Emotionale Erpressung und Tyrannei der Mutter

    Hallo Ihr da draußen, ich hoffe Ihr könnt mir ein wenig helfen oder mir eure Erfahrungen diesbezüglich schildern.


    Kurz zu mir: Ich bin 28 Jahre alt, die einzige Tochter/Kind von meinen Eltern.


    Meine Kindheit würde ich heute als sehr lieblos und kühl bezeichnen, es gab keine Umarmungen, keine Küsschen, kein ich hab dich lieb, ich lief eben so mit.


    Schon früh musste ich selbständig sein, da meine Eltern als Koch und Kellnerin sehr unregelmäßige und lange Arbeitszeiten hatten. Ich nehme es Ihnen auch eigentlich nicht übel, warum das Wort eigentlich, erkläre ich dann...


    Meine Eltern haben nie etwas mit mir unternommen, Fahrrad fahren, schwimmen etc.haben mir die Nachbarn beigebracht, dessen Tochter meine beste Freundin war. Es wurden keine Geburtstage gefeiert, Weihnachten oder sonstige Feiertage (wir sind Moslems) aber auch "unsere" Feiertage nicht.


    Statt mal mit mir etwas zu unternehmen, saßen beide vor dem Fernseher, haben geraucht und Kaffee getrunken, während ich ebenfalls alleine in meinem Zimmer saß. Gekocht wurde für mich auch nicht, dementsprechend gab es bei uns nie ein gemeinsames Essen. Zu Hause gab es Brot und Aufstriche und Fertigessen.


    Ich war der Meinung zu meinen Eltern, allen voran meiner Mutter kein schlechtes Verhältnis zu haben, bis vor 5 Jahren als meine Reise nach Amerika alles veränderte


    Damals habe ich mich in einen Amerikaner verliebt und bin Hals über Kopf zu Ihm nach Californien ohne nachzudenken.


    Muss fairerweise sagen, dass ich mich in den 5 Monaten wirklich nur bei Ihr gemeldet habe, wenn ich Geld brauchte.


    Ich bin darauf auch nicht stolz und schäme ich rückblickend auch sehr, weil Sie dadurch auch Schulden angehäuft hatten, die ich aber abgetragen habe. Meine Mutter ist in dieser Zeit psychisch extrem abgerutscht, weil ich sie nie von mir aus angerufen habe und auch einfach nur genervt war wenn Sie es tat, aber wenn ich Geld brauchte war ich natürlich zuckersüß.


    Ich habe mich dafür auch unendlich oft entschuldigt und alles getan, damit ich Ihnen zeige, dass ich es wieder gut machen will.


    Als ich zurück kam, habe ich auch gleich eine Vollzeitstelle bei einem Anwalt als Empfangsdame angenommen und dort auch gute Arbeit geleistet, meine Eltern waren zufrieden und ich war froh Ihnen beweisen zu können, dass ich bereit bin für mein Fehlverhalten gerade zu stehen und Ihnen das Geld zurück zu geben. Was ich auch voll und ganz getan habe.


    In dieser Zeit beim Anwalt habe ich angefangen mich für Tattoos zu interessieren und habe mir auch welche stechen lassen. Mit 21 Jahren habe ich meine Eltern natürlich nicht um Erlaubnis gefragt,als meine Mutter dann die Tattoos sah, ist sie vollkommen ausgerastet, warum ich mich so hässlich mache, dass ich nie wieder einen Job finden werde so wie ich nun aussehe, etc... obwohl ich einen Job hatte, sogar bei einem Anwalt. Ich muss die Tattoos natürlich immer bedecken, aber dessen war ich mir bewusst. Es ging sogar so weit, dass Sie mich weinend anrief und mir ständig reindrücke, dass ich mich so verändere und sie gar keinen Zugang zu mir hat. Dabei war ich vorbildlich, steady Job, keine Schulden, stabile Beziehung.


