Eure Meinung ist gefragt ... was würdet ihr mir raten?

    Guten Abend,


    Zu meiner Situation: Ich (m, 25) habe seit ca. 8 Jahren zwei Probleme, die mich mal mehr mal weniger verfolgen. Ich weiß jedoch nicht, ob es wirklich Probleme sind oder ob ich mich einfach nur anstelle/mir das einbilde.


    1. Gefühlslage:


    Am besten lässt sich das durch ein ständiges Switchen zwischen 1 und 0 beschreiben. Anfangs hielt es sich noch in Grenzen, doch mittlerweile reicht es bereits, wenn ich die U-Bahn knapp verpasse, um meinen Tag völlig zu ruinieren. Auch in Gesprächen mit Kommilitonen oder auf der Arbeit genügt ein falsches Wort und ich werde ... nun, ich weiß nicht einmal, wie ich diesen Zustand am besten beschreiben soll. Wütend? Traurig? Nervös/unruhig? Pläne weit in die Zukunft sind aktuell nur schwer möglich, da ich nie weiß, ob es mir dann richtig gut oder schlecht geht. Um ehrlich zu sein, habe ich bezüglich Zukunftsplänen (oder ganz allgemein) eher widersprüchliche Gedanken, da ich zum einen Veränderungen über alles hasse/fürchte und auf der anderen Seite jeden Tag, an dem ich "auf der Stelle stehen zu bleiben scheine" als verschwendeten Tag ansehe. In Beziehungen sieht das ganz ähnlich aus.


    Ich habe schon mehrere Sachen versucht, um in stressigen Situationen einen Ausgleich zu schaffen, doch meistens mündet das dann in Problem 2. Ich würde nicht sagen, dass ich generell unzufrieden bin (vlt. irgendwie "leer"?). Mein Studium läuft eigentlich super, meine Arbeit ist interessant und die Freizeit weiß ich auch irgendwie zu füllen - morgen kann das aber auch schon wieder ganz anders sein.


    Ich war bereits bei meinem Hausarzt und der hatte den Verdacht, dass mit meiner Schilddrüse etwas nicht stimmt, was z.B. meine ständige Müdigkeit erklären würde (egal ob ich 7 oder (wie auch schon vorgekommen) 12 Stunden schlafe). Allerdings könnten meine Werte kaum besser sein.


    2. Essverhalten:


    Wenn mich jemand fragen würde, ob ich genug esse (die Frage bekomme ich bei einem BMI von 19.5 häufiger gestellt, dann würde ich antworten, dass ich pro Woche auf die erforderlichen kcal eines durchschnittlichen Erwachsenen meines Alters komme. Allerdings verteilen sich diese sehr heterogen. Es gibt Tage, an denen ich fast nichts zu mir nehme, um die Tage zu kompensieren, an denen es mich "überkommt". Je nach Stimmung sind das gerne mal 3000 - 5000 kcal in einer Stunde (!) Ich speie allerdings nicht (also keine Bulimie). Dennoch belastet mich dieser Umstand, da ich an einigen Tagen dadurch bedingt Konzentrationsschwächen habe, ich jedoch immer noch ein schlechtes Gewissen durch den Vortag habe.


    Mich würden eure Gedanken dazu interessieren. Mache ich mir zu viele Gedanken? Was würdet ihr mir empfehlen? Kennt das einer von euch?

  • 19 Antworten

    Klingt für mich als Laien nach einer Depression aufgrund einer allgemeinen Unzufriedenheit.


    Du hasst Veränderungen, aber auf der Stelle stehen bleiben magst du auch nicht. Damit hast du dir selber alle Möglichkeiten einer Verbesserung verbaut.


    Vielleicht solltest du mal möglichst ergebnisoffen und ehrlich überlegen wie zufrieden du mit deinem Leben bist und wie denn ein Leben aussähe mit dem die zufriedener wärst. Und erst danach in einem zweiten Schritt überlegen wie man diesem Ziell näher kommen könnte.

    Vielen Dank für Deine Antwort.

    Zitat

    Klingt für mich als Laien nach einer Depression aufgrund einer allgemeinen Unzufriedenheit.

    Wie gesagt, ich bin eigentlich nicht wirklich unzufrieden. Bzw.: es hängt von der Tagesform ab. Ich störe mich so ein bisschen an dem Begriff "Depression", weil ich Leute kenne, die wirklich welche haben und denen es wirklich schlecht geht. Dieses ständige Auf und Ab ist zwar belastend, doch es gibt andere, denen es schlechter geht und ich sehe mich nicht als so wichtig an, dass man ausgerechnet mir helfen soll.

    Zitat

    und wie denn ein Leben aussähe mit dem die zufriedener wärst.

    Das ist es ja gerade: es gibt nichts, was ich langfristig erreichen will. Ich laufe im Leben irgendwie auf "Autorun". Aber wie gesagt: das ist Stand "Jetzt". In den Momenten, in denen ich eine Veränderung herbeisehne ist es weniger eine konkrete Vorstellung von der Zukunft als vielmehr ein "Nicht so, wie ich mich gerade fühle" ... und für dieses abstrakte Ziel habe ich keine konkrete Lösungsstrategie. Ich kann das irgendwie nicht genau in Worte fassen, sorry.

