Erwachsen werden: Weniger Träume und weniger Euphorie?

    Hei Leute


    Ich bin jetzt Ende 20 und wollte mal fragen, wie es euch damit so geht und ob das zum "Erwachsen-werden" dazugehört. Schwer zu sagen wann man Erwachsen ist, aber bis etwa 25 habe ich mich eher noch als Spätjugendliche gefühlt?


    Vorher hatte ich immer viele Träume, ich könnte das und jenes tun, hab mich für fast alles interessiert, hatte immer irgendwelche Projekte, was immer mit einem Gefühl der Euphorie verbunden war.


    Seit ein paar Jahren bin aber eher, mh irgendwie ernüchtert. Ich fühle mich irgendwie erschlagen durch die alltäglichen Aufgaben und kleinen Sorgen und traue mich irgendwie gar nicht mehr, so gross zu denken. Mir wurde bewusst, dass meine Zeit und die Möglichkeiten begrenzt sind.


    Und ich vermisse das ein wenig, weil damit auch viel von meiner früheren Energie und Motivation abhanden gekommen sind. Und irgendwie auch von meiner Lebensfreude. Ich habe schon meine Arbeit, mein Studium und auch ehrenamtliche Pflichten. Aber das sind eben Pflichten, wenn auch oft selbstauferlegte. Meist ist das auch ok, hat auch gute Momente, aber so wirkliche tiefe Freude habe ich eigentlich nur, wenn ich eine überdurchschnittliche Leistung vollbracht habe. Zb. eine besonders gute Arbeit an der Uni. Und das hält dann auch nur ein paar Stunden. Aber es fühlt sich irgendwie eher der ganze Alltag wie eine Pflicht an? Ich habe leider auch schon länger sehr wenig Geld, so dass Urlaub und so was nicht möglich ist. Ich schiebe das gedanklich momentan noch auf "nach dem Studium". Aber dieses Verschieben und warten auf "bessere Zeiten" kanns ja irgendwie nicht sein.


    Da ich psychische Probleme hatte und längere Zeit in Behandlung/ in Kliniken war, stellt sich mir momentan die Frage, ob das zum Erwachsenwerden dazugehört? Oder ob es eben nicht so ganz normal ist, dass man sich so ohne grossen Höhen und Tiefen durch den Alltag bewegt.


    Würde mich freuen zu hören, wie das bei euch so ist/ war?

  • 13 Antworten

    Ich denke, erwachsen ist man, wenn man für sich selbst sorgen kann. Sein Geld verdient oder beantragt, seinen Haushalt führt, seinen Alltag auf die Reihe bekommt. Gerne auch mit Partner/in.


    Die Gefühle ändern sich im Lauf der Zeit. Zunächst sind alle Politiker, die über unsere Regeln entscheiden, älter. Ich habe die Regeln nicht gemacht, also habe ich das Recht, zu fragen. Was den Älteren oft lästig ist. Sie gehen scheinbar drauf ein, wiegeln oder lenken ab und hoffen, dass der Fragende sich anbderen Fragen zuwendet.


    Je weiter das Leben voranschritt, desto mehr begriff ich, dass so langsam auch Antworten von mir kommen müssen.


    In den letzten Jahre kam dazu, dass ich Informationsquellen gegenüber immer kritischer geworden bin. Ist "meine" Meinung wirklich die "meine"? Oder plappere ich nach, was mir Unbekannte (Journalisten, Forenteilnehmer, ...) einflüstern?


    Das liegt sicher daran, dass jeder seine "Pupse" im Internet veröffentlichen kann und die sind dann ebenso glaub- oder unglaubwürdig wie die Presse-"Pupse". Früher dachte man ja, Journalisten wären Fachleute, die ehrlich recherchieren.


    Die Meinung im Bekanntenkreis ist etwa die "meine", danach habe ich mir den Kreis ja ausgesucht.

    Anouk2017

    Zitat

    stellt sich mir momentan die Frage, ob das zum Erwachsenwerden dazugehört? Oder ob es eben nicht so ganz normal ist, dass man sich so ohne grossen Höhen und Tiefen durch den Alltag bewegt.