    Um mir nebenbei etwas dazu zu verdienen habe ich angefangen als Aktmodel in einer Kunstwerkstatt zu posieren. Nicht nur wegen des Geldes auch weil es mir Spaß machte. Ich habe dort auch wirklich gute Freunde gefunden. Sie fand dies irgendwie heraus und ist komplett übergeschnappt, was sie bloß mit mir falsch gemacht habe, wieso sie so eine Tochter verdient habe. etc. Sie hat irgendwie mitbekommen, dass ich nicht mehr um Erlaubnis frage oder Sie gar einbeziehe. Muss auch erwähnen sobald ich etwas mache das Ihr nicht passt, ruft Sie mich zig mal am Handy an, hinterlässt böse Sprachnachrichten, wenn ich nicht reagiere schreibt Sie noch SMS und dann auch auf auf Facebook. Ich habe schlichtweg kein Bedürfnis solche Dinge mit meiner Mutter zu besprechen, weil ich einerseits genau weiß, dass Sie damit nicht einverstanden ist und anderseits weil ich 28 Jahre alt bin und meinen eigenen Lebensentwurf habe. Mein Vater hält sich aus dem raus, aber wenn meine Mutter sagt, jetzt sag doch du auch mal was, ist er der mich anschreit und meine Mutter die mich dabei ermahnend und/oder schmollend ansieht.


    Diese ganze Geschichte ist jetzt 5 Jahre her, ich bin beruflich gewachsen, habe einen gut bezahlten Job, den ich aber hasse.


    Vor 6 Monaten war ich ihn Bolivien auf Urlaub und habe dort einen Mann kennengelernt, den ich wirklich sehr mag.


    Er ist auch 10.000 km geflogen um mich in Österreich zu besuchen und unsere Liebe hat sich noch mehr vertieft.


    Da ich ohnehin vor hatte eine kleine Weltreise zu machen (Geld habe ich dafür gespart) würde ich gerne meinen Job kündigen und mal für 1 Jahr Südamerika bereisen. Er arbeitet ja weiter in Bolivien, mal würden wir gemeinsam was machen, mal ich alleine. Das habe ich mal meiner Mutter erzählt und Ihre erste Reaktion war folgende: " Willst du wieder das ich krank werde?"


    Du kannst du doch nicht ernsthaft wollen, von mir gibts keinen Euro mehr und deine Wohnung darfst du auch nicht vermieten! (Ist eine Eigentumswohnung, die Sie mir geschenkt haben, Name ist allerdings auf meinem Dad)". Natürlich hätte ich gerne das extra Cash, lege aber nicht wie besessen Wert darauf. Die Wohnung habe ich zwar bewohnt aber auf dem Papier gehört sie Ihnen. Sie hat mir auch schon mit Selbstmord gedroht! In Therapie will sie nicht gehen und ich weiß mir langsam nicht mehr zu helfen! Sie tut mir wahnsinnig Leid.


    Seit dieser Amerikareise hat sie es sich zur Aufgabe gemacht mich bei jeder Gelegenheit spüren zu lassen, wie sehr ich Sie damals verletzt habe. Ich rufe sie selten an, sie dafür aber total oft, und wenn wir reden sind es dann doch oft Vorwürfe warum ich mich so selten melde und nie etwas unternehmen will. Sie drängt sich immer auf, wenn sie bei mir in der Wohnung ist durchsucht Sie in meiner kurzen Abwesenheit meine Sachen, sie respektiert keine Grenzen.


    Sie will etwas von mir, dass ich in meiner Kindheit nie hatte, sie hat mich eher behandelt wie ein ungeliebtes Haustier und will jetzt aber die Wochenenden mit mir verbringen etc. Ich brauche das aber nicht mehr, sie hat sich nie für meine Kindheit entschuldigt und der Grund warum ich Ihr das jetzt so wie ich es tue vorwerfe, ist weil Sie das alles jetzt von mir einfordert.


    Ich habe eine Therapie gemacht und würde mir wünschen, dass Sie mich als den Menschen akzeptiert der ich bin.


    In Wahrheit bin ich nämlich ein guter Mensch, auch wenn ich nicht Ihren persönlichen Vorstellungen entsprechen will/kann.


    Habt Ihr Ratschläge?


    lg


    Ami

  • 42 Antworten

    Kurz und bündig von esta auf den Punkt gebracht.


    Ich kann die erste Zeit nachvollziehen, in der Du Dich aus Amerika nur gemeldet hast, wenn Du Geld brauchtest. Sie haben es Dir ja nie anders beigebracht, Dir vorgelebt lieblos zueinander zu sein. Wie sollst Du da auf die Idee kommen Mama anzurufen, weil Du sie liebst? Geht ja gar nicht und finde ich in dem Punkt von Deiner Mutter wirklich zuviel verlangt.


    Aaaaber: nun ist noch mehr Zeit ins Land gegangen, noch mehr abenteuer in Deinem Leben sind geschehen.