    Egal wie schlecht es einem geht, es gibt immer Leute denen es noch schlechter geht. Da darf man sich nicht mit anderen vergleichen, weil so kann man seine eigene Situation auch schön reden/manipulieren.


    Sehe es so, es ist doch besser genug früh die Reissleine zu ziehen, als sich dann doch plötzlich bei den "es geht denen schlechter" zu befinden, oder? ;-)

    Zitat

    es gibt nichts, was ich langfristig erreichen will

    Genau diese Perspektivlosigkeit, nicht zu wissen was man eigentlich machen will, dabei gar nicht sagen können was einem fehlt aber trotzdem unzufrieden sein, klingt für mich nach einer Depression oder Burnout.


    Und ja, egal was du hast, es gibt immer andere denen es noch viel schlechter geht. Trotzdem muss es dir dann nicht zwangsläufig gut gehen.


    Es ist aber ein gutes Zeichen wenn du selber erkennst das du in einem Loch steckst und nicht heraus kommst.

    Na ja, Du studierst. Also sollte das doch überlegenswert sein, sich mal an Spezialisten zu wenden.


    Ich gehe davon aus, das Wort Therapeut ist geläufig, Essstörung sollte man auch schon mal gehört haben.


    Und bei aller Ziellosigkeit sollte man bedenken, wenn man sich in dieser Richtung orientiert, könnte was dabei rauskommen.,,


    Man muß es nur wollen, auch wenn man keinen Bock hat.


    Einfach mal machen.


    Nachteil: man müßte sich u. U. verändern..... Sehr sogar.


    Man entscheidet sich entweder dafür, weil man Vorteile fürs Leben sieht oder man läßt es bleiben und alles bleibt auch so, wie es ist.

    Zitat

    Na ja, Du studierst. Also sollte das doch überlegenswert sein, sich mal an Spezialisten zu wenden.

    Da könnte man durchaus auch dann, wenn man nicht studiert.

    Zitat

    Ich gehe davon aus, das Wort Therapeut ist geläufig, Essstörung sollte man auch schon mal gehört haben.

    Seltsamer Ton. Ich berichtige:


    Es könnte sich um eine Essstörung handeln, mit der man mal bei einem Therapeuten vorstellig werden könnte.

    Zitat

    Es gibt Tage, an denen ich fast nichts zu mir nehme, um die Tage zu kompensieren, an denen es mich "überkommt". Je nach **Stimmung sind das gerne mal 3000 - 5000 kcal in einer Stunde (!)**

    Sorry, aber wer bis zu 5000 kcal pro Stunde isst - das ist für mich nicht nur eine vermutete Essstörung.


    Fakten sollte man auch als solche benennen dürfen. Das geht über jegliche Normalität hinaus X- :=o

    Erstmal vielen Dank für eure vielen Beiträge

    Zitat

    weil so kann man seine eigene Situation auch schön reden/manipulieren.

    Ist das nicht aber eine mögliche Lösungsstrategie?

    Zitat

    klingt für mich nach einer Depression oder Burnout.

    Hängt Burnout nicht mit einer Überforderung zusammen? Das stelle ich bei mir nämlich nicht fest. Ich habe mich nie wirklich überarbeitet gefühlt, aber auch (insbesondere seit der Oberstufe) nie das Bedürfnis gehabt, mich zu überarbeiten, weil ich kein wirkliches Ziel habe, das ich unbedingt erreichen will. Ich freue mich zwar über meine Erfolge, doch sehe sie gleichzeitig als nicht verdient an, was mich dann wiederum stört. Mir wäre es jedoch lieber, meine Probleme in den Griff zu bekommen, doch ich möchte dabei nicht anderen unnötig zur Last fallen (z.B. besagten Spezialisten; Therapieplätze sind in Deutschland ja ohnehin Mangelware und ich weiß nicht, wieso gerade ich einen verdient haben soll).

    Zitat

    was für Gedanken und Gefühle es sind, die hinter diesem abrupten Stimmungs-umkippen stehen.

    Meinst Du die Auslöser oder die daraus entstehenden Gefühle/Gedanken?

    Zitat

    Und Punkt 2 - Disziplin.

    Da arbeite ich dran. Allerdings sehe ich Punkt 2 dann oft als Möglichkeit an, wieder "runterzukommen" (was natürlich nur kurzzeitig etwas bringt, da darauf dann die Schuldgefühle folgen). Ich weiß nicht, ob es vielleicht an mangelnder Intelligenz liegt, dass ich ständig den selben Denkmustern verfalle.

    Na hinter so einem Stimmungskipp stehen ja konkrete Denk.- und Beurteilungsprozesse, die oft aber so schnell ablaufen dass einem das nicht klar ist. Man kann aber analysieren, was genau da in einem vorgeht, und damit meistens "den einen wunden Punkt" ermitteln, der das verursacht. klassisch in der kognitiven Verhaltenstherapie.