Hallo Unkräutlein :-)

    Ich würde sagen, daß eine Therapie einem die Probleme und die Schäden, die man aus der Kindheit mitgenommen hat, bewußt machen können. Und somit ist man fähig, damit umzugehen und zu versuchen, an den Folgen dieser Schäden zu arbeiten. Ich glaube, daß das Bewußtwerden der Kränkungen und Schmerzen das Wichtigste ist, denn dann kann man schon was dagegen tun. Wie groß die Fortschritte sind, hängt, glaube ich, schon vom einzelnen Menschen ab.

    *ggg* Ihr habt recht - ich bin kein Opfer

    Ich habe in meiner Kindheit zwischen 5 - 21 Jahren die ganze Palette an psychischer und physischer Gewalt, körperlichem Missbrauch (nicht durch meine Eltern), Psychoterror, etc. erlebt.


    Ich habe meinen Eltern nichts zu verzeihen, denn sie hatten keine Wahl und heute verstehe ich mich blendend mit ihnen. Wir wohnen seit 2 Jahren nebeneinander. Ich genieße mein Leben in der Gegenwart. Ich möchte keine Sekunde meines Lebens missen, denn ich führe ein glückliches Leben. Vergangenheit und Zukunft sind für mich nur Vorstellungen, aber wahrnehmen kann ich nur im Jetzt.


    Opfer – Täter sind für mich dualistische Vorstellungen. Es gibt nichts Gutes oder Schlechtes für mich, das sind für mich nur konstruierte Abstraktionen und ich denke nicht in Kategorien. Ich fälle meine Urteile über andere Menschen nicht dadurch, dass ich das Verhalten eines Menschen mit dem Verhalten eines anderen vergleiche, denn der andere hat eine ganz andere Denkweise. Einen Menschen kann ich nur beurteilen, wenn ich seine Denkweise und seine Gefühlswelt berücksichtige und nicht indem ich einen virtuellen "Gutmenschen" erfinde und andere daran messe. Der eine leidet sein Leben lang darunter, dass er kein Künstler geworden ist, der andere, weil er in seiner Kindheit missbraucht wurde und ein dritter wird sogar wahnsinnig, weil er nicht das auf das Papier bringen kann, was er will und schneidet sich ein Ohr ab. Sie alle leiden und haben ihre Gründe, die nicht dieselben sind.


    Aber auf jeden Fall stimme ich Euch zu – ich bin keine Betroffene – ich war eine.

    Ja, Kleio

    aber hier geht's ja darum, ob man den Eltern verzeihen kann oder soll, deine Eltern haben dich nicht mißbraucht. Wenn sie nichts getan haben, um dich zu schützen, aus welchen Gründen auch immer, so ist das doch anders, als wenn die Eltern, die dir das Leben gegeben haben, denen du "geliehen" bist, um dich großzuziehen, dich mißbrauchen, deine Seele ruinieren und du sie dir mühsam aus den Untiefen holen mußt.


    Liebe Grüße

    heraklit

    ;-D ;-D ;-D ;-D ;-D


    Kriterien, worunter ein Kind mehr leidet und worunter nicht?


    ;-D ;-D ;-D ;-D ;-D


    Ist das im Sinne gemeint, wie wer ist hier das größte Opfer?


    Das kann doch nicht wahr sein! Es gibt Kinder, die "nur" durch verbale Verletzungen Essgestört sind und das ihr Leben lang. Heißt es, dass jemand, der körperlich missbraucht wurde, dem Essgestörten sagt, dass er nicht so verletzt sein kann, wie der andere? Empfinden alle Kinder gleich, dass man eine genormte Skala aufstellen könnte?


    Ist das hier ein Wettbewerb um den Titel "größtes Opfer", aber dafür stellen wir einmal Kriterien auf, die wir anerkennen? Wer entscheidet, wessen Seele wodurch in "Untiefen" fällt?

