Fehlende Mutterliebe - seit Jahren. Ich kann nicht mehr!

    Guten Abend!


    Ich habe mich in letzter Zeit öfters durch verschiedene Foren geklickt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich hier ein Thema eröffnen werde. Im Vergleich zu anderen Foren machte es den Eindruck als würde man hier nicht direkt verurteilt werden.


    Um auf den Kern des Themas zu kommen, muss ich erstmal ein bisschen ausholen.
    Mein Mann und ich kennen uns seit der Schulzeit, sind relativ jung Eltern geworden und waren immer eine ganz normale Familie. Unsere Töchter haben sich prächtig entwickelt, wir hatten keine Probleme und konnten auch unsere beruflichen Ziele verfolgen. Mein Mann war zwar beruflich viel unterwegs und deswegen war ich hauptsächlich für die Erziehung zuständig, aber das war für uns alle immer in Ordnung. Es war wirklich alles perfekt. Unsere Töchter haben dann irgendwann ihre eigenen Ziele verfolgt, sind ausgezogen und ich habe mich schon ein bisschen gefreut. Es bedeutete einfach mehr Zeit für mich, für meine Träume und Ziele und natürlich auch mehr Zeit für meinen Mann. Ich bin dann aber mit Mitte 40 nochmal völlig unerwartet schwanger geworden. Es war für mich ein Schock aber mein Mann war direkt total begeistert und hat sich gefreut. Ich habe mir dann auch lange Zeit versucht einzureden, dass alles gut ist und wir das schaffen. Es wurde nie gut und mit jedem weiteren Tag der Schwangerschaft habe ich das Kind immer mehr abgelehnt. Ich wollte es einfach nicht und konnte mir nicht vorstellen nochmal Mama zu werden. Ich habe es niemandem erzählt, weil ich dachte, es wäre falsch so zu denken. Die Geburt war für mich das Schlimmste, ich hatte währenddessen einen Nervenzusammenbruch und ab da fing eigentlich das Schlimme an.

    Ich habe meinem Mann davon erzählt und er hatte anfangs gar kein Verständnis dafür. Sie ist seit Tag 1 seine Prinzessin, sein Ein und Alles und er geht in seiner Vaterrolle noch mehr als bei unseren erwachsenen Töchtern auf. Es wurde nur von Tag zu Tag schlimmer und man konnte mich mit ihr nicht alleine lassen.
    Ich bin mittlerweile in Therapie, wir machen auch eine Familientherapie und seit einigen Jahren auch eine Paartherapie, weil unsere Ehe sehr darunter leide. Es wird nur nicht besser. Sie ist jetzt 12 Jahre alt und seit 12 Jahren hat sich bei mir nichts geändert. Mein Kopf weiß, dass sie MEIN Kind ist, aber von den Gefühlen ist sie einfach nur EIN Kind.

    Ich habe mittlerweile auch keine Kraft mehr zu den Therapien und Gesprächen zu gehen, weil sie mich belasten. Es bringt mich nicht weiter und fühlt sich für mich total nutzlos an.


    Ich weiß nicht mehr was ich noch tun soll. Ich versuche seit 12 Jahren mein Bestes zu geben und probiere alle Möglichkeiten und Angebote aus damit es besser wird. Es wird aber einfach nicht besser und ich bin mittlerweile total am Ende.

  • 429 Antworten
    Zitat

    Ich bin mittlerweile in Therapie,

    Und mehr Hilfe wirst Du hier nicht bekommen können. Mir tut Deine Tochter leid.

    Tut mir leid, das muss sehr belastend für dich sein.

    Bist du denn in der Therapie genauso ehrlich wie hier, also traust du dich zu sagen „ich habe keine Muttergefühle“?

    Manchmal schämt man sich ja und redet daher um den heißen Brei rum.


    Bist du trotz allem glücklich in deiner Ehe? Bleibst du nur aus Pflichtgefühl bei Mann und Kind?


    Wie war die Gefühlsebene mit deinen anderen Kindern und wie ist sie jetzt?

    Hattest du nach dem Auszug deiner Kinder schon Pläne die dann durch deine neuerliche Schwangerschaft geplatzt sind? Machst du unterbewusst dein Kind dafür verantwortlich?

