Diese Übelkeit - ich gehe auch psychisch allmählich am Stock.

    Hallo zusammen,


    ich war lange Zeit stiller Mitleser und möchte nun auch mal den Schritt wagen mein Problem zu beschreiben. Ich möchte euch allerdings vorwarnen, das könnte unter Umständen etwas länger werden. Ich erhoffe mir natürlich die ein oder andere Sichtweise, die mir bis dato evt. verborgen blieb.


    Ich leider seit gut 1 Jahr an einer „nicht medizinisch“ begründeten Übelkeit inkl Magendruck und ab und an auch Sodbrennen. Diese Übelkeit ist aber unter KEINEN! Umständen lapidar. Teilweise so extrem, dass ich denke ich müsse mich übergeben. Unabhängig von Situationen (was ich gerade mache, wo ich mich befinde), unabhängig meiner Gedanken (womit ich mich beschäftige) unabhängig von dem was ich esse. Bis auf Unverträglichkeiten (die ich im Selbstversuch ausgeschlossen habe) wurde wirklich, eigentlich ALLES untersucht.


    Warum schreibe ich das im „Psychologie Sub Forum?“


    Mein Arzt sagt, es sei sicherlich psychosomatisch. Ich befinde mich derzeitig auch in Therapie (was mir aber gefühlt gar nichts bringt) und auch Medikamente nahm ich schon (Doxipin, Citalopram) ohne den gewünschten Erfolg. Ich war auch schon bei einer Psychiaterin welche komischerweise sogar noch eher Wasser auf die Mühlen gekippt hat, da sie meinte „nun da Ihr Symptom ja durchaus durchgängig ist, ist eine psychische Ursache nicht ausgeschlossen, wenngleich wäre das nicht mein erster Gedanke“. Ich möchte nach der langen Zeit nicht ausschließen, dass sich diese Übelkeit evt psychisch irwie manifestiert hat aber dennoch kann ich einfach nicht glauben, dass es allein psychische Ursachen hat.


    Zu meiner Situation:

    Vor ca 1 Jahr hatte ich eine schmerzhafte Trennung hinter mir! Diese Frau war meine große Liebe, ein ständiges auf und ab, dann auch mal wieder auseinander, dann irgendwie wieder zusammen, dann den Eindruck gehabt sie würde sich das Ganze von anderen schlecht reden lassen (dem war auch definitiv so), wieder Stress, Ärger, wir beide haben vieles falsch gemacht. Im letzten Jahr dann noch mit ihr in den Urlaub (auch da war sie schon gereizt, pampig – vermutlich auf Grund Ihres Gewissens weil ich ihr klar gesagt habe, sie solle mir sagen wenn es jmd gibt!), wir kamen zurück und 4 Tage später, einen Tag vor meinem Geburtstag eröffnet sie mir plötzlich, dass sie einen anderen hat. Aber wir wären ja auch nicht zusammen gewesen, ich sollte es dennoch wissen! Etwas später habe ich dann erfahren, dass das wohl schon seit 1 ½ Monaten so ging!


    Ich habe viel investiert, meine Küche steht noch dort, auch andere Gegenstände – da wir vor langer Zeit mal vor hatten zusammen zu ziehen. Dann war aber riesen Zoff, Streit, wir verloren uns fast ein halbes Jahr aus den Augen bis wir wieder zueinander fanden. Schwierige Zeit. Dort reagierte ich jedenfalls nicht mit Übelkeit ….


    Ich kann ihr diese Dinge auf Grund verschiedene Sachen nicht einfach wegnehmen, im Grund will ich das auch gar nicht. So sehr man mich verletzt hat, so sehr ich Hass schiebe, so sehr gibt es aber auch Momente (nicht wenige) in denen ich sie vermisse! Wir haben unfassbar viel zusammen durch und Momente erlebt, die absolut einzigartig auf Grund der besonderen Beschaffenheit mancher Momente waren.


