Endlich eine Entscheidung treffen

    Ich überlege seit längerem von Zuhause wegzurennen. Alt genug bin ich, um einfach auszuziehen (Ich bin 18). Aber meine relativ strengen muslimischen Familie gibt es kein Ausziehen. Ich hab schon versucht mit meiner Mutter darüber zu diskutieren, jedoch ist sie ziemlich überzeugt davon, dass es wohl in underer Kultur sowas nicht gebe und dass ich "vom Weg abkomme". Jedoch will ich endlich mein eigenes Leben führen, unnabhängig sein und auch vielen Problemen innerhalb meiner Familie entkommen. Es regt mich so sehr auf, dass vorallem mein Vater zuhause das Sagen hat und wenn er aus irgendwelchen irrationalen Gründen Nein sagt kann ich nichts dagegen tun. An meinem Abiball konnte ich nur bis 9 Uhr dort bleiben (die richtige Feier mit Tanz und allem hatte um diese Zeit erst angefangen), als ich mein Abizeugniss bekam hörte ich nur ein "gut" und sind fluchtartig aus der Zeremonie geflüchtet, um ganze 4 Stunden mit dem Wagen zur Grenze nach Polen zu fahren. Aber auch kleine Dinge wie die Tatsache, dass in einem 5 Personenhaus nur ich und meine Mutter den Haushalt schmeißen wie auch die Sache, dass er sich immer servieren lassen möchte (nur noch kauem muss er selbst) lässt mich so wütend sein. Beklagen kann man bei ihm nicht, da er mich anschreien würde und da auch so manche Sachen dabei kaputt gehen würden (Schlimmer noch würde er um uns auf die Nerven zu gehen das Nervige noch mehr tun. Als meine Mutter ihm sagte wie sehr meine Oma schmatzt da hat er nun angefangen, wenn nicht sogar noch lauter zu schmatzen als sie). Appopos schmatzen, ich bin Mezophinistin, d.h. manche Geräusche machen mich sehr wütend wie z.B. schmatzen oder bei mir allgemein wenn es Zuhause laut ist (und das ist gefühlt immer. Die Wände sind einfach viel zu dünn. Mir kommt es vor, als wären sie dabei in meinem Zimmer und würden das hier tun). Am meisten Nervt es in der Zeit, wo ich schlafen will oder lernen will (ich studiere und arbeite nebenbei). Ich habs einfach satt von alldem. Verstehen wüden sie mich sowieso nicht (keinen Freund haben, fast immer Zuhase bleiben, da ich nachdem es dunkel ist nicht raus darf, generell habe ich einen sehr guten Freund, mit dem ich mich aber nicht sonderlich gut verstehe. Soweit ich mich erinnern kann hatte ich keine Freunde, wurde auch sehr oft gemobbt. Vielleicht komme ich mit anderen Menschen einfach nicht klar.Und seitdem ich 8 bin trage ich ein Kopftuch auch wenn ich es mittlerweile es nicht mehr will). Aber so "eine Schande" wie dem Abhauen von Zuhase kann ich ihnen auch nicht antun. Geschweige denn, was mein Vater tun würde, wenn er wissen würde wo ich wohne (aber er hat mich noch nie geschlagen). Alles in allem will ich endlich ein Leben haben, rausgehen und spaß haben, Alkohol drinken und auch von jemanden geliebt werden. Ich traue es mir schon selber zu alleine zu wohnen (auch wenn ich bedenken habe wegen Depressionen oder Heimweh etc.). Entscheiden kann ich mich trotzdem nicht. Mein Bruder ist mein Ein- und Alles. Ich liebe ihn sehr, weshalb ich wegen ihm als auch wegen meine Mutter sorgen mache. Daher meine bitte an euch: Hilft mir eine Entscheidung zu treffen. Was ist im Leben wichtiger: Freiheit oder Familie?

  • 12 Antworten

    Ich kann mir gut Deine Zwickmühle vorstellen, ich habe einige muslimische Freundinnen. Wahrscheinlich wirst Du keinen Kompromiss finden. Haust Du ab, bist Du erstmal für Deine Familie gestorben und auf Dich allein gestellt. Bist Du stark genug, das durchzuziehen? Wenn genug Zeit vergangen ist, wäre ein Kontakt sicher wieder möglich, aber gerade Dein Vater wird nur schwer verzeihen können.


