@ Saldo

    Zitat

    tja, was brauchst Du??


    1. Den Willen, tatsächlich an deine(n) schwarzen Ka(ä)sten zu gehen. Absolute, schonungslose Ehrlichkeit. Daran geht kein Weg vorbei, das ist Vorbedingung.


    2. Die richtige Therapieform für Dich, die nicht nur an der Oberfläche kratzt ...

    Da ist es wieder: das, was ich als anmaßend empfinde. :(v Denn du unterstellst stillschweigend, dass Funkelstein unehrlich war, 20 Jahre Therapie nutzlos vertan und nur an der Oberfläche gekratzt hat. Wie kommst du darauf? Weißt du etwas, was wir nicht wissen? :|N


    Aus der Tatsache, dass sie die vermutete "Kiste" hier bei med1 nicht aufmachen will, lässt sich weder ableiten, dass da ein schwerwiegendes und bisher unbearbeitetes Problem vorliegen muss, noch, dass sie Kiste nirgendwo aufmachen will oder aufgemacht hat. Es lässt sich nur eins daraus ableiten: wir wissen zu wenig, um das beurteilen zu können.


    Man sollte seine Grenzen kennen. Mit Samthandschuhen hat das rein gar nichts zu tun. Soviel Bescheidenheit sollte schon sein – selbst wenn man seinen Guru gefunden hat und sich erleuchtet wähnt. Das ist aber nicht der allein selig machende Weg für alle Menschen.

    Individualist

    Zitat

    Da ist es wieder: das, was ich als anmaßend empfinde.

    Ich empfinde es als respektlos, hingegen die TE scheinbar nicht so sehr. Es ist das eine, dass Saldo für sich seinen Weg gefunden hat. Es sei ihm gegönnt. Es heißt noch lange nicht, dass dieser Weg auch für Funkelstein der richtige ist. Das muss sie schon selbst für sich herausfinden.

    Zitat

    Man sollte seine Grenzen kennen. Mit Samthandschuhen hat das rein gar nichts zu tun. Soviel Bescheidenheit sollte schon sein – selbst wenn man seinen Guru gefunden hat und sich erleuchtet wähnt. Das ist aber nicht der allein selig machende Weg für alle Menschen.

    Auch hier, volle Zustimmung. Allerdings empfinde ich Funkelstein als sehr kritisch und vertraue voll darauf, dass sie dies nicht nur bei sich ist, sondern auch bei den Beiträgen, die hier geschrieben werden. Sie kann sehr gut reflektieren und weiß sofort, was gar nicht auf sie passt und was überlegenswert ist. Nur weil sie gewisse Fakten nicht erwähnt, bedeutet es nicht, dass sie sie nicht sieht. Manchen fält es schwer eine aufgestellte Grenze zu respektieren, geschweige zu akezptieren, dass das alles schon seine Richtigkeit so hatte. Es ist ganz völlig egal, ob es hier jemand für richtig hält. Es geht doch darum, was Funkelstein für richtig hält.

    @ Funkelstein:

    Ja, es braucht schon einen Grund, die Kontrolle freiwillig abzubauen. Ich sage ja nicht, dass Du die Leine über Deine Gefühlswelt ganz loslassen sollst und Dich der Gefühlsflut aussetzt, das wäre auch in psychologischer Hinsicht nicht ratsam.


    Ich kann es nur an meinem Beispiel sagen, warum es sich evtl. für Dich lohnen könnte, sofern bei Dir womöglich ähnliche Probleme vorliegen. Ich bin sehr unbeweglich in meiner Mimik durch die Kontrolle meines Verstandes. Es fällt mir schwer, spontan zu reagieren, außer z. B. bei Kindern, die es irgendwie schaffen, mein Verstandeskorsett für einen Moment fallen zu lassen, weil sie kein Risiko darstellen. An der Oberfläche wirke ich relativ behend und charmant, in Wirklichkeit eine weibliche Waffe des Selbstschutzes, aber irgendetwas fehlt und lässt meine Umgebung mich als sehr nüchtern einschätzen. Sie spüren meine wohlwollenden Sympathieempfindungen nicht, weil ich so kontrolliert bin.


    Das führt zu Problemen mit der Außenwelt, auch in der Beziehungsfähigkeit. Männer finden das zwar irgendwie auch faszinierend, aber es entsteht einfach nicht mehr. Der Mann, sogar wenn ich echtes Interesse habe und eigentlich sehr viel für ihn empfinde (eine volle Eindeutigkeit lässt mein Verstand allerdings nicht zu), kommt nicht an mich heran und ist sich so meiner nie sicher. Dadurch bin ich wiederum seiner nicht sicher und würde niemals das Risiko eingehen, ihm meine Gefühle zu gestehen, außer harmlosen, risikolosen Zuwendungsbekundungen.