    Ich hatte erzählt, dass wir zusammenziehen wollten. Ich hatte meine Wohnung gekündigt, verlor völlig überaschend meinen Job und zog für den Übergang zu meinen Eltern. Mein Vater hatte Krebs. Mein Vater verstarb nach langem Kampf daran, kurz danach trennte sie sich das erste Mal (ich erwähnte das). Ich bleib hier wohnen, lenkte mich mit Alkohol und anderen Frauengeschichten ab, wir haben dann wieder zusammen gefunden (auch das habe ich schon erwähnt).


    Ich wohne noch immer zuhause, im gleichen Haushalt wie auch meine Oma. Meine Oma ist fast 100 und irwie, ich weiß nicht, aber ich habe fast Angst vor alten Menschen. Ständig höre ich diesen Stock von ihr (gehhilfe) der dann mal wieder umfällt und man weiß nicht, ist es der Stock, war es mal wieder sie? Man ist quasi ständig im Alarmmodus. Sie verlangt meiner Mutter unheimlich viel ab, sie kocht für sie, geht einkaufen, duscht sie, putzt (das teilt sich meine Mutter mit meiner Tante) und rennt somit gut 60 x am Tag die Treppen rauf und runter. Meine Mutter ist ebenfalls mit über 60 nicht mehr die Jüngste. Vorgestern kam ich nach Hause und sah komische Flecken im Flur, die ins Bad führten, die Farbe lies darauf deuten das was „daneben“ ging. Meine Mutter war nicht da, kam ein paar Minuten später zu Tür rein und kurze Zeit drauf, säuberte sie das Bad und den Flur. Ich weiß, dass da meine Oma nichts zu kann, aber ich finde das einfach super ekelhaft!

    Aber so war die Situation eigentlich auch schon bevor ich wieder zuHause einzog und auch bis zur Trennung.


    Auf der Arbeit, naja da quäle ich mich so gut es geht durch und verbringe manchmal zusammen gerechnet fast 2 Stunden auf der Toilette…


    Generell isoliere ich mich wegen dieser scheiss Übelkeit TOTAL! Ich bin manchmal richtig sauer, wirklich super sauer auf mich selbst. Ich gehe kaum noch irgendwo hin (eigentlich gar nicht mehr) weil mir halt übel ist, ich würde gerne zuHause ausziehen (obwohl ich alleine sein grundsätzlich blöd finde) aber ich kann nicht weil ich durch diese Übelkeit massive Zukunftssorgen habe. Was ist wenn ich meinen Job verliere? Dann die Wohnung? Ich habe sogar manchmal Angst davor Berufsunfähig zu werden wegen dieser scheiss Übelkeit! Dann habe ich Angst mich sozialtechnisch noch weiter „zurückzubilden“, niemandem mehr etwas bieten zu können. Auch rein privat habe ich Angst davor auf Grund dieser Übelkeit nie wieder ein Liebesleben führen zu können, keine Frau kennen zu lernen, weiterhin meinen Freunden vor den Kopf stoßen zu müssen und, und, und.


    All das habe ich nie wirklich bewusst auf dem Schirm, aber ab und an kommt es dann mal raus wenn ich ins grübeln komme. Jedenfalls laugt mich diese Übelkeit extrem aus und ich bin mit meinem Latein langsam aber sicher total am Ende!


    Achso, grundsätzlich erkenne ich mich schon seit vielen Jahren in einem Emetophobiker wieder.


    Sorry für die Wall of Text aber vielleicht hat ja jemand von euch Ideen, Meinungen, Tipps dazu.

  • 21 Antworten

    Hi whyallme,


    nun habe ich mich extra angemeldet, um dir antworten zu können.


    Meinem Kenntnisstand nach (und der ist sicherlich nicht mehr auf Laienniveau) durchleidest du aktuell eine ausgewachsene Emetophobie, die sich weiterführend auch in den von dir besagten sozialen Einschränkungen und (psycho-)somatischen Beschwerden zeigt.