    Hallo heraklit

    Ich denke Du hast kleio gründlich missverstanden. Sie war/ist selbst Opfer geworden und wollte uns nach meinem Verständnis begreiflich machen, dass sie es geschafft hat mit ihrer Strategie zu ihrem inneren Frieden zu gelangen, was ich ihr bestimmt auch von Herzen gönnen möchte.


    Einzig der Umstand, dass mich ihre Argumentationsführung an die wenig differenzierte Agitation religiöser Fanatiker erinnert, macht mich ein wenig nachdenklich. Ob mit dem vehementen Versuch sich mit der eigenen Meinung über die anderer zu erheben, nicht doch der Versuch begründet liegt, die eigenen alten Wunden und Gefühle deckeln zu müssen, mag dahin gestellt bleiben. Aber jeder muss halt sehen, wie sie /er am besten mit seinen Altlasten umgeht.


    @Unkräutlein


    Ich denke schon, dass mit einem beginnenden Erkenntnisprozess durchaus eine Veränderung der manchmal für die Betroffenen selbst unverständlichen angeeigneten Verhaltensweisen möglich ist.


    Cu Tizi

    Keine Wahl ?

    Zitat

    Ich habe meinen Eltern nichts zu verzeihen, denn sie hatten keine Wahl.

    ??? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Aufgabe der Eltern ist es doch wohl auch, seine Kinder vor Gewalt und Missbrauch zu schützen, oder? Meiner Meinung nach sind die, die so etwas geschehen lassen auch schuldig. Ich denke, zum Wohle meiner Kinder habe ich immer eine Wahl. Für mich klingt das eher nach "bloß nicht dran rühren" oder "bloß nicht anfangen zu überlegen". Aber auf Dauer ist es, glaube ich, nicht gut alles unter den Teppich zu kehren. Irgendwann kommt der Zusammenbruch.

    Tizian

    Ich weiß zwar nicht, wodurch Du das Gefühl hast, dass ich mich über irgendjemanden erheben will, aber daran kann ich nichts ändern. Ich habe meine persönliche Einstellung dargelegt. Weder kann sich jemand über mich erheben, noch ich über andere, da für mich alle Meinungen gleichwertig sind, sie sind anders, nicht besser oder schlechter.


    Ich habe keine Altlasten. Wenn ich etwas ergreifen will, dann muss ich das, was ich in der Hand halte loslassen. Das, was Du als Religion bezeichnest, sind meine persönlichen Erkenntnisse. Ich denke es dürfte klar herausgekommen sein, dass nachdem für mich jeder Mensch anders ist, er auch logischerweise eine andere Weltanschauung hat.

    Skippy

    Nachdem ich die Meinung vertrete, dass Menschen determiniert sind, und es entspricht auch meiner Erfahrung, hatten weder meine Eltern die Wahl, noch habe ich die Wahl anders zu sein als ich bin. Man kann übrigens auch hier im Forum sehr gut beobachten, dass keiner aus seiner Haut kann *ggg*.


    Die Aufgabe der Eltern ist das, was die jeweiligen Eltern als ihre Aufgabe definieren. Das, was Eltern zum Wohle ihrer Kinder machen, stellt sich oft heraus, dass die Kinder es nicht so empfinden und ich meine jetzt nicht Missbrauch.


    Ob man überlegt oder nicht, hängt davon ab, wie groß das Bedürfnis nach Überlegungen ist. Wenn das Bedürfnis nach Überlegungen nicht groß ist, dann sind Überlegungen nicht so wichtig, wie andere Dinge. Außerdem hängt es noch vom Bedürfnis ab, worüber man Überlegungen anstellt.

    Tizian..

    komisch, zwei Hirne, ein Gedanke! Ich habe mich aus diesem Gespräch gezogen, weil ich dachte, das Kleio noch größere Schwierigkeiten hat, als sie uns glauben machen will... das sie vehement auf ihre Friedenseinstellung pocht, zeigt mir nur, das sie viel, viel mehr Probleme hat als wir, die wir es anerkennen, das wir Probleme haben.


