Extremer Jobfrust - Depressionen - Umgang mit Kündigungen wg. Psyche...

    Hallo Med1 User,


    ich muss das Thema anonym eröffnen, da sonst einige hier vielleicht doch Rückschlüsse auf meine Person ziehen können und wissen, wo ich arbeite..

    Ich bin in Betriebsrat in einer großen Weltfirma, eine angeblich ach so soziale Firma, derzeit auch Systemrelevant, also auch nicht durch Corona bedroht.

    Ich bin zur Zeit wirklich down und es beschäftigt und triggert mich extrem, wie der Arbeitgeber und auch die Kollegen vom BR (Betriebsrat, ich kürze es im Folgenden als BR ab) mit der Kündigung eines depressiven Kollegen umgehen.


    Der Kollege war jahrelang ein guter Mitarbeiter, hatte wenig Fehltage und hat seinen Job zufriedenstellend erledigt. Es gab keine Beanstandungen. Irgendwann muss bei besagtem Kollegen etwas Schlimmes passiert sein, plötzlich häuften sich die Fehltage und seit 3 Monaten fehlt er leider unentschuldigt und reagiert auf nichts mehr. Sein Briefkasten quillt völlig über, wie sich sorgende Kollegen berichten die ihn besuchen wollten. Nachdem der Arbeitgeber per Whatsapp um Rückmeldung gebeten hat und eine Frist gesetzt hat, bis wann er sich melden solle, weil man sonst aus Sorge die Polizei einschalten würde (völlig normales Prozedere, es kann ja was passiert sein), meldete sich der Kollege kurz per Whatsapp zurück, dass er an schweren Depressionen leide.


    Es folgten weiter Abmahnungen, das Angebot mit dem BR, der Personalabteilung etc.. zu sprechen, er reagierte nicht.


    Klar, aus Sicht des Arbeitgebers natürlich rein rechtlich ein klarer Fall. Er erfüllt seinen Arbeitsvertrag nicht, ist nicht krankgeschrieben (fehlt also unentschuldigt) und bezieht somit weiterhin sein normales Gehalt... da wird gekündigt!


    Der Arbeitgeber muss sein Kündigungsbegehren dem BR vortragen und bittet dort um Zustimmung / Reaktion. Es gibt 3 Möglichkeiten des BR darauf zu reagieren. Er stimmt zu (was wir NIE machen), er formuliert einen schriftlichen Widerspruch (womit dem Kollegen die Chance auf eine Kündigungsschutzklage gegeben wird), oder er lässt die Frist verstreichen und reagiert gar nicht, was einer stillschweigenden Zustimmung gleich kommt.


    Letzteres hat der BR mit einem mehrheitlichen Beschluss getan! Ich selbst habe mich als Mensch mit chronischen Depressionen geoutet (mir persönlich ist es in der Tat völlig egal was die Kollegen von mir diesbezüglich halten) und versucht zu erklären, dass der Kollege momenten wahrscheinlich so schwer erkrankt ist, dass er nicht reagieren KANN! Naja, euch hier muss ich nichts weiter dazu erklären.

    Ich habe darum gebeten den Arbeitgeber zu bitten, die Kündigung zu überdenken bzw. zurück zu nehmen und den Arbeitsvertrag ruhen zu lassen. So muss der Arbeitgeber kein Gehalt mehr zahlen und der Arbeitnehmer hat die Chance wieder einzusteigen, wenn er hoffentlich irgendwann wieder dazu in der Lage ist.


    Die Meinung aller BR-Kollegen: Er ist alt genug, er kann zum Arzt gehen und sich ein Attest holen! Wir sind nicht seine Freunde, wir sind ein Organ des BR und müssen uns an die Fakten halten. Fakt ist, dass der Arbeitgeber kündigen will. Wir können dem Kollegen nicht helfen, da er nicht auf Briefe, Anrufe und Nachrichten reagiert!


    Damit war das Thema für die Kollegen durch. Es sind noch mehr Sätze gefallen zum Thema Depressionen, die ich hier gar nicht wiedergeben will und kann, es triggert mich extrem!