    Andererseits: so ist es auch kein Leben. Könntest Du denn mit dem Geld, das Du verdienst, überleben? Wie lange dauert Dein Studium noch? Wenn Du bald fertig bist würde ich Dir raten bis dahin noch auszuhalten und dann auszuziehen. Ich drücke Dir die Daumen @:)

    Vielleicht findest du hier mehr Hilfe, auch zu deinen Überlegungen zum von zu Hause weggehen.


    Rechtlich sind in Deutschland deine Eltern nicht mehr für dich verantwortlich und haben auch keine Aussichts- und Erziehungspflich aber auch keine diesbezüglichen Rechte mehr. Mit 18 kannst du frei entscheiden was du tun willst.


    Dein Vater und deine Brüder verhalten sich so, wie es in deutschen Familien vor über 50 Jahren noch oft üblich war. Gleichberechtigung, gerade über den deutschen Gesetzgeber benötigt auch heute noch viele Anstrengungen. Viele deutsche Bürger lehnen solche archaischen Familienverhältnisse heute ab und verabscheuen u.a. auch deswegen manche Kulturen. Es verstößt ein derartiges Verhalten auch gegen die internationale Menschenrechtskonvention.


    Noch besser:


    Es gibt in Deutschland in vielen Orten jugendbetreutes Wohnen, gerade für Jugendliche und junge Erwachsene, die mit ihren Eltern nicht klar kommen. Für Hamburg z.B. hier.

    Vielleicht kannst du über einen Brief ohne Absenderadresse deine Probleme, die du mit deiner archaisch handelnden Familie hast, mitteilen. Über eine Postfachadresse (frage in einem Postamt nach) kannst du auch Mitteilungen empfangen, so dass du bei einer Flucht aus dem Elternhaus dennoch Kontakt zu deiner Familie hast ohne weitere Recherchemöglichkeit deines Aufenthaltortes (digital lässt es sich näherungsweise aufspüren- siehe auch meinen Link). Ich kenne weder deinen Vater noch deine Brüder und weiß nicht wie stark ihre kulturellen Prägungen sind, so dass sie auch vor kriminellen Handlungen dir gegenüber nicht zurückschrecken- also passe auf dich auf und überlege dir gut im Falle eines Auszugs, ob du deinen neuen Aufenthaltsort nicht besser geheimhältst.

    So wirst du nicht glücklich :°_ , kannst du nicht in einer anderen Stadt dein Studium weiterführen, so müsstest du ausziehen. Bekommst du Bafög ? Du könntest am Anfang auch im Studentenwohnheim wohnen.


    Auf alle Fälle musst du raus von zu Hause , du klingst sehr traurig und verständlicherweise schon sehr genervt. Sowas geht nicht von alleine weg, steigert sich eher noch .

    Danke für all eure hilfreichen Antworten <3


    Ich bekomme genug Bafög und arbeite gerade nicht mehr, werde aber bald ein neues finden. Zu meinem übel hat mich auch noch mein Freund verlassen, die einzige Person, die noch einigermaßen zu mir gehalten hatte. In eine andere Stadt umzuziehen traue ich mich noch nicht. Ich habe mir schon überlegt wie ich es tun kann, nur ist es halt so ein Gewissenproblem. Ihr habt mich da falsch verstanden mit meinem Bruder. Er ist jünger als ich und auch sehr liberal. Nach all dem was passiert ist fühle ich mich so leer und kann auch keinen richtigen Gedanken bilden dazu. Ich will einfach nur dass das hier alles aufhört!

    Hallo otakugirl,


    vielleicht solltest du sagen, nicht Freiheit oder Familie, sondern zuerst Freiheit und dann, wenn sich die Wogen wieder geglättet haben, wieder Familie. Sowas kann dann dauern, vielleicht Jahre, aber dann wärst du gefestigt und sicher mit dem, was du alleine, in deinem neuen Leben erreicht hast.


    Um wirklich glücklich zu sein, ist Freiheit das Wichtigste. Aber vielleicht bist du noch etwas zu jung dafür? Für so eine schwere, große Entscheidung? Noch dazu, wenn dich jetzt dein Freund verlassen hat - vielleicht waren ihm deine Sorgen zu schwer?


    Kennst du die beiden Bücher von Sabatina James? Die können dir vielleicht helfen bei deinen Gedanken, sie hatte sich auch in jungen Jahren schon viele Gedanken darüber gemacht, daß sie in einer solch strengen muslimischen Familie nicht weiterhin leben will.

