Ein stetes Auf und Ab

    Hallo liebe Community!


    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich mir von meinem Beitrag und euren Reaktionen erhoffen kann und darf. Ich würde zumindest gerne eure Meinung lesen, lesen was ihr mir empfehlen würdet und ob ihr Bekannte habt, denen es genauso geht wie mir.


    Kurz zu mir: Ich bin männlich und in der Mitte meiner Zwanziger. Ich habe erfolgreich ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen und stehe in Brot und Lohn (40h/Woche +). Nebenbei übe ich eine selbstständige Beratungstätigkeit aus.


    Meine aktuelle Situation (der Grund, weshalb ich diesen Beitrag hier verfasse): Ich leide (ja, so würde ich es mittlerweile bezeichnen) unter starken gefühlstechnischen Schwankungen. Anfangs (vor ca. 2.5 Jahren) fiel es mir gar nicht auf, wenn ich mal 2-3 Tage extrem gute und dann ebenso lange (oder länger) sehr schlechte Laune hatte. Auch heute ist besteht die Rhythmus (aperiodisch) weiter, allerdings mit jedoch weitaus größeren Ausschlägen in beide Richtungen. Es gibt Tage, an denen ich Bäume ausreißen könnte! Ich mache dann vermehrt Sport (Fußball + anschließend oder davor Joggen + spätabends nochmal Schwimmen gehen), komme vor lauter neuen Einfällen gar nicht mehr zu Ruhe (Nächte durchmachen), Esse vermehrt (willkürlich alles, was mir in die Finger kommt, insbesondere Ungesundes -> ich bin jedoch nicht übergewichtig (eher das genaue Gegenteil)), habe eine riesige Lust auf Geselligkeit (viele Leute um mich herum, was sonst meinem Wesen eher entgegensteht) und shoppe viel (zwar so, dass ich es mir leisten kann, aber oft Unsinniges, was ich mir normalerweise nie kaufen würde). An wieder anderen Tagen schaffe ich es kaum einen Fuß vor die Tür zu setzen. Ich bin niedergeschlagen, kraftlos und würde am liebsten den ganzen Tag schlafen. Meistens bleibe ich dann zu Hause, für meine nebenberuflichen Tätigkeiten ist kein Platz, ich esse fast nichts und möchte (wie schon erwähnt) eigentlich nur, dass die Tage so schnell wie möglich verstreichen. Gleichzeitig bekomme ich Panik, da ich weiß, was ich eigentlich alles noch machen müsste und hasse mich selbst dafür, dass ich einfach nichts mache und mich schwach fühle. Auf eine schräge Art ist mir das dann aber auch wieder egal, das ist ganz schwierig zu beschreiben.


    Ich hatte keine schlechte Kindheit (ganz im Gegenteil), nie Probleme in der Schule oder im Studium (höchstens Klausurenstress, aber den hat jeder Student). Ich weiß nicht, ob ich meinen Hausarzt darauf ansprechen sollte. Er weiß zwar, dass ich mich hin und wieder krankschreiben lasse, weil ich einfach "völlig erschöpft" bin und ich auch körperliche Symptome (Kopfschmerzen, Übelkeitsgefühl, Schwindel usw.) zeige, doch ich habe ihm nie Zugang zu meiner inneren Gefühlswelt gewährt, da ich oft selbst nicht weiß, wie es dort aussieht, weil da einfach nichts ist. An anderen Tagen ist da so viel, dass ich damit vermutlich seinen ganzen Arbeitstag füllen könnte. Aber wer geht schon zum Arzt und sagt "Hey, mir geht es zu gut! Was stimmt nicht mit mir?". Belastend ist für mich vor allem dieses ständige Wechseln zwischen diesen beiden so konträren Gefühlszuständen, die Ungewissheit, wie der nächste Tag wohl aussehen mag und dass mir (vor allem in meinen Hochphasen) die Kontrolle über mich selbst zu entgleiten scheint.


    Habt ihr Bekante, denen es so ähnlich geht wie mir? Wie geht man damit am besten um?

    Ich freue mich über jeden Beitrag.

  • 16 Antworten
    Zitat

    Er weiß zwar, dass ich mich hin und wieder krankschreiben lasse, weil ich einfach "völlig erschöpft" bin und ich auch körperliche Symptome (Kopfschmerzen, Übelkeitsgefühl, Schwindel usw.) zeige

    Du lässt dich krankschreiben, wenn du die schlechten Tage hast? Wenn es so schlimm ist, dass wäre das schon ein Alarmsignal, über den Hausarzt mal den Kontakt zu einem Psychologen herzustellen. Ich hätte schon auf Borderline getippt, aber so ganz passt das auch nicht. ":/

    Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt ... da fällt mir eher eine Bipolare Störung ein, bekannter unter manisch-depressiv. Ich weiß nicht, ob die jeweiligen Episoden so kurz sein können, aber ein Gang zum Psychologen ist sicherlich nicht verkehrt.