    Du bist 28. Sei für Dich und Dein Leben verantwortlich. Nicht für das Deiner Mutter.


    Wer meine Sachen durchwühlt, der bekäme von mir ad hoc gezeigt wo der Maurer das Lich in der Wand gelassen hat! Egal, wie verwandt man da ist, das geht nicht. Lass sie nicht rein, wenn sie Deine Grenzen nicht respektiert. Wobei: Setzt Du diese denn deutlich?


    Sie erpresst Dich emotional, das geht gar nicht.


    Meine Meinung, da ich bisher auch schon zwei Freundinnen hatte, die ähnliche Erlebnisse mit ihren Müttern hatten: Brich den Kontakt ab. Rigoros!

    DU meinst, erwachsen zu sein, schreibst hier aber, als wärst Du 14.


    Was hast Du in der Therapie gelernt, wie man sich abgrenzt? Davon lese ich hier nicht mal ansatzweise.


    Und darauf zu kommen, dass Du nie anerkannt werden wirst, ist nicht drin?


    Dann wärst Du erwachsen und müßtest nicht irgendwelchen (kindlichen) Vorstellungen hinterherlechzen.


    Dann wärst Du frei....

    Ich auch nicht. Auf mich wirkt sie nicht wie 14, sondern wie ein erwachsener Mensch, der einfach nur nach dem Stück Seil sucht, was er noch kappen muss um endlich frei zu sein.


    Das kann durchaus mit Ende 20 so sein. Das ist keine Seltenheit.


    Hier muss nur mehr Entschlossenheit rein, mehr Konsequenz. Aber zuerst muss die Furcht davor überwunden werden.

    Ich finde auch nicht das sie wie eine 14 Jährige schreibt; Sondern sehr reflektiert.


    Es weiß wohl jeder wie schwer es ist sich abzunabeln und auch manch einer wie schwer es ist, wenn die Eltern das abnabeln nicht zulassen wollen. Daher finde ich den Weg den sie bisher gegangen ist, inklusive dem Einstehen für ihren vergangenen Fehler, sehr selbstbewusst und muss echt sagen: Respekt!


    Hast du mit deinem Vater auch schonmal allein darüber gesprochen?

    Zitat

    Muss fairerweise sagen, dass ich mich in den 5 Monaten wirklich nur bei Ihr gemeldet habe, wenn ich Geld brauchte.

    Wie konntest du überhaupt 5 Monate dort sein, ohne Job, ohne Geld, ohne alles?

    Zitat

    ,als meine Mutter dann die Tattoos sah, ist sie vollkommen ausgerastet, warum ich mich so hässlich mache, dass ich nie wieder einen Job finden werde so wie ich nun aussehe, etc...

    So würden wohl viele Eltern aufwachsen, in deren Jugend Tattoos noch was ganz seltenes waren, was nur Knackis tragen ;-)

    Zitat

    Du kannst du doch nicht ernsthaft wollen, von mir gibts keinen Euro mehr

    Das ist ja soweit in Ordnung. Und ein Stück weit verständlich, wenn du bei deiner ersten langen Reise ständig um Geld geschnorrt hast.

    Zitat

    und deine Wohnung darfst du auch nicht vermieten! (Ist eine Eigentumswohnung, die Sie mir geschenkt haben, Name ist allerdings auf meinem Dad)".

    Dann darfst du das eben tatsächlich nicht. Es ist nicht deine, Eigentümer ist rechtlich dein Vater und "moralisch" offensichtlich auch nicht du. Akzeptier das und freu dich über die gratis Wohnmöglichkeit, oder scheiß drauf und miete/kaufe dir etwas, was dann auch wirklich dir gehört.

    Zitat

    Natürlich hätte ich gerne das extra Cash, lege aber nicht wie besessen Wert darauf.

    Was ist daran natürlich? Du bist erwachsen und sagst, viel Geld gespart zu haben. Da würde ich nicht nur "nicht wie besessen", sondern gar keinen Wert auf "Extra Cash" legen. Das Geld der Eltern eine Rolle spielen könne, käme mir nichtmal in den Sinn.

    Ermals bedanke ich mich bei allen die diesen langen Text gelesen habe und auch für die "Teils" freundlichen Worte ;-)


    Eines möchte ich aber klarstellen, ich nehme kein Geld von meinen Eltern an, ich wohne in der Wohnung die sie mir geschenkt haben. Aber scheinbar gehört die Wohnung nur wirklich mir, wenn ich genau das tue was sie von mir wollen.