    Und da sind wir beim Thema. Ich bin so abgrundtief enttäuscht und verachte meine Kollegen gerade zutiefst. Meiner Meinung nach habne sie das Potential unseres Gremiums nicht im Mindesten ausgeschöpft, sind stattdessen per Du mit der Personalabteilung und legen ihnen in der Sitzung noch Argumente FÜR die Kündigung dar! Wir sind Arbeitnehmervertreter..... aber hier kam ich mir vor wie in einem schlechten Film. Aufgabe und Auftrag definitiv nicht erfüllt - sechs - setzen!


    Ich weiß gar nicht wie ich so mit diesen Menschen noch zusammen arbeiten kann und soll. Es triggert mich extrem und zieht mich auch gerade massiv runter! Zum Glück arbeiten wir zur Zeit im Homeoffice, bis auf wenige Ausnahmen. Wie z. B. die BR-Sitzung morgen. Ich kann da nicht hin.. werde mich krank melden. Ich fürchte, ich flippe sonst vor versammelter Mannschaft einfach aus.

    Am liebsten würdeich kündigen. Doch.. damit würde ich mir am Ende selber schaden und ändern würde sich dort auch nichts. Ich bekomme mit meiner Ausbildung draussen keinen so gut bezahlten Job mehr und bin derzeit auf die Kohle angewiesen. Ich arbeite an einer Alternative, das wird aber noch dauern. Momentan habe ich echt Angst, so richtig tief in die Depressionen abzurutschen.... Es kommen noch andere Punkte hinzu, aber die Situation hier hat dem ganzen eine fette, schwere Krone aufgesetzt.


    Mein Mandat als BR niederlegen kann ich zur Zeit auch nicht, lange Geschichte. Ich weiß aber, dass ich mich definitiv nicht mehr zur Wahl stellen werde, wenn es wieder soweit ist. Das Thema ist durch! Kuscheln mit dem Arbeitgeber, jeder denkt nur an sein eigenes Wohl und an die Vorteile die er durch sein BR-Dasein hat... Das ist nicht die Überzeugung, für die ich einstehe. Aber wenn man damit allein dasteht (und das ging mir schon öfter so, nur nicht so krass wie in diesem Fall), reibt man sich nur auf...

    Was will ich mit dem Post? Ich glaube in erster Linie wollte ich mir den Frust gerade mal von der Seele schreiben... Vielen Dank an alle, die bis hierhin durchgehalten haben!!!

  • 16 Antworten
    Alias 973105 schrieb:

    Ich habe darum gebeten den Arbeitgeber zu bitten, die Kündigung zu überdenken bzw. zurück zu nehmen und den Arbeitsvertrag ruhen zu lassen. So muss der Arbeitgeber kein Gehalt mehr zahlen und der Arbeitnehmer hat die Chance wieder einzusteigen, wenn er hoffentlich irgendwann wieder dazu in der Lage ist.

    Ich bin mir gar nicht sicher, ob das im Sinne des erkrankten Kollegen wäre. Ich kann mich täuschen, aber wir hatten und haben im Familien- und Freundeskreis auch Menschen, die unter schweren Depressionen leiden und dennoch waren alle zumindest in der Lage, sich deshalb krank schreiben zu lassen. Nur einer tat es nicht, weil er letztlich gekündigt werden wollte. Die Hintergründe möchte ich an der Stelle nicht darlegen, aber ihm wäre mit einem ruhenden Arbeitsvertrag ohne Bezahlung jedenfalls nicht gedient gewesen.


    Aber gut, letztlich spielt die Problematik des Kollegen hier nur eine untergeordnete Rolle und dein Thema ist eigentlich, dass du von deinem Arbeitsumfeld enttäuscht bist und dich in gewisser Weise daran aufreibst.

    Da man meist nur sich selbst und nicht die anderen ändern kann, würde ich da ansetzen. Also nicht unbedingt dich ändern oder gar deine Überzeugungen über Board werfen, sondern halt schauen, dass du etwas an deiner Situation änderst, indem du das Unternehmen verlässt usw. Aber das planst du ja ohnehin schon und vielleicht hilft es dir ja bis dahin, weiter deine Wut hier rauszulassen und die Enttäuschung nieder zu schreiben :)*

    Lis Boa Danke dir für deine Antwort :-) Ja es hilft schon sehr, den Frust einfach mal nieder zu schreiben.


    Im Falle des Kollegen gibt es zumindest Hinweise die der Kündigung vorausgegangen sind, dass er an seiner Arbeit hängt. Aber ich verstehe natürlich was du meinst und ja.. da bin ich ganz bei dir... sicher mag es Menschen geben, die in dem Moment tatsächlich gekündigt werden wollen, weil sie einfach nicht mehr können, einen Schlussstrich brauchen und erstmal das Arbeitslosengeld etc.. in Anspruch nehmen möchten, was ihnen natürlich auch zusteht. Ich denke, am Ende kann das nur der Kollege selbst entscheiden was er möchte.


    Ich fand halt den generellen Umgang mit dem Thema sehr erschreckend. Ich habe mich dazu geäussert, gesagt, dass ich selbst Depressionen habe und sehr gerne Fragen dazu beantworte. Ich habe auch gesagt das ich mir vorstellen kann, dass niemand der die Erkrankung nicht hat, sich da hineinversetzen kann und dass das auch gut so ist und ich mich für jeden wirklich freue, der das nicht kennt. Aber - auch wenn es schwer vorstellbar ist - ist diese totale Bewegungsunfähigkeit ein Symptom der Erkrankung und nicht ein "Nicht - Wollen" - sondern vielmer ein "Nicht - Können". Die Kommentare dazu waren so erschreckend, dass ich nicht weiter diskutiert habe, sondern nur noch kopfschüttelnd, innerlich bebend und mit Herzrasen vor meinem Laptop saß und nicht fassen konnte, was ich da hören musste....

    Verstehe ich das richtig: ausser einer Nachricht per WA, gab es seit 3 Monaten keinen Kontakt zu dem Mitarbeiter? Und die Diagnose Depression entnimmst du aus dieser einzigen Nachricht?

    Liebe(r) Alias,


    zuerst einmal kann ich sehr gut verstehen, dass dich das Thema als Betroffene(n) ziemlich triggert und emotional auf dem ganz falschen Fuß erwischt.


    Wie du selbst sicher weißt, ist es für die Genesung unabdingbar, dass der Erkrankte einsieht, dass er krank ist und an diesem Zustand auch etwas ändern möchte. Dass ein an Depressionen Erkrankter um Alltägliches extrem kämpfen muss, ist auch klar. Aber dennoch ist es in seinem eigenen Interesse, den Weg zum Arzt zu finden. Ich habe es immer so erlebt, dass die Ärzte für den Zustand großes Verständnis aufgebracht haben und eine Krankschreibung gar kein Thema war. Eben weil es eine große Erleichterung ist, wenn der Punkt erst einmal geklärt ist. Möglicherweise nehmen sie den Patienten auch ein bisschen mehr an die Hand und kümmern sich intensiver, eben damit die Schwelle zur Behandlung niedriger ist.


    Wie du schreibst, wurde deinem Kollegen mehrfach auch von Arbeitgeberseite entgegengekommen bzw. Hilfe angeboten. Er möchte diese nicht annehmen. Das kann tausend Gründe haben. Ein für mich durchaus plausibler und naheliegender: Er möchte mit dieser Firma nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun haben. Vielleicht hat er Probleme am Arbeitsplatz in sich hineingefressen und der berühmte Tropfen hat das Fass zum Überlaufen gebracht? So lange er sich nicht äußert, sind das alles Mutmaßungen.


    Was für dich wichtig ist: Abgrenzung. Vom Kollegen und seiner Krankheitsgeschichte - das bist nicht du. Aber auch von den Kollegen - mit all ihren verletzenden, vielleicht sogar reißerischen oder dümmlichen Aussagen, haben deine BR-Kollegen nicht dich als Person angegriffen.Wenn man selbst die Betroffenenperspektive kennt, ist das nicht einfach, aber umso wichtiger für dich.


    Ich kann dein Gefühl der Enttäuschung durch den Arbeitgeber zu gut nachfühlen. Das ist der Hauptgrund, warum ich selbst nach knapp 10 Jahren Betriebszugehörigkeit bei meinem Ausbildungsbetrieb gehe. Ich bin zutiefst enttäuscht, dass man sich nach außen als Familienunternehmen darstellt, wo alles so toll ist und sich alle so wohlfühlen, wo jeder akzeptiert und geschätzt wird, wo man sich aufeinander verlassen kann, wo Vertrauen ein Grundwert ist... Die Realität ist eine andere und während ich das hier so aufliste, könnte ich glatt ko... :-X


    Auch bei meinem Noch-Arbeitgeber ist der Betriebsrat ein zahnloser Tiger. Selbst wenn die mal einen Einwand vorbringen, findet ein Meinungsaustausch mit der Geschäftsführung statt - der BR geht mit seiner Meinung in die Besprechung und mit der der GL wieder heraus. Kannst du glatt knicken. Die Stimmung ist mies, in Teilen des Unternehmens desolat, alles wird totgeschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Der BR ist involviert, müht sich nach Kräften ab und sucht ausnahmslos immer den Weg des geringsten Widerstandes. :(v


    Ich habe 1,5 Jahre mit mir gekämpft, ob ich weitermachen kann, will, soll. Im letzten halben Jahr dreht sich die Spirale immer schneller abwärts. Man verliert an Ansehen, an Marktanteilen. Konsequenzen? Fehlanzeige! Spricht es ein Mitarbeiter an, wird der nicht ernstgenommen und als Querulant angesehen...:|N

    Im Nachhinein hätte ich viel früher etwas für mich tun sollen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich dir sagen, dass du für dich herausfinden solltest, ob (und ggf. auch wie lange) du damit klarkommst, wenn deine wichtigsten Werte augenscheinlich schon länger mit Füßen getreten werden. Ich kann das nicht (mehr). Ja, ich werde weniger verdienen. Ja, es ist auch aufgrund der wirtschaftlichen Situation gerade nicht so einfach zu wechseln. Ja, ich habe ab Juni noch keine Anschlussbeschäftigung.

    Aber weißt du was? Ich habe mich schon eine Ewigkeit nicht mehr so gut gefühlt wie im Moment. Nimm dir die Zeit und schau in dich rein, was da eigentlich gerade passiert. Ich bin mir fast sicher, dass die Story mit dem Kollegen nicht der Hauptgrund ist.

    Ich kann den Umgang mit dem Kollegen ehrlich gesagt verstehen. Er wurde mehrfach angeschrieben, legt kein Attest vor, fehlt schon so lange unentschuldigt und alles was kommt ist eine WhatsApp, dass er Depressionen hat. Es gibt sicher viele Arbeitgeber, die nicht so lange Geduld hätten.

    Ich hab selber eine psychologische Erkrankung und zwinge mich auch momentan jeden Tag mit Magenschmerzen zur Arbeit und versuche irgendwie durchzuhalten. Aber wenn ich unentschuldigt ewig lange fehlen würde, dann hätte ich vollstes Verständnis für eine Kündigung.

    ich finde es nicht gut, dass du dich „geoutet“ hast. deine kollegen können oder wollen langfristig damit nicht umgehen. das öffnet den tratschtanten tür und Tor und nicht unbedingt zu deinem Vorteil.


    dein Arbeitnehmer hat nunmal die Pflicht sich krank melden zu lassen. durch eine Einweisung, beim hausarzt, facharzt, etc.


    ich finde du kannst nicht die Welt retten.

    Ich kann hier beim besten Willen keinen unfairen Umgang mit dem depressiven Kollegen erkennen.


    Im Gegenteil, woanders wäre er längst gekündigt.

    Shinnok schrieb:

    Ich kann hier beim besten Willen keinen unfairen Umgang mit dem depressiven Kollegen erkennen.


    Im Gegenteil, woanders wäre er längst gekündigt.

    Seh ich genauso.

    Limose schrieb:
    Shinnok schrieb:

    Ich kann hier beim besten Willen keinen unfairen Umgang mit dem depressiven Kollegen erkennen.


    Im Gegenteil, woanders wäre er längst gekündigt.

    Seh ich genauso.

    sehe ich auch so

    Drei Monate ist doch mehr als genug um zum Arzt zu gehen, er kann ja wohl schlecht mit schweren Derepressionen nur zuhause rumsitzen? Also mir kommt das alle komisch vor.

    Bei schweren Derepressionen wird er doch automatisch durch Hausarzt, Neurologe, Klinik Tagesklinik krank geschrieben, eine Klinik regelt sowas doch mehr oder weniger für einen automatisch.

    Ich finde das auch einen aus AG Sicht klaren Fall. Das schreibst du ja auch selbst.


    Und von der pragmatischen Seite betrachtet: Klar kann der BR einen Vorschlag machen, damit seine Mitglieder ein gutes Gewissen haben und der Schwarze Peter da bleibt wo er hingehört, nämlich beim AG. Aber was sollte das bringen? Was würde sich für den Kollegen ändern? Er reagiert nicht! Er wird weiterhin nicht reagieren! Ihr könnt ihm nicht helfen!


    Und wenn der Kollege im Betrieb nicht völlig überflüssig ist, dann müssen jetzt schon seit Monaten andere Kollegen seinen Ausfall auffangen. Der AG muss an alle seine MA denken, nicht nur an einzelne.


    Und schließlich: Was dir vorschwebt ist so ähnlich wie wenn man einen Alkoholkranken deckt. Da wird immer davon abgeraten. Vielleicht ist der Schuss vor den Bug das Einzige was jetzt noch hilft. Und wenn das nichts hilft hilft wohl auch nichts anderes.

    Ich bin kein Fan von BR, da es oft um Machtprahlerei und viel zu viel um Kleinpolitikkriege geht.


    In diesem Fall, so wie du ihn schilderst, finde ich hat euer BR immerhin die richtige Entscheidung getroffen.

    Allerdings:

    Der moralische Job des BR wäre es gewesen, persönlichen Einsatz zu zeigen, den Kollegen zu kontaktieren.


    Ein BR sollte aber auch konsequente Haltungen einnehmen, wenn sich ein Kollege nicht korrekt verhält und das bedeutet auch, gegen Mitarbeiter zu entscheiden!

    Ich hätte mir an deiner Stelle gewünscht, dass der BR klare Kante bezieht, der Kündigung zustimmt und dem Team eine gesonderte Kommunikation gegeben hätte.

    Stillschweigend hinzunehmen haben sie sich schön aus der Affäre gezogen :-| unangenehme Entscheidungen war immer die pöööhse GF...


    Es liegt Fehlverhalten vom Kollegen vor. Wer sich 3 Monate nicht meldet, unentschuldigt fehlend, hat wenig Interesse an der Arbeitsstelle und dem Team. Auch schwer Depressive oder deren Angehörige müssen sich in solchen Fällen melden.

    Ihr seid die Wege zur Lösung gegangen, die es arbeitsrechtlich gibt.

    Eine Firma ist kein Garant für lebenslange Arbeitstätigkeit und das wäre vollkommen ausser der Verhätlnismässigkeit.


    Was wäre das ein Signal für alle anderen, wenn der BR solches Nichtmelden duldet? Was wäre das für ein Signal für die Teamkollegen, die der BR "hängen lässt"?


    Was du daraus machst... Mein Rat: Wechsel die Perspektiven in diesem speziellen Fall, du scheinst persönlich stark eingebunden zu sein durch deine eigene Krankheitserfahrung. Dadurch entgehen dir vielleicht noch andere Wahrheiten, die du momentan nicht siehst (Kollege will gekündigt werden, Team ist froh richtigen Ersatz zu bekommen, Warnschuss für den Kollegen sich professionelle Hilfe beim Arzt zu holen).


    Die blöden Kommentare zu Depressionen von den BR-Kollen sind absolut mies :(v das spricht nicht für ein gutes Klima bei euch.


    Ich würde nicht das Handtuch werfen an deiner Stelle, ich würde mir Kollegen suchen, die moralisch ähnlich ticken wie du und versuchen ein Gegengewicht zu bilden.

    Sei die Veränderung, die du dir wünschst. Momentan scheinst du persönlich beleidigt und reagierst mit Rückzug.


    Du könntest bei dem nächsten Fall mit ähnlicher Konstellation dich doch persönlich mehr einbringen, selbst Kontakt zu den Betroffenen und dem Team suchen und deine "Energie" darein setzen, den Fall gut abzuschliessen.


    Alles Gute für dich *:)

    Liebe TE,

    Deinen Frust hast Du Dir hoffentlich ordenltich von der Seele scheiben können. Ich will mal meine Meinung darlegen, auch wenn es etwas Gegenwind für Dich ist.

    Alias 973105 schrieb:

    Ich bin in Betriebsrat in einer großen Weltfirma, eine angeblich ach so soziale Firma, derzeit auch Systemrelevant, also auch nicht durch Corona bedroht.

    Klingt nach guten Voraussetzungen, um sozial mit den Mitarbeitern umzugehen.

    Alias 973105 schrieb:

    Der Kollege war jahrelang ein guter Mitarbeiter, hatte wenig Fehltage und hat seinen Job zufriedenstellend erledigt. Es gab keine Beanstandungen. Irgendwann muss bei besagtem Kollegen etwas Schlimmes passiert sein, plötzlich häuften sich die Fehltage und seit 3 Monaten fehlt er leider unentschuldigt und reagiert auf nichts mehr. Sein Briefkasten quillt völlig über, wie sich sorgende Kollegen berichten die ihn besuchen wollten. Nachdem der Arbeitgeber per Whatsapp um Rückmeldung gebeten hat und eine Frist gesetzt hat, bis wann er sich melden solle, weil man sonst aus Sorge die Polizei einschalten würde (völlig normales Prozedere, es kann ja was passiert sein), meldete sich der Kollege kurz per Whatsapp zurück, dass er an schweren Depressionen leide.

    Er hat seinen Job zufriedenstellend erledigt? Deine Schilderung klingt danach, als hätte er seine Arbeit gerade so geschafft. Das klingt nach Schulnote 4...

    Er fehlt unentschuldigt 3 Monate und der AG macht das 3 Monate mit? Hut ab, manche AG hätten ihn nach einer Woche gekündigt, fristlos.

    Alias 973105 schrieb:

    Es folgten weiter Abmahnungen, das Angebot mit dem BR, der Personalabteilung etc.. zu sprechen, er reagierte nicht.

    Ok, bei schweren Depressionen erklärbar. Aber es gibt nun einmal Regeln, Gesetze, etc. Auch ein an Depressionen erkrankter Mensch hat diese einzuhalten bzw. mit den Nachteilen zu leben, wenn er sie nicht einhält oder einhalten kann.

    In den 3 Monaten hätte er sich Hilfe holen müssen, egal wie. Irgendwer hätte dafür sorgen müssen, dass er den minimalen Verpflichtungen nachkommt.

    Scheinbar hat er niemanden, der ihm dabei helfen konnte. Das ist sehr traurig.


    Alias 973105 schrieb:

    Die Meinung aller BR-Kollegen: Er ist alt genug, er kann zum Arzt gehen und sich ein Attest holen! Wir sind nicht seine Freunde, wir sind ein Organ des BR und müssen uns an die Fakten halten. Fakt ist, dass der Arbeitgeber kündigen will. Wir können dem Kollegen nicht helfen, da er nicht auf Briefe, Anrufe und Nachrichten reagiert!

    Hier zeigt sich, dass der BR nicht willens ist, sich mit dem Einzelschicksal eines MA auseinander zusetzen. Auf der einen Seite haben sie Recht: wenn der MA keine Hilfsangebote annimmt ist die Geduld irgendwann am Ende. Auf der anderen Seite moralisch verwerflich.

    Jetzt kenne ich die Situation nur aus Deiner Schilderung, aber es scheint so, als wollte der BR sich hier nicht weiter um den Fall kümmern.

    Alias 973105 schrieb:

    Damit war das Thema für die Kollegen durch. Es sind noch mehr Sätze gefallen zum Thema Depressionen, die ich hier gar nicht wiedergeben will und kann, es triggert mich extrem!

    Ok, die Kollegen haben keine Ahnung von Depressionen und glauben, jemand mit Depressionen drückt sich nur vor der Arbeit. Das ist zu tiefst verstörend und ein Armutszeugnis für Deine Kollegen.


    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du zu einem normalen Umgang mit Deinen BR-Kollegen zurückfindest.

    tzuisc schrieb:

    Drei Monate ist doch mehr als genug um zum Arzt zu gehen, er kann ja wohl schlecht mit schweren Derepressionen nur zuhause rumsitzen?

    Öhm, ist das nicht gerade Kennzeichen einer schweren Depression? Diese absolute Antriebs- und Tatenlosigkeit? Den Gang zum Arzt für die Krankschreibungen haben meine Bekannten in diesen Fällen zwar immer geschafft, aber ansonsten saßen sie tatsächlich monatelang tatenlos zu Hause, sind zusehends "verlottert" und waren absolut unfähig, ihr Leben alleine wieder in den Griff zu kriegen.


    tzuisc schrieb:

    Bei schweren Derepressionen wird er doch automatisch durch Hausarzt, Neurologe, Klinik Tagesklinik krank geschrieben, eine Klinik regelt sowas doch mehr oder weniger für einen automatisch.

    Dafür muss man doch aber erstmal zum Arzt gehen und sich überhaupt auf eine Therapie einlassen.

    Ich sehe es wie sentera .


    Man hätte den Kollegen vielleicht von Betriebsratsseite aus nochmal kontaktieren können, ob er da dann geantwortet hätte, bleibt fraglich.

    Aber Fakt ist, es geht einfach nicht, 3 Monate lang unentschuldigt in der Arbeit zu fehlen, irgendwann mal eine Whatsapp zu schreiben und dann wieder auf Tauchstation zu gehen.

    Mein Arbeitgeber hätte sich das sicherlich nicht so lange bieten lassen.

    Auch, wer schwer depressiv ist, muss es auf sich nehmen, sich zu melden und mitzuteilen, wie und was das werden soll, eine Krankmeldung abgeben, zur Not muss er Angehörige bitten, aber IRGENDWAS muss passieren.

    Wier Du schreibst wurde dem Kollegen mannigfaltiges angeboten, geschrieben.... wenn er auf nichts reagiert, dann muss auch er irgendwann mit den Konsequenzen leben.

    Sentera hat recht, welches Zeichen setzt das für den Rest der Belegschaft ? Bleib weg solang Du willst, komm wieder wenn es Dir passt ? Das geht einfach nicht, es gibt einfach Regeln und die gelten für alle.


    Ich denke, das größere Problem ist, dass Du das alles zu sehr auf Dich selbst beziehst, weil auch Du an Depressionen erkrankt bist, das tut mir leid für Dich.

    Aber Du musst in Deiner Eigenschaft als Betriebsrat berufliches und privates trennen können und auch sehen, dass es in diesem "Weltkonzern" noch sehr viele andere Mitarbeiter gibt, die sich solche Nummern nicht erlauben könnten / dürften.


    Sieh zu, dass Du das Thema nicht auf Dich und Deine Person beziehst, es geht um jemand anderen. Und dann überleg Dir, ob es für Dich so weiterhin sinnvoll ist, im Betriebsrat zu bleiben.