@ Seestorm

    Einerseits schreibst Du sinngemäß es bestünde gar kein Grund zur Angst, weil, was sollte eine Frau Dir schon tun. Andererseits ist es aber eine "Bedrohungslage", wenn Dir eine zu nahe kommt. Also hast Du ja doch Angst vor etwas. Und sei es nur vor dem eigenen Kontrollverlust. Ich würde an Deiner Stelle herauszufinden versuchen, welches "Schreckensszenario" Deiner Angst (ich würde es schon als Phobie bezeichnen) zugrunde liegt. Manche Ängste/Phobien haben völlig irrationale, unlogische Gründe, und da muss auch nie irgendetwas schlimmes in der Vergangenheit passiert sein (Missbrauch oder so). Eine Angst vor dem Bahnfahren z. B. hat auch eher selten wirklich mit der Bahn was zu tun.

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    interessant das Angst ansprichst. Wovor soll ich welche haben? Was soll die denn mir tun, als mich mit Wimperntusche oder Lippenstipft anmalen??

    Mein erster Gedanke beim Lesen deines Eingangsbeitrages war auch, dass Angst dahinter liegen könnte. Wenn z.B. ein Trauma vorliegt, dann kann es passieren, dass das Gehirn die Netzwerke aus einer Zeit aktiviert, in der eine Situation eine reale Bedrohung war, und man das dann auch so empfindet, obwohl es heute absolut nicht mehr der Fall ist. Angenommen also, eine Frau hätte dir was Schlimmes angetan, als du klein und wehrlos warst, dann kann es sein, dass du bei Begegnung mental wieder in diesen Zustand zurückgehst und dein Organismus quasi nicht mehr wahrnimmt, dass du älter und jetzt einen Kopf größer bist als sie. Möglich ist das. Aber du hast geschrieben, dass die Therapeuten, bei denen du warst eben das schon vermutet haben und nichts dabei rausgekommen ist...insofern ist fraglich ob die dritte tiefenpsychologische Therapie da neue Erkenntnisse bringt. Vielleicht wäre es eine Option, mal eine Verhaltenstherapie zu versuchen? Da arbeitet man eher damit, die Symptome so zu mildern, dass sie dich im Alltag nicht so belasten. Auch so was wie Konfrontationstherapie würde wohl eher da hinein passen. (Ich stelle mir vor, dass es besser wäre es im therapeutischen Kontext zu versuchen als im Bordell).


    Es klingt auf jeden Fall ziemlich anstrengend und ich wünsche dir, dass du einen Weg findest, dass es sich verändert.

    Seestorm, verstehe ich das richtig: Du masturbierst nicht, also nicht nur "nicht im Gedanken an Frauen", sondern tatsaächlich überhaupt nicht, hast kein Interesse an Orgasmen und keins an Männern, sagst aber, irgendwann sei Dein Interesse an Frauen erwacht und damit zugleich die Abwehr gegen sie, das Distanzbedürfnis?
    Inwiefern ist denn da sexuelles Interesse an Frauen? Wenn ich Dich jetzt nicht missverstanden habe und Du wirklich nicht masturbierst, klingt das ja eher nach Asexualität als nach Heterosexualität, und damit würdest Du zwar nicht auf Männer stehen, aber eben auch nicht auf Frauen?

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    [...]

    Wenn der TE das selbst als Problem sehen und eine Lösung suchen würde, und wenn "bitte nur Weiße" erkennbar darauf gemünzt wäre, dass er nicht möchte, dass sich Schwarze durch seine Schilderung verletzt fühlen, er dann aber sachlich auf die Beiträge derer reagieren würde, die sich in seinem Faden als Schwarze zu erkennen geben, würde ich den Faden sehr ähnlich einordnen wie diesen hier.

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    Das ist erstmal grundsätzlich schön, das du das so siehst. Würden das erstmal alle so sehen, dann würds mir ein wenig besser gehen. Da sprechen aber die Blicke jener angeranzten was anderes.

    Wenn du meinst... Für mich ist schwer nachvollziehbar, dass man sowas persönlich nehmen würde. Die kennen dich ja nicht. Ich wohne in der Innenstadt und da laufen schon manche Gestalten rum. Wenn einer so grundlos vor sich hin pöbelt, denkt man sich, "ok, ein Geisteskranker" und geht weiter. Warum sollte man sich mit so jemand großartig beschäftigen? Wäre für mich zumindest die normale Reaktion.