    Ich denke, die Antwort ist "teils-teils". Es gehoert sicherlich zum Erwachsenwerden und Aelterwerden dazu, dass man versteht, dass man sich nicht alle seine Traeume wird erfuellen koennen. Bzw. man wird "realistischer" und sieht, dass gewisse Traeume, wenn nicht ganz unmoeglich, so doch mit ungeheurem Aufwand und Verzicht verbunden sind. Ausserdem haben die meisten mehr Verantwortung und Verpflichtungen als Kinder oder Jugendliche, und deswegen entsteht leichter das Gefuehl, weniger "frei" zu sein.


    Andererseits hat man als Erwachsener auch mehr Moeglichkeiten, fuer sich selber zu entscheiden. Einige Leute haben die Tendenz, die Welt als eine Anhaeufung von Pflichten und Sachzwaengen zu sehen, und zu uebersehen, wieviel sie tatsaechlich noch aendern koennten, wenn sie wollten. Du schreibst selbst:

    Zitat

    Pflichten, wenn auch oft selbstauferlegte

    Du tust vieles, weil du es gewaehlt hast. Und du hast sicherlich Moeglichkeiten, etwas zu aendern. Freilich kannst du nicht erwarten, dass du einfach so bekommen koenntest, was du wolltest. Es ist zum Beispiel moeglich, sein Studium abzubrechen (nicht dass ich das empfehlen wollte), aber wenn man dieses tut, muss man natuerlich mit den Konsequenzen leben, dass man in gewisse Berufe nicht mehr reinkommt etc. Viele Leute sagen sich selbst "das geht nicht" - aber es geht doch, und einige tun es. Es ist nur ein Beispiel; es geht mir darum, fuer sich selber Moeglichkeiten zu suchen und zu schaffen - aber auch den Problemen ins Auge zu sehen, die man sich damit eventuell einhandelt. Und dann zu entscheiden, ob es einem das wert ist.


    Und ob man Freude hat, ist noch einmal eine andere Sache. Manche Menschen haben ja viel Freude an kleinen Dingen, ein Regenbogen, tanzen gehen, ein gutes Buch. Dazu braucht nicht jeder "grosse Traeume". Wir koennen uns immer wieder fragen, wie gestalten wir unser Leben, so dass wir Freude daran haben? Was koennen wir uns selber Gutes tun? Manchmal kann das etwas Kleines sein oder manchmal eine grosse schwierige Entscheidung - raus aus einer Situation, die uns ungluecklich macht, und etwas Neues anfangen. Manchmal geht es auch darum, die eigene Einstellung zu veraendern. Ich sehe zum Beispiel Studenten, die erst nach einiger Zeit im Studium so richtig Freude und Leidenschaft an ihrem Fach entwickeln, weil sie dann erst entdecken, was da alles an Moeglichkeiten drinsteckt - und weil sie es schaffen, sich selber mehr zu oeffnen, sich selber eine Beziehung dazu zu schaffen, die sie vorher nicht hatten.

    Ich sehe es wie Verschw-praktiker:


    "Ich denke, erwachsen ist man, wenn man für sich selbst sorgen kann"


    was auch den Punkt beinhaltet, dass man immer die Wahl hat wie man leben möchte.


    Abgesehen von Handlungen die Anderen Schaden zufügen, kann man sich quasi jeden Tag frei entscheiden wie es weitergehen soll. Wie frei man sich entscheiden kann liegt natürlich auch darin, ob man noch für weitere Personen Verantwortung trägt. Was aber wieder unter "Schaden zufügen" fällt.


    Grob gesagt: Erwachsen sein heißt Verantwortung zu tragen, mindestens für sich selbst.


    "Selbstauferlegte Pflichten" ist hier ein gutes Schlüsselwort. Was man sich selbst auferlegt, kann man auch selbst wieder ändern.


    Eine große Rolle spielt bei diesem Thema auch der Punkt Sicherheit. Viele Menschen brauchen ein bestimmtes Level an Sicherheit und begeben sich dafür in Abhängigkeiten. Das ist gar nicht so negativ gemeint wie es vielleicht im ersten Moment klingt ;-). Ich behaupte mal, sogar jeder Mensch ist von irgendetwas abhängig um sich selbst gut versorgen zu können. Man sollte sich eben nur darüber im Klaren sein, dass man je mehr Sicherheit man anstrebt umso abhängiger ist. Wichtig hierbei ist nur Eines: Dass man seine Abhängigkeiten jederzeit ändern kann. Sei es die von einer Arbeitsstelle oder von einem Partner. Abzuwägen, wo das Wohlbefinden mehr leidet. Und schon sind wir wieder beim Stichwort Verantwortung ;-).