    Das wirklich Doofe ist, dass ich starke Liebesbekundungen als sehr extrem zudringlich empfinde, sogar wenn ich Interesse habe. Ich suche dann automatisch die Distanz, auch wenn es mir irgendwo gefällt. Das nur, weil ich diese Gefühlswallungen als unstabil, unkontrolliert und damit unzurechenbar empfinde, als wäre es Zorn, also irgendwo auch eine Schwäche bzw. ein Kontrollverlust. Damit komme ich nicht klar, auch bei mir selbst nicht. Verliebtheit macht mir Angst, denn ich möchte nicht die Kontrolle über meine Gefühle verlieren, also kämpfe ich dagegen an und entliebe mich so weit, dass ich mich wieder freier fühle. So stecke ich dadurch immer in einer gefilterten Gefühlswelt. Ich kann nicht richtig Wut empfunden, auch dort nicht, wo es angemessen wäre und vielleicht sogar notwendig.


    Warum ist das so bei mir? Weil ich in meiner Jugend sehr viel Kontrollverlust in meiner Familie miterlebte. Mein Vater war sehr jähzornig und hielt ein Terrorregime über der Familie aufrecht, meine Brüder blieben exzessiv im Drogenrausch verfangen, meine Schwester einer schweren Depression ausgeliefert, die sie in Suizidversuche trieb. Meine Eltern waren komplett überfordert und verloren die Kontrolle, die dann ich übernahm in der Familie.


    Das tue ich immer noch. Es war notwendig, diese Kontrolle, auch jetzt ist sie sehr nützlich. Alle lehnten sich an mich. Deshalb ist es auch schwierig, diese "Errungenschaft" des Überlebens in einer Extremsituation als etwas Hinderliches zu begreifen, da es jahrzehntelang funktionierte.


    Aber der Preis war sehr hoch: Ich wurde psychosomatisch krank, das alles lief über meinen Körper. Und wie oben beschrieben isolierte ich mich zwar erfolgreich und stabilisierend mit meinem Verstandeskorsett, das mir und meiner Familie Halt gab, aber dafür konnte ich nicht ausreichend Gefühlsmuskeln entwickeln, um ohne Verstandeskorsett auszukommen. Hätte ich diese, könnte ich besser auf intensive Gefühle eingehen, sie würden mir nicht Angst machen. Ich würde den Tiger nicht einsperren, sondern wirklich zähmen.


    Ich kann meine Gefühle immer noch nicht gut zeigen, aber ich sage sie nun wenigstens, das hat auch schon sehr positive Ergebnisse gebracht. Ich fühle mich dabei zwar etwas "übertrieben überschwänglich", aber mein Gegenüber braucht das einfach, um mich nicht als Kühlschrank zu erleben, was ich auch nicht bin. Es kommt der Wahrheit näher, wenn ich mir da Mühe gebe, auch wenn es mir schwerfällt. Ich fühle mich wie jemand, der eine Gesichtslähmung hat und deshalb seine Gefühle mimisch zu wenig ausdrücken kann. Trotzdem habe ich Gefühle, auch wenn sie schön verpackt sind in Ordnern, Boxen, Schubladen, Kisten, schwarzen, grauen und fast transparenten.


    Wer mich gut kennt, nimmt mich natürlich trotzdem wahr, aber gerade in einer anbahnenden Beziehung wird es schwierig, damit überhaupt mehr daraus werden kann. So fällt es mir auch schwer, die Gefühlsäußerungen von anderen richtig einzuschätzen, sie wirken oft etwas aufgesetzt für mich. Es braucht viel, bis ich Vertrauen fassen kann.


    Es hat eben schon Nachteile, mit denen ich mich nicht abfinden mag. Aber einen totalen Kontrollverlust möchte ich auch nicht. Ich hätte gerne mehr "Muskeln", um spontan und geschickt mit der Gefühlswelt umgehen zu können, ohne zimmern zu müssen. Ich möchte nicht mehr ein Krieger in voller Rüstung sein, weil es mich starr, unbeweglich und unbeholfen macht. Ich möchte lieber ein wendiger Gefühlssportler werden, der mit Gefühlen adäquat umgehen und situationsgebunden Risiken eingehen kann, weil er entsprechend wendig darauf reagieren kann. Dann wäre ich spontan.


    So aber in voller Rüstung bin ich in allem, was ich tue, starr und kontrolliert, exakt, korrekt, perfektionistisch, aber eben nicht wirklich wendig und angepasst, was mich auch in meiner Leistungsfähigkeit einschränkt. Ich kann in diesem Kontrollkostüm nicht hüpfen oder klettern, Sachverhalte nicht so gut im Überblick wahrnehmen, denn ich bleibe am Boden der Sachgegenstände, seziere die Details und kann diese nicht weglassen, auch wenn sie unwichtig sind, habe aber trotz dieser Genaugikeit einen blinden Flecken durch den Helm meines Verstandes. Ich kann nicht nach links oder rechts schauen, sondern nur geradeaus, was gerade ansteht. Ich bin nicht flexibel und auch nicht multitaskfähig, denn das (zwanghafte) Kontrollregime lässt derart viel Gleichzeitigkeit nicht zu, weil dadurch etwas unkontrolliert durchgehen könnte bzw. es ist nicht möglich, derart viel auf einmal zu kontrollieren, also muss fokussiert und vor allem Gefühle gefiltert werden.