    Otakugirl

    Zitat

    Was ist im Leben wichtiger: Freiheit oder Familie?

    Ich stand in Deinem Alter ungefähr vor der gleichen Frage und die Antwort war für mich auch ganz klar. Ich war auch recht depressiv, wie auch anders, wenn man ständig herumkommandiert wird, nur einer das Sagen hat und die anderen springen. Trinken war mir zwar nicht wichtig und auch nicht ständig unterwegs zu sein, denn das sehe ich schon auch in der Selbstverantwortung einer Erwachsenen, dass sie für sich gut sorgt und weder ist Trinken über einem gewissen Maß etwas Erstrebenswertes, noch das Abschleppen von Jungs. Wobei die Männergeschichten durchaus auch nur ein Symptom von Minderwertigkeitskomplexen sind, denn es wird sich schon jemand finden, wenn es so sein soll und wenn nicht, dann nicht. Das war für mich zumindest keine Priorität. Es ging mir darum, mein Leben einzurichten und selbständig, selbstverantwortlich und selbstbewusst zu werden. Aber natürlich sind das Dinge, die im Zusammenhang sind, zumindest war es bei mir so. Das wichtigste war für mich schlicht von zu Hause wegzukommen und das nicht in derselben Stadt, sondern so weit wie möglich weg und das hätte ich mit 18 nicht gekommt, da ich zu keiner selbständigen Person erzogen wurde. Darum habe ich schlicht einen Plan entworfen, wie ich es schaffe, von zu Hause auszuziehen und mich dieser totalen Kontrolle zu entziehen, auch wenn es das bedeutete, den Kontakt zu Familie zu verlieren. Ich wusste, dass es mich nicht glücklich macht, den Kontakt zur Familie zu wahren, genauso war mir bewusst, dass ich nicht für meine Mutter verantwortlich war, auch wenn ich um sie Angst hatte. Aber sie hatte sich entschieden, mit meinem Vater zu leben, ich konnte mich dem bei Großjährigkeit entziehen. Auch fiel mir der Alltag die 3 Jahre nicht mehr so schwer, die ich noch zu Hause blieb, weil ich wusste, dass das ein Ende hat und ich brauchte auch die Zeit, um zu lernen, lernen, lernen. Also habe ich dann genau das getan, ich bin nach dem Abitur ausgezogen und es war schwer, aber einfach schön, dass mir keiner mehr sagte, was ich darf und was nicht. So viel Vernunft besaß ich, dass ich das für mich selbst wusste. Also gilt das eben auch für Dich. Wovon machst Du es abhängig, dass Du glücklich wirst und dann Deine Entscheidung, was Du tun wirst, damit Du da hinkommst.

    Du schreibst, dass dein Vater sich immer nur bedienen lassen will.


    Wie sieht es denn mit eurem Essen und der Miete aus? Arbeitet er und bezahlt das, wass ihr esst?


    Weil wenn ja, dann kannst du das nicht einfach ignorieren. Vielleicht arbeitet er genausoviel für dich (an der Arbeit - und vielleicht auch nicht immer gerne) wie du für ihn zuhause?


    Wichtig ist hier, die Interessenlage zu durchschauen. Braucht deine Mutter dich zuhause? Ist es möglich dass dein Bruder auch deine Mutter mehr entlastet?


    Ihr müsst darüber offen reden. Verstehe dir Bedürfnisse deiner Mutter und deines Vaters. Und du darfst ihnen auch deine Bedürfnisse erklären. Oder sind sie so dumm, nicht zu verstehen, dass du keine Bedürfnisse hast? Das kann ich nicht glauben.


    Noch bist du gerade mal 18. Also ich sehe nicht, dass du etwas überstürzen musst. Du kannst ja anfangen ein Ziel zu verhandeln, dass du mit 19 oder 20 ausziehst. Spätestens mit 21 sollten deine Eltern vielleicht mal darüber nachdenken, dass du evtl. wirklich erwachsen und auch vielleicht sogar "selbstständig" bist...

    Ich verstehe übrigens, dass dir die Enge zuhause gewaltig auf die Nerven geht.


    Und auch die Bevormundung. Obwohl ich nicht sage, dass deine Eltern dir keinen wertvollen Rat mehr zu geben haben.


    Aber ich hoffe sie sehen es auch so, dass du als Erwachsene in bestimmten Bereichen mehr und mehr mit ihnen auf Augenhöhe kommen wirst.