Erlebnis geht mir nicht mehr aus dem Kopf

    Hallo liebe Community,


    wie der Titel bereits sagt, hatte ich vor 2 Wochen ein Erlebnis, welches mich nach wie vor stark beschäftigt.

    Ich hatte Termine mit Mietern eines Altbaus und musste dort auch in jede Wohnung.

    Bei der letzten Wohnung öffnete mir ein Mann ca. Mitte 30, ungepflegt, Alkoholfahne nachmittags halb vier. Schon beim Öffnen der Wohnungstür wehten mir üble Gerüche entgegen. Augen zu und durch, ich also dort rein. Im Flur musste ich kurz warten, es bot sich mir schon dort ein katastrophales Bild: Fußboden verdreckt, Türen mit kaputten Scheiben. Da stand ein Schuhschrank, obendrauf ein Topf mit Essensresten, die vor sich hin schimmelten. Dann kam die Frau/Freundin, vielleicht Mitte 20, eigentlich hübsches Gesicht, aber auch total verlottert. Fettige Haare, versiffte Klamotten….. ich hab dann kurz erklärt worum es ging und bin dann ins Bad. Ich versuche das mal zu beschreiben (mir stellen sich schon wieder die Nackenhaare auf): Türe auf, ein ekelhafter Gestank. In der Badewanne lagen dreckige Klamotten oder irgendwelche Decken, keine Ahnung. Obendrauf ein paar Schuhe, die Sohlen voll Sch…ße. Auf dem Wannenrand stand ein Maßkrug Bier, bis obenhin voll mit Urin (vermute ich zumindest). Ich hab versucht, nur nicht durch die Nase zu atmen und konnte zum Glück auch schnell wieder raus. Das schlimmste kam aber zum Schluss. Ich wieder raus in den Flur, und da standen zwei kleine Lütten, Junge und Mädchen, vielleicht 4 oder 5 Jahre alt. Die sahen aus, als ob sie gerade aus irgendwelchen Slums kommen würden. Total verdreckt, ich meine so richtig schmutzig, ich kann es echt nicht beschreiben. Ich musste dann noch eine Unterschrift holen und bin dort raus, ich weiß nicht so genau wie, aber ich war total fertig. Als ich diese Kinder gesehen hab…..

    Ich bin dann wieder zurück ins Büro, konnte aber nichts mehr machen, weil mir diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf gingen.

    Nun ist es so, dass ich bisher überhaupt nicht so zart besaitet war, hab vor Jahren schon einiges an menschlichem Elend erlebt (im Ausland). Aber das hier hat mich irgendwie getroffen. Ich habe am gleichen Abend auch mit meiner Frau darüber gesprochen, aber dennoch werde ich diese Gedanken nicht los. Dazu gekommen ist, dass ich nun noch seit voriger Woche Mittwoch jede Nacht davon träume und auch mehrfach wach werde. Das belastet mich total.

    Ich weiß nun nicht, was ich tun könnte, um das irgendwie zu vergessen. Ich hoffe das klingt jetzt alles nicht lächerlich, ich hab ja schließlich keinen Unfall, Verbrechen oder ähnliches erlebt.

    Würde mich über Tipps und Ratschläge freuen.

  • 43 Antworten

    Ich kenne mich da ja nicht so aus, aber gibt es vielleicht eine Möglichkeit sich zu erkundigen, was aus dem "Fall" geworden ist? Also beim Jugendamt, bei Nachbarn, u.s.w. Vielleicht geht es Dir besser, wenn Du erfährst, dass die Kinder nicht mehr in diesen Verhältnissen leben müssen.

    Okay, dann habt ihr ja schon was unternommen! :)^


    Ich kenne das, was du beschreibst, von einem schweren Autounfall. Dieser hat mich auch schwer belastet (Albträume in der Nacht, Grübelei am Tag, leichte Panikattacken im Straßenverkehr).


    Ich sprach viel mit meinem Partner darüber und mit der Zeit wurden die Albträume, Grübeleien und Panikattacken seltener bis sie ganz von allein verschwanden.


    Gib dir Zeit, vielleicht legt sich das von allein. Und wenn dem nicht so sein sollte, wäre professionelle Hilfe angebracht.


    Alles Gute :)*

    Mehr als es dem Jugendamt melden kannst du eig nicht machen. Ja dann nachfragen wo die Kinder untergebracht wurden und sie vielleicht besuchen um zusehen, dass es ihnen dort besser geht. Ich finde Träume sagen schon sehr viel vom Unterbewussten aus dh du hast dich irgendwie zu den Kindern hingezogen gefühlt. Schon trauig soetwas:(( aber ich würde schon versuchen nicht mehr daran zu denken du hast schon etwas getan ich finde das passt so:)

    Ja, es ist wirklich traurig. Ich werden vielleicht bei Jugendamt mal nachfragen, aber ich denke, die werden keine Auskunft geben dürfen. Ich hab mit meiner Frau auch schon oft darüber gesprochen, sie weiß auch wie schwer mich das beschäftigt. Ich kann das schlecht erklären, es bedrückt mich einfach ungemein :-(

    Es wäre für deinen Seelenfrieden besser gewesen, du hättest selbst beim JA angerufen. Selbst aktiv werden bringt einen aus der Hilflosigkeit und du hättest die Situation sicher besser beschreiben können als deine Frau.

    Kann ich verstehen das es dir so nachgeht. :°_ Fand alleine das zu lesen schon heftig.