    Du kannst jetzt gerne auf mich losgehen... das ist auch so eine Art der Bewältigung derer, die denken das sie keine Altlasten (mehr) hätten - ich werde von diesem Gedanken nicht mehr loskommen... nach dem was ich alles von dir las.


    lg

    Kleio, um Himmels willen!

    ich meine sicher nicht, wer ist hier das größte Opfer! Nichts läge mir ferner als das, meine Aussage habe ich so gemeint, daß du vielleicht, ich sage, vielleicht, mehr Bereitschaft zeigen konntest, deinen Eltern zu verzeihen, weil sie nicht die ursächlichen Mißbraucher waren.


    Und ich urteile schon gar nicht aus der Ferne, aber auch ich kann nur auf das reagieren, was hier geschrieben steht, und daher manches anders verstehen, als es vielleicht gemeint ist. :-)

    heraklit

    Das wird schon hinkommen, dass egal, was sie auch getan haben, es nicht zum Bruch geführt hat.


    Ich meine, wenn wir schon die Analyse über mich betreiben, vielleicht ist meine heutige Weltanschauung die einzige Möglichkeit gewesen, dass es mit ihnen nicht zum Bruch führt, oder überhaupt mit anderen Menschen nicht zum Bruch führt, wenn diese etwas tun, was mir nicht passt. Warum nicht, hat sicher dazu beigetragen, dass ich keine Erwartungen an jemanden stelle, solange ich nicht festgestellt habe, was ich überhaupt zu erwarten habe.

    Kleio....

    wenn ich Deine Artikel lese, so haben Du und ich eine sehr große Übereinstimmung.


    Ich bin auch nach wie vor der festen Überzeugung, wenn man, trotz aller schlimmen Erlebnisse, seine Meinung nicht ändert und so seinen inneren Frieden findet (und das geht nicht mit Hadern und immer wieder im Schmutz wühlen) ist man immer wieder ein Opfer, oder ein total verbitterter, von Selbstzweifeln geplagter, unsicherer Mensch!


    Manchmal denke ich auch, wenn ich diese Artikel lese, hier geht es ganz einfach darum, uns zu überzeugen, "Ich bin das größte Opfer, meine Kindheit war die Schlimmste!


    Schlimm, ist alles was ich hier gelesen haben, aber ich glaube nicht, daß man weiter kommt, wenn man immer wieder überlegt, warum haben mir meine Eltern das angetan. Sie haben es nun mal, leider, es ist nicht mehr zu ändern. Sicherlich hatten sie auch Probleme, denn gesunde Menschen können nicht so böse sein.


    Denkt mal darüber nach, wie krank Hitler gewesen sein muß und laut vieler Studien auch war, als er ein ganzes Volk ins Unglück gestürzt hat. Wie viele Menschen waren denn damals den Quälereien einer "großen Familie", nämlich dem Staat ausgesetzt.


    Ich glaube, wenn man mehr in eine solche Richtung denkt, dann werden die eigenen Probleme kleiner und sind irgendwann verschwunden. Wäre das keine Lösung?

    Unkräutlein

    Bei manchen Beiträgen wie Deinem letzten wundert mich nichts mehr, warum das Thema Gewalt sozialpolitisch so heruntergespielt wird.


    Es liegt einfach daran, dass jenen, denen Gewalterfahrungen seitens der Eltern erspart blieben, überhaupt nicht nachempfinden können, in welchen Zwiespalt zwischen Hass und der Suche nach der fehlenden Liebe, solche Kinder gefühlsmäßig zeitlebens bleiben.


    Dieser innere Schmerz hat nichts mit Wettbewerben, zu tun, wer am meisten leiden musste, sondern ich denke dass misshandelte Kinder erst viel später realisieren, was ihnen angetan wurde.