    Und das ist kein Wunder: Deine psychische Belastung scheint enorm!


    Patienten mit Emetophobie haben eigentlich schon ihr ganzes Leben über Angst vor dem Erbrechen und erleben es als problematisch, wenn es dazu kommt. Aber in nicht akuten Phasen denken sie zumindest nicht täglich daran und können auch einigermaßen damit umgehen, wenn es zu der gewissen "Katastrophe" doch einmal gekommen ist.


    Bei Emetophobikern kann die Phobie unter starken Belastungen plötzlich in aller Härte durchbrechen. Den Patienten ist dann tatsächlich 24/7 speiübel - aber sie erbrechen nicht. Den ganzen Tag befinden sie sich in einem Kreislauf der Panik, was unglaublich erschöpfend und deprimierend ist. Wie bei anderen Phobien/Angst- und Panikstörungen auch, ist es also gar nicht mal so selten, dass sich dann verzögert auch noch Depressionen oder andere Phobien (meistens soziale) zu der Emetophobie dazugesellen.


    Du siehst: Dein Beschwerdebild ist ganz eindeutig zuzuordnen und du bist damit nicht alleine. Es gibt andere Betroffene, denen es genauso damit geht.


    Leider ist die Emetophobie ein Subtyp der Phobien und wird von Ärzten und Psychologen weder groß gekannt noch erkannt. Daher kann man von seinem Hausarzt und auch von einem normalen Psychologen (geschweige denn von einem Psychiater) eher nicht erwarten, dass diese Phobie diagnostiziert und adäquat behandelt wird.


    Es gibt zur Behandlung spezifischer Phobien den Ansatz der Verhaltenstherapie mit Exposition. Diese Therapieform hat sich als einzige bewährt. Allerdings muss dazu der ganze Wulst, den eine Emetophobie mitbringt, begleitend aufgedröselt werden.


    1. Der Patient muss einsehen können, dass seine Übelkeit eine Somatisierung ist. Solange er auch nur einen Funken Hoffnung darauf hat, dass das Problem eine körperliche Ursache haben könnte, die man durch einen Eingriff jedweder Art (Medikamente, Op etc. ...) beseitigen kann, ist er immernoch auf einem schwierigen Stand.


    2. Etwaige Depressionen, die sich natürlich aufgrund der Belastung einstellen, müssen mit behandelt werden. Therapien während einer akuten Depression wirken nicht so gut.


    3. Der Patient muss sich an den Gedanken gewöhnen, sich seiner Angst stellen zu müssen. Keine Bange: So eine Konfrontation muss nicht heißen, dass es am Ende zum Erbrechen kommen muss. Viele beginnen eine Therapie nicht, weil sie denken, dass sie unweigerlich Sachen machen müssten, die ihnen aber doch so große Angst machen.


    4. Der Patient muss sich darauf einstellen, dass es dauern kann, bis sich erste Erfolge einstellen und er in seinem Leben wieder soetwas wie "Normalität" verspürt.



    Ich würde dir empfehlen, dir eine Verhaltenstherapie zu suchen. Die Patienten, die ich kenne, haben jeweils in ihrem Gesundheitsempfinden einen wahnsinnigen Durchbruch geschafft, wenn sie den Übelkeitskreislauf durch den Gedanken "Mir ist übel? Ok, dann werde ich mich jetzt übergeben!" unterbrechen konnten. Das braucht Zeit und Mut, bis man soweit ist und sich wirklich traut, das zu denken. Wenn die Patienten an dem Punkt waren, hat kein einziger von ihnen erbrechen müssen. Aber der Mut, theoretisch dazu bereit zu sein, hat etwas unterbunden, das zuvor dauerhaft aktiv war. Im weiteren Verlauf war ihnen dann vielleicht nur noch morgens und abends sehr übel, aber nicht mehr mittags. Und im noch weiteren Verlauf war ihnen dann vielleicht nur noch tageweise übel, aber nicht mehr jeden Tag.


