Einstellung des Psychotherapeuten zu sexuellen Abweichungen

    (Urspr. Titel: "Psychoth.: Einstellung der Psychologie zu sexuellen Abweichungen")




    Hallo,


    wie mir wegen einiger Threads in diesem Forum, die meiner Hypochondriestörung geschuldet sind, auch empfohlen wurde, habe ich - seit 2 Monaten - eine Psychotherapie in Angriff genommen; bereits in den ersten Sitzungen hat sich gezeigt, dass die Angststörungen nur Symptome viel gravierender Probleme sind, bspw. Selbstunsicherheit (vor allem gegenüber Frauen), Probleme in der Kindheit, innere Unruhe (natürlich auch wegen ADHS geschuldet).


    Als Fazit der nun ungefähr ersten 12 Sitzungen würde ich sagen, dass die Psychotherapie mir gut tut, egal ob es darum geht, mit ihm darüber dazu sprechen, dass ich dazu neige, vor Feiern wegen Selbstunsicherheit und um mir die Chance bei Frauen zu erhöhen, 3 Bier oder so trinke, oder ob mein Therapeut bei der Besprechung meiner Kindheit und Pubertät feststellt, dass ich zu streng und selbstkritisch mit mir umgehe, wenn etwas falsch lief bei mir und meinen Eltern.


    Das Problem ist nur eines: Ich weiß, dass mein Psychotherapeut kirchlich engagiert ist und wahrscheinlich leicht evangelikal geprägt ist. Ich hingegen würde mich eher als agnostisch bezeichnen, kann mit dem Erlösungsgedanken (nur durch Christus zum Heil) oder der Erbsündetheorie sehr wenig anfangen, finde viel mehr, dass allzu starker Glaube einen entmündigt, und halte Psychotherapie, die ja auf vielfältige Weise darum bemüht ist, selisch zur Glückseligkeit zu kommen, mit Religion, die streng genommen den einen Weg zum Glück und zur Erlösung aufzeigt, für unvereinbar; wäre mein Therapeut nämlich auch nur ein bisschen davon überzeugt, dass nur der christliche Glaube usn erlöst, müsste er in einer Psychotehrapie ja dafür werben (er hat allerdings eine kirchliche Zeitschrift im Wartezimmer liegen, die man mitnhemen darf).


    In den Sitzungen macht er überhaupt keine Andeutungen, mich auch nur in irgendeiner Weise bekehren zu wollen, aber ich habe eben die Befürchtung, dass er mit einer solch religiösen Einstellung eher dazu neigt, meine sexuellen Wünsche, die ich bis jetzt mit Mitte 20 noch gar nicht ausleben konnte, zu verurteilen.


    Als zweiter Punkt kommt hinzu, dass er sexuelle Abneigungen wie Homosexualität als Symptome psychischer Störungen sieht, und er davon berichtet, dass die Sexualität einiger seiner Patienten sich "normalisiert" habe, sobald deren psychische Störungen wie Selbstunsicherheit geheilt worden seien.


    Er behandelt das auch nicht direkt oder so, mein Masochismus (devote Neigung, ich nenne es mal "Domina-Fetisch" & starker Fußfetischismus) will er auch nicht direkt behandeln, sondern er meinte, ich solle es beobachten, und er meinte, die würden automatisch schwinden.


    Unabhängig davon, wie solche Fetische zu bewerten sind: Einen pragmatischen Nützen hätte diese Ablegung der Neigungen: Das Sexualleben mit Frauen wäre deutlich einfacher, ich habe bis jetzt noch keine im sexuellen Sinne dominante Frau kennengelernt.


    Egal für wie mittelalterlich man jetzt diese Meinungen hält, meine Sexualität ist seit Wochen kein Thema mehr in den Sitzungen und er macht mir in den Gesprächen, die meine Kindheit, meine Selbstunsicherheit etc. auch einen sehr offenen Eindruck.


    Ich möchte eigentlich auch nicht nur deswegen meinen Therapeuten ändern, auch wenn die meisten Freunde zu mir sagen, dass man eben einem Psychotherapeuten in jeglicher Hinsicht offen sein muss, da die Psychotherapie sonst überhaupt nichts bringt.