    Zitat

    nd wenn die Person für das Verhalten nix kann, es nicht beeinflussen kann, dann ist das erstmal so.

    und genau das glaube ich Dir nicht. Ich glaube Dir aber, dass Du das glaubst. Selbst wenn man in den Bereich Konditionierung oder von mir aus Abwehr sieht, gibt es da Aufbruchsmöglichkeiten. Die aber eine Intention, eine intrinsiche Motivation voraussetzen und diese kann ich bis jetzt (sic!) bei Dir nicht erkennen.

    Du würdst doch zum Beispiel hier auch ganz anders schreiben, wenn Du nicht wüsstest, dass das nicht geht, schau' Dir Dein Eingangsposting mal an....


    Deine Schreibe wird nun immer gemäßigter, weil Du Dich auf die Leser bzw. Akteure einstellst, oder? Das zeigt zumindest ansatzweise eine Selbstkontrolle bezüglich aggressiver Reize. Die man auch in's RL übertragen könnte- intrinsische Motivation vorausgesetzt.

    Nach den vielen Antworten des TE auf verschiedenste Beiträge stelle ich mir die Frage, ob es überhaupt um eine reale Geschichte geht oder um eine erfundene Geschichte und nun kommt man aus den verschiedenen Verzweigungen nicht mehr hinaus.


    Ich sehe es so: ein Mann lebt bereits drei Jahrzehnte in unserer Umwelt, nicht in einem kleinen Gebirgsdorf sondern scheinbar in Stadt und aufwärts. Er kommt mit anderen Menschen zusammen. Ob ein Beruf ihn von Frauen fernhält oder nicht, das war noch nicht zu lesen oder irgendwo gut versteckt.


    Das eigene Verhalten wird zwar wahrgenommen, auch als Hindernis in der Umwelt wahrgenommen. Das dieses eigene Verhalten zu Konsequenzen der Umwelt, sprich andere Menschen, führen könnte, das wird entweder nicht gesehen oder der Hinweis weder verstanden noch als Bedrohung interpretiert.


    Wer will, der kann Zeitungen aus der Zeit vor 110 Jahren lesen, also um 1900 herum. Nach den damaligen Verhältnissen in Deutschland wäre er vermutlich längst ein toter Mann, denn ein beleidigter Ehemann hätte ihm ein Messer zwischen die Rippen gejagt. In einem Zeitungsjahrgang findet man ein Dutzend solcher Tathergänge. Die Zeiten haben sich geändert, zum Glück. Aber von solchen Vorgängen liest man auch heute immer wieder mal.


    Meine Ansicht: wenn ein Verhalten ausreichend oft Nachteile für den Betreffenden bringt, dann ändert er sein Verhalten unter diesem Druck oder erlässt es aus Bequemlichkeit und/oder eigener Antriebsschwäche sein und ist im ungünstigen Fall eines Tages tot.

    Hey Seestorm,

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    Eben es geht um sowas wie Sicherheit. Welche auch immer?! Interessant das Angst ansprichst. Wovor soll ich welche haben? Was soll die denn mir tun, als mich mit Wimperntusche oder Lippenstipft anmalen?? Bin schließlich von der Muskelmasse der überlegen. Gut man kann jetzt spekulieren, was wen vor wen schützen soll. Kann auch zu meinem Schutz dienen, das ich nicht erst in die Lage kommen würde, mich körperlich verteidigen zu müssen. Aber dazu müsste die resp. jede ein Messer oder sowas in Händen haben. Hat keine. Also Angst vor was? Das ich die nur bei Seite schubsen brauch, wenn die nichtmal ne Waffe in Händen hält? Schutz vor Verletzung, Entäuschung oder Ablehnung, wenn ich nichtmal Interesse an der habe? Das passt irgendwie nicht so zusammen. Aber wie schonmal erwähnt helfen Spekulationen nicht weiter.