    Ich hoffe, ich habe dir ein bisschen weiterhelfen können. Vielleicht probierst du es nochmal mit einem anderen Antidepressivum (deine Gedanken sprechen für eine zumindest depressive Verstimmung) und suchst dir gezielt eine/n VerhaltenstherapeutIN.


    Glaube mir, es wird wieder anders werden. Es wird sich ändern und es wird niemals wieder genau so werden, wie es jetzt ist. Ganz sicher.


    Liebe Grüße

    Wow Heiteira


    Herzliches Dankeschön, dass du dich extra wegen mir angemeldet hast und für den sehr, sehr ausführlichen Post. Super lieb von dir! Aber es ist Wahnsinn, ich habe nur ganz zum Schluss kurz erwähnt, dass ich mich in den Grundzügen an eine Emetophobie erinnert fühle.


    Hätte ich bei der Häufigkeit der Übelkeit aber nicht zwangsläufig auch Panikattacken oder dergleichen? Ich muss auch dazu sagen, ab und an geht es mir für ein paar Stunden auch ganz gut, ich versuche auch ganz normal zu essen, selbst wenn mir mal nicht so gut ist, dann esse ich auch. Ich habe das Gefühl, das regelmäßige Essen ist auch ein Schritt in die richtige Richtung.


    Ich habe zwar noch 2 körperliche Untersuchungen vor mir aber ja, du hast Recht, ich denke immer und immer wieder "Das muss doch körperlich sein!"


    Nochmal GANZ GANZ lieben Dank für deinen Beitrag!


    Hast du evt Tipps hinsichtlich meiner psychischen Belastungen? Wie kann ich damit umgehen? Sollte ich schnell etwas ändern oder eher nicht?


    Sheilagh


    1) Ja, der wäre bei den MS raus gekommen. HB war beim ersten Mal negativ und beim zweiten Mal auch.


    2) Beim einkaufen ja, das übernehme ich so gut es irgendwie geht auch wenn ich mich manchmal fürchterlich anstrengen muss weil mir einfach so schlecht ist! Ich halte meine Räumlichkeiten natürlich sauber, aber bei meiner Oma putzen kommt überhaupt nicht in die Frage. Das geht absolut gar nicht!

    Zitat

    Ich halte meine Räumlichkeiten natürlich sauber, aber bei meiner Oma putzen kommt überhaupt nicht in die Frage. Und Das geht absolut gar nicht!

    Wieso nicht? ":/


    Deine Mutter ist doch schon 60...

    Sie wäre für Hilfe und Entlastung gewiss dankbar.

    Zitat

    Herzliches Dankeschön, dass du dich extra wegen mir angemeldet hast und für den sehr, sehr ausführlichen Post.

    Gerne. Emetophobie ist eines meiner Spezialgebiete. Es erschien mir "gemein", mich auf solch einen Post nicht zu melden, wenn ich ihn schon lese.


    Zitat

    Hätte ich bei der Häufigkeit der Übelkeit aber nicht zwangsläufig auch Panikattacken oder dergleichen?

    Die Übelkeit sind in dem Falle die Panikattacken.