    Ich empfinde das auf jeden Fall so. Es wird alles immer blöder und banaler je älter man wird. Sogar wenn man noch Träume hat stellt sich die Frage "wozu". Das hängt auch mit diversen Dingen zusammen, die man als Wunsch hatte, und die dann auch tatsächlich in Erfüllung gegangen sind, mit dem ernüchternden Resultat "so richtig was gebracht hat das jetzt auch nix". Und dazu kommen dann irgendwann noch Krankheiten, Altersgebrechen etch. Irgendwann kommt der Punkt wo man einfach dankbar ist, einen halbwegs normalen, schmerzfreien Tag zu haben.


    Wenn es eine Sache gibt, die man aus diesem eher deprimierenden Kram konstruktiv für die Gegenwart schlussfolgern kann, dann, dass es sich in der Regel nicht lohnt, für irgendwelche, primär materiellen, Wünsche, allzuviel Streß in Kauf zu nehmen. Streß ist letztlich der primäre Zerstörungsfaktor. Entspannt und gelassen die Dinge auf eher kleiner Flamme zu belassen, als große, anstrengende Träume und Visionen, ist unterm Strich vermutlich besser.

    Zitat

    Vorher hatte ich immer viele Träume, ich könnte das und jenes tun, hab mich für fast alles interessiert, hatte immer irgendwelche Projekte, was immer mit einem Gefühl der Euphorie verbunden war.

    Das ist bei mir immer noch so. Ich habe noch etliche Träume (Projekte) die ich noch verwirklichen kann ... Ich bin aber nicht krampfhaft auf die Erfüllung meiner Träume aus ...

    Mir geht es eigentlich genau umgekehrt. Je älter ich werde, desto mehr Idee und Träume hab ich und desto freier fühle ich mich.


    Ich bin jetzt Ende 20 und freue mich immer noch jeden Tag darüber, dass ich erwachsenen bin. Vielleicht lag es daran, dass ich auf dem Land aufgewachsenen bin und dort nur eingschränkte Möglichkeiten hatte.


    Mittlerweile kann ich selbst über meinen Zeit und mein Geld verfügen, kann meine eigenen Entscheidungen treffen und selbst dafür sorgen, dass mein Leben so verläuft wie es verläuft. Ich kann Dinge machen, von denen ich vor 10 Jahren nur träumen konnte.


    Die Tatsache, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, mir meine Träume auch zu erfüllen und nicht immer nur zu träumen, ist für mich auf jeden Fall ein ganz großer Vorteil des Erwachsenseins. Natürlich erreiche ich nicht all meine Ziele jetzt und gleich und manches eben auch gar nicht aber damit kann ich leben. Vieles, was ich mir als Jugendliche erträumt habe, ist auch heute gar nicht mehr erstrebenswert für mich.


    Ich war allerdings auch noch nie ein Mensch, der tausend Interessen und Projekt hatte. Und auch keiner, der ständig voller Euphorie und Motivation durch die Gegend läuft. Ich konnte schon immer gut damit leben, mal nichts zu tun und einfach zu vertreichen zu lassen ohne sie mit tollen Aktivitäten zu füllen. Ich hatte auch schon nie ein wirklich zeitintensives Hobby.

    Also ich finde es schon so./ Aber studium ist auch ne schwere Zeit, ich ahb damals immer sehr billige urlaube gemacht, nach Griechenland per autostop und so das war die beste Zeit meines Lebens und so frei hab ich mich nie wieder gefuehlt denke cih jetzt. Jetzt wo ich erwachsen bin mach ich zwar im Gegensatz zu vielen anderen schon immer nch viel "was ich will" aber nichts ist mehr so spannend, weil man eben schon soviel erlebt hat. Und mit mehr Geld und weniger Zeit ist das Leben nicht unbedingt aufregender, bzw meine Traeume waren nie so Geldgebunden...


    Aber, jetzt habe ich ein Kidn und mit dem erlebe ich geeminsam spannende Sachen nochmal neu, also wenn wir wandern gehen und draussen zelten ists auf einmal alles wieder aufrgend :)^ Abe rso dieser Entusiasmus der jungen Jahre oder die ganz grossen Emotionen sind mir schon abhandengekommen.. :-/

    Zitat

    Seit ein paar Jahren bin aber eher, mh irgendwie ernüchtert. Ich fühle mich irgendwie erschlagen durch die alltäglichen Aufgaben und kleinen Sorgen und traue mich irgendwie gar nicht mehr, so gross zu denken. Mir wurde bewusst, dass meine Zeit und die Möglichkeiten begrenzt sind.