    Ich bestehe nicht auf biegen und brechen auf diese wunderschöne Altbauwohnung, gesetzlich gehört sie ja auch Ihnen, da könnte ich auch gar nix machen.


    Das ich nach Geld gefragt habe, war vor 5 Jahren als ich in Amerika war, vlt. war das nicht so klar raus zu lesen.


    Und ich finde auch, dass ich mich nicht wie eine 14 jährige benehme, sonst hätte ich schon längst den Hut drauf gehaut, wie man in Österreich so schön sagt.


    Ich möchte eine gute Beziehung zu meiner Mutter haben, aber sie trägt eben Ihren Teil dazu nicht bei und ich wollte diesbezüglich eigentlich auch nach Vorschlägen fragen, wie ich Sie eventuell in die richtige Richtung schubsen könnte.


    Ich habe ihr auch klar gesagt, dass ich nicht Ihr Eigentum bin und ich auch für Ihr Glück im Leben nicht verantwortlich bin, dass Sie sich bitte ein Hobby, Lebensaufgabe suchen soll die sie gleichermaßen erfüllt wie mich unter Druck zu setzen.


    Auch soll Sie bitte endlich therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen soll.


    2 Tage ist dann Ruhe und dann schreibt sie mir wie es mir so geht und was ich so mache, als wäre gar nichts gewesen...


    Manchmal wünschte ich könnte in Sie hineinsehen, damit ich sie besser verstehe.


    Meine Mutter hat sich denke ich selbst aufgegeben um mir ein besseres Leben zu ermöglichen.


    Wir sind 1993, ich war da 4 Jahre alt, nach Österreich vor dem Balkankrieg geflüchtet und haben alles verloren. Kleines Stadthaus am Meer in Split, Haus am Land in der Umgebung von Durbovnik.


    Mit Hilfsarbeiterjobs die beide Elternteile gearbeitet haben, haben Sie mir und sich selbst eine Eigentumswohnung ermöglicht.Es war sicher für sie auch nicht so einfach wieder von 0 anzufangen, da wir ja relativ wohlhabend waren, uns aber in der Heimat alles zerbombt wurde. Aber ich fühle mich dadurch auch ständig in der Bringschuld, weil Sie mir das auch irgendwie immer vorwerfen... ala' du hast so eine schöne Wohnung für die wir uns abgerackert haben und du willst nur weg.


    Nach allem was meine Eltern allen Vorran meine Mutter mir ermöglicht haben/hat, möchte ich Sie nicht einfach so aufgeben. Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, werde ich den Kontakt vollständig abbrechen.


    Aber ich finde, dass dies doch noch immer der letze Ausweg sein sollte.


    Alles Liebe aus dem großartigen Wien @:)


    Ami

    @ Plüschbiest

    Wie es sich mit der Wohnung verhält hat sie doch beschrieben. ":/ Sie sieht es ja auch realistisch und ist nicht zornig oder ähnliches.

    ontopic

    Was du im letzten Beitrag beschrieben hast zeugt auch von viel Verständnis. Hast du schon versucht deine Mutter auf diesem Weg zu erreichen? Das du sie verstehst und gern, vor allem freiwillig, für sie da bist - du aber eben nicht immer die Beschützte sein kannst? So klingt es für mich dann eben auch heraus.


    Das dieses Lieblose Aufwachsen vielleicht mehr mit dem Trauma des Wegziehens und plötzlicher finanzieller Veränderung einherging und sie wirklich ... wie sagt mans am besten ... dich als ihr Lebenswerk nimmt. Habt ihr darüber schonmal gesprochen?


    Wie waren deine Eltern als sie mit dir hierher kamen? Es ist natürlich dann schwierig: Sie haben sich mit Entbehrungen herumgeschlagen um zu ermöglichen was nun möglich ist und du willst es nicht. Ich glaube das stöße jedem übel auf und wenn ich als Eltern in so einer Situation wäre, würde ich mich fragen: "Wofür das alles zuvor?"


    Das ist schwierig aufzudröseln - denn natürlich darf dein Leben davon nicht abhängig sein.


    Deswegen fragte ich: Was sagt dein Vater selbst, unter vier Augen, dazu? In wie weit sind erwachsene Gespräche noch möglich?