    Individualist und Kleio

    Zitat

    Da ist es wieder: das, was ich als anmaßend empfinde.

    Zitat

    Ich empfinde es als respektlos, hingegen die TE scheinbar nicht so sehr.

    Beim Lesen eurer Kommentare bemerkte ich etwas:


    Vielleicht kommt hier nämlich erneut zutage, wie ich mit meinen Empfindungen umgehe. Beim Lesen jedes Beitrages tauchen bei mir diverse Gefühle auf, sei es nun, weil mich der Inhalt auf verschiedenen Ebenen positiv oder aber auch negativ berührt.


    Wie ich etwas empfinde – Inhalt, Wortwahl, etc. – behalte ich aber in der Regel bei mir, es sei denn, ich sehe eine deutliche Grenzüberschreitung oder ein großes Missverständnis.


    Wenn ich einen Kommentar hingegen "nur" als "anmaßend" oder ähnliches empfinde, habe ich a) erstmal Zweifel, ob ich mit dieser Bewertung überhaupt richtig oder nicht doch vollkommen daneben liege und b) das Gefühl, es steht mir gar nicht zu, das anzumerken.


    Ich möchte auch nicht, dass sich jemand in seinen Meinungsäußerungen beschränken muss. Vielleicht bemühe ich mich aus diesem Grund, über kleine anmaßende, respektlose Bemerkungen hinwegzusehen, obwohl ich sie als solche empfinde.


    Was in dem Fall der Grund dafür ist, dass ich meine Empfindungen bevorzugt für mich behalte und nicht äußere? Ich habe mir nun eine ganze Weile lang Gedanken darüber gemacht und bin leider zu keinem Schluss gekommen. Mir fällt es im Alltag oder etwa im Beruf eigentlich nicht schwer, meine Meinung zu äußern und dazu zu stehen – auch wenn sie auf konträre Ansichten oder Widerstand stößt. Angst vor Konfrontationen habe ich auch nicht.


    Wahrscheinlich ist hier der Knackpunkt einmal mehr, dass es nicht um thematische Inhalte geht, sondern um Emotionen und nicht nur um irgendwelche Emotionen, sondern um meine eigenen. Denen traue ich ganz offensichtlich nicht über den Weg und/oder habe nicht ausreichend Mut, emotional-verbal die Hosen runterzulassen und anderen zu sagen oder zu zeigen, was ich warum fühle.


    %:| %:| ??Ich finde mich selbst im Augenblick sehr, sehr gruselig und blöd und merkwürdig...??

    Energya

    Ich erkenne mich in einigen deiner Beschreibungen sehr deutlich wieder, in anderen allerdings gar nicht. Zum Beispiel das

    Zitat

    Ich bin sehr unbeweglich in meiner Mimik durch die Kontrolle meines Verstandes. Es fällt mir schwer, spontan zu reagieren

    ist bei mir ganz anders. Als ich aus persönlichem Interesse vor einiger Zeit Menschen aus verschiedenen Bereichen meines Lebens (engerer und weiterer Freundeskreis, Kollegium, etc.) fragte, mit welchem Adjektiv sie mich beschreiben würden, wurden u. a. solche wie "aufgeschlossen", "outgoing", "fröhlich", "charmant", "witzig", etc. genannt.


    Im alltäglichen Umgang mit anderen habe ich wirklich keinerlei Probleme, solange die emotionale Ebene nur auf der Oberfläche behandelt wird und nicht in die Tiefe geht. Da zeige ich mich in meinem Verhalten weder kontrolliert, noch kühl. Ich lache viel, aber man kann mir auch ansehen, wenn ich mich ärgere oder unglücklich bin, allerdings – und das ist wohl der Punkt -, nur wenn es um rein oberflächlichen Krams geht. Geht es auch nur minimal tiefer oder persönlicher: Shutdown, ich erfriere, ich erstarre und kann null Gefühl zeigen. Dann bin ich auch unbeweglich, aber halt "nur" dann.

    Zitat

    [...] aber dafür konnte ich nicht ausreichend Gefühlsmuskeln entwickeln, um ohne Verstandeskorsett auszukommen. Hätte ich diese, könnte ich besser auf intensive Gefühle eingehen, sie würden mir nicht Angst machen. Ich würde den Tiger nicht einsperren, sondern wirklich zähmen.

    Dein Vergleich gefällt mir sehr und dein Werdegang bewegt mich auf gewisse Art und Weise. Was ich bewundere ist, dass du dir mit der Zeit eine so detaillierte und exakte Einschätzung deiner selbst erarbeitet hast.


    Als ich deine Zeilen las, hatte ich das Gefühl dich mir vorstellen zu können und in der Lage zu sein, zu verstehen, warum du bist, wie du bist und wieso du machst, was du machst. Du beschreibst dich selbst als unbeweglich, an anderen Stellen als "Kühlschrank" und "Krieger in voller Rüstung", aber du erklärst auch deine Hintergründe und bist dir über deine Wirkung auf andere bewusst, siehst positive und negative Aspekte an dem Kühlschrankdasein und dem langsamen, vorsichtigen Auftauen, kennst deine Möglichkeiten und Grenzen.