    Zitat

    ich versuche auch ganz normal zu essen, selbst wenn mir mal nicht so gut ist, dann esse ich auch

    Das ist gut und auch mit einer Emetophobie vereinbar. Ein gewisser (größerer) Anteil der Emetophobiker hat ein eher gestörtes Essverhalten. Das äußert sich darin, dass sie untergewichtig sind (manche bekommen dann fälschlicherweise die Diagnose einer Magersucht aufgedrückt), aber Untergewicht ist kein Muss. Auffallend sind noch öfter bestimmte Regeln, die die Betroffenen beim Essen einhalten. Zum Beispiel würden sie niemals etwas essen, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder das auch nur ansatzweise erbrechen auslösen könnte. Ich habe Emetophobiker erlebt, die gar nicht mehr außerhalb essen gegangen sind oder nur dort, wo sie die Sauberkeit der Küche einschätzen konnten. Andere halten sich an gewisse Sicherheitsvorkehrungen und essen in Restaurants beispielsweise nur Dinge, die ordentlich durchgekocht werden oder zumindest keine Sahne und Eier enthalten. Dass du so gut es geht normal weiterisst, ist toll! Ganz großes Lob dafür. Die Herausforderung bestünde gegebenenfalls darin, ein Restaurant zu besuchen, dessen Sauberkeit zweifelhaft ist oder etwas zu essen, das man unter Berücksichtigung seiner sonst gewählten Sicherheitsvorkehrungen nicht essen würde. Denn man muss sich ja vor Augen halten, dass Menschen ohne diese Phobie all diese Dinge tun, ohne dass ihnen vor Panik schlecht wird.


    Zitat

    Hast du evt Tipps hinsichtlich meiner psychischen Belastungen? Wie kann ich damit umgehen? Sollte ich schnell etwas ändern oder eher nicht?



    Es gibt, wenn man mal ganz grob denkt, zwei Sorten von Emetophobikern. Wobei beide "Sorten" auch ineinander übergehen und die eine Sorte sicherlich auch von dem Merkmal der anderen gelenkt wird.


    Es gibt Emetophobiker, bei denen das Thema "Kontrolle" zentrales Thema ist. Kontrollverlust erleben sie als sehr bedrohlich. Erbrechen/Übelkeit ist eine besondere Form von Kontrollverlust und entsprechend schwierig tun sie sich damit.


    Die anderen Emetophobiker weisen eine höhere Sensitivität auf und ekeln sich sehr schnell. Erbrechen wird hier vor allem mit einem großen Ekelgefühl verbunden. Und ja, Übelkeit ansich ist ja auch ein Ausdruck von Ekel.


    Wenn ich deine Belastungen so durchgehe, dann haben sie vor allem mit zwei Dingen zu tun: Verlust (Job, große Liebe, eigene Wohnung, Tod des Vaters) und Krankheit (Krebs, Altersgebrechen deiner Großmutter). Beides ist sicherlich an Komponenten der Kontrolllosigkeit und des Ekels geknüpft.



    Du scheinst aktuell ein Zuhause und einen Job zu haben. Es mag für dich lapidar klingen, aber das ist sehr gut und die Basis für eine Genesung. Von daher lobe dich selbst, dass du dir beides erhältst! Du machst das großartig.


    Nach wie vor würde ich dir empfehlen, dir einen Therapieplatz zu suchen. Es kann durchaus 3 bis 5 Monate dauern, bis der Platz frei wird.


    Sei nachsichtig mit dir selbst. Mach einfach das, was dir möglich ist, aber quäle dich nicht mit Schuldgefühlen, wenn du aktuell an Sachen scheiterst, die du vor einer gewissen Zeit vielleicht noch problemlos hättest tun können. Es wird wieder besser werden, Schritt für Schritt.


    Liebe Grüße

    Heiteira schrieb:

    Die Übelkeit sind in dem Falle die Panikattacken.

    Aber mir ist ja so gut wie durchgängig übel, ich denke aber auch, dass das Bewusstsein "og verdammt, mir ist irwie schon wieder komisch" dafür sorgt, dass man sich weiter reinsteigert.

    Heiteira schrieb:

    Ich habe Emetophobiker erlebt, die gar nicht mehr außerhalb essen gegangen sind

    Ich war seit einem Jahr nicht mehr auswärts essen, aber nicht etwa weil ich panische Angst vor nicht herrschender Hygiene hätte, oder auch Angst, dass sich im Restaurant jemand übergibt - sondern einfach, weil ich mich dort "gefangen" fühlen würde, ich könnte nicht weg und da die Übelkeit ohnehin mein fast schon stündlicher Wegbegleiter ist, ist es für mich umso schwerer.