    Es ist echt eine schwierige Frage, weil ich froh bin, nach einem halben Jahr Wartezeit nun endlich eine Psychotherapie zu haben, und ich bis jetzt außer seiner Einstellung zur Sexualität keine Probleme sehe.


    Was meint ihr? Danke für eure Hilfe!

  • 30 Antworten

    Das letzteres geht gar nicht!


    Man darf als Therapeut nicht diskriminieren und für solche Aussagen ist die Zulassung weg. Melde das bitte der Psychotherapeutenkammer. Er könnte bei jemanden echt eine Schaden anrichten!


    Ich habe sexual Medizin als Fach während des Studiums gehabt und hatte auch später im ganz normalen Klinikablauf einer Vergewaltiger als Patient. (War wegen Drogen und einen Schlaganfall da). Ich habe ihm wie jede anderen Patient behandelt. Gehört zum Job. Meine Kolleginnen haben sich geweigert, ihm zu behandeln.

    Zitat

    Autsch ":/


    Sowas müsste man eigentlich der Krankenkasse melden.

    Autsch!


    So ein Kommentar ist wirklich überflüssig.


    Es ist nunmal erwiesen, dass sich aufgrund von Erziehungsfehlern auch die sexuellen Bedürfnisse verändern. Die Art der Sexualität ist nicht angeboren, sie wird in der Kindheit geprägt und auch Homosexualität wurde nicht in die Wiege gelegt.


    Das sie akzeptiert wird ist gut und richtig, aber trotzdem kann sie vergehen, wenn sich andere psychische Mängel aufgelöst haben.


    Wer eine scheiß Mutter hatte, könnte schwul werden...will keine Frauen mehr. Wenn die Mutterstory aufgearbeitet ist, könnte er sich vielleicht doch für das andere Geschlecht erwärmen. Das nur mal so als grobes Beispiel.


    Ich halte den Therapeuten für gut. Er scheint Kirche und Therapie wohl auch gut trennen zu können.

    Zitat

    Das letzteres geht gar nicht!


    Man darf als Therapeut nicht diskriminieren und für solche Aussagen ist die Zulassung weg. Melde das bitte der Psychotherapeutenkammer. Er könnte bei jemanden echt eine Schaden anrichten!

    Wie neurotisch ist DAS denn?


    Darf ja wohl nicht wahr sein....


    Dieser Therapeut ist nur verantwortlich dafür, was er sagt, nicht was andere daraus verstehen und machen.

    Es ist mit Sicherheit so, dass ausschweifendes sexuelles verhalten bei seelischen Problemen vorkommt (einfach als Kompensation, zur Ablenkung etc.) und wohl auch reduziert wird, wenn das eigentliche Problem behandelt ist.


    Homosexualität als Störung zu betrachten ist natürlich etwas haarsträubend aber ansonsten finde ich hier wenig, was gegen den Therapeuten spricht, zumal Du Dich da ja sonst gut aufgehoben fühl.st ich würd da einfach erstmal weitermachen und abwarten.

    G.Sicht


    Man wird durch eine schlechte Mutter nicht Schwül!


    Homosexualität ist angeboren. Entweder findet man Männer oder Frauen attraktiv.


    Es ist definitiv keine Krankheit und sollte nicht als solch betrachtet werden. Die Idee, dass man Leute kehren kann, ist seit die 50er abgeschafft.


    Ich bin nicht neurotisch. Ich arbeite auf empirische Basis und nach der Psychotherapeuten Gesetz.

    Autsch! Autsch! :|N :|N :|N

    Zitat

    Es ist nunmal erwiesen...

    Äh, wie bitte? Hast du da Quellen?


    So wie du schreibst, ließe sich Homosexualität dann ja auch wieder abtrainieren. Viel Erfolg! %:|

    Zitat

    In den Sitzungen macht er überhaupt keine Andeutungen, mich auch nur in irgendeiner Weise bekehren zu wollen, aber ich habe eben die Befürchtung, dass er mit einer solch religiösen Einstellung eher dazu neigt, meine sexuellen Wünsche, die ich bis jetzt mit Mitte 20 noch gar nicht ausleben konnte, zu verurteilen.