    Ich bewundere das und schätze es als etwas sehr wertvolles ein, weil mir das – so fühle ich – fehlt. Gewisse Teile meines Selbst und meines Handelns sind sogar für mich selbst "Grauzonen", die ich nicht analysieren, erklären und verstehen kann. Da hilft alles an Reflexionsfähigkeit und Wille, mich selbst zu verstehen, nicht.


    Darf ich dich fragen, wie du in und mit dir selbst mit deinen Gefühlen umgehst? Behältst du dein "Korsett", deine "Rüstung" immer an? Macht es einen Unterschied ob du alleine bist oder andere Menschen um dich hast? Gibt es Momente, in denen du dir bewusst erlaubst, das "Korsett" abzulegen oder brichst du manchmal ungewollt und unvorhergesehen aus ihm aus?


    Alles Liebe für dich! @:)

    @ Funkelstein

    Das akute Überschriftsthema dieses Fadens hat sich ja einstweilen erledigt, bzw. ist auf unbestimmte Zeit ad acta gelegt. Worum soll es im weiteren Verlauf des Fadens gehen? Was möchtest du?

    Zitat

    So siehst du das?

    Das war eine spontane Assoziation, während ich eigentlich gerade dabei war, eine weniger metaphorische Antwort an Saldo zu verfassen. Ich erlag dann der Versuchung, den langatmigeren Text zugunsten der Metapher zu verwerfen.


    Spontane Assoziationen sind ja meist unzensierter als bewusste Gedanken; bei mir gehen sie jenen oft voraus. Insofern wird wohl was dran gewesen sein. Ich muss dem Impuls nochmal nachgehen – und vielleicht doch versuchen, ihn in rationale Sprache zu übersetzen...

    20 Jahre Therapie....


    .... finde ich extrem viel. Mag sein, dass Menschen mit akuten und extremen Problemen tatsächlich ihr Leben lang Begleitung brauchen, weil eine schwere seelische Erkrankung nun mal nicht so einfach vom Partner, von Freunden, von der Familie, die meist allesamt Laien sind, abgefangen werden können.


    Ich habe nicht den ganzen Faden gelesen sondern bin beim Ursprungspost geblieben (ich geb's zu). Und da hab ich das Gefühl, dass da eine Abhängigkeit zu Therapeuten besteht, nicht zu einem speziellen, sondern ganz allgemein. Wie ein Kind, dass, wenn es erwachsen wird, die Hand der Mutter nicht loslassen will, weil es sich noch immer vom Leben überfordert fühlt.


    Auch wenn ich da keine Erfahrung habe, ich könnte mir vorstellen, dass - bei aller nötigen Professionalität des Therapeuten - nach mehreren Jahren eine Bindung entstehen kann, die für eine Therapie nicht günstig ist, weil die jeweilige Form der Therapie so einen Zeitrahmen vielleicht gar nicht vorsieht.


    Raten kann ich nichts. Außer, wenn kein dringender Therapiebedarf besteht, den Therapeuten loszulassen. Irgendwann muss man ein eigenes Leben wagen - mit Partner, mit Freunden... und nicht mit jemandem, der dafür bezahlt wird.

    Individualist

    Zitat

    Denn du unterstellst stillschweigend, dass Funkelstein unehrlich war, 20 Jahre Therapie nutzlos vertan und nur an der Oberfläche gekratzt hat.

    Das ist nicht richtig. Wo unterstelle ich das?

    Zitat

    Aus der Tatsache, dass sie die vermutete "Kiste" hier bei med1 nicht aufmachen will, lässt sich weder ableiten, dass da ein schwerwiegendes und bisher unbearbeitetes Problem vorliegen muss, noch, dass sie Kiste nirgendwo aufmachen will oder aufgemacht hat.

    Wer sagt denn, dass sie sie (hier) nicht aufmachen will? Und wo habe ich geschrieben, dass da ein ein schwerwiegendes und bisher unbearbeitetes Problem vorliegen muss? Sie hat geschrieben, dass sie daran gearbeitet hat und ich bin der Meinung, dass eine Gesprächstherapie einem Muster erklären, sie aber nur schwer beseitigen kann. Und ich gehe nach wie vor davon aus, dass man seine Probleme beseitigen möchte, wenn man eine Therapie macht.


    Nett, dass Kleio und Du Funkelstein so vor meinen Anmaßungen schützen wollt, ich habe nicht den Eindruck, dass sie das braucht.


    Wieso macht ihr das eigentlich?

    Saldo

    Zitat

    Wieso macht ihr das eigentlich?

    du wirst lachen, diese frage habe ich mir auch schon gestellt. nach meinem empfinden finde ich deine aussagen sehr klar und deutlich, ob die TE sie annehmen möchte ist ja ihre Entscheidung. aber ich bin auch ein mensch der klartext liebt. was individualist und kleio da machen, ist nach meiner wahrnehmung pseudointellektuelle wortklauberei (sorry ]:D ). aber das sieht vermutlich jeder anders.