    Heiteira schrieb:

    Du scheinst aktuell ein Zuhause und einen Job zu haben. Es mag für dich lapidar klingen, aber das ist sehr gut und die Basis für eine Genesung. Von daher lobe dich selbst, dass du dir beides erhältst! Du machst das großartig.

    Ja, ich habe sogar einen sehr gut bezahlten Job bei dem ich ein hohes Ansehen genieße. Nicht zuletzt daher, ging man mit meiner "Krankheit" bisher sehr sozial um. Im Juni begab ich mich in psychosomatische Therapie - stationär. Das war aber überhaupt nichts für mich. Kurz darauf hat mein Arbeitgeber dann "mehr oder weniger" auf den Tisch gehauen und in etwa gesagt "Ich habe Verständnis für Ihre Situation aber so wie es momentan läuft, können wir Sie hier nicht auf Grund unserer Fürsorgepflicht weiterhin versuchen, Sie ihren Job ausüben zu lassen und darauf zu warten - das sie wieder zu 100 Prozent einsatzfähig sind. Man hat mir eine zweite Chance gegeben, aber die muss "zünden"! Ich befinde mich derzeitig in einer Wiedereingliederungsmaßnahme. Dennoch fällt es mir unheimlich schwer, ich quäle mich oftmals durch den Arbeitstag und habe schon ab und an mit dem Gedanken gespielt, alles einfach hinzuschmeißen. Das mache ich natürlich nicht, weil ich mir vorstellen kann, wie wichtig es ist, gerade bei der Emetophobie, aus Mustern bzw. Vermeidungsverhalten auszubrechen. Dennoch muss ich mich sehr häufig überwinden.

    Heiteira schrieb:

    Nach wie vor würde ich dir empfehlen, dir einen Therapieplatz zu suchen. Es kann durchaus 3 bis 5 Monate dauern, bis der Platz frei wird.

    Das werde ich machen. Allerdings läuft derzeitig noch meine Therapie bei dem anderen Psychologen, die von der KK genehmigt wurde. Ich werde aber schnellstmöglich ein Kennenlerngespräch mit einer Psychologin, einem Psychologen vereinbaren.


    Noch eine Frage - ich meine du hast generell geraten evt nochmal ein anderes AD auszuprobieren. Meinst du das prophylaktisch hinsittlich einer Depression oder hilft es auch ganz gezielt gegen eine Phobie?

    whyallme schrieb:

    Ja, ich habe sogar einen sehr gut bezahlten Job bei dem ich ein hohes Ansehen genieße. Nicht zuletzt daher, ging man mit meiner "Krankheit" bisher sehr sozial um. Im Juni begab ich mich in psychosomatische Therapie - stationär. Das war aber überhaupt nichts für mich. Kurz darauf hat mein Arbeitgeber dann "mehr oder weniger" auf den Tisch gehauen und in etwa gesagt "Ich habe Verständnis für Ihre Situation aber so wie es momentan läuft, können wir Sie hier nicht auf Grund unserer Fürsorgepflicht weiterhin versuchen, Sie ihren Job ausüben zu lassen und darauf zu warten - das sie wieder zu 100 Prozent einsatzfähig sind. Man hat mir eine zweite Chance gegeben, aber die muss "zünden"! I

    Schon mal überlegt, ob genau dieser Leistungdruck auf den Magen schlägt?

    Guten Abend.


    Zitat

    Aber mir ist ja so gut wie durchgängig übel, ich denke aber auch, dass das Bewusstsein "og verdammt, mir ist irwie schon wieder komisch" dafür sorgt, dass man sich weiter reinsteigert.