    Schön das ihr was unternommen habt! :)^:)=

    Reden hilft...immer wieder. So kannst du's hoffentlich verarbeiten.

    Mal ein Bündel :)*:)*:)*für dich.

    Ich hatte mal einen 12 jährigen schwer verletzt gefunden. Er war mit dem Fahrrad auf die Hauswand frontal gefahren. Ich tat was man eben tun muss. Bin da wie ne Maschine und funktioniere.

    Stunden später hat der Schock dann eingesetzt und da war ich dann neben der Spur. Hatte auch lange Alpträume.

    Die hatte ich weil ich a) selber Söhne habe und b) war mir klar das der Junge den Kiefer mehrfach gebrochen hatte und die Nase. Ich machte mir Sorgen ob das alles wieder gut verheilt und c) die quälende Frage.. hatte ich alles richtig gemacht? Ich war da lange erstmal alleine gewesen mit ihm.

    Ich hatte das Glück die Eltern zu kennen und konnte mich erkundigen.

    Ruf beim JA an und erkundige dich. Zumindest werden die dir sagen das es ihnen jetzt gut geht. Das hoffe ich sehr.

    Vielen Dank für Eure lieben Kommentare. Bin halt auch sehr verunsichert, weil ich so darauf reagiere. Während meiner früheren Tätigkeit habe wirklich noch weitaus schlimmere Dinge und Situationen erlebt, aber wahrscheinlich hatte ich hier nicht mit so einem Elend gerechnet.

    Hallo Alaister123,

    dein Post hat auch mir Gänsehaut beschehrt. Das ist wirklich ein krasses Erlebnis.

    Gut, dass das JA informiert worden ist. Das war, was in deiner Macht stand.


    Ich finde, es ist viel von der Tagesform abhängig, wie man mit solchen Erlebnissen umgehen kann. Ich wohne in der Innenstadt von Berlin. Hier lebt das Elend auf der Straße. An manchen Tagen kann ich ohne emotionale Regung daran vorbeispazieren. An anderen Tagen zerbricht es mir das Herz. U-Bahn fahre ich fast gar nicht mehr, weil es immer Bettler gibt, die man abwimmeln muss. Trotzdem ist das Leben schön :-)


    Rede darüber mit deinen Kollegen, Freunden, Bekannten. Es ist kein Normalzustand, den du erlebt hast. Dass es so etwas gibt, sollten andere auch erfahren. Meistens sind die Menschen in ihrer sozialen Blase gefangen. Dazu zähle ich mich auch. Man umgibt sich mit Menschen, die einen ähnlichen Hintergrund haben und ähnliche Werte haben. Dein Erlebnis gehört ganz krass nicht dazu.


    Alles Gute dir @:):)*:)*:)*

    vielleicht ist es eine postdramatische Belastungsstörung... es belastet dich und lässt dich nicht los.


    Wenn es nicht aufhört, geh zum Phsychologen... die können dir helfen.

    Warum es dich gerade jetzt trifft und du früher es besser verarbeten knntest liegt oft an der persönlichen Situation, die ja jedesmal anders ist.

    wintersonne 01 schrieb:

    vielleicht ist es eine postdramatische Belastungsstörung

    O Himmel, ist das hübsch! ;-D

    Also wenn, dann posttraumatisch, aber für so eine Diagnose wärs noch ein bisschen arg früh, ich würde es erst mal unter "daran hast du gerade noch ordentlich zu knabbern" verbuchen.


    Alastair, wie gehst Du denn mit den Gedanken daran um, schiebst Du das eher weg, oder lässt Du zu, dass es Dich momentan noch sehr beschäftigt?

    Alastair123 schrieb:

    wahrscheinlich hatte ich hier nicht mit so einem Elend gerechnet.

    Insofern war es ein Schockerlebnis für dich. Eine posttraumatische Belastungsstörung ist es deshalb vielleicht nicht gleich, aber ein bißchen davon eben schon. Das braucht Zeit und wenn es nicht weg will, psychotherapeutische Behandlung.

    Dramatisieren muss man wirklich nicht. Es war ein sehr unerfreuliches Erlebnis. Es braucht etwas Zeit, um das zu verdauen. Mit jedem ungewöhnlichen Alltagserlebnis zum Psychotherapeuten zu gehen, empfinde ich als leicht übertrieben.


    Reden hilft weiter und man erfährt von anderen Menschen ihre ähnlichen Erlebnisse.


    Ein Erlebnis von mir hat im Freundeskreis die Runde gemacht und alle waren schockiert. Es fällt mir gerade ein, weil ich dem muslimischen Pärchen gestern wieder begegnet bin. Ich lebe in einer ruhigen Gegend. Ein idyllischer Hof gehört dazu. Darauf trifft sich dieses Pärchen zum Sex - in der Öffentlichkeit. Zum Hof muss ich, wenn ich mein Fahrrad haben will und Müll zu den Containern bringe. Tja, da macht man die Tür auf und stößt auf eine Frau mit Kopftuch, die unter einem Mann liegt. Das ist schon nicht lustig.


    Seltsam berührt bin ich da schon. Da kollidieren alle Anschauungen. Islam und Sex in der Öffentlichkeit. Nun denn - es müssen die Beteiligten mit sich selbst ausmachen.

    Seine eigenen Kinder verwahrlosen zu lassen ist schon eine andere Hausnummer.

    JA ist informiert. Vielleicht haben die Leute auch deine Erschütterung wahrgenommen. Es wird eine Änderung eintreten.