    @ Funkelstein

    Meine Therapeuten beruhigten mich, was meine Ausstrahlung betrifft, ich habe "ein liebes Pokerface", ich bin eher eine friedliche Buddha-Statue, also schon warmherzig in meiner Art, aber eher milde, gleichbleibend, wie ein stiller See, keine großen Gefühlsausbrüche, außer bei Kindern, wo ich nicht das Gefühl habe, mich schützen zu müssen. Außerdem habe ich von Kind an gelernt, meinen jähzornigen Vater zu umschmeicheln und meine weiblichen Waffen in diesem Sinne allgemein einzusetzen, damit ich von meiner Umgebung nicht abgewiesen werde, wovor ich ja Angst habe, weil meine Brüder mich von Kind an ablehnten. Aber es ist schon sehr vom Verstand "geplant".


    Ich hab ja schon erwähnt, dass es mir persönlich eher recht ist, wenn der Thera "ein bisschen" in mich verliebt wäre oder zumindest etwas "angetan", das wäre strategisch gesehen günstig, um meine Therapie bei ihm zu sichern. Also achte ich gut darauf, mich nett anzuziehen, ihn um den Finger zu wickeln, so weit, damit er mir erhalten bleibt. Dazu muss ich sagen, dass mein Thera sich seine Patienten aussuchen kann, er hat genug Arbeitsstress. Es besteht immer das Risiko, dass er mich weiterdelegieren könnte. Und ich hänge eben schon an ihm, er bringt mich weiter, es läuftig günstig bei ihm, ich möchte nicht wechseln und wieder das Risiko eingehen, von einem anderen Thera verletzt zu werden. Dieser Thera ist ein kalulierbares Risiko für mich. Er ist nicht der Typ, der mich bewusst verletzen will. Er ist nett und diese Nettigkeit tut mir gut. Das soll so bleiben. Ich mag ihn.


    Durchdachte Gefühle also. Oder dann gebe ich meinen Gefühlen eine logische Ausrichtung und steuere sie dadurch, soweit sie sich steuern lassen, entwickle logische Strategien der Gefühlsbewältigung. Als ich mich von meinem Ex trennte, plante ich das Entlieben Schritt für Schritt. Und es funktionierte. Allerdings rüstete ich danach auf und ließ es nie mehr so weit kommen bei einem anderen Mann, aus Sicherheitsgründen.


    Seither wäge ich genau ab, ob es das Risiko wert ist, inwiefern ich davon profitiere in meiner Entwicklung, auch wenn es schiefgehen sollte, wie ich mich vor einer Vereinnahmung retten kann und mich selbst bleibe. Ich baue mir ein soziales Netz auf, um mich auf mehrere abzustützen und nicht nur auf eine Person. Und ich versuche, mit Freunden in einem Geben und Nehmen zu leben, sodass beide Seiten den Kontakt als gewinnbringend erleben für ihr Leben, wobei ich es offen lasse, ob das für immer so ist. Ich verlasse mich nicht darauf und vereinnahme niemanden, brauche aber doch Bezugspersonen, die teilweise wechseln, wenn ein Kontakt sich verliert.


    Das Leben ist eine Schule mit vielen Weggefährten. Manche bleiben, andere gehen wieder. Und jedes Mal lerne ich etwas dazu. Es kann sogar sein, dass ein Kontakt irgendwann zum Kerker wird und beide dazugewinnen, wenn sie sich trennen, hab ich auch schon erlebt bei einer langen Freundschaft. Aber irgendwie ist auch das therapeutisch wertvoll, bis man herauswächst und neue Impulse braucht. Ich kann da erschreckend gut "umschalten", wenn ich es erstmal logisch durchdacht habe.


    Nur bei meiner Familie ist es anders, da gibt es eine wirklich starke Bindung, die ich nicht cutten kann. Dort bin ich Drehscheibe und Stützpfeiler, Beschützer und Verteidiger, Mädchen für alles, Administration und Problemlöser. Gerade deshalb brauche ich selbst Bezugspersonen, die mich dahingehend etwas entlasten, damit ich nicht zusammenbreche.


    Ja, ich erkenne meine Muster, aber das befreit mich noch nicht aus der Rüstung. Ich muss es im Leben selbst "trainieren", um wendiger zu werden. Das teste ich gerade bei einem Mann aus, der eine Art Ersatztherapeut geworden ist. Er bedeutet mir sehr viel, trotzdem denke ich auch bei ihm strategisch, weil ich strategisch fühle oder meine Gefühle meinen Gedanken folgen, ich nicht zu viel erwarten will, trotzdem sehr viel von ihm lerne. Na ja, ein offenes System, wo Gefühle vom Verstand reguliert werden, wo ein Verstandespolizist einem Gefühlsauto sagt: Hey, hier lang, dort bleibt es sicher und auf diese Weise gibt es keine Verletzten oder nur geringfügige Prellungen.