    Ich sage es mal so: An einem Punkt an dem das vorangegangene nicht passt/funktioniert, können Spekulationen durchaus wegweisend sein. Ich meine, es wird kein spezialisierter Psychologen-Superman hier auftauchen und deinen 'Systemfehler' finden. Zumindest ist es unwahrscheinlich, da du dich hier in einem Laienforum befindest - auch wenn ich dir wünschen würde das jemand dem Nagel auf den Kopf treffen und dir eine Lösung aufzeigen könnte. :)z


    Angst ist ein Urinstinkt der sich bei einer Phobie vollkommen verstelbstständigt. Wenn du, ganz klassisch, an Spinnenphobie denkst hast du das Gleiche Bild wie du des uns zeichnest (und ich mal weiterspinne):


    Spinne im Raum: Unwohlsein


    Sichtkontakt mit Spinne: Schlimmer


    Spinne kommt auf einen zu: Fluchtinstinkt


    Spinne ist nah: Panik


    Spinne berührt einen: Zusammenbruch


    Bleiben wir mal bei der Spinne: Die meisten haben nie schlechte Erfahrungen mit Spinnen gemacht. Das sie Menschen nicht behagen ist ein Urinstinkt (könnte giftig sein, könnte beißen) und erstmal normal. Die Phobie übersteigert das Ganze.


    Es ist egal wie groß die Spinne ist oder ob sie sich bewegt und auch wenn man weiß das sie viel kleiner ist und nicht wirklich gefährlich werden kann, kommt Panik. So wie du beschrieben hast das du durchaus weißt das dir eine Frau körperlich nicht gefährlich werden kann.


    Ich versuche dich im übrigen nicht zu überzeugen, sondern dir zu erklären welche Parrallelen zu Angst und Phobie ich bei dir zu erkennen meine.


    Wenn du selbst schon einmal über Konfrontation nachgedacht hast: Hast du es einem deiner Psychologen schon einmal vorgeschlagen? Da gibt es ganz sicher Möglichkeiten.


    Die Idee mit dem Bordell ist nicht verkehrt, allerdings versteh ich warum du das nicht möchtest. Strange wäre es schon. Besser wäre da wirklich eine stabile Frau die vorher schon über deine Situation bescheid weiß und sich offen darauf einlassen könnte. Wenn du einen besten Freund hast wäre zum Beispiel dessen Freundin, je nach psychischer Stabilität, recht gut. Zum einen hättest du einen gewissen Dämpfer für dich, weil es die Freundin deines Freundes ist, zum anderen hättest du die Sicherheit das ein Stop wirklich ein Stop ist.


    Ich glaube so eine Erfahrung würde dir selbst guttun, damit du dich austesten kannst und im Anschluss weißt, wie weit dein Gefühl geht und ob es sich vielleicht nicht wirklich so einfach lösen lässt. In jedem Fall wäre es ganz gut damit du für dich besser erfühlen kannst, wo das Problem liegt.

    Zitat

    Die aber eine Intention, eine intrinsiche Motivation voraussetzen und diese kann ich bis jetzt (sic!) bei Dir nicht erkennen.

    Die intrinsische (von innen kommende) Motivation muss ja sein, dass er ENORME Probleme mit dem Verhalten hat und auch immer wieder bekommt - in quasi allen Bereichen des Lebens: Freunde, Familie, Arbeit, Einkaufen, Arzt, öffentliches Leben. Seine Alternativen sind also nur: soziale Isolation. Entweder zuhause oder nach Fremdgefährdung in der Psychiatrie oder nach Übergriffen im Knast.


    Er kann seine Umwelt nicht derart kontrollieren, dass ihm Frauen nicht auch mal näher als 2-3 Meter ranrücken, zumal im ÖPNV. Bis Armlänge muss er einfach aushalten und seine Angst, die dann zu Flucht oder (verbalem) Angriff führt, einfach aushalten. Naja, und sich auch einfach mal am Riemen reißen. Und sonst: "Entschuldigung, das ist mir etwas zu nah." Höflichkeit, Bitten/Wünsche äußern, Antiaggressionstraining, gerade auch verbal, also gewaltfreie Kommunikation, das sollte auf seinem Trainingsplan stehen. Und ich stimme dir zu: hier klappt's doch auch.

    @ Seestorm

    Mein Vorschlag mit dem Kloster (oder eben so eine Art Männerhaus / Männerwohngruppe, was immer es da gibt) war ganz ernst gemeint, als der Einsamkeit entkommen, die du dir selbst auferlegst, und erstmal wieder sozialen Umgang praktisch üben. Und auch: fremde Regeln annehmen, sich in ein soziales Konstrukt einfügen. Externe Kontrolle aushalten, auch mal einstecken müssen, Sozialverhalten üben, Demut, Reue, Buße, geschlechtsunabhängig. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass dein Problem wirklich so geschlechtsspezifisch ist.