    Aber wenn Du seit Jahren Dein Unterbewusstsein mit diesen eher negativen Gedanken gefüttert hast, ist es nun kein Wunder, dass Du das auch so erlebst. Damit hast Du den Sack zugebunden und was anderes siehst Du nicht mehr...


    Ist das vielleicht sogar Familientradition, dass irgendeiner in Deiner Familie dies auch mit gleichem Alter so empfunden oder erlebt hat und nun quasi feinstofflich an Dich weitergegeben hat, weil Du gar nicht mehr Du bist?

    Zitat

    Mir wurde bewusst, dass meine Zeit und die Möglichkeiten begrenzt sind.

    An dem Bewusstsein ist nichts Falsches (weil es nun mal eine banale Erkenntnis ist). Was du daraus aber machst, liegt an dir. Schmeißt du nach gerade mal einem Drittel deines Lebens die Flinte ins Korn? Oder treibt es dich an, Dinge zu planen, die du in 20 Jahren nicht mehr planen kannst?


    Du wirst ja hoffentlich nicht mit Ende 20 schon in eine vorgezogene Midlife-Crisis kommen. ;-)

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    Ich habe schon meine Arbeit, mein Studium und auch ehrenamtliche Pflichten. Aber das sind eben Pflichten, wenn auch oft selbstauferlegte. Meist ist das auch ok, hat auch gute Momente, aber so wirkliche tiefe Freude habe ich eigentlich nur, wenn ich eine überdurchschnittliche Leistung vollbracht habe.

    Das ist typisch für dein Alter. Die Veränderungen der letzten 10 Jahre waren rasant - und dieses Tempo bleibt nicht bis zum Lebensende. Man ist so um die 30 im Leben "gesetzt", hat möglicherweise auch einen kleinen Wohlstand und Sicherheiten aufgebaut, an die man sich klammert wie an eine Eisenkugel am Fuß. Und man stellt mit Schrecken fest, dass die Kurve nicht mehr so nach oben zeigt, sondern bisschen gesättigt ist.


    Die Lösung ist, mal ganz andere Dinge in den Fokus zu rücken. Nicht nur die eigene Leistung (auf die man ruhig stolz sein darf). Sondern auf dieser Basis auch mal wieder Herausforderungen suchen, die in eine völlig andere Richtung gehen (immer nur das Gleiche verbessern bietet irgendwann kein Potenzial mehr). Mach dir ruhig langfristige Pläne. Denk z.B. darüber nach, wie du mit 50 leben möchtest. Die Zeit von 30 bis 50 wird dir rückblickend kürzer vorkommen als von 10 bis 30. Und überlege dir, wie du dahinkommen kannst. Und dann fange an, an diesem Ziel zu arbeiten. Immer im Hinterkopf, dass man mit 50 wieder große Pläne schmieden kann, wie man mit 80 leben möchte.


    Es kommt nachher sowieso, wie es kommt - aber Ziele sind wichtig. Und viele kann man auch erreichen, wenn man sich nur genügend vornimmt.


    Was auch hilft, ist gelegentlich sein Leben zu entschlacken. Aus der Gewöhnung kommen. Mal eine Stelle wechseln. Oder die Möbel. Zeug ausmisten, was du nicht brauchst. Tätigkeiten ausmisten, die dir nicht gefallen. Menschen ausmisten, die eher die Zeit stehlen als dein Leben zu bereichern.

    Mit Ende 20 hatte ich noch ganz große Pläne... Kinder bekommen, Familie gründen; habe ich dann auch mit 30 verwirklicht und so ging es immer weiter, es kam immer wieder etwas neues... und wenn ich die Hobbys gewechselt habe, neu ein Instrument gelernt.. eben so kleine Dinge.


    O.k. die Welt verändern ,was ich mit 20 wollte, da habe ich dann eingesehen, dass dies whl nicht möglich ist. ;-)


    Vielleicht ist der Focus wichtig... du studierst noch, hast du nicht das große Ziel mal eine tolle Stelle zu finden , die dich ausfüllt?