tue - es steht aber immer ein enormer Erfolgs- und Leistungsdruck dahinter. Und obwohl ich meinen Job als Berufung sehe, macht mich dieser ständige Existenz-Druck dahinter unzufrieden. Stellenweise extrem unzufrieden, weil sich ein Großteil meines Lebens nur darum dreht mir "ein Dach über dem Kopf" zu finanzieren.


    Und ich finde es extrem paradox, dass eine Gesellschaft, die solchen Druck auf seine Menschen ausübt dann auch noch Ratgeber verkauft, die einen glücklich und zufrieden machen sollen. Das muss man sich mal überlegen!

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    Tsunami_168 schrieb:

    Angeblich reitet ein Esel, wenn man ihm eine Möhre vor die Rübe hält.

    ... weil er den Menschen nicht für sich trägt, sondern weil es für den Reiter tut, um eine "Belohnung" zu empfangen. Ohne Reiter, der von ihm eine Leistung erwartet, würde der Esel einfach seine Nahrung frei suchen ... Für manchen Esel erscheint es aber erquicklicher, sich nicht selbst auf die Suche nach Nahrung zu begeben und sich stattdessen vom Reiter versorgen zu lassen, diesem sich dafür mit der Dienstleistung des Lasttieres zu unterwerfen.

    Zitat

    Glück ist nicht Zufriedenheit.


    Mich macht es glücklich, wenn ich zufrieden bin.


    Zitat

    Wenn man sich immer wieder neu ausprobiert und seine Grenzen überschreitet, dann stellt man fest, welches unglaubliche Potenzial in jedem Menschen steckt.

    Oder man hat seine Grenzen schlichtweg vorher nicht richtig erkannt und meint nun "seine Grenzen zu überschreiten".

    Zitat

    Grenzen sind nichts schlimmes. Irgendwo gibt es immer eine Grenze.

    Eine Rolle spielt eine Grenze ja nur, wenn sich das auf mein Befinden auswirkt, aber Menschen neigen dazu, solche Grenzen dann auch einfach zu übertreten. Anderseits gibt es viele Grenzen, die ich gar nicht erreiche, weil ich schon vorher in einem zufriedenen Zustand bin und ich das gar nicht erst will.

    Zitat

    Vollkommenes Wohlbefinden beinhaltet auch eine perfekte Körperbeherrschung und Körperwahrnehmung. Wohlbefinden bewirkt ein starkes Immunsystem.

    Sind für mich zwei paar Schuhe. Dass sich meine psychische Befindlichkeit auch auf meine also meine körperliche Gesundheit auswirkt ist klar. Aber, ob ich mich nicht wohl fühle, wenn ich keine perfekte Körperbeherrschung habe, hängt ja von meiner Einstellung ab. Würde ich jetzt so verstehen, dass sich Menschen, die z. B. im Rollstuhl sitzen und somit keine perfekte Körperbeherrschung haben, nicht wohlbefinden können und das ist ja nicht so. Wobei ich mit diesem „vollkommen“ und „perfekt“ überhaupt nichts anfangen kann. Aber das ist wieder typisch, dass es nicht reicht, dass es ein Wohlbefinden gibt. Es muss dann noch ein besseres oder schlechteres Wohlbefinden geben. Geradezu grotesk für mein Empfinden.

    Melete schrieb:

    Aber das ist wieder typisch, dasses nicht reicht, dass es ein Wohlbefinden gibt. Es muss dann noch ein besseres oderschlechteres Wohlbefinden geben. Geradezu grotesk für mein Empfinden.

    Und das ist wieder typisch für das Forum.

    Es werden Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und dann kritisiert.

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    sensibelmann99 schrieb:

    Für manchen Esel erscheint es aber erquicklicher, sich nicht selbst auf die Suche nach Nahrung zu begeben und sich stattdessen vom Reiter versorgen zu lassen, diesem sich dafür mit der Dienstleistung des Lasttieres zu unterwerfen.

    Warum denn unterwerfen? Beide wollen etwas, das der andere hat und werden sich einig.

    _nemesis schrieb:

    Unsere Wirtschaftsdiktatur diktiert uns in jeder Lebensphase, was wir zu erfüllen, zu tun und zu lassen haben.


    _nemesis schrieb:

    Aber letztlich geht es dabei immer nur um Geld. Geld verdienen, Geld ausgeben. Das ganze Leben dreht sich um diese beiden Dinge.

    Es ist doch bezeichnend, dass in einem Thema über Glücklichsein alles schwarz und negativ gemalt wird.

    JessSlytherin schrieb:

    Warum denn unterwerfen? Beide wollen etwas, das der andere hat und werden sich einig.

    Unterwerfen im Sinne von abhängig machen. Letztendlich erbringt der mit der Möhre nicht unbedingt eine Leistung, weil man nicht weiß, wie er zur Möhre gekommen ist. So funktioniert oft Ausbeutung.

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    Hanca schrieb:

    Es ist doch bezeichnend, dass in einem Thema über Glücklichsein alles schwarz und negativ gemalt wird.

    Hachja, alles! Du stehst echt auf Verallgemeinerungen.

    Das ist das komische was man 'individuelles Empfinden' nennt. nemesis fühlt sich vom System ausgebeutet, kehrt dem aber dennoch nicht den Rücken zu.

    Du beanspruchst für dich den einzig richtigen Pfad zur Erleuchtung gefunden zu haben. Ohnne bösen Konsum, schon garnicht von Medien, dafür freie Liebe ohne Regeln in der Hippiekommune.

    Ich kann beide Ansichten nicht nachvollziehen, aber wenn es auch glücklich macht, viel Spaß. Solange es mich nicht einschränkt, stört ihr mich nicht.

    Und in der Zwischenzeit bin ich einfach glücklich über all die schönen Sachen die ich mir gekauft habe, über mein Studium, meinen Vollzeitjob und meine Laster. Und das auch noch als Single. ;-D

    JessSlytherin schrieb:

    nemesis fühlt sich vom System ausgebeutet, kehrt dem aber dennoch nicht den Rücken zu.

    weil sie derzeit keine tragfähige Alternative sieht? Ein mieser Kompromiss?

    sensibelmann99 schrieb:

    Letztendlich erbringt der mit der Möhre nicht unbedingt eine Leistung, weil man nicht weiß, wie er zur Möhre gekommen ist.

    Das ist mir doch egal, ob er die angebaut oder gekauft hat. Also, wenn ich der Esel bin. Ich könnte mir endweder mein Futter suchen oder gegen meine Arbeitskraft eintauschen.

    nemesis hier könnte ja auch alles hinschmeissen, den Job und die Wohnung kündigen und irgendwo als Einsiedler in einsame Gebiete ziehen. Dann hätte sie ihre ultimative Freiheit.

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