meine mutter war irgendwie zu sehr mit sich selbts beschäftigt. jetzt sage ich das sie auf jeden fall was hätte merken müssen. körperlich war ich mit 6 schon ein wrack. abgemagert, übersäht mit blauen flecken und einfach verwahrlost. ich weiß nicht ob es ihr egal war, aber ich denke schon. es waren keine schönen dinge da. vielleicht mal das ich eine barbie bekommen habe, aber sonst nichts.

    HolliWood

    Das ist ein ganz schreckliches Schicksal, das du erleiden musstest. Ich schäme mich für alle Männer, die so etwas tun. Ein Recht dazu hat niemand, weder Papis, noch Fremde.


    Du hast meiner Meinung nach einen wichtigen Satz gesagt, der dir helfen mag:

    Zitat

    Wie in einem Wahn, als wenn ich garnicht wirklich da wäre.

    Ich glaube, dein "Vater" hat nicht dich gemeint. Er war aus welchen Gründen auch immer frustiert, Gründe, die niemanden wirklich interessieren, weil er der Erwachsene war. Aber ich versuche es einmal aus seiner "Logik" heraus zu beurteilen: Er brauchte ein Ventil für seine Frustrationen, die er offenbar mit deiner Mutter erlebte - sie teilte ja mit ihm nicht mehr das Bett. Aber anstatt diese Situation zu lösen oder sich von mir aus selbstzubefriedigen hat er sich dich, die Schwächste und Ärmste in eurer Familie gesucht. Er hat es vor sich begründet (Papis dürfen das) und es dann getan - wie in einem Wahn! Aber: Er hat nicht DICH gemeint. Er dich gebraucht, wie einen Gegenstand. Jetzt kannst du zu Recht sagen, was kann es schlimmeres geben, als wie ein Gegenstand gebraucht zu werden?


    Schlimmer wäre für mich gewesen, wenn er DICH bewusst verletzen wollte, das heißt, auch noch demütigen, wie es häufig Soldaten machen, wenn sie Frauen und Kinder eines besiegten Feindes schänden. Hier wird Körper UND Seele geschädigt.


    Bei dir denke ich hat er "nur" den Körper gebraucht, d.h. geschädigt. Deine Seele (und das ist ja das Schlimme) hat ihn gar nicht interessiert. Versuche einmal dein Schicksal so zu sehen: Er hat nicht dich gemeint, sondern deinen Körper. Die Wunden des Körpers können heilen, bzw. sind vermutlich längst geheilt. Und wenn er mit deiner armen Kinderseele "nur" fahrlässig, unverantwortlich, aber eben nicht in schädigender Absicht umgegangen ist, dann könnte das tröstlich sein.


    Das sind nur meine ersten Gedanken, die dir vllt einen Ansatz liefern können, wie du das erlebte für dich verarbeiten kannst. Aber es wird immer ein Teil deines Lebens sein und du musst es so annehmen. Dass deine "Vater" im Gefängnis sitzt, macht das nicht ungeschehen. Aber wenn du es neu bewertest, wird es erträglicher sein.


    Und noch etwas, was mir ganz besonders am Herzen liegt: Nicht alle Männer sind so, die allerwenigsten. Ich glaube, er wird mit seinen Taten im Knast kein ruhiges Leben führen.

    Irgendwann schlief ich völlig erschöpft ein. Das war also mein Geburtstag. Mitten in der Nacht wurde ich wach. Völlig nass geschwitzt und erschöpft öffnete ich das Fenster um ein wenig frische Luft zu schnuppern. Gott hat mich also nicht erlöst. Ich hatte diesen tiefen Schmerz in mir. Ich wollte ihn frei lassen. Nur wie? Schreien konnte ich nicht und weinen schon lange nicht mehr. Ich sah an mir runter. Als der Blick über meinen Bauch wanderte fing er an unheimlich zu jucken. Also habe ich gekratzt. Ich habe gekratzt bis es nicht mehr juckte, ich habe gekratzt bis es weh tat und ich habe gekratzt bis es blutete. Der Schmerz der Wunde war in diesem Moment größer als der Schmerz tief in mir. Es tat auf seine komische und konfuse Art sehr gut. Für einen Moment war ich befreit von allem und die Nacht war schön. Bis Er wieder kam und mich holte. Seid einiger Zeit lief ich von alleine in sein Zimmer. Und wieder lief alles wie in einem Schema ab. Die Zeit verflog irgendwann von ganz alleine. Ich war oft einsam und saß alleine auf dem Spielplatz. Inzwischen kratzte ich mich regelmässig, was mir den Druck nahm. Aber trotzdem spielte ich immer wieder mit dem Gedanken einfach nur sterben zu wollen.

    Zitat

    naja ich habe mir selbst aber auch schon sehr viel schlimmere dinge angetan. was ich heute ab und zu auch wieder gerne machen würde

    Dann brauchst du Hilfe! Denn was dir dein Vater angetan hat, reicht für den Rest deines Lebens. Nimm dich mal selbst in den Arm und sage dir, dass du deinen Körper von nun an schützen willst. Deine Eltern konnten oder wollten es nicht. Aber du kannst es! Mach aus deinen Schmerzen keine Tradition und genieße jeden Tag, den du leben darfst. Jeder muss auf seine Weise viel aushalten, aber jeder neue Tag bietet die Chance, etwas zu verändern, besser zu machen, wieder gut zu machen. Man muss ihn begrüßen und bewusst erleben.


    Und noch etwas ist gewiss: Die Schmerzen der Vergangenheit werden in dieser Form nie mehr zurückkehren. :)z

    Ich ging über den Spielplatz und fand eine zerbrochene Flasche. Ich hob eine Scherbe auf und guckte sie mir genau an. Ich hielt die Scherbe in der Hand und ging weiter. Irgendwann legte ich mich hinter einen Busch. Dort fing ich dann an mir die Arme mit der dreckigen Scherbe aufzuschneiden. Schmerzen hatte ich keine und es tat auch irgendwie gut das Blut zu sehen. Ich schnitt mir den kompletten Arm auf und schloss die Augen. Ein warmes und beruhigendes Gefühl machte sich in mir breit. Fühlte es sich so an zu Sterben? Ich blieb liegen und schlief wieder ein. Als es dunkel war wurde ich wach. Mein Kopf war leer und voller zerbrochener Hoffnungen. Es hatte nicht geklappt. Ich war noch immer am Leben.