    Ja. Bei einer Angst-/Panikstörung ist man auch auf einem grundsätzlich höheren Erregungsniveau unterwegs. Indem man seine Phobien/Ängsten meidet, sinkt die Erregung (Angst, Panik, Übelkeit) nicht wie erhofft auf Null, sondern bleibt diffus bestehen. Bis man das Symptom bewusst registriert und einen wieder die bloße Panik/starke Übelkeit überkommt. Es ist ein Teufelskreis, den man am besten unter verhaltenstherapeutischer Anleitung durchbricht.


    Zitat

    (...) weil ich mich dort "gefangen" fühlen würde, ich könnte nicht weg und da die Übelkeit ohnehin mein fast schon stündlicher Wegbegleiter ist, ist es für mich umso schwerer.


    Ein Indiz dafür, dass auch eine Agoraphobie dein aktueller Wegbegleiter ist. Solche Komorbiditäten sind eher die Regel, als die Ausnahme.


    Zitat

    Ja, ich habe sogar einen sehr gut bezahlten Job bei dem ich ein hohes Ansehen genieße.


    Das freut mich sehr für dich. Das ist aber natürlich auch Fluch und Segen zugleich. Der Job, der einem das Leben finanziert, mit dem man seinen Selbstwert aufrecht erhält und der etwas zur eigenen Identität beiträgt, ist nur schwer abzuschütteln, wenn er plötzlich zur Belastung wird:

    Zitat

    Man hat mir eine zweite Chance gegeben, aber die muss "zünden"!

    Welch ein Druck. Da frage ich mich doch, wie ein Mensch, dessen Leben einfach mal beschlossen hat, nicht mehr wie gewünscht zu funktionieren, immernoch für soetwas wie einen Job funktionieren können sollte.


    Zitat

    Noch eine Frage - ich meine du hast generell geraten evt nochmal ein anderes AD auszuprobieren. Meinst du das prophylaktisch hinsittlich einer Depression oder hilft es auch ganz gezielt gegen eine Phobie?



    Ich habe dazu geraten, weil manche Sätze von dir auf eine depressive Verstimmung (mindestens) hindeuten. Es ist außerdem so, dass sich zu solch einer Symptomatik, wie sie hier beschrieben wird, gerne eine Depression oben drauf setzt. Das Grübeln, die Hoffnungslosigkeit, trostlose Zukunftsgedanken, Sorgen und Ängste um die Zukunft, das Gefühl von Aussichtslosigkeit... all das sind Eigenschaften von Depressionen. Menschen, die in einem Teufelskreis ihrer Ängste gefangen sind, fühlen sich oft hilflos. Hilflosigkeit fördert Depressionen. Bei dir wäre das also keine prophylaktische Maßnahme, sondern schon Teil der Behandlung. Gezielt gegen eine Phobie wirken Antidepressiva in dem Sinne, wie du es vielleicht meinst, nicht. Aber es gibt Antidepressiva, die angstlösend wirken. Und das kann eine (Verhaltens-)Therapie unterstützen.


    Zitat

    Allerdings läuft derzeitig noch meine Therapie bei dem anderen Psychologen, die von der KK genehmigt wurde.

    Wie sieht denn die psychologische Behandlung bisher aus? Man sollte ja meinen, dass du dann schon von den richtigen Anlaufstellen versorgt wirst!?




    Einen schönen Abend wünsche ich.

    Zitat

    unterstützend könntest du es mal mit Homöopathe versuchen

    Der Weg soll sein, ohne irgendwelche Mittelchen wieder zurecht zu kommen. Egal ob Antidepressivum, Schmuseteddy oder Glücksstein in der Tasche. Daher würde ich von vornherein schonmal versuchen alles wegzulassen (bzw. gar nicht erst anzufangen, an irgendwas meinen aktuellen Zustand zu verknüpfen), das sowieso keine tatsächliche Wirkung hat.