    So wie du schreibst, verhält er sich durchaus professionell und korrekt. Deine Befürchtungen sind nun mal nur DEINE Befürchtungen. So lange du Fortschritte mit ihm machen kannst, lasse den sexuellen Themenbereich außen vor, den kannst du später, bei Bedarf auch mit einem anderen Therapeuten, bearbeiten. Er muss deine Sexualität nicht gut finden, solange er dir in anderen Bereichen hilft und nicht versucht, dich "umzudrehen", passt das schon. Wenn deine Befürchtungen den Therapieverlauf, deinem Gefühl nach, negativ beeinflussen, solltest du diese ihm gegenüber offen aussprechen.

    Die meisten Fachleute gehen mittlerweile davon aus, dass sich biologische, soziale und kulturelle Einflüsse nicht voneinander trennen lassen. Anders gesagt: Da die Biologie immer mitmischt, darf man davon ausgehen, dass Homosexualität angeboren ist.


    Nur ein Geburtsfehler ist sie nicht.

    Zitat

    Als zweiter Punkt kommt hinzu, dass er sexuelle Abneigungen wie Homosexualität als Symptome psychischer Störungen sieht, und er davon berichtet, dass die Sexualität einiger seiner Patienten sich "normalisiert" habe, sobald deren psychische Störungen wie Selbstunsicherheit geheilt worden seien.

    So wie ich das lese wurde hier geschrieben - dass er sexuelle Abneigungen wie Homosexualität als Symptome psychischer Störungen sieht. Sonst müsste es doch "Neigungen" heissen, oder?


    Dann wird berichtet, dass die Sexualität einiger Pat. sich "normalisiert" habe, sobald... Ich lese und interpretiere das jedenfalls ganz anders als die hier gegebenen Antworten vermuten lassen.


    Benny546, es wäre gut wenn Du dich hierzu nochmal äussern würdest.

    Zitat

    Es ist nunmal erwiesen, dass sich aufgrund von Erziehungsfehlern auch die sexuellen Bedürfnisse verändern. Die Art der Sexualität ist nicht angeboren, sie wird in der Kindheit geprägt und auch Homosexualität wurde nicht in die Wiege gelegt.


    Das sie akzeptiert wird ist gut und richtig, aber trotzdem kann sie vergehen, wenn sich andere psychische Mängel aufgelöst haben. (G.Sicht)

    "Andere psychische Mängel"? Homosexualität ist für dich also ein "psychischer Mangel"?

    Zitat

    So wie du schreibst, verhält er sich durchaus professionell und korrekt. (Evoluzzer)

    Äh - nein? Da steht explizit: "Als zweiter Punkt kommt hinzu, dass er sexuelle Abneigungen wie Homosexualität als Symptome psychischer Störungen sieht, und er davon berichtet, dass die Sexualität einiger seiner Patienten sich "normalisiert" habe, sobald deren psychische Störungen wie Selbstunsicherheit geheilt worden seien."


    Professionell kann ich das nicht finden.

    Was geht denn hier ab? :(v


    Wenn ein Arzt im Jahre 2017 des Herren aus Überzeugung argumentiert das Homosexualität eine Geistesstörung wäre, die man nur korrekt behandeln müsste damit der Patient wieder "gesundet", dem gehören schleunigst und nachhaltig alle Zulassungen entzogen! :-o


    So was geht einfach absolut gar nicht. Das erinnert fatal an nationalsozialistische Eugenik, die man in diesem Land schon einmal, leider einigermaßen erfolgreich, kultiviert hatte.


    Was ist das nur für ein Menschenbild solche Gedanken zuzulassen? Vermutlich sind diese Leute nur deshalb so übertrieben homophob eingestellt, weil sie Angst haben selber vielleicht auch latent empfänglich zu sein dafür... :=o


    Ich selber bin Heterosexuell. Ich habe aber einige Bekannte und Freunde die homosexuell sind bzw. von denen ich das weiß. Und das sind völlig normale Menschen ohne jede psychische Störung, junge junge...

    Zitat

    Es ist definitiv keine Krankheit und sollte nicht als solch betrachtet werden. Die Idee, dass man Leute kehren kann, ist seit die 50er abgeschafft.

    Das Problem ist, dass es eben genau leider leider leider noch nicht abgeschafft ist. Sollte es aber sein.


    http://www.zeit.de/2014/20/homosexualitaet-heilung-evangelikale-christen/komplettansicht