    Ich versuche, meine Erwartungen runterzuschrauben und eher den Spaßfaktor der Situation zu sehen, den Moment zu schätzen, egal was morgen sein wird. Solche Dinge lassen sich – leider – nicht steuern. Deshalb lasse ich es offen und versuche, den Sinn auf einer höheren Ebene zu finden, auch wenn es rein äußerlich scheitern sollte. Wenn ich ihn treffe, plane ich immer noch etwas Berufliches dazu, damit ich am Ende sagen kann: Dieser Tag war so oder so wertvoll, weil ich dies und das beruflich erledigen konnte. Das andere ist nur Beiwerk. Niemals soll es mich voll vereinnahmen und ich möchte mich auch nicht davon abhängig machen. Denn für mich wäre schlimm, wenn ich einer Sache hinterherrenne und meine Zeit vergeude und am Ende leer dastehe. Und da es bei ihm sowieso therapeutisch wertvoll ist, lohnt es sich auf alle Fälle, egal wie ich da rauskomme, ob nun mit oder ohne Prellungen.


    Er ist unglaublich hilfsbereit und findet irgendwie immer die richtigen Worte für mich. Wenn nichts wird, würde ich versuchen, auf der Freundschaftsschiene zu bleiben, weil er mir auch rein menschlich viel bedeutet. Aber leider lässt sich gerade das nicht steuern. Es gelingt nicht immer, deshalb bin ich sehr vorsichtig, um diese Möglichkeit zu behalten. Er begleitet mich nun schon über 4 Jahre. Ein guter Freund, für den ich aber mehr empfinde, wo irgendwie etwas läuft, auch von ihm aus. Aber wir ließen es bisher bei einer Freundschaft, eben weil diese so wertvoll ist. Ich möchte ihn als Menschen nicht verlieren. Er ist mir eine große therapeutische Hilfe, ohne es zu wissen. Und dann habe ich noch meinen Thera und meinen Hausarzt, die mich stützen. Ich bin sehr dankbar dafür. In der Zwischenzeit bemühe ich mich, auf die eigenen Beine zu kommen.

    Energya

    Zitat

    Also achte ich gut darauf, mich nett anzuziehen, ihn um den Finger zu wickeln, so weit, damit er mir erhalten bleibt.

    Bist Du damit nicht bereits voreingenommen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es normal ist, dass ein Therapeut irgendwann mal zu seinem Klienten sagt, dass er jetzt keine Lust mehr auf ihn habe (oder was auch immer) und ihn dann "weiterdelegiert". DAS waere doch wirklich nicht professionell. (Und wir reden hier nicht ueber die schwarzen Schafe, Ausnahmen gibt es immer.)


    Das klingt eher, als haettest Du die Befuerchtung, ihn zu verlieren. Das schraenkte dich ein und waere schade fuer ein freies Herangehen an Deine Probleme und den offenen Umgang damit. Der ist aber notwendig zur Aufarbeitung.


    Der ganze zweite Absatz erinnert mich an meine Freundin, von der ich schon erzaehlt habe. Und dieses (Achtung, ich stichel, also bitte nicht zu ernst nehmen) "Och, mein Thera ist nett, ich gehe da gerne hin" - diesen Eindruck von Halbherzigkeit hatte auch Funkelstein bei mir hinterlassen.


    Ich sehe das so:


    Wir alle sitzen in einem Haus, das seine Fehler hat (unsere Vergangenheit, bei unserer Geburt war das Haus neu). Wir schauen auf verschiedene Haeuser, die teilweise schlechter, teilweise besser aussehen (das sind Alternativen, zu denen wir umziehen koennten). Ja, ich weiss, auch wenn das hier gerne immer wieder uebersehen wird, dass ich nicht viele Stockwerke nach unten zu gehen hatte, um mein altes Haus zu verlassen. Ich hatte keine Todesaengste, die mich gezwungen haben zu gehen (oder zu bleiben??), ich hatte auch keine grossen Aengste und grosse Barrikaden zu ueberwinden. Aber ich hatte massive, beziehungsbedrohende und mich selbst stoerende Schwierigkeiten und auch meine Tueren nach draussen waren verschlossen.


    Aber ich habe den Schritt gemacht, diese Tueren einzureissen, DAS ist das entscheidende.


    Jetzt stehe ich in meinem neuen Haus, das natuerlich immer noch weit ab von perfekt ist und einige alte Macken sind auch noch da. Aber es regnet nicht mehr rein, was ein unglaublicher Fortschritt ist und ich WEISS einfach jetzt, dass JEDER sein Haus verlassen kann.


    Aber die Tuer nach draussen, die muss man erstmal suchen wollen.