    Denn solange sie klein sind, lieben sie ihre Eltern, wie halt Kinder mit ihrem ganzen Herzen lieben können. Selbst wenn die Eltern noch so brutal auf sie einwirken. Sie kennen es nicht anders und lieben sie weiterhin. Irgendwann einmal, werden sie sich dann bewusst, dass dieses normale Verhältnis zwischen Geben von Liebe nur noch einseitig, nämlich von ihnen aus gegeben wird, sie hingegen Zuwendung oft nur in gewalttätiger Form zurück bekommen. Schon ein normaler Mensch kann dies kaum nachvollziehen, wie viel weniger dann erst ein Kind? In Folge dessen, entwickelt sich ein Zwiespalt, indem das Kind den Schmerz wahrnimmt und somit lehrt auf Distanz zu gehen, andererseits aber die fehlende Liebe spürt, - sucht, - aber nie empfängt.


    So etwas tut verdammt weh. Dieser Schmerz sitzt tief in dir drin und wird Dich vermutlich nie verlassen. Ich könnte mir vorstellen, dass es so ähnlich ist, als wäre Dein, geliebter Ehepartner gestorben, nur mit dem Unterschied dass Du ihn zwar siehst aber nie mehr erreichen kannst.


    Mit diesem ständigen wehen Herzen, kann kein Mensch auf Dauer leben, also entwickeln solche Menschen unbewusste Strategien, um diese Schmerzen zu verdrängen. Woraus sicher auch irgendwelche Suchtverhalten hervorgehen, Aggressivität, eben alles tut oder nicht tut, um ja nicht daran denken zu müssen. Das ist eigentlich der Ausgangspunkt unserer Diskussion. Erst jetzt, im Erwachsenenalter kommt es leider immer wieder durch, dass man z. B. beim Anblick der eigenen, oder anderer glücklicher Kinder wieder an die schlummernden Schmerzen erinnert wird. Und somit immer wieder dazu beiträgt, dass man in ein Loch von Depressionen versinkt.


    Die Frage ist nun, ist es möglich, durch Verzeihen, diesen Schmerz zu überwinden? Es gibt ganz bestimmt Situationen, da kann ich es mir sehr gut vorstellen. Andere wieder auch nicht. So z.B. wenn ich nun erst erfahren habe, dass nicht ich die Schuld an der Gewalt hatte, wie es mir von meiner Mutter geradezu eingeredet wurde, sondern sie eigentlich genau gewusst haben muss, dass sie selbst dafür verantwortlich war. Aber nie die Notwendigkeit erkannt hat, sich nur mal ansatzweise dafür zu entschuldigen.


    Da erwartest Du im Ernst, dass ich angesichts dessen, dass ich völlig für nichts gelitten habe, nun auch noch hergehen soll, ihr zu verzeihen? Nein, ich kann es nicht. Allein schon deshalb nicht, weil ich erst jetzt merke, wie degeneriert ich dadurch mein Leben fristen musste. Was sich nun aber, da ich die Zusammenhänge erkannt habe, wahrscheinlich doch noch etwas ändern wird. Vielleicht ahnst Du nun wenigstens mal ansatzweise, worüber wir hier diskutieren. Wenn es einen Wettbewerb gibt, dann kann er nur darin bestanden haben, wer die perfekteste Strategie entwickelt hat, um keinen Schmerz mehr fühlen zu müssen.


    cu Tizi

    @ unkräutlein

    ich denke nicht, dass probleme irgendwann verschwinden, nur weil man nicht über sie nachdenkt... verzeihen ist ein aktiver prozess, den einem kein mensch abnehmen kann... auch die zeit heilt nicht alle wunden...


    ich frage mich nur, warum sollte ich ihnen verzeihen? um ihnen verzeihen zu können, muss man sich wohl oder übel mit ihnen auseinander setzen, verstehen, warum sie so gehandelt haben... warum sollte man das alles freiwillig nocheinmal durchmachen... für meinen teil, können sie mich mal am arsch lecken. ich brauche sie nicht mehr, warum solte ich mich dann weiterhin mit ihnen auseinander setzen... ?