    Ich finde es ok, so (wenig) zu fühlen. Du bist dadurch nicht automatisch ein schlechter Mensch. In meiner persönlichen Meinung, tust du sehr viel, damit sich deine Gefühlslage ändert, vorausgesetzt du betreibst Therapie mit ernster Absicht.


    Ich habe da etwas andere Ansichten über Mutterliebe, die mit dem Mainstream nicht konform gehen. Aber konkrete Frage an dich: in wie weit "schadest" du deiner Tochter in deinen eigenen Augen? bitte nicht antworten, was die Gesellschaft sagen würde.

    Wieso musst du fühlen, dass es "dein" Kind ist? Ist diese Unterscheidung wichtig für dich?

    Vielleicht kannst du dich von diesen Gedanken "Muttergefühle" entwickeln zu müssen lösen, denn es sieht so aus als kämen diese einfach nicht mehr und du quälst und stresst dich nur sinnlos.


    Betrachte dich doch selbst deiner Tochter gegenüber als eine liebevolle Partnerin, oder eine Art Patin, die ihr auf Augenhöhe mit Respekt begegnet, ihr trotzdem viel mit auf den Weg gibt und sie mit Wertschätzung durchs Leben begleitet.


    Das schafft zwar eine andere Art von Nähe, aber dein Kind profitiert bestimmt sehr und du darfst dich wieder freier fühlen.


    Es ist wie es ist, du hast alles getan.

    Deine Kleine hat einen tollen Papa der sich ihr ganz und gar zugehörig fühlt und eine tolle Mama, die sich ihren Problemen stellt und eben eine andere Art von Beziehung mit ihrem Kind führt.

    Ich rede in der Therapie über meine Gefühle und Gedanken ganz offen, aber dennoch habe ich das Gefühl die Therapie ist nutzlos.


    Es ist mittlerweile sehr sehr schwierig in meiner Ehe. Ich liebe meinen Mann, aber wir haben viele Probleme. Ich bleibe aber nicht bei den beiden nur, weil ich mich dazu verpflichtet fühle.


    Ich bin bei unseren erwachsenen Töchtern total in meiner Mutterrolle aufgegangen. Ich war zwar noch jung, aber hatte trotzdem alles im Griff. Wir haben bis heute ein sehr gutes Verhältnis. Ich bin mittlerweile sogar schon Oma und gehe auch in dieser Rolle auf.

    Plüschbiest schrieb:

    Hattest du nach dem Auszug deiner Kinder schon Pläne die dann durch deine neuerliche Schwangerschaft geplatzt sind? Machst du unterbewusst dein Kind dafür verantwortlich?

    Ich hatte zwar keine direkten Pläne, aber habe mich trotzdem gefreut mehr Zeit für andere Dinge zu haben und nicht den ganzen Tag Mama zu sein.

    Ich mache unterbewusst ehrlich gesagt meinen Mann dafür verantwortlich. Es ist mir bewusst, dass es dumm und unfair ist.

    Weiß deine kleine Tochter denn, dass du sie nicht liebst? Eventuell sogar als „Problem“ wahrnimmst?


    Ich finde, man muss keine Mutterrolle haben, um eine liebevolle Beziehung zu führen. Man kann auch eher freundschaftlich daran gehen. Magst du deine Tochter denn als Mensch?

    Die Frage die ich mir spontan stelle:

    Ist es nicht eher die Mutterrolle die Du "nicht liebst", als dass Du Dein Kind nicht liebst?

    Ist diese Differenzierung in der Therapie schon mal Thema gewesen?

    sentera schrieb:

    Ich finde es ok, so (wenig) zu fühlen. Du bist dadurch nicht automatisch ein schlechter Mensch. In meiner persönlichen Meinung, tust du sehr viel, damit sich deine Gefühlslage ändert, vorausgesetzt du betreibst Therapie mit ernster Absicht.


    Ich habe da etwas andere Ansichten über Mutterliebe, die mit dem Mainstream nicht konform gehen. Aber konkrete Frage an dich: in wie weit "schadest" du deiner Tochter in deinen eigenen Augen? bitte nicht antworten, was die Gesellschaft sagen würde.

    Wieso musst du fühlen, dass es "dein" Kind ist? Ist diese Unterscheidung wichtig für dich?

    Ich schade meiner Tochter, weil ich mich nicht für sie interessiere. Ich kann mich einfach nicht mit ihr beschäftigen, kann keine Gespräche mit ihr führen oder mit ihr über ihre Hobbys reden. Das überfordert mich direkt. Ich bekomme direkt Panikattacken, wenn ich mich um sie kümmern soll. Außerdem bekommt sie natürlich mit, was los ist und sieht, wie ich mit meinen erwachsenen Töchtern umgehe oder wie ich mit meinen Enkelkindern umgehe. Das ist die Art von Liebe, die ich ihr nicht geben kann.

    Hallo Kati :-),

    du bist nicht die Einzige in dieser Situation, auf diesem Planeten, definitiv nicht. Ich würde dir jetzt gerne auch das Gefühl geben, damit nicht alleine (oder irgendwie unnormal) zu sein, aber das geht nicht, denn ich bin halt männlich, kinderlos und vor allem schon immer kinderwunschlos. Aber als unbetroffen-außenstehender (dreifacher) Beobachter muss ich eben einfach feststellen: dieser mystisch-überhöhte Mutterbullshit ist eines der letzten großen Tabus in unseren Gesellschaften. Eine Frau, die keine Kinder will - naja, okay, bitte, zähneknirschend. Aber eine Frau, die ein Kind hat und einfach nicht glückselig-grinsend das zughörige Emotionspaket entwickelt - Inbegriff des Bösens. Du hast zwei Kinder gehabt und sie mutternormgerecht geliebt, das dritte wurde dir aufgedrängt und das Band hat sich nicht nochmal entwickelt. Es gibt prinzipiell keinen Grund sich dafür rechtfertigen zu müssen. Diese ganze belastende Situation, die sich daraus entwickelt hat, sie wird sich bewältigen lassen. Da wirst du hier bestimmt hilfsbereite und verständnisvolle Menschen finden und wenn nicht hier, dann halt woanders. Aber ignoriere bitte das Pack, welches sich unter dem Vorwand des Kindeswohls entrüstet und ein bisschen profilieren will. Okay ?:)*

    Der Einfluss der Eltern auf die endgültige Entwicklung der Nachfahren wird gemeinhin auch ein wenig überschätzt, wenn du mich fragst.

    Ich bin aber keine Partnerin, Patin oder Freundin für sie, weil ich nicht für sie da sein kann. Ich kann mich nicht mit ihr beschäftigen oder mich für sie interessieren. Es geht mir ehrlich gesagt jedes Mal besser, wenn sie gerade nicht da ist oder ich nicht da bin. Ein bisschen wie "aus den Augen, aus dem Sinn".

    Golddust schrieb:

    Weiß deine kleine Tochter denn, dass du sie nicht liebst? Eventuell sogar als „Problem“ wahrnimmst?


    Ich finde, man muss keine Mutterrolle haben, um eine liebevolle Beziehung zu führen. Man kann auch eher freundschaftlich daran gehen. Magst du deine Tochter denn als Mensch?

    Wir gehen auch mit ihr zusammen zur Therapie und deswegen weiß sie was los ist. Sie bekommt natürlich auch im Alltag vieles mit und auch wie ich beispielsweise mit meinen anderen Töchtern umgehe. Sie sieht und merkt da natürlich den Unterschied.


    Es ist für mich schwierig mich für sie zu interessieren oder mich mit ihr zu beschäftigen.

    Bellaisadonna schrieb:

    Die Frage die ich mir spontan stelle:

    Ist es nicht eher die Mutterrolle die Du "nicht liebst", als dass Du Dein Kind nicht liebst?

    Ist diese Differenzierung in der Therapie schon mal Thema gewesen?

    Das war auch schon mal Thema in der Therapie. Es kommt einfach alles zusammen. Ich will die Mutterrolle nicht, ich empfinde mein eigenes Kind oftmals als störend etc. Das kann man nicht so differenzieren welches Problem, da am größten ist.