    Und mal ganz platt gesprochen: wer die Nähe von Frauen nicht erträgt, der hat auch weder Sex (zumindest mit Frauen), noch hat er Kinder.


    Außerdem glaube ich, dass du Männervorbilder brauchst: gefestigte, souveräne Männer, die ihr Selbstwertgefühl nicht aus der Unterdrückung anderer holen. Weder von anderen Männern, noch von anderen Frauen. Männer, die sich sehr sozial verhalten. Dann kannst du zumindest durch Imitation lernen.


    Eine vorstellbare Grund-Theorie von mir übrigens: zuhause als Kind überbehütet, Helikoptermutter, unterdrückter/willensschwacher Vater, Seestorms eigene Wünsche immer gegen andere durchsetzen können (oft mit Hilfe der Mutter), damit geringe Konflikte gehabt und schlecht geübtes Konfliktverhalten, aber an einem bestimmten Wendepunkt das "Ich räum dir alles aus dem Weg"-Verhalten der Mutter als dermaßen bevormundend empfunden haben, dass dies nun als Angst/Rache/Hass an allen Frauen zurückkommt. Nein, dass soll dein Verhalten nicht entschuldigen, ist nur so ein Erklärungsversuch, den ich mir zurechtgelegt habe. Seestorm, natürlich ist auch dein Wollen da wichtig, in der gesamten Gesellschaft irgendwie zurechtzukommen, bei psychischen Erkrankungen behält auch der Patient viel Eigenverantwortung.


    Bei einer fortwährenden selbstgewählten Isolation kann ich mir in deinem weiteren Leben Dinge in Richtung Fremdgefährdung oder Übergriffigkeit als Resultat vorstellen. ??(Erhöhtes Risiko zu Frauenmörder, Triebtäter)?? Daher solltest du IMHO Leute um dich rumhaben. Und z.B. auch für deinen Sexualtrieb irgendeine gesellschaftskonforme, rechtskonforme Lösung parat haben.

    Angst hat aber nicht nur den Ausgangsweg Flucht, sondern auch den Ausgangsweg, wenn Flucht nicht hilft oder nicht möglich ist -> es gibt nix mehr zu verlieren -> und dann kommt nach der Panik: Angriff anstatt Zusammenbruch oder Kapitulation! Auf die Spinne: mit Erschlagen der Spinne.


    Und diesen Ausgang wählt er ja auch immer mal wieder: (mindestens verbaler) Angriff auf die weiblichen Personen. Er sagt, er will es nicht, aber er tut es ja. Vielleicht auch mal: Wegschieben der Frauen, um den Abstand zu vergrößern. Was er aber dann ggf. als Verteidigung auslegt, ist aus Sicht der Frau eine Bedrohung, weil diese sich ihrer Bedrohlichkeit im speziellen Fall (Frauenangst) gar nicht bewusst war.

    @ Mobula

    Sicherlich, aber das gilt ja gestestet zu werden.


    Sein Plan eine Frau immer ein Stück näher an sich heran kommen zu lassen und das Gefühl jeweils auszuhalten ist doch ein Einsatz. Die Bereitschaft dazu bringt er ja mit.


    Es geht ja nicht darum eine Frau unkontrolliert auf ihn zurennen zu lassen um ih maximal unter Druck zu setzen.

    Da hätte ich ne andere Idee, die ihm einfach gleich weniger Kontrolle gibt. Von hinten nähern sich Personen, die entweder Männer oder Frauen sein können, aber er weiß es nicht und muss es aushalten. Der Trick dabei ist, die Geschlechtspezifität erstmal rauszubekommen und dass er akzeptiert: es gibt Sachen, die kann ich nicht kontrollieren, aber muss ich auch nicht. Ich kann von einem Wohlwollen der anderen Person ausgehen. Vertrauen in fremde Menschen.


    Was mir außerdem nicht gefiel, war die Verachtung von Frauen (dort: Prostitiuerten/Sexarbeiterin, also in einem selbst psychisch schwierigen Umfeld), die in seinem Plan steckte. Auf jeden Fall braucht er da recht wehrhafte Frauen (verbal wie nonverbal), wenn er seine Sozialexperimente so machen will. Gruppenpsychotherapie unter Aufsicht, oder so, fiele mir dann eher ein.