    Das gehört eben zu meinem Problem dazu, dass ich kein Vertrauen aufbauen kann, was ich meinem Thera auch klar vermittle. Meistens liege ich damit sogar richtig, aber ich werde gerne positiv überrascht. Dann gewinne ich in kleinen Schritten Vertrauen. Aber das Risiko, meinen Thera zu verlieren, möchte ich gar nicht erst eingehen bzw. ich versuche, es zumindest hinauszuzögern, bis ich spüre, dass der Thera innerlich nicht mehr bei der Sache ist, dann würde ich selbst gehen wollen. Aber vielleicht brauche ich ihn dann nicht mehr so sehr wie jetzt. Ich habe meinem Thera auch allgemein gesagt, dass ich mich bemühe, mein Gegenüber bei der Stange zu halten, weil meine Mutter mir früher immer davonrannte und mich nie ausreden ließ.

    @ Saldo:

    Ich finde Dein Gleichnis mit der Tür und dem Kasten gut, aber jeder muss seine eigene Therapieform finden. Und ja, es gibt solche, die bedroht und traumatisiert wurden und Gründe haben, kein Vertrauen zu entwickeln, die durch vielererlei Situationen getriggert werden. Mein Hausarzt, zu dem ich auch Vertrauen aufbauen konnte, trug einmal eine braune Jacke, als er in die Praxis kam. Das hat mich irgendwie an meinen Vater erinnert und für einen Moment spürte ich einfach nur panische Angst, die Angst meiner Kindheit vor meinem Vater. Erst als mein Hausarzt die Jacke auszog und nicht mehr so ernst blickte, konnte ich wieder durchatmen. Und so ist das bei vielen Dingen. Die Erinnerungen an dramatische Kindheitserlebnisse, wie mein drogensüchtiger Bruder nach mir griff, als ich acht war, all die Aggressionen, die ich als Kind miterlebte. Ich fürchtete mich vor meinem Vater mit seinen braunen Schuhen, ich sah immer nur diese braunlackierten Schuhe. Das wird man einfach nicht mehr los, auch wenn ich meinen Vater im Laufe der Jahre zähmen konnte, indem ich ihn mit meinem Töchterchen-Charme um den Finger wickelte.


    Aber solche frühen Prägungen bleiben in der Psyche haften und laufen automatisch ab wie ein Notfallprogramm. Als mein Neffe seinen Stimmbruch bekam, erschreckte ich jedes Mal, wenn seine Stimme sich irgendwie bärig anhörte wie bei meinem Vater. Das alles, obwohl ich auch schöne Erinnerungen habe von meinem Vater und diese viel stärker in mir präsent sind. Ich vermute mal, bei Funkelstein wird es auch ähnliche psychosoziale Bezüge geben.

    Zitat

    Das akute Überschriftsthema dieses Fadens hat sich ja einstweilen erledigt, bzw. ist auf unbestimmte Zeit ad acta gelegt. Worum soll es im weiteren Verlauf des Fadens gehen? Was möchtest du?

    Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist bloß, dass es mir auf merkwürdige, sonderbare Weise hilft, hier zu schreiben. Nein, helfen ist vielleicht nicht richtig. Vielmehr tut es mir gut, hier zu schreiben.

    Energya, ich hatte auch solche Bilder.


    Und ich bin ihnen mit Hilfe meiner Therapeutin nachgegangen. Jedem einzelnen. Ich verstehe jetzt meine Beziehung zu meinem Vater, ich weiss, was meine Mutter für eine Rolle gespielt hat, ja ich weiß sogar, warum ich so ein übermäßiges Interesse für den 2. Weltkrieg hatte. Und ich sage bewusst "hatte", denn seit wir diesem Bild nachgegangen sind, ist mein Interesse für Fernsehsendungen über dieses Thema auf ein absolutes Normalmaß zurückgegangen. Das hat mich selbst überrascht.


    Aber ich habe diese Bilder nie als gegeben hingenommen. Ich habe immer gewusst, dass sie eine Bedeutung haben, sonst wären sie ja nicht da.


    Vor einem Jahr spielten fast alle meine Träume ganz oder teilweise im oder um das Haus, in dem ich aufgewachsen bin - das kommt fast nicht mehr vor. Ich finde das gut und glaube ganz und gar nicht, dass ich der einzige bin, der das kann. *:)

    @ Saldo

    Ich finde Therapie auch wichtig, aber Dein Höhenflug könnte auch ein Zeichen sein, dass Du gerade von Deinem Unbewussten überschwemmt wirst, was Dein Selbstbwusstsein aufbläht. Es hat etwas Ungesundes, wie Du Deinen "Erfolg" hier anpreist und uns vorgeben willst, zu Deinem erreichten Standpunkt zu gelangen, als wären wir weit hinter Dir in der trockenen Wüste, Du aber in der Oase der wahren Selbsterkenntnis. Mein Bruder war auch mal auf diesem Trip und fiel dann in eine schwere Depression.


    Versuche, realistisch zu sein und Dich nicht einer Fatamorgana hinzugeben. Sonst verbrennst Du Dir nur die Flügel. Funkelstein ist wenigstens stabil durch ihren nüchternen Verstand, ich mach mir mehr Sorgen um Dich ... Pass auf Dich auf und lass Dich von Deiner Therapeutin stabilisieren, denn das ist nun mal auch eine Phase bei Dir in der Therapie, die sie eigentlich bei Dir erkennen müsste. Vorher Krieg und jetzt gleich das Paradies des Geheilten, das sind starke Extreme und weisen darauf hin, dass Du gerade im anderen Extrem steckst. Das ist auch nicht gut. Gehe in die Mitte des Weges. Dort wäre das Gesunde und Normale.


    Jetzt bin ich mal gespannt, wie Du das aufnimmst, ob Du auch etwas annehmen kannst. Es ist nämlich nicht böse gemeint von mir, ganz im Gegenteil. Die Frage ist nur, ob Du das erkennen wirst.

    Huhu!!

    Erstmal Danke für die Empathie.


    Aber ich gehe nicht mehr zur Therapie. Nur noch ein- / zweimal im Jahr, wenn ich eine Frage an mich habe.


    Bevor Du jetzt wie die Mutter von Ödipussi "Das finde ich unverantwortlich!" ;-D sagst:


    Ich befinde mich seit dem Ende meiner Atemtherapie (das ist jetzt weit über ein Jahr her) in diesem Zustand, in dem ich ständig weiterlerne und meine Erkenntnisse über mich ausbaue. Ich würde das als stabil bezeichnen. Und es käme mir nicht in den Sinn, davon zu sprechen, dass ich vorher nicht stabil war, ich hatte nur mehr Probleme. In einem Forum kommt das natürlich nicht rüber, aber ich bin keineswegs ein Messias, der andere zu bekehren versucht oder renne mit der Fahne voran. Unsere Gesellschaft hält Therapie noch immer viel zu sehr für das letzte Mittel, um Irre vor der Klappse zu retten, deshalb halte ich mich da gerne zurück. ;-) Ich kann hier auch nur schreiben, dass ich mich anderen nicht überlegen fühle (das ist so!) – ob ihr mir das glaubt, oder nicht, darauf habe ich keinen Einfluss.


    Ich will ja auch nicht zanken, aber wenn Kleio und Individualist in meinen Augen so in die falsche Richtung laufen, möchte ich das halt auch ungern so stehen lassen. Dabei entsteht dann vielleicht der Eindruck, ich würde missionieren. Früher hätte ich gegenan geprügelt, heute bleibe ich immerhin bei der Sache.


    Ich hatte ja mal einen Faden gestartet, dass meine Frau und ich wieder zusammengefunden haben. Die Quintenssenz sollte eigentlich sein, dass jeder zu sich finden muss, dann findet er auch zu seinem Partner. Das ist nicht herausgekommen, oder?? ":/ Finde ich schade, aber so ein Forum hat halt seine Grenzen. Ich freue mich auf das erste Skype-Forum, wo man die Leute auch sehen kann, um deren Aussagen einzuschätzen. (Das wäre halt nicht mehr anonym, gine dann auch wieder nicht, och menno... :=o )


    So funktioniert das bei mir. Ich lerne mit jedem Post hier dazu. Und finde das total spannend.


    Also ja, ich erkenne, dass das nicht böse gemeint ist von Dir, aber nein, ich finde mich in Deinem letzten Post überhaupt nicht wieder. Das was Du beschreibst, passt nicht auf mich.

    Ich muss euch befragen.


    Mir ist in einer überraschenden Situation aus einem unüberlegten Impuls heraus ein sehr, sehr dummer und unangenehmer Fehler unterlaufen.


    Der ehm. Therapeut hat am letzten Wochenende erneut versucht persönlichen Kontakt herzustellen. Bisher hatte ich das zumeist abgeblockt oder mich vor allem zuletzt bemüht, es einfach nicht zu beachten und nicht darauf zu reagieren. An diesem Wochenende habe ich allerdings den Kontakt nicht nur zugelassen, sondern habe auch positiv darauf reagiert. Das geschah zur Gänze unkontrolliert, ohne nachzudenken, einfach aus einem akuten, momentanen Gefühl heraus.


    Nun ist mein primäres Problem nicht, dass ich das schrecklich bereue und dem Therapeuten durch mein bescheuertes Verhalten eine positive Rückmeldung auf seine Person gegeben (und somit vermutlich Hoffnung auf "mehr" gemacht) habe, sondern vielmehr, dass ich das Gefühl habe, mich selbst verraten zu haben und mir zudem nicht mehr trauen zu können. Dass ich etwas mache, was ich eigentlich gar nicht tun möchte und mir eine derartige Entgleisung passieren kann, erschreckt und ängstigt mich. Wenn ich mich nicht einmal auf mich selbst verlassen und mir vertrauen kann, wem denn dann?


    Habt ihr Gedanken dazu?


    Und nein, es geht nicht um den ehm. Therapeuten und sein möglicherweise fragwürdiges Handeln. Es geht (mir), um mich und mein fragwürdiges Handeln und darum, dass irgendetwas mit meinem Denken und Empfinden, meinem Kopf, meinen Taten einfach nicht stimmt. %:|