    Zitat

    Du lässt dich krankschreiben, wenn du die schlechten Tage hast?

    Ja, weil ich an diesen Tagen einfach nicht produktiv arbeiten kann bzw. gar nichts auf die Reihe bekomme :-( Außerdem fühle ich mich auch körperlich extrem schwach und ausgelaugt, obwohl ich eigentlich nichts schweres Heben oder mich sonst irgendwie körperlich betätigen muss.

    Zitat

    Ich hätte schon auf Borderline getippt, aber so ganz passt das auch nicht.

    Ich bin die Kriterien-Liste gerade einmal durchgegangen und erfülle (je nach Interpretation) nur 3-4 Kriterien. Ich hätte das ohnehin ausgeschlossen, da ich keine schlechte Kindheit o.ä. hatte. Ich kann mir meine Situation auch nicht so wirklich erklären, da es mir eigentlich sehr gut gehen müsste.


    Auch fehlt mir irgendwie die Konsistenz der Auswirkungen, die z.B. Stress auf mich hat. Während dieser mich in manchen Situationen komplett aus der Bahn wirft, sorgt er an anderen Tagen dafür, dass ich in eine Art "Power-Modus" wechsle, in dem nichts schnell genug gehen kann und nichts ein Problem darstellen könnte (z.B. habe ich vor einigen Wochen die irre Vorstellung gehabt, dass ich 4 Sprachen gleichzeitig lernen könne und habe mir im vollen Glauben an meine Fähigkeiten diverse Bücher, Sprachprogramme etc. besorgt ... dass das eine völlig utopische Vorstellung war, ist mir in diesem Moment nicht ansatzweise in den Sinn gekommen).

    Zitat

    da fällt mir eher eine Bipolare Störung ein, bekannter unter manisch-depressiv.

    Darüber habe ich mir auf die Schnelle jetzt nicht so viel anlesen können. Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, ob diese Hoch- und Tiefphasen wirklich so kurz (wie bereits geschrieben ca. 2-3+ Tage) sein können.

    Die bipolare Störung ist eine schwere chronisch verlaufende psychische Erkrankung, die durch manische und depressive Stimmungsschwankungen charakterisiert sind.

    Die Manie stellt sich als übersteigertes Hochgefühl dar und die Betroffenen sind gleichzeitig meist überaktiv, euphorisch oder gereizt. Auf diese Phase folgen mehr oder weniger ausgeprägte Depressionen, mit gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit und Traurigkeit. Die Stimmungsschwankungen treten episodisch und unabhängig von der augenblicklichen Lebenssituation auf.
    (https://www.neurologen-und-psy…eine-bipolare-erkrankung/)

    Eine frühere Freundin von mir leidet unter dieser Erkraunkung und wird mit Litium behandelt. Erst seit sie das Litium bekam, ließen ihre extremen "Ausschläge" nach. Gerade die Manien waren für alle ihr nahe stehenden Personen besonders anstrengend. Eigentlich ist sie völlig ausgeflippt (hat erst die Haare rot gefärbt (vorher blond), dann auf die Straße nach Berlin und irgendwann per Zwangseinweisung in die Psychiatrie.


    Wenn Du tatsächlich manische Schübe haben solltest, würde sich das extremer bemerkbar machen, glaube ich.

    An deiner Stelle würde ich mich auf eine bipolare affektive Störung (früher 'manisch-depressiv') abklären lassen. Deine wechselnde Gemütslage nimmt ja so starke Ausmasse an, dass du dich auf der Arbeit krankmelden musst und dich nicht arbeitsfähig fühlst.

    Ich habe selber eine recht starke familiäre Belastung was dieses Krankheitsbild angeht und kenne das Gefühl, Bäume ausreissen zu können und hinterher wieder in Antriebslosigkeit und negativen Gedanken zu versinken - aber eben so, dass ich zwischen 'besseren' und 'schlechteren' Tagen unterscheide (und nicht 'guten' oder 'schlechten', wie das manchmal bei bipolaren Menschen ist). Deshalb denke ich, ich kann damit gut leben.

    Wenn die Tiefs aber so starke Ausmasse annehmen, würde ich mich wohl in Behandlung oder zumindest in Abklärung begeben - gerade wegen der langfristigen Folgen.


    Alles Gute :)*

    Was hält dich denn davon ab, dir mal ärztlichen Rat zu holen?


    Wenn es dich belastet und du möchtest, dass es sich verbessert, kann dir ev. ein Arzt helfen. Sprich doch mal mit deinem Hausarzt drüber...vielleicht kann er dir einen gute Phsychologen empfehlen.


    Bischen wundert es mich, dass er noch nichts gesagt hat, wenn er dich öfter in den schlechten Phasen krank schreibt. Was sagt er denn da was du hast... er muss doch eine Diagnose stellen.

    Zitat

    Eigentlich ist sie völlig ausgeflippt (hat erst die Haare rot gefärbt (vorher blond)

    Wieso ist das "ausgeflippt"?

    Zitat

    Wenn Du tatsächlich manische Schübe haben solltest, würde sich das extremer bemerkbar machen, glaube ich.

    Das denke ich auch.

    Zitat

    An deiner Stelle würde ich mich auf eine bipolare affektive Störung (früher 'manisch-depressiv') abklären lassen.

    Wie macht man so etwas? Also soll ich einfach zu meinem Hausarzt gehen und sagen "Ich glaube, ich bin manisch-depressiv?" Das käme doch sehr seltsam an, oder?

    Zitat

    Deine wechselnde Gemütslage nimmt ja so starke Ausmasse an, dass du dich auf der Arbeit krankmelden musst und dich nicht arbeitsfähig fühlst.

    Das stimmt. Und dagegen will ich unter anderem etwas unternehmen.

    Zitat

    Alles Gute :)*

    Danke :-) Dir auch! :)*

    Also ich habe mich mal über die bipolare Störung etwas näher informiert. Ich könnte mir ihren Ursprung (sollte ich es tatsächlich haben) nicht erklären. Ich habe niemanden in meiner Familie, der das hat. Ich habe noch nie Drogen zu mir genommen (auch keine "weichen"). Und ich denke auch nicht, dass so etwas durch eine kurze burnout-ähnliche Phase hervorgerufen werden kann, oder?

    schneebeere schrieb:

    Also ich habe mich mal über die bipolare Störung etwas näher informiert. Ich könnte mir ihren Ursprung (sollte ich es tatsächlich haben) nicht erklären.

    Die Ursache kann man auch nicht immer klären.

    Ich habe auch gleich an diese Störung gedacht, als ich deinen Beitrag gelesen habe.

    Ich würde zuerst zu einem Psychiater gehen, damit du Klarheit bekommst.

    Medikamente und eine Psychotherapie sollten sich ergänzen bei der Behandlung.

    Zitat

    Ich habe auch gleich an diese Störung gedacht, als ich deinen Beitrag gelesen habe.

    :-(

    Zitat

    Ich würde zuerst zu einem Psychiater gehen, damit du Klarheit bekommst.

    Wie soll ich da am besten vorgehen? Ich habe wirklich große Angst :-(

    1. Soll ich erst mit meinem Hausarzt sprechen? Überweist der mich dann an einen Psychiater?

    2. Kann man direkt zu einem Psychiater gehen und wie wird man da vorstellig?


    Mir ist es wirklich sehr unangenehm, dass meine Situation so ist, wie sie derzeit ist.

    Zitat

    Medikamente und eine Psychotherapie sollten sich ergänzen bei der Behandlung.

    Gibt es keine Möglichkeit (sollte ich wirklich eine bipolare Störung haben), dass ich ohne Medikamente auskomme? Meine geistigen Fähigkeiten sind mein täglich Brot. Ich möchte kein Risiko eingehen und meinen Geist nicht in einen Schleier der Ungewissheit tauchen.

    Ich weiß leider immer noch nicht, wie ich meinen Hausarzt für eine Überweisung am besten ansprechen sollte. Jeden Tag denke ich darüber nach, wie ich meine Worte wählen sollte, um nicht als "verrückt" betrachtet zu werden. Denn das bin ich nicht (zumindest fühle ich mich nicht so). Dass etwas in mir nicht im Gleichgewicht ist, steht außer Frage. Ich tue mich aber auch schwer mit Verdachtsäußerungen bei Diagnosen. Ich werde ja wohl nicht hingehen und sagen können "Leute, die ich gefragt habe, meinten, dass ich vielleicht eine bipolare Störung haben könnte und diese/jene Symptome habe ich auch". Dabei käme ich mir sehr komisch vor.

    deinen eingangsbeitrag habe ich doch schon mal gelesen ":/


    du kannst ja sagen, dass du die ursache für deine stimmungsschwankungen abklären möchtest und brauchst auch keine verdachtsdiagnose äußern, dein hausarzt wird dich bestimmt nicht schief anschauen.


    ich habe im verwandtenkreis einen fall von bipolarer störung, es ist aber so dass sie am anfang gar nicht zugeben wollte dass sie krank ist, sie hat dann in rage den fernseher vom nachbarn zertrümmert. ab dann haben wir gewusst, jetzt ist dringend handlungsbedarf nötig.


    ich finde es gut, dass du merkst, mit mir stimmt etwas nicht. ich würde deine symptome beim psychiater abklären lassen, dafür brauchst du dich nicht schämen, es gibt ja auch sprechstunden im kkh. kommt darauf ob du vom dorf oder aus einer grösseren stadt kommst.


    wünsche